Der beste schlechte Film auf Netflix

Ich habe meine kleine, im Beitrag Eine Latte von schlechten Filmen begonnene Expedition ins Reich der unterirdischen Filme ein bisschen fortgesetzt.

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Wider Erwarten unterhaltsam!

Und zwar mit dem vermeintlich schlimmsten Film, den ich auf Netflix überhaupt finden konnte: Lesbian Vampire Killers. Der Film entpuppte als verblüffend unterhaltsam. Zum einen war die ganze Sache mit den lesbischen Vampiren längst nicht so peinlich wie befürchtet. Zum anderen sind die beiden «Helden», und da vor allem der gescheiterte Clown Fletch (James Corden) so unverkrampft albern («Next time he’ll have me bummed by a big gay werewolf I swear»), dass man die 88 Minuten locker durchhält.

Ausserdem verrät uns IMDB, dass die hirnrissige Geschichte deswegen entstanden ist, weil die beiden Autoren Stewart Williams und Paul Hupfield sich der Herausforderung gestellt haben, «sich den dümmsten und gleichzeitig kommerziellsten aller Titel auszudenken. Die Antwort war ‹Lesbian Vampire Killers›, und so haben sie halt das Script geschrieben.»

Eine beglückende Erfahrung auf meiner Reise durch die Abgründe bei Netflix. Anders als Harold & Kumar (unter Schmerzen erträglich, da in Anflügen Kritik an George W. Bushs Terror-Paranoia erkennbar ist), Alles erlaubt – eine Woche ohne Regeln (grauenhaft), Wir sind die Millers (Wirklich nur aus Pflichtgefühl gegenüber diesem Blog und meiner Recherche – Jennifer Aniston ist unterirdisch, nur Will Poulter vermochte mir ein Lächeln abzugewinnen), Nicht noch ein Teenie-Film! (Zu viele Figuren, zu wenig Inspiration, kaum wirklich gelungene Gags, aber immerhin ein Anreiz, Cruel Intentions noch einmal zu sehen), Staten Island sommer (Klamaukig, aber zu wenig auf den Punkt) und Wet Hot American Summer (mag sein, dass man den lustig findet, wenn man selbst in einem US-Sommercamp war. Ich war das nicht und ich fand ihn nicht lustig).

Halbwegs okay war zu guter Letzt auch S.H.I.T. – Die Highschool GmbH. Der Film startet als konventionelle Teenie-Komödie und schafft am Ende die Kurve zu einer lauten Anklage gegen das amerikanische Bildungssystem, das von Konkurrenzkampf, finanzieller Ausbeutung, Prestigedenken geprägt ist und den Wissensdurst und jeden Anflug von Kreativität von Kreativität im Keim erstickt. Ich kenne das amerikanische Bildungssystem nicht aus eigener Anschauung, aber was ich davon gehört habe, lässt die Kritik als stichhaltig und plausibel erscheinen. In einem Teeniefilm den obligaten Klamauk mit authentischer Gesellschaftskritik zu verbinden, ist ein lobenswerter Ansatz und hier gelungen – auch wenn es leider nicht fürs Prädikat «grossartig schlecht» reicht.

Bleibt, an dieser Stelle auf den Film hinzuweisen, der IMHO noch heute als einer der besten Jugendfilm überhaupt gelten darf. Das ist natürlich The Breakfast Club (Wikipedia/IMDB), leider nicht bei Netflix zu finden. 1985 erschienen, hat er mich schon damals beeindruckt, als ich ihn in den Neunzigern zum ersten Mal gesehen habe. Und nachdem mich eine (laue) Parodie in «S.H.I.T.» dazu brachte, ihn mir noch einmal anzusehen, werde ich ihn hier gerne als grossartigen Schlussakkord dieses Blogposts stehen lassen…

Autor: Matthias

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Ein Gedanke zu „Der beste schlechte Film auf Netflix“

  1. Wir sind die Millers war für mich eine der besten Komödien des Jahres!

    Und vor allem, wie kannst du “Nicht noch ein Teenie-Film!” nicht gut finden? Der Film ist mit Abstand einer der witzigsten Filme aller Zeiten!

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