Sechs Dauerbrenner, drei Todesfälle, elf Verstossene und eine Abbitte

Vor bald einem Jahrzehnt habe ich meine Lieblingspodcasts gekürt. Jetzt komme ich auf meine damaligen Empfehlungen zurück und sage, welche sich bestätigt haben, welche nicht – und wo ich so falsch lag, dass ich mich heute entschuldigen muss.

Beitragsbild: Dick DeBartolo und Leo Laporte bei der Aufzeichnung des Podcasts «The Daily Giz Wiz» anlässlich der Eröffnung der Twit Brickhouse Studios in Petaluma, Kalifornien, am 24. Juli 2011 (Pax Ahimsa Gethen/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

Blogs sind etwas Tolles. Das gilt allgemein, aber es trifft speziell auch auf dieses Blog hier zu. Das schreibe ich ganz unbescheiden, auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass der Nutzen für mich selbst grösser ist als für die Allgemein- oder gar die Menschheit.

Also, es gibt einen bestimmten Grund, warum ich mein Blog gerade so toll finde. Ich habe nämlich den Beitrag Durchlauferhitzer für Podcasts wiederentdeckt. In dem habe ich im Dezember 2013 die Podcasts aufgezählt, die ich damals abonniert hatte. Das erlaubt es mir nun, ein bisschen persönliche Geschichtsschreibung zu betreiben: Welche Podcasts von dieser Auswahl höre ich noch immer? Welche sind auf der Strecke geblieben?

Die Erkenntnisse sind durchaus interessant. Zumindest für mich – und vielleicht auch für andere langjährige Podcastfans: „Sechs Dauerbrenner, drei Todesfälle, elf Verstossene und eine Abbitte“ weiterlesen

Verbündete gegen unseren eigenen Rassismus

Drei besonnene Stimmen zum Rassismus im Alltag und wie der Kolonialismus noch heute unser Denken prägt. Nachdem die Streitereien auf Facebook und Twitter abgeklungen sind, ist eine gute Gelegenheit, auf sie zu hören.

Malcolm Ohanwe, #kritischesweisssein

Im Medientalk von SRF vom 27. Juni 2020 ging es um die Idee von Journalist Malcolm Ohanwe, der unter dem Hashtag #kritischesweisssein folgenden Aufruf gestartet hat:

Ich fand die Idee erst seltsam, dann einleuchtend – und schliesslich befolgenswert. Meine ersten Anläufe, selbst etwas beizutragen, sind bis leider kläglich gescheitert. Ich verfiel in den weinerlichen Tonfall eines apologetischen Arschlochs. Davon hat niemand etwas. Darum habe ich meine Entwürfe an der tiefsten Stelle im Garten vergraben.

Vielleicht wird irgendwann doch etwas Vernünftiges daraus. Aber bis dahin muss ich mich noch intensiv mit dem Thema und auch mit mir selbst auseinandersetzen. Zwei Podcasts haben mir auf dem Weg dahin eine erste Schützenhilfe geleistet: „Verbündete gegen unseren eigenen Rassismus“ weiterlesen

Eine Handvoll Podcasts zu drei spannenden Themen

Dreissig Jahre Mauerfall, das Darkweb und das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump stehen im Zentrum der Empfehlungen zu politisch-historischen Audioproduktionen.

2019 wird als das Jahr eingehen, in dem die Podcasts so richtig in Fahrt gekommen sind. Ich habe einige denkwürdige Produktionen vorgestellt: Hier zum Beispiel die Aufarbeitung des Sterns  zum Skandal der gefälschten Hitler-Tagebücher. Oder hier eine grossartige Produktion der BBC zum fünfzigsten Jubiläum von Apollo 11 und der Landung auf dem Mond.

Darum hier noch einige Empfehlungen, mit denen dieses Podcast-Jahr gut ausklingt:

Dreissig Jahre Mauerfall

Ich habe einige spannende Podcasts dazu gehört: Marianne Birthler in der Zeitblende von Radio SRF von 2014. Holger Klein hat bei Wrint mehrere Gespräche geführt: Hier mit Historiker Matthias von Hellfeld, hier mit Sozialkundler Thomas Brandt und hier mit Ilko-Sascha Kowalczuk.

Das letzte Gespräch war für mich das spannendste, weil der Gesprächspartner die Materie einerseits theoretisch, andererseits aus eigener Erfahrung hervorragend kennt und die wissenschaftliche und die persönliche Sicht homogen miteinander verbindet. „Eine Handvoll Podcasts zu drei spannenden Themen“ weiterlesen

Historische und notorische Podcasts

«Zeitblende», «Wrint Geschichtsunterricht», «Dan Carlin’s Hardcore History» und «Revisionist History» beschäftigen sich auf sehr unterschiedliche Weise mit vergangenen Ereignissen, die auch heute noch interessant sind.

Es gibt Themen, die eignen sich ausgezeichnet für Podcasts. Da ist sind Technik, Internet und Fankultur. Und darum gibt es mehr Tech-Podcasts, als man zählen (oder hören) könnte. Und sehr gut eignet sich auch die Geschichte:

Die Menschheitsgeschichte ist spannend und ereignisreich, voller faszinierender Figuren, Intrigen und wechselvollen Ereignissen. Sie bietet einen unerschöpflichen Fundus an Material, Blickwinkeln und Interpretationsmöglichkeiten. Und die Geschichte eröffnet ein Tummelfeld für den analytischen Geist: Für «was wäre wenn»-Fragen, für Querverbindungen zur Gegenwart und zu anderen geschichtlichen Ereignissen. Und man kann immer fragen, wie einleuchtend und erkenntnisreich alternative Deutungen sind. Denn wir wissen, dass normalerweise der Sieger die Geschichte schreibt.

Mord! Verschwörung! Axthiebe! (Bild: Der Untergang des Jürg Jenatsch, E. Sturtevant, CC0)

Darum also hier eine Übersicht von Geschichts-Podcasts, die ich abonniert habe – und wenn es die Zeit erlaubt auch lückenlos höre.
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Neue Ideen für Europa

Ich bin ein überzeugter Europäer und würde mich jederzeit für den Beitritt dieses Landes zur EU aussprechen – auch, weil ich eine Abneigung gegen Nationalstaaten und all die Dinge habe, die diese «Nationen» so mit sich bringen. Aber es ist unbestritten, dass es im Moment schwierig ist, Leidenschaft für die europäische Idee aufzubringen. Es gibt einfach zu viele, die sie schlechtreden. Natürlich die Nationalisten und die Isolationisten. Die Fremdenfeinde und Verkäufer einfacher Lösungen.

Einsamer Rufer. (Bild: slon_dot_pics/pexels.com, CC0)

Aber es ist eben so, dass auch diejenigen, die sich zur europäischen Union bekennen, das im Moment enorm lustlos tun. Es gibt schwer, gegen Schlagworte wie Bürokratie, Regulierungswahn und (vor allem) Demokratiedefizit anzukommen. Das Demokratiedefizit sehe ich auch. Wie Europa mit Griechenland umgesprungen ist, hat mich zutiefst irritiert. Dass im Moment das Kapital, die Banken und die Interessen der Wirtschaft Vorrang vor den Interessen der Bürger haben, ist stossend. Und … naja, es braucht an dieser Stelle nicht mehr Beispiele. Dass jeder genügend davon kennt, ist genau das Problem.

Ich glaube nun aber daran, dass die EU trotz all ihrer Defizite besser ist als keine EU, und dass man sie deswegen leidenschaftlich verteidigen müsste. Dafür bräuchte es ein positives Narrativ – das hat der Historiker Matthias von Hellfeld in Holger Kleins Podcast Geschichtsunterricht immer mal wieder ausgeführt. „Neue Ideen für Europa“ weiterlesen

Winzig kleine Podcastmacher

Ich habe neulich im SRF-Medientalk den feinen Herrn Semak gehört, der sich dort sehr seriös gab, als er über sein Podcastlabel Viertausendhertz.de sprach. Ich wusste schon aus dem Podcast Elementarfragen – den ich vor Urzeiten im Tagi vorgestellt hatte und der jetzt nach einer mehrjährigen Pause wieder an den Start ging, unter anderem mit einer Folge mit Sascha Lobo – dass der feine Herr Semak seriös kann.

Die feinen Herren Langisch, Semak und Schmidt.

Doch man würde ihm keine Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn man nicht auch seine unseriöse Seite beschreiben würde. Die lebt er mit zwei anderen Herren, Gero Langisch und Phil Schmidt, im Podcast Mikrodilettanten aus. Das ist ein sympathischer Laberpodcast. Ich weiss nicht genau, wer diese Genrebezeichnung geprägt hat. Sie ist jedenfalls sehr passend für jene Sorte der Podcasts, in denen zwei oder mehr Leute thematisch offen und ohne Gesprächsführung plaudern. Man kann sich das wie ein Gespräch unter Freunden vorstellen, von dem man Ohrenzeuge wird. Das ist sehr unterhaltsam und auch leicht voyeuristisch. Respektive auditeuristisch, da man ja nur mit den Ohren bei einer Runde mit dabei ist, zu der man nicht explizit eingeladen wurde.
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Macht hinne!

Methodisch inkorrekt ist ein Podcast, der mir in letzter Zeit immer mal wieder begegnet ist. Er wurde in diversen anderen Podcasts erwähnt und neulich hat ihn auch mein Mitstreiter maege in der Folge Boom shakalaka des Digitalmagazins gepriesen. Es handelt sich um einen Wissenschaftspodcast, der «interessante aktuelle Forschung, Experimente und den Alltag» behandelt. Ein Themengebiet, das mich interessiert, dem ich hohe Relevanz beimesse und das sich fürs Podcaten bestens eignet. Ich höre zwar nicht regelmässig, aber doch ab und zu gerne Wissenschaft von Holger Klein und Florian Freistetter.

Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Grund genug für eine Besprechung. Ich habe mir die Folge 62 «Alles ist besser mit Alkohol» angehört und sie – weil ich sie hier besprechen wollte – auch zu Ende gehört. Es war aber schon nach einer halben Stunde klar, dass Nicolas Wöhrl, Reinhard Remfort und ich nicht harmonieren. „Macht hinne!“ weiterlesen

Zum Jubeljahr gibt es Schelte

Podcasts sind ungefähr seit zehn Jahren ein Phänomen mit einer gewissen Massenwirkung. So sehr ich diese Medienform selbst schätzen gelernt habe, gibt es an dieser Stelle keine Huldigung, sondern sieben Kritikpunkte zu lesen. Denn die Podcaster stehen ihrem Erfolg selbst im Weg.

Podcasts feiern dieses Jahr ihren zehnjährigen Geburtstag¹. Podcasts sind im Lauf von 2004 ins Bewusstsein vieler Leute getreten. Den meisten ging es wohl wie mir: Sie wurden auf das neue Medienformat aufmerksam, weil mit iTunes 4.9 plötzlich ein Programm auf ihrem Computer vorhanden war, mit dem man selbiges nutzen konnte.

Ich war damals mit dem ersten iPod Shuffle unterwegs. Das war das lange Ding, das aussah, wie ein USB-Stick und auch genauso an den Computer angeschlossen wurde. Und der für Podcasts denkbar ungeeignet war. Ich bin mir nicht sicher, ob er sie überhaupt abspielte. Ich hatte darum einen Ausweich-Player. Ich glaube, von Creative – aber auf eine verbindliche Aussage versteife ich mich nicht.

So hat sich das Apple mit den Podcasts ausgemalt. (Aus der ersten Version der iOS-Podcast-App von 2012.)

Ernsthaft ging es für mich 2006 mit den Podcasts los – Happy Shooting und This Week in Tech waren ab da Pflichtprogramm und im Herbst 2006 ging unser eigener Podcast an den Start, der Digitalk. Seit da hat sich mein Spektrum stark erweitert. Podcasts sind zu einem wichtigen Bestandteil meiner Informationsversorgung geworden. Und folgendes sage ich jetzt in der Hoffnung, dass mein Arbeitgeber nicht mitliest: „Zum Jubeljahr gibt es Schelte“ weiterlesen

Politik, Wissenschaft und Games

Gleich eine geballte Ladung von Podcast-Empfehlungen: Stay forever, Politikunterricht, Wissenschaft, Omega Tau und der Medientalk von SRF.

Nachdem ich in der letzten Zeit viel zu viel und viel zu lange gebloggt habe, an dieser Stelle 3½ Kurztipps:

Ein bisschen rejoiced habe ich schon… (Bild: Stay Forever)

Der folgende Tipp stammt von meinem Arbeitskollegen Jan Rothenberger, der seines Zeichens ein wandelndes Lexikon der Popkultur abgibt. In diesem Fall gibt es zwar gewisse familiäre Verstrickungen, indem sein Bruder am nun erwähnten Projekt beteiligt ist. „Politik, Wissenschaft und Games“ weiterlesen

Alles klar, Herr Kommissar?

Ein Podcast, in dem ein echter Kriminalbeamter authentische aus dem polizeilichen Nähkästchen plaudert.

In meiner kleinen Serie zu den Podcastepisoden, mit denen man sich das Sommerloch versüsst, bin ich schon wieder beim Herrn Holger Klein gelandet. Aber die Folge 192 seiner Wrint-Reihe ist nun einmal so spannend ausgfallen, dass sie hier erwähnt werden muss. Sie heisst Anruf beim Kommissar und lässt Kriminaloberkommissar Andi zu Wort kommen, einen Drogenfahnder aus Fürstenfeldbruck.

Auch Behörden sollen effizient sein (🤭)

Das Gespräch bietet viele Einblicke in den Polizeialltag und erhärtet die Vermutung, dass man in Krimiserien diesbezüglich nicht akkurat und adäquat informiert wird. Es werden einige Vorurteile gegenüber der Polizei zurechtgerückt oder zumindest relativiert, und man erfährt, dass die kapitalistischen Effizienzmaximierungsauswüchse nun auch in dieser Behörde angekommen ist. Jedenfalls ein Beispiel dafür, wie gut der Podcast als Aufklärungmedium funktioniert…

Die Polizei hats auch nicht leicht. (Bild: Nanagyei/Flickr.com)