Warum man besser selber bloggt

Eine Frau Wyss hat mir neulich ein Mail geschrieben, in dem sie mir folgendes Angebot machte:

Hätten Sie Interesse daran, einen Gastbeitrag auf Ihrer Website zu veröffentlichen, der einen Text-Link zurück zu der Website unseres Kunden beinhaltet?
Unser Kunde ist ein namhafter Online Casino Anbieter.
Der Artikel ist gut geschrieben, informativ, unterhaltsam und einzigartig. Ich wäre auch gerne bereit, Ihnen einen Betrag für die Platzierung zu bezahlen.

Kein Interesse. Das Motto dieses Auftritts lautet schliesslich: «Hier bloggt der Chef persönlich».

Gastbeiträge können das Google-Ranking gefährden.

Wenig später trudelte das Mail einer Frau Weyershausen ein. Sie schrieb folgendes:

Einen schönen Guten Tag,
Vorab möchte ich für diese informelle Anrede entschuldigen.
Ich bin auf der Suche nach Webmastern, welche Interesse daran haben, Gastbeiträge auf ihren Seiten zu veröffentlichen und bin bei dieser Suche auf Ihre Seite gestoßen.
Die Beiträge enthalten eine Text Link zu unserem Kunden, welcher in dieser Kampagne ein namenhafter (sic) Online Casino Anbieter ist.

Ich begann, ein Muster zu erkennen. Und stellte mir die Frage: Werden solche Beiträge denn jemals veröffentlicht? Und wenn ja, von wem?

Solche Fragen können, wir ahnen es, von einer Suchmaschine namens Google hervorragend beantwortet werden. Ich suchte mir also zwei Beispielsätze aus den angebotenen Texten heraus. Im einen ging es um Online-Marketing:

Innocent ist ein großartiges Beispiel. Was als kleines Randunternehmen began (sic), katapultierte sich diese Firma in die sozialen Medien, und auch beim Verkauf an Coca Cola…

Der zweite Beitrag beschäftigt sich mit Angestellten, die ihre Zeit im Netz verschwenden:

Eine durchgeführte Studie (von Voco Unternehmensberatern) hat erstaunliche Zahlen ans Licht gebracht, bezüglich darauf wie Angestellte ihre Zeit verbringen.

Ich verkneife mir die Bemerkung, dass das Adjektiv «durchgeführt» komplett nutzlos ist, da nicht durchgeführte Studien auch keine erstaunlichen Resultate ans Licht bringen können und google los:

Meine Befürchtung, nun auf Tausende von Fundstellen zu treffen, ist zum Glück unbegründet. Wenige Fundstellen gibt es. Der Artikel zur Zeitverschwendung wurde vom «P.T. Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft» veröffentlicht. Das hat sich sogar die Mühe gemacht, das holperige Deutsch zu redigieren. Der Beispielsatz lautet hier nämlich:

Eine von den Voco Unternehmensberatern durchgeführte Studie hat erstaunliche Zahlen ans Licht gebracht, im Bezug darauf, wie Angestellte ihre Zeit verbringen.

Hätte man diese Zeit nicht besser verwenden können?

Ein Herr Adler, der sich seltsamerweise in einem meiner Google+-Kreise befindet (aber nicht mehr lange), hat den Text veröffentlicht. Eine weitere Fundstelle verweist auf einen Beitrag von Stephan Sperling, der wie folgt antwortet:

Selber Hallo!
Natürlich haben wir kein Interesse, einen Gastbeitrag auf unserer Website zu veröffentlichen, der einen Text-Link zurück zu der Website ihres Kunden beinhaltet!
Erst recht nicht, wenn ihr Kunde ein namhafter Online Casino Anbieter ist.
Der Artikel ist einfach schlecht geschrieben, nicht informativ, nur aufgrund seiner miesen Übersetzung unterhaltsam und einzigartig und ich wäre nicht bereit, für einen mickrigen Obolus das Ranking meiner eigenen Seite zu riskieren.
Ist das eventuell von Interesse für Sie?

Sperling verweist auch auf das obige Video, in dem Google-Antispammer Matt Cutts (ein interessanter Podast mit ihm gibt es hier) begründet, weshalb solche Gastbeiträge das Google-Ranking gefährden können. Fazit: Da hat der namenhafte Online-Casino-Anbieter seinen Spam definitiv in die falsche Slot-Machine gesteckt.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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