Als Facebook noch eine Unbekannte war

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Facebook: Seit zehn Jahren da und nicht gewillt, wieder zu verschwinden. (Bild: LoboStudioHamburg/pixabay.com, CC0)

Facebook ist 2004 gegründet worden. Hierzulande hat man Ende 2007 angefangen, vom sozialen Netzwerk Notiz zu nehmen. Der Tagesanzeiger hat am 26. September 2007 zum ersten Mal über die Plattform geschrieben: «Facebook entwickelt sich zu einem der gesuchtesten Partner im Internet. Die Plattform ist mit weltweit über 42 Millionen eingetragenen Nutzern nach Myspace die grösste soziale Kontaktbörse.» Wenn man der Mediendatenbank SMD glauben darf, war das erste Medium, das Facebook überhaupt wahrgenommen hat, die NZZ. Claude Settele schrieb dort am 28. April 2006:

Erfolgreich sind auch die Studenten-Plattform Facebook oder Googles Orkut, die fast zu drei Vierteln von Brasilianern bevölkert wird. Hierzulande gehören MSN Spaces, Youths.ch und Meinbild.ch zu den frequentierten Adressen, aufstrebend ist die im Februar gestartete Site Klassenfreunde.ch, die 170 000 Mitglieder zählt.

meinbild.ch gibt es übrigens noch und Klassenfreunde heisst jetzt stayfriends.ch. Ich kann mich erinnern, dass ich die auch irgendwann Ende 2007 auf Facebook gestossen bin. Ich habe die Sache beobachtet, bin irgendwann im Verlauf von 2008 beigetreten und hielt am 27. Oktober 2008 die Zeit für gekommen, Facebook als Tipp der Woche vorzustellen: «Facebook hilft, weltweite Kontaktnetze zu knüpfen», hiess der Titel:

Facebook.com hat sich seit dem Start im Jahr 2004 zu einer der grössten Kontaktplattformen im Web gemausert. Im August feierte der Gründer und Selfmade-Milliardär Mark Zuckerberg den 100-millionsten Teilnehmer. Grösser ist nur Myspace.com, eine vergleichbare Community für Teenager und junge Nutzer.

Es war damals nötig, genau zu erklären, wie die Sache funktioniert:

Als soziales Netzwerk will Facebook Leute zusammenbringen: Freunde, Familienmitglieder, Geschäftspartner oder Unbekannte. Das funktioniert, indem man als Teilnehmer sein Profil als digitale Visitenkarte veröffentlicht. Dazu richtet man ein kostenloses Konto ein und kann nach der Anmeldung mit E-Mail-Adresse und Passwort daran gehen, sein Profil mit Informationen anzureichern.
Dabei stellt sich für frisch gebackene Facebook-Nutzer die Frage, wie viel man von sich preisgeben will. Wer mag, kann nebst den Angaben zu seiner Person auch Fotos, Notizen und Videos online stellen, einen Veranstaltungskalender führen, seine aktuelle Tätigkeit angeben und sogar religiöse oder politische Ansichten spezifizieren.

Und es war unverzichtbar, gute Ratschläge zu geben:

So aufschlussreich grosse Mitteilsamkeit für die Kommunikationspartner ist, sie hat auch Gefahren. Die vielen digitalen Identitäten sind für Facebook wertvoll; sie werden für personalisierte Werbung verwendet: «Facebook kann Informationen in deinem Profil verwenden, ohne dich als Person Dritten zu offenbaren», steht in den Datenschutzrichtlinien. Als Anwender sollten Sie daher genau abwägen, was Sie in Ihr Profil schreiben und was nicht. Lassen Sie sich vom Grundsatz leiten, dass einmal im Internet veröffentlichte Angaben nicht mehr verschwinden, selbst wenn Sie Ihr Profil löschen. Es lässt sich kaum vermeiden, dass irgendwo eine Kopie des Profils erhalten bleibt.
Immerhin ist es so, dass Ihre Angaben nicht für jeden sichtbar sind. Nur Leute mit denen Sie Freundschaft geschlossen haben, sehen Ihre Angaben. Wie Ihr Profil erscheint, können Sie über «Einstellungen > Privatsphäre-Einstellungen» überprüfen und steuern.

Aus heutiger Sicht wirkt das rührend. Wie hätte ich den Text geschrieben, wenn ich geahnt hätte, dass Facebook zu so einem Monstrum mutieren würde? Heute gibt es Leute wie Podcaster Timo Hetzel, der warnt: Facebook schadet Ihrer Gesundheit. Viele bedauern die Verfacebookisierung des Netzes. Dinge, die früher im freien Web zu finden gewesen wären, verschwinden nun in der Gated Community vom Mark Zuckerberg – die Marketingmenschen sprechen in dem Zusammenhang deswegen auch von Gated Content; ein Begriff, der mir ganz gut gefällt.

Und es ist so, dass manche Leute Facebook nicht als Teil des Internets wahrnehmen: Millions of Facebook users have no idea they’re using the internet, sagt dieser Autor hier und führt aus, dass 11 Prozent der Indonesier Facebook benutzen, aber überzeugt sind, keine Internet-User zu sein.

Es gibt viele weitere Probleme mit Facebook, die uns allen noch in den Ohren läuten: Fake-News, Filterblase, Facebook als Demokratiezerstörer und Dominator auf dem Werbemarkt, Facebook als Sargnagel der Medien. Facebook als Grund für Depressionen. Facebook und der Missbrauch von Jugendlichen… Und so weiter. Es gibt sicher diverse Probleme, die ich hier vergessen habe.

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Hätte ich schreiben sollen, man soll die Finger davon lassen?

Um die zehn Jahre ist es her, seit ich selbst Facebook benutze. Ich will die Vorteile nicht bestreiten: Ich pflege Kontakte mit Leuten, die ich im richtigen Leben selten sehe und die ich ohne das soziale Netzwerk vermissen würde. Aber aus gesellschaftlicher Sicht halte ich den Nutzen des Netzwerks tatsächlich für geringer als den vielfältigen Schaden, den es anrichtet.

Und das eigentliche Problem ist, dass die Pflege unserer Beziehung nicht global und zentral von einem einzigen Unternehmen mit fragwürdigen Absichten und dubiosen Motiven geregelt werden sollte. Darum füge ich der Forderung, Google zu verstaatlichen die Forderung hinzu, das auch bei Facebook zu tun: Verstaatlicht Facebook, respektive: Vergemeinschaftlichen wir dieses Monstrum durch einen Staatenverbund – die Uno oder meinetwegen auch eine noch zu gründende Internet-Dachorganisation, die wichtige Ressourcen genossenschaftlich bzw. treuhänderisch für die Menschheit verwaltet.

Wann fangen wir damit an?

Autor: Matthias

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