Macht hinne!

Methodisch inkorrekt ist ein Podcast, der mir in letzter Zeit immer mal wieder begegnet ist. Er wurde in diversen anderen Podcasts erwähnt und neulich hat ihn auch mein Mitstreiter maege in der Folge Boom shakalaka des Digitalmagazins erwähnt. Es handelt sich um einen Wissenschaftspodcast, der «interessante aktuelle Forschung, Experimente und den Alltag» behandelt. Ein Thema, das mich sehr interessiert, dem ich hohe Relevanz beimesse und das sich fürs Podcaten bestens eignet. Ich höre zwar nicht regelmässig, aber doch ab und zu gerne Wissenschaft von Holger Klein und Florian Freistetter.

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Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Grund genug für eine Besprechung. Ich habe mir die Folge 62 «Alles ist besser mit Alkohol» angehört und sie – weil ich sie hier besprechen wollte – auch zu Ende gehört. Es war aber schon nach einer halben Stunde klar, dass Nicolas Wöhrl, Reinhard Remfort und ich nicht harmonieren. Die beiden haben in dieser Sendung leider all das getan, was ich im Beitrag Zum Jubeljahr gibt es Schelte kritisiert hatte: Sie sind unstrukturiert, selbstreferenziell, viel zu langatmig, und sie halten sich für begnadete Comedians.

Gut, man kann dagegenhalten, dass die fehlende Struktur bei einem Podcast mit dem Namen zum Prinzip gehört. Das mag sein, aber da das bei sehr vielen Podcasts zum Prinzip gehört, ist es kein taugliches Alleinstellungsmerkmal und nichts, was ich im Moment zur Ergänzung meiner Hörgewohnheiten suchen würde. Vielleicht war es auch mein Fehler, mit einer der aktuellen Ausgaben einzusteigen und nicht mit einer älteren Folge zu beginnen. Es ist bei vielen Produktionen zu beobachten, dass die Podcaster-Marotten mit der Zeit ausgeprägter werden: Die Stammhörer und die Sendungsmacher können auf eine gemeinsame Historie zurückgreifen, ihre Memes und Running Gags pflegen und zunehmend mehr Vorwissen voraussetzen. Dem Neuling sind diese Dinge fremd, weswegen die Einstiegshürden über die Zeit wachsen. Kultig oder niederschwellig – das ist ein Zielkonflikt und dementsprechend ein Balanceakt.

Andererseits bin ich an der Aktualität interessiert. Und andere Podcasts kriegen das auch hin. Ich war keinem meiner Lieblingspodcasts von Anfang dabei und habe den Einstieg trotzdem geschafft. Die Kunst ist, den Neueinsteigern genügend Andockstellen in Form von allgemeinverständlichen Themenpunkten zu bieten. Auch ein entsprechender Sendungsablauf mit einfachen Einstiegshilfen wäre sinnvoll.

Das Fazit kurz und heftig: Die Hauptthemen und einige der Nebenthemen der Sendung – der kinetischen Sand, die Frage, wie sich die Farben in Van Goghs Gemälde seit der Entstehung verändert haben und die Studie, wonach religiöse Kinder nicht altruistischer sind als atheistisch erzogene – würden mich brennend interessieren. Aber nicht in dieser zerdehnten Form. Es dauert geschlagene 53 Minuten, bis die Sendung überhaupt anfängt. Vorab kommen Intro und Begrüssung (7 Minuten), neues aus dem Institut (25 Minuten), Errata (6 Minuten), neues von Dr. Das (eines der erwähnten Insider-Themas, das sich mir als Neuhörer nicht so richtig erschliesst; 7 Minuten) und der Geburtstag von einem der Sendungsmacher (8 Minuten). Mag sein, dass das die Stammhörer interessiert. Mich packt es nicht, und darum müsste man den Nabelschau- und Interna-Teil entweder stark raffen oder wenigstens ans hintere Ende stellen, damit man abschalten kann, wenn man wegen der wissenschaftlichen Belange eingeschaltet hat. Klar, man kann diese Passagen auch überspringen oder -spulen. Aber ich ziehe Podcasts vor, bei denen ich nicht ständig das iPhone hervorkramen muss, um den Vorwärts-Knopf zu drücken.

Und schliesslich wird mir in diesem Podcast auch zu viel gekichert. Fazit: Ich bin mit «Methodisch inkorrekt» leider nicht warm geworden. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, den Podcast zu mögen.

Autor: Matthias

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