Wo kein Podcast zuvor gewesen ist

Bei der Suche nach Podcasts bin ich neulich auf den Trekcast gestossen und mich sogleich gewundert, weswegen die Trekker sich nicht schon vor Jahren auf dieses Medium gestürzt haben. Die Trekker sind die Nerds unter den Nerds und müssten doch eigentlich von der Möglichkeit angetan sein, ihr Sendungsbewusstsein auf audiophonem Weg durch die ganze vereinigte Föderation der Planeten strahlen zu lassen. Der Realist in mir widersprach und meinte: Was gäbe es heute denn noch über eine fast fünfzig Jahre alte Serie zu sagen? Abgesehen von einem neuen Kinofilm läuft im Star-Trek-Universum schliesslich nichts Neues mehr.

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Wieso macht er eigentlich keinen Podcast? (Bild: Gage Skidmore/Flickr.com)

Ich habe mir also eine Folge des im Januar 2012 gestarteten Trekcasts angehört und muss sagen: Leider langweilig. Ich bin es leid, wenn Podcasts erst einmal mit einer zwanzigminütigen Selbstreflexion anfangen, die sich in diesem Fall darum dreht, ob die Sendung nun eine Stunde oder sechs Stunden lang sein soll. Die Macher sagen, sie würden eine Stunde anstreben, bemühen sich aber kaum um eine kompakte Präsentation (Resultat: 1 Stunde 48 Minuten). Auch nach dem Vorgeplänkel steigt die Spannung nicht. Die Sendung wird an den Bluray- und DVD-Neuveröffentlichungen aufgehängt. Es ergibt sich dann eine lange Diskussion über die Veröffentlichungstermine der neuen Staffelfolgen, über das Bonusmaterial und die Gepflogenheiten im Einzelhandel. Die Ausführungen über das Broker- oder intermediäre Geschäft ist nicht völlig uninteressant. Aber ich bin für das gute alte Motto: In medias res!

Kann mir jemand sagen, worum es hier geht?
Wenn es dann endlich um das eigentliche Thema geht, nämlich um den Zweiteiler «Der Kampf um das klingonische Reich», dann gibt sich niemand die Mühe, eine Zusammenfassung der Handlung zu liefern. Die könne man ja im Netz nachlesen. Wenn ich gerade beim Putzen oder Velofahren bin und die Story nicht präsent habe, wird man von der folgenden Diskussion ausgeschlossen. Die Sendung richtet sich somit an die Leute, die die besprochene DVD-Box gekauft und gesehen haben – und da gehöre ich nicht dazu.

Gibt es Star-Trek-Podcasts, die man sich anhören könnte? Ich bin daraufhin bei Secrets of Star Trek gelandet. Dieser Podcast stammt von einem Network namens SQPN, was mir nichts sagte und mich erst nicht interessierte. Als im Podcast mehrfach das Wort «Kirche» gefallen war, habe ich auf sqpn.com nachgelesen, dass diese Organisation im Namen der Catholic Church unterwegs ist, Missionare in die Welt schickt und die Botschaft eben auch unter den Trekkern verbreitet. Es gibt übrigens auch Podcasts zu Disney, dem Hobbit und Harry Potter. Da ist ein Schema zu erkennen.

Nun ist es eine Tatsache, dass ich Missionare nicht mag. Jemanden zu bequatschen, wie toll doch der eigene Glaube sei, ist kein guter Stil und nicht hilfreich. Wenn man so tolle Dinge tut, dass die ganze Welt profitiert, jeder glücklich ist und auf seine Kosten kommt, dann strömen die Leute von allein herbei. Und wenn nicht – dann ist das eigene Rezept vielleicht doch nicht so grossartig, dass man es der ganzen Welt überstülpen müsste?

Die Katholiken sind die Romulaner unter den Ferengi. Oder so ähnlich.
Als neugieriger Mensch habe ich nicht gleich abgeschaltet, sondern weitergehört. Der Podcast ist handwerklich recht gut gemacht. Aus einer Convention aus Boston wird ein O-Ton von Leonard Nimoy eingespielt, der sich, charismatisch, humvorvoll und hie und da ein bisschen ironisch über das Thema auslässt. (Einschub: Wieso gibt es seine Autobiografien I am not Spock als Hörbuch in gewissen dunklen Ecken des Internets und I am Spock als Hörbuch bei Amazon, doch nicht bei Audible – zum Henker!) Er erzählt, dass der vulkanische Gruss eine Geste aus dem orthodoxen Judentum stammt – was einem sofort vor Augen führt, wie spannend es sein könnte, Star Trek aus religiöser Sicht zu diskutieren. Mir ist die Bemerkung eines Gesprächsteilnehmers hängen geblieben, die Jesuiten seien die Vulkanier der katholischen Kirche.

Trotzdem werden dieser Podcast und ich keine Freunde werden. Ich will Leute hören, die sich ihrem Thema aus genuinem Interesse widmen, nicht mit einem Hintergedanken. Die Suche nach dem Trek-Podcast ist somit vorerst gescheitert. Macht aber nichts. Es gibt, trotz aller Begeisterung, interessantere Themen für Podcasts.

Autor: Matthias

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Ein Gedanke zu „Wo kein Podcast zuvor gewesen ist“

  1. Hallo Matthias,

    schade, dass dir unser Trekcast nicht gefallen hat.

    Ich will nur kurz zu zwei Aspekten deiner Kritik Stellung nehmen.

    Bei 19 Ausgaben in 1 1/2 Jahren finde ich es schon legitim, dass wir uns zu Beginn der Ausgabe auch mit der Frage beschäftigen, welche Länge wir bei der Aufzeichnung anstreben. Die Frage selbst war bei einer vorigen Ausgabe von Hörern gestellt worden IIRC. Für Stammhörer ist das sicherlich etwas interessanter als für Neueinsteiger, aber soo ewig hat dieser Teil ja denke ich auch nicht gedauert.

    Wir hatten vor der Aufzeichnung überlegt, eine Zusammenfassung der Doppelfolge zu machen und waren uns einig, dass die Hörer die Folge ohnehin alle kennen. Da lagen wir wohl falsch. 🙂

    Aufhänger der Ausgabe war, dass die besagte Doppelfolge “Der Kampf um das Klingonische Reich” Anfang September auf Blu Ray erscheinen wird. Bei der Auskopplung von “Angriff der Borg/Angriffsziel Erde” hatte es zuletzt einen ziemlichen Run auf die Blu Rays gegeben, deshalb wollten wir für diejenigen, die diese Blu Ray interessieren könnte, einen kleinen Ausblick geben, was einen da erwartet.

    Grundsätzlich denke ich, dass Fans, die mit dieser Blu Ray liebäugeln, vermutlich schon die DVDs im Regal stehen haben und die Folge ziemlich gut kennen, deshalb hatten wir auf die Zusammenfassung verzichtet. Aber du hast sicher recht, dass es für die nicht-so-Hardcore-Fans schwieriger ist, der Diskussion zu folgen. Ich nehme das mal als Anregung mit, dass wir nächstes Mal doch wieder eine kurze Zusammenfassung machen.

    Würde mich natürlich freuen, wenn du uns noch eine Chance gibst, aber man kann es halt nicht jedem Recht machen (erst kürzlich war uns vorgeworfen worden, wir wären viel zu wenig Hardcore, selbst nicht-Trekkies könnten uns nach 5 Minuten immer noch folgen… 🙂 )

    Grüße,

    Yann

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