Eine Handvoll Podcasts zu drei spannenden Themen

2019 wird als das Jahr eingehen, in dem die Podcasts so richtig in Fahrt gekommen sind. Ich habe einige denkwürdige Produktionen vorgestellt: Hier zum Beispiel die Aufarbeitung des Sterns  zum Skandal der gefälschten Hitler-Tagebücher. Oder hier eine grossartige Produktion der BBC zum fünfzigsten Jubiläum von Apollo 11 und der Landung auf dem Mond.

Darum hier noch einige Empfehlungen, mit denen dieses Podcast-Jahr gut ausklingt:

Dreissig Jahre Mauerfall. Ich habe einige spannende Podcasts dazu gehört: Marianne Birthler in der Zeitblende von Radio SRF von 2014. Holger Klein hat bei Wrint mehrere Gespräche geführt: Hier mit Historiker Matthias von Hellfeld, hier mit Sozialkundler Thomas Brandt und hier mit Ilko-Sascha Kowalczuk.

Das letzte Gespräch war für mich das spannendste, weil der Gesprächspartner die Materie einerseits theoretisch, andererseits aus eigener Erfahrung hervorragend kennt und die wissenschaftliche und die persönliche Sicht homogen miteinander verbindet. Historiker Kowalczuk ist überhaupt kein Nostalgiker und macht gleich zu Beginn des Gesprächs klar, dass er der DDR keine Träne nachweint. Trotzdem springt er fair mit den Vertretern des Regimes um und macht klar, dass er trotz allem in seiner Jugend auch seinen Spass hatte – obwohl er es sich als Teenager mit dem Regime nachhaltig verscherzt hat.

Dieses Gespräch ist für mich übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass auch die klassische Form des Podcasts noch absolut ihre Berechtigung hat. Die amerikanischen Produktionen von diesem Jahr zeichnen sich allesamt durch ihre aufwändige Produktion aus – und wie hier ausgeführt, überträgt sich diese Erzählweise in zwischen auch auf das moderne Hörbuch.

Die klassische Form des Podcasts demgegenüber ist die ungeschnittene, integrale Wiedergabe eines Gesprächs, das einem Thema so viel Raum einräumt, wie es braucht – und das einem nicht nur viel sachliche Informationen vermittelt, sondern auch die auskunftgebenden Personen näherbringt. Auch das mag ich sehr.

Darkweb. Wir haben seinerzeit einen Nerdfunk zum Darknet gemacht. Weil das ein weites Feld ist, haben wir uns auf die technischen Aspekte beschränkt. Das wird dem Thema aber nicht so ganz gerecht, weswegen ich gerne auf The Dark Web von Geoff White verweise, der Tech-Themen für die BBC, Channel 4, Forges und andere Medien behandelt. Er erklärt die Entstehungsgeschichte von Tor, der ursprünglich vom Office of Naval Research ins Leben gerufen wurde und für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, damit die Leute vom Marineministerium und anderen US-Behörden, die den Anonymisierungsdienst nutzen, in der Masse aller Anwender untergingen.

In den zehn Folgen erfährt man einiges über die Entstehung, die Verwendung, über das Darkweb als Drogen- und Waffenumschlagplatz und natürlich auch über anverwandte Themen wie Kryptowährungen und die Frage, ob das Darkweb Kinderpornografie fördert (wie man erfährt, ist das nicht unbedingt der Fall, was bei näherer Betrachtung auch gar nicht so überraschend ist.)

Man könnte nun sagen, dass diese Produktion streng gesehen kein Podcast ist: Er klingt zwar wie einer, ist aber nur bei Audible in der App und mit Anmeldung zu hören. Ich habe das an anderer Stelle kritisiert (hier und hier). Aber an der Stelle drücke ich ein Auge zu.

Impeachment. Wer nicht unter einem Stein lebt, kommt nicht umhin festzustellen, dass Donald Trump nun vielleicht tatsächlich von seine Missetaten eingeholt wird. Auch wenn die Erfolgsaussichten für eine erfolgreiche Amtsenthebung nicht sonderlich gut stehen, geht es vielleicht doch so aus, wie es für die Weltbevölkerung und die amerikanische Demokratie am besten wäre. Jedenfalls gibt es einen interessanten wöcchentlichen Podcast zum Thema.

Er heisst Impeachment, explained, stammt von Vox Media, zu dem auch The Verge und Recode gehören, und von Kolumnist Ezra Klein. (Nach Holger Klein schon der zweite Podcaster mit diesem Namen in diesem Beitrag – ohne dass sich aus dieser Feststellung irgend eine relevante Erkenntnis ergeben würde.)

Der Podcast beweist, dass man auch aus trockenem Juristenfutter eine interessante und unterhaltsame Show machen kann – wenn haarklein die Details von Dingen wie den High crimes and misdemeanors oder der Obstruction of justice auseinandergedröselt werden. Das hat mit Kleins Gesprächsgästen und dem Willen des Gesprächsleiters zu tun, zu differenzieren und nicht einfach nur Trump-Bashing zu betreiben, sondern aufzuzeigen, was in Sachen Demokratie auf dem Spiel steht.

Falls die ganze Serie das Zeitbudget sprengen sollte, empfehle ich den Konsum der neuesten Folge, It’s not what Trump did. It’s what Republicans accept.. Sie erklärt einleuchtend, wie es passieren konnte, dass eine the grand old party von Trump in Geiselhaft genommen wurde und die Republikaner nun etwas verteidigen müssen, was sich nicht verteidigen lässt. Und sie liefert Argumente für alljene Leute, die der Ansicht sind, dass Zweiparteiensysteme in der heutigen Zeit nicht mehr funktionieren.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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