Die Kunst des Hashtaggings

Ich bin bekennender Metadaten-Fanatiker. Sie sind der Schlüssel, um die eigenen digitalen Medien in den Griff zu bekommen. Sie sind auch unverzichtbar zur Kontrolle überbordender Kommunikation auf den sozialen Medien – nicht zuletzt, weil man sie stummschalten kann.

140611-hashtag.jpg
Der richtige Hashtag ist (eine) Kunst. (Bild: vandalog/Flickr.com)

Nun haben die Hashtags einen Nachteil: Man kann die Leute nicht zwingen, sie konsistent und sinnvoll einzusetzen. Da gibt es die Leute, die quasi jedes zweite Wort verhashtaggen (gäll, Melzi). Da gibt es die Typen, mittels eines tendenziösen Hashtags einem vermeintlich neutralen Tweet einen «spin» verleihen (dazu gehöre ich). Ein Problem, mit dem auch seriöse Hashtagger kämpfen, ist die Wahl des massgeblichen Tags. Das haben wir beim European Song Contest sehen können. Viele haben #esc verwendet, andere #esc14, wiederum andere #srfesc. Mein Favorit wäre #cedlc gewesen (für Concours eurovision de la chanson), aber damit wären meine Tweets mutmasslich nur von Lys Assia und von Peter, Sue & Marc rezipiert worden.

Kurz vor der Fussball-WM in Brasilien stellt sich die Frage nach dem korrekten Hashtag-Gebrauch dringlicher denn je. Die Brasilianer verwenden #VaiTerCopa, aber vor allem um ihrem Frust über die elitäre Ausrichtung des ganzen Anlasses zum Ausdruck zu bringen. Im deutschsprachigen Raum ist #wm14 oder #wm2014 eine nahe liegende Wahl, aber wenn man die Absicht hat, einen Tweet mit globalem «Impact» abzusetzen, müsste man auch einen Tag mit globalem «reach» verwenden. Die Fifa in ihrer (Selbst-)Herrlichkeit legt uns @FifaWorldCup nahe – was mir entlarvend scheint, da der Verband inzwischen offenbar wichtiger ist als die Sportart. Ritetag.com schlüsselt auf, dass die meisten Leute einfach #worldcup oder #brazil verwenden. Mir als altem Pedant ist das aber nicht spezifisch genug. Nachvollzieh- und eingrenzbar scheint mir #brazil2014 – wenn es da nicht auch noch #brasil2014 gäbe.

Man sieht: Der reinste Wildwuchs. Der auch nicht eingedämmt werden wird, solange Twitter keine Hashtag-Polizei einführt oder einen Automatismus kreiert, der Ordnung in die Hashtags bringt: Beispielsweise, indem einem Individual-Hashtag wie #wm2014 automatisch der übergeordnete Tag #brazil2014 beigefügt würde. Der würde dann alle Tweets zum Thema bündeln und es Leuten erlauben, mit einer einzigen Stummschaltung in Ruhe gelassen zu werden, wenn sie mit dem ganzen Trara um König Fussball nichts zu tun haben wollen.

Ein Tipp am Rand: Zur Suche nach spezifischen Hashtags verwende ich gerne tagboard.com. Die Site macht eine schöne grafische Auswertung im Pinterest-Stil, wie man am Beispiel des Hashtags #velorunde sehen kann…

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Kommentar verfassen