Wie die Musik am komfortabelsten strömt

Im Tagi habe ich ausführlich über Google Play Music und über die vielen Streaming-Dienste geschrieben, mit denen man sich inzwischen die musikalische Dröhnung geben kann. Ich bin seit einiger Zeit eingefleischter Spotify-Nutzer und werde das auch bleiben. Die Apps und die soziale Einbettung gefällt am Schwedischen Dienst ausgezeichnet.

Ausgematcht?
Ob iTunes Match verlängern werde, ist allerdings fraglich. Jetzt, wo man bei Google eine sehr ähnliche Funktion fast gratis erhält, sind die 35 Franken pro Jahr schwer zu rechtfertigen.

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Ansehnlich: Die Präsentation der Musik im Browser.

Für iTunes Match spricht die nahtlose Integration in iOS, beim Apple TV und in iTunes am Desktop-Computer. Für Google die Flexibilität. Man kann am Computer seine Musik mit irgend einem Player anhören und verwalten. Der Abgleich mit dem Musiklager in der Cloud findet über den Music Manager statt, der einfach alle Titel aus dem Ordner hochlädt, dem man ihm angibt. Er ist da auch überhaupt nicht wählerisch und verfrachtet beispielsweise auch die Hörbücher in die Cloud, sofern die kein DRM haben.

Lokal angelegte Wiedergabelisten bleiben logischerweise auf der Strecke. Auch ist mir nicht klar, wie Google mit den Metadaten verfährt. Manche Alben erscheinen mit einem anderen Cover als in meiner lokalen Sammlung und diverse Titel haben gar kein Cover, sondern nur ein Standardsymbol. Meine Bewertungen konnte ich nicht entdecken. Google verwendet auch nicht die sonst üblichen null bis fünf Sterne, sondern lediglich eine Daumen hoch- und eine Daumen-runter-Taste. Damit lässt sich nicht viel anfangen, denn man kann nicht zwischen Songs unterscheiden, die man gern hört, die man liebt und ohne die man nicht mehr leben kann. Auch die Verwaltungsmöglichkeiten sind bescheiden. Es gibt keine Möglichkeit, Songs nach Kriterien wie Genre, Entstehungsjahr oder Komponist zu filtern. Und die Schnellmixe würfeln die Titel komplett willkürlich durcheinander, so weit ich sehe.

Raum für Verbesserungen beim Song-Management
Kurz: Die Verwaltung ginge viel besser – aber das gilt generell für die Clouddienste. Ich warte darauf, bis endlich einer der Dienste die Songs mit zusätzlichen Informationen wie Stimmung, passende Anlässe oder den Lyrics anreichert. Oder meinetwegen auch mit dem Aufnahmeort, dem Namen des Tonmeisters und der des Produzenten. Vielleicht würde es neue Horizonte eröffnen, wenn man die Songs hören würde, die im gleichen Studio oder vom gleichen Tonmeister aufgenommen wurden. Oder die das Wort «Sonne», «Revolution» oder «Fusssohle» im Text enthalten. Gut, vielleicht würde das auch gar nichts bringen. Aber eine Sortierung nach dem Produzenten wäre garantiert interessant. Und wer wollte nicht schon auf Knopfdruck die tanzbaren Songs aus seinem Fundus filtern? Oder die, die sich besonders gut für Liebeskummer eignen?

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Der Uploader verfrachtet die ganze Musik in die Cloud – hochgeladen werden aber nur die Stücke, die Google nicht im eigenen Store hat. (Das sind in diesem Fall die Tracks ab Udo Lindenbergs Album «Götterhämmerung»)

Was das Optische angeht, gefällt mir die Präsentation im Browser bei Google Play ganz gut. Zu bemängeln ist – natürlich –, dass es nach wie vor keine iOS-App von Google gibt. Ich habe diesbezüglich letzte Woche bei Google nachgefragt und folgende Antwort bekommen:

Wir arbeiten an einer iOS App für Play Music und hoffen, diese baldmöglichst zu lancieren. Momentan haben wir aber nichts anzukündigen.

Auch verbesserungsfähig ist die Wiedergabe selbst. Es dauert mitunter mehrere Sekunden, bis die Wiedergabe eines Songs startet. Spotify kann das besser und auch bei Microsofts Xbox Music-Dienst springt ein Titel viel schneller an als bei Google.

Amazon ist am günstigsten
Beim Musikkauf werde ich beim iTunes Store und bei Amazon bleiben – bei Amazon wegen der günstigen Preise und bei Apple aus Gründen der Faulheit. Stücke über die iTunes Store-App oder aus Shazam heraus zu kaufen, ist unschlagbar simpel. Bei Google halte ich die Preise für relativ teuer. Ich habe zwar nur einige wenige Stichproben gemacht, aber die fallen nicht zu Googles Gunsten aus.

Beispielsweise das Album «36 Grad» von 2raumwohnung: Bei Amazon berappt man 9,89 Euro fürs Album bzw. 99 Cent pro Song. Bei iTunes kostet das Album als Ganzes 16 Franken und der einzelne Song ist für 1.60 Fr. zu haben. Bei Google kommt man fürs Album zwar günstiger weg als bei Apple (14,99 Franken), aber der einzelne Song ist mit 1.99 Fr. sehr teuer. Ich habe auch diesbezüglich bei Google nachgefragt und folgende (Nicht-)Antwort bekommen:

We aim to be competitive in our pricing. It’s good that consumers have a range of music services to choose from.

Fazit: Ein Webdienst, der was taugt, hat eine gute Vorschlagsfunktion. Und eine gute Vorschlagsfunktion hätte mir schon längst das Album Tostaky von Noir Désir Tostaky vorgeschlagen. Wie konnte mir das 21 Jahre lang entgehen?!

Autor: Matthias

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