Die Schweizer Presse zeigte sich jahrzehntelang unfähig, Charles Babbage und Ada Lovelace als die Computerpioniere darzustellen, die sie sind. Stattdessen wurden Anekdoten, Klischees und ideologische Deutungen herumgeboten und selbst die grundlegendsten Fakten ignoriert.
Schlagwort: Tech-Premiere
Wann wurde wie das erste Mal über eine Technologie berichtet? Welche Chancen sah man, welche Prognosen gab es für die Erfolgsaussichten und welche Gefahren haben die Medien damals vorausgesagt?
Alan Turing taucht in der Schweizer Presse spät und meist nur als Randnotiz auf. Die Medien brachten ihrem Publikum das Computerzeitalter als Angelegenheit von Militär, Ingenieuren und lebensfernen Wissenschaftlern näher – ein Schicksal, das Turing mit vielen stillen Helden der digitalen Revolution teilt.
1950 war die Schweiz in der technologischen Poleposition: An der ETH Zürich stand der erste kommerzielle Computer weltweit zur Verfügung, die Z4 von Konrad Zuse. Der «Tagesanzeiger» nahm von diesem Umstand Kenntnis – aber er tat alles, um die Bedeutung herunterzuspielen.
Die erstaunliche Wandlung des Avatars: Vom religiösen Begriff wurde er über mehrere Zwischenstationen bei den Multi-User-Dungeons in den 1970er-Jahren zu unserem digitalen Repräsentanten in den sozialen Plattformen und bei Roblox. Ein Pressebericht 1996 nahm viele dieser Entwicklungen treffsicher vorweg.
Zwischen 1964 und 1978 schrieben Zeitungen hierzulande diverse Male über Computerspiele. Bloss ging es dabei nie um das, was wir heute unter einem Game verstehen. Stattdessen wurde der Begriff als Verlegenheitslösung für allerhand Dinge benutzt, für die den Journalisten die Worte fehlten.
Das Autotelefon führte über Jahrzehnte ein Nischendasein, das nur von Taxifahrern und Aussendienstmitarbeitern genutzt wurde. Es brauchte einen nerdigen Zürcher Privatdetektiv, damit die Öffentlichkeit überhaupt Notiz vom kommunikativen Fortschritt nahm.
Dank des digitalen Anno-Archivs der Österreichischen Nationalbibliothek klären wir eine drängende Frage: In welchem der beiden Alpenländer erkannten die Medien den Fortschritt früher? Spoiler: Die Unterschiede betragen teils Hunderte Jahre.
So computerskeptisch die hiesigen Medien auch waren – von einer Erfindung waren sie begeistert: von den tragbaren Rechnern, denen sie 1987 eine steile Karriere voraussagten.
Er ist der Neandertaler unter den digitalen Rechenmaschinen und brachte den Gymnasiasten in den 1980er-Jahren die Basic-Programmierung bei. Die Schweizer Zeitungen nahmen keinerlei Notiz.
Die Dumpfbacken in den sozialen Medien können es sich zwar nicht vorstellen. Dennoch kam das Online-Banking schon vor vierzig Jahren in Fahrt. In der Schweiz gab es untypisch viel Begeisterung – aber auch brutale Ablehnung.
Vor dreissig Jahren kam Windows 95 auf den Markt. Statt aufs Internet hatte der Softwarekonzern voll auf die eigene Online-Plattform MSN gesetzt. Schon vor der Lancierung hatte sich das als Fehler entpuppt.
Positionsmarke, Peilanzeiger, Fadenkreuz, Leuchtpunkt oder doch Lichtpunktzeiger? Wie dieses blinkende Ding auf dem Bildschirm heissen sollte, war in der Schweiz während Jahrzehnten ein Rätsel.