Der Rede wert

Das Programm Synchronizer von Aborange nutze ich, seit ich Datensicherungen mache. Und weil ich früher zum Backupper wurde als zum Blogger, bin ich wahrscheinlich noch nie auf die Idee gekommen, das Programm ausführlich vorzustellen. Denn ein Instrument, das man seit Jahr und Tag klaglos nutzt, scheint irgendwie nicht der Rede wert.

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Die zu bewegenden Dateien.

Dabei ist doch genau das ein Grund, es einmal prominent zu erwähnen. Denn Synchronizer macht genau das, was es soll. Und es hat obendrein umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten. Was es allerdings nicht hat, ist eine fancy Benutzeroberfläche. Das Programm sieht so aus, wie Windows-Shareware-Programme ausgesehen haben, als noch niemand von Tablets, Apps, Flat Design und anderem neumöödigem Zeug geredet hat. (Apropos Oberfläche: Via Extras > Einstellungen kann man zwischen Standard und Office 2003 wählen. Von Office 2003 ist indes dringend abzuraten.)

Die Idee ist die übliche: Das Programm stellt Gleichstand zwischen zwei Verzeichnissen her. Das heisst: Die Dateien, die im einen Verzeichnis nicht oder in älterer Form vorhanden sind, werden kopiert. Nach der Aktion hat man in beiden Verzeichnissen die gleiche Zahl an Dateien des gleichen Inhalts.

Bei diesem Abgleich können beide Verzeichnisse gleichberechtigt sein. Dann werden Daten in beide Richtungen kopiert. Falls von einem Dokument zwei unterschiedliche Varianten vorhanden sind, gewinnt die mit dem neueren Änderungsdatum.

Bi- oder unidirektional
Es auch möglich, nur in eine Richtung abzugleichen. Dann werden die Dateien, die nur im Quellverzeichnis vorhanden sind oder die im Quellverzeichnis neuer sind, ins Zielverzeichnis kopiert. Dateien, die nur im Zielverzeichnis vorhanden sind, sind dann wahrscheinlich verwaiste Dateien, die im Quellverzeichnis gelöscht wurden, weil man sie nicht mehr haben will. Entsprechend möchte man sie sehr oft auch im Zielverzeichnis gelöscht haben. Synchronizer bietet in den Profileinstellungen eine Option an, diese Dateien zu löschen. Man kann sie aber auch behalten.

Synchronizer verwendet so genannte Profile. Sie enthalten quasi die Aufgaben, die man jeweils gerne in einem Rutsch erledigt haben möchte. Profile werden als einfache Textdateien auf der Festplatte gespeichert, geladen und ausgeführt. Ein Profil kann nicht nur ein, sondern mehrere Verzeichnispaare enthalten. Unterordner werden jeweils automatisch mitsynchronisiert, wobei es möglich ist, in der Verzeichnisauswahl Ausnahmen zu definieren.

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Verzeichnisauswahl – inklusive Ausnahmen.

Das sind Dateien oder Unterordner, die nicht berücksichtigt werden. Ausnahmen können pro Verzeichnis oder profilweit erstellt werden. Typischerweise schliesst man die Dateien von der Synchronisation aus, in denen Windows Metainformationen speichert, beispielsweise desktop.ini, Folder.jpg, AlbumArtSmall.jpg und AlbumArt_*.*. An denen sind der Windows Explorer und der Media Player schuld. Sie legen dort Icon-Anordnungen und zur Beschleunigung der Anzeige auch die Coverart von Musikdateien ab. Wer eine Ablage auch mit einem Mac nutzt, der begegnet Dateien wie .DS_Store, ._.DS_Store oder ._Cache, an denen der OS-X-Finder schuld ist. Die braucht man unter Windows nicht, also sollte man sie als Ausnahme hinterlegen. Man kann auch sehr grosse Dateien ausschliessen, beispielsweise .vdi-Festplattenimages, die man separat nach Bedarf synchronisieren möchte.

Verwaiste Dateien
In den Profileinstellungen legt man fest, ob Dateien anhand von Datum und Uhrzeit des Änderungsdatums verglichen werden oder nur anhand des Dateinamens. Eine inhaltliche Vergleichsmöglichkeit gibt es nicht. Man legt fest, ob die Synchronisation von 1 nach 2, von 2 nach 1 oder bidirektional erfolgt. Die Option Dateien und Ordner im Zielverzeichnis löschen, die nicht im Quellverzeichnis vorhanden sind habe ich bereits erwähnt. Ich nutze sie, um alte Dateien von meiner Backup-Festplatte zu löschen. Ich verwende (dank der File History von Windows 8 allerdings nicht mehr ausschliesslich), eine Batch-Datei für die Datensicherung, die beim Herunterfahren des Computers geänderte Daten automatisch auf dem Raspberry-Pi sichert. Da diese Sicherung anhand der Dateiattribute erfolgt, bleiben gelöschte Dateien auf dem Backup-Medium zurück und werden dort via Synchronizer gelöscht.

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Optionen für alle Konstellationen.

Es gibt in den Profileinstellungen die Option Windows nach Synchronisation herunterfahren, die den Computer nach getaner Arbeit automatisch beendet, sodass man längere Synchronisationen unbeaufsichtigt ausführen kann. Die Synchronisation lässt sich protokollieren, wobei Fehler standardmässig ins Log geschrieben werden. Es gibt an dieser Stelle auch die Option Synchronisationsrichtung umkehren, die per se sinnvoll, in Kombination mit der Option zur Löschung verwaister Dateien allerdings ein Risiko ergibt: Denn wenn man die Synchronisationsrichtung versehentlich umkehrt, dann löscht man in seinem eigentlichen Quellverzeichnis die «einsamen» Dateien – und das sind die neu erstellten. Also die, an denen man geben noch gearbeitet hat!

Um eine Aufgabe auszuführen, klickt man auf Synchronisieren – dann sollte man sich allerdings sicher sein, dass alles richtig konfiguriert ist. Ansonsten führt man mit Vergleichen erst einmal nur die Analyse durch. Synchronizer zeigt dann erst einmal die Vergleichsliste an, in der man alles prüft und, wenn die Konfiguration stimmt, die Synchronisation durchführt. Die Vergleichsliste zeigt standardmässig alle Dateien an, was bei heutigen Datenmengen aber meist sehr unübersichtlich ist. Man kann die Liste daher entsprechend den Anforderungen filtern und beispielsweise nur die Unterschiede anzeigen lassen. Nicht nur das: Man kann auch die abweichenden Dateien auf Laufwerk 1 bzw. 2 ansehen, Dateien analysieren, die nur auf dem einen und/oder nur auf dem anderen Laufwerk vorhanden sind und sich leere Verzeichnisse auflisten lassen – so bekommt man meiner Erfahrung nach eigentlich alle Konstellationen in den Griff, die einem so begegnen können. Um einfach nur die verwaisten Dateien auf dem Backup-Laufwerk zu löschen, wähle ich die Filter In nur einem Verzeichnis vorhandene Dateien und In Verzeichnis 2 aktualisierte/neue Dateien – und sehe dann genau, was entfernt wird.

Schnellere Sync, schneller Support
Synchronizer ist mit 29 Euro nicht ganz billig, aber das Programm überzeugt. Es arbeitet nicht nur zuverlässig, sondern auch schnell (um Welten schneller als File Synchronization, sein Pendant für OS X). Im Extras-Menü richtet man eine zeitgesteuerte Synchronisation ein – und schliesslich gibt Entwickler Mathias Gerlach auf Anfragen jeweils blitzschnell Auskunft. Auch das ist etwas wert.

Das einzige Haar in der Suppe, das ich gefunden habe, sind die Probleme mit Netzwerklaufwerken, die keinen Laufwerkbuchstaben haben. Ich habe im Windows-Explorer das HTML-Verzeichnis meines Webservers per FTP eingebunden. Damit kommt Synchronizer nicht klar – was aber auch das Problem von Windows sein könnte. Nun verwende ich FTPuse, um Backups meines Webservers zu machen.

Fazit: Klar, Dropox ist sehr viel pflegeleichter. Aber so lange man sich nicht gänzlich von der lokalen Datenspeicherung verabschiedet hat und dennoch mit mehreren Geräten, einem NAS oder einem Notebook/Dektop-PC-Gespann operiert, ist Synchronizer allemal ein sehr nützliches Programm…

Autor: Matthias

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