Die Maus als App

Sollen Kleinkinder ein Smartphone in die Finger bekommen? Wenn man diesem Artikel hier Glauben schenken darf, kann man ihnen stattdessen auch gleich eins mit dem Knüppel überziehen – der Effekt ist etwa der gleiche. Selbstverständlich halte ich es auch für keine gute Idee, den Nachwuchs mittels digitaler Technik ruhigzustellen. Doch mir scheint es aussichtslos, den Kindern die Geräte komplett vorenthalten zu wollen. Einerseits sind wir Eltern schlechte Vorbilder, weil es annähernd unmöglich ist, das Smartphone jederzeit ausser Reichweite zu halten. Andererseits, weil die Kleinen auch anderswo bunte Displays zu Gesicht bekommen.

Darum bin ich der Meinung, dass man es zwar nicht übertreiben sollte, aber auch keine Tabuzonen ausrufen muss. Abgesehen davon nervt mich dieser alarmistische Ton, den man Eltern gegenüber ständig anschlägt. Wenn wir nicht auf die guten Ratschläge hören, die uns in diesen klugen Artikeln und Büchern macht, dann sind die Kinder quasi verloren: Einmal ein Smartphone in den Fingern und die Dummheit ist vorprogrammiert! Eine falsche Reaktion unsererseits während der Trotzphase, und das Kind wird zu einem Wutbürger, der Trump alt aussehen lässt und Grenzen niemals nie akzeptiert! Ein Fehler beim Potty training, und der Nachwuchs brünzelt mit dreissig noch in die Hose.

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Eine touristische Marktlücke!

Neulich bin ich der App Lauschtour begegnet, die es für Android und fürs iPhone gibt: Mit der hört man sich Audiotouren an: Man spaziert durch die Gegend über die Kopfhörer wird einem etwas zur Umgebung und den Sehenswürdigkeiten erzählt Die Wiedergabe erfolgt automatisch, wenn man bei einem «Lauschpunkt» ankommt, was dank GPS keine Hexerei ist.

Das ist wie eine Stadtführung oder eine Tour mit Fremdenführer (sagt man heute noch Fremdenführer?). Nur eben mit dem Unterschied, dass man nicht in der Gruppe unterwegs ist, sich spontan für oder gegen eine Tour entscheidet, beim Hören sein eigenes Tempo wählen darf und die Punkte in der Reihenfolge ansteuert, wie es einem passt. (Wobei ich mir vorstellen könnte, dass es bei manchen Touren sinnvoll ist, eine vorgegebene Route einzuhalten, wenn sich zum Beispiel chronologische Ereignisse entlang dieser Strecke abgespielt haben.)

Reiseführer: Egal was, Hauptsache in zwei Stunden ist man durch.
Detour: Hübsch, aber will man wirklich europäische Städte durch eine US-amerikanische Brille sehen?

Natürlich kommt mir diese Form der Reiseführung sehr entgegen: Einerseits bin ich ein Informationsjunkie, der gern interessante Dinge über die Gegend erfährt, in der er unterwegs ist. Andererseits bin ich nicht wahnsinnig erpicht auf Gruppenerlebnisse, wie man sie bei solchen Führungen normalerweise erlebt – auch wenn ich attestiere, dass im Idealfall eine Aufzeichnung niemals an eine Live-Darbietung herankommt: „Eine touristische Marktlücke!“ weiterlesen

Zähneknirschende Tipps zu Whatsapp

Im heutigen Patentrezept-Video geht es um Tricks für Messenger. Ich führe die anhand von Whatsapp vor. Das stellt mich (und mutmasslich auch manche Zuschauer) vor ein Dilemma: Soll man diese App benutzen und, in meinem Fall, Tipps dazu liefern? Whatsapp ist bekanntlich umstritten. Sosehr, dass es einen eigenen Artikel in der englischsprachigen Wikipedia nur zur Kritik am Messenger gibt: Reception and criticism of WhatsApp security and privacy features

Kurz zusammengefasst: Es gibt Detailkritik wegen Sicherheitslücken und bestimmter Features. Das grösste Problem ist aber natürlich die Zugehörigkeit zum Facebook-Konzern. Seit 2016 tauschen der Messenger und Facebook Nutzerinformationen aus. Damit werden die Facebook-Probleme zu Whatsapp-Problemen – und umgekehrt. Aus Gründen des Datenschutzes und der Privatsphäre darf man diese App eigentlich nicht nutzen.

Doch eben: Wenn man Tipps zu einer App oder einer Website gibt, dann empfiehlt man implizit die Verwendung. Denn wieso sollte man Tipps zu einem Produkt liefern, von desssen Anwendung man abrät? Das gleiche Dilemma stellt sich mir des Öfteren:  „Zähneknirschende Tipps zu Whatsapp“ weiterlesen

Digitaler Kaffeesatz

Als Blogger muss man sich auch mal die Finger dreckig machen. In meinem Fall bedeutet das, dass ich wissen will, welches die beste Wahrsager-App ist. Nun ist das natürlich ein Widerspruch in sich, da ich nicht an Esoterik glaube und der festen Meinung bin, damit man die Zukunft erlebt haben muss, um sie vorhersagen zu können. Mit gutem Grund, denn der Track Record der Gilde der Weissager und Astronomen ist bekanntlich mehr als durchzogen. Doch man stellt sich die Frage: Machen es die Apps wenigstens charmant? Bringen sie einen in Stimmung, die Sterne oder Karten lesen zu wollen. Denn wenn die Information nichts taugt, muss die Präsentation umso besser sein.

Erster Versuch, Fortunica. Die gibt es für Android und fürs iPhone. Beim Klick aufs Menü gibt es in rotierender Abfolge ein tägliches, wöchentliches und monatliches Horoskop. Das macht sich noch nicht einmal die Mühe, nach dem Sternzeichen des Nutzers zu fragen. Man muss das in der Liste selbst heraussuchen. „Digitaler Kaffeesatz“ weiterlesen

Der Komfort eines GAs, aber ohne die Fixkosten

Ich hatte jahrelang ein GA. Für Nichtschweizer: Das ist ein Generalabonnement, mit dem man fast alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos benutzen darf. Man kann es mit der BahnCard 100 in Deutschland vergleichen, wobei die sich meines Wissens auch auf viele Bus- und Tram-Strecken, jedoch nicht auf Schifffahrtslinien und Bergbahnen erstreckt.

Die Flatrate im öffentlichen Verkehr gibt einem vor allem auch ein schönes Gefühl der Freiheit: Man kann in jeden Zug einsteigen und, die entsprechende Freizeit vorausgesetzt, hinfahren, wohin man will. Sieht man aus dem Fenster des Zuges einen interessanten Bahnhof mit einem vielversprechenden Ortsnamen, dann steigt man aus. Und wenn das Kaff die Erwartungen nicht erfüllt, fährt man weiter – und zwar in die Himmelsrichtung, die einem gerade am verlockendsten erscheint.

Ich weiss nicht, wie viele Leute das dann auch wirklich tun: Komplett planlos herumreisen, nur der eigenen Spontaneität verpflichtet. «Der Nase nach», wie es in Deutsch so schön heisst. „Der Komfort eines GAs, aber ohne die Fixkosten“ weiterlesen

Damit die Daten da sind, wo man sie braucht

Je mehr Geräte man verwendet, desto grösser die Herausforderung, auf allen immer die passenden Informationen bereitzuhaben. Klar, als Cloud-Verfechter macht man es sich einfach: Man schiebt alles Wichtige auf die Dropbox, in die iCloud oder lädt es bei Onedrive ab. Das funktioniert. Aber dieser Weg passt halt nicht für alle Lebenslagen: Manchmal ist es zu umständlich, grosse Datenmengen ins Netz zu stellen. In einigen Fällen möchte man es nicht tun, weil es sich um heikle Informationen handelt. Und Leute wie ich finden, zwischendurch einfach mal wieder auf die Eigenverantwortung pochen und Daten selbst managen zu müssen.

Darum schere ich nicht alle Daten über einen Kamm. Vieles, was früher oder später eh öffentlich im Netz landet, deponiere ich bei Dropbox und bei Onedrive. Und sogar Google Docs nutze ich, aller Skepsis zum Trotz. Zum Beispiel für die Manuskripte für die Nerdfunk-Sendungen.

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Kein Kamera-Ei des Kolumbus

Kamera-Apps fürs iPhone gibt es … naja, aus Angst vor einem anprangernden Tweet der Floskelwolke verwende ich nun nicht die nahe liegende Formulierung, in der die Worte «Sand» und «Meer» vorkommen. Es gibt jedenfalls sehr viele davon. Zum Beispiel die hier vorgestellte und noch immer gern verwendete Manual Camera. Oder Halide. Die App ist für 6 Franken fürs iPhone erhältlich.

Ich habe diese App besorgt, weil ich neulich die Siri-Kürzel vorgestellt habe: Das sind einzelne App-Befehle, die man über Googles digitale Assistentin aufrufen kann. Mit Halide ist es möglich, per Sprachbefehl ein Foto zu machen – und sogar per Hey, Siri! Das ist schon ganz charmant – und es ist per Kurzbefehle-App auch möglich, einen ganzen Workflow dranzuhängen, der ein Bild zum Beispiel gleich bei Instagram postet. Es war nie einfacher, Influencer zu sein!

Die Sprachsteuerung ist aber nur ein Nebenaspekt. „Kein Kamera-Ei des Kolumbus“ weiterlesen

In jeder Stadt per öV ans Ziel

Die SBB– und die ZVV-Fahrplan-App helfen einem bei der Suche nach den passenden Verbindung im öffentlichen Nahverkehr und bei inländischen Fernverbindungen. Und wenn einem die beiden Apps nicht weiterhelfen, versucht man sein Glück mit Wemlin.

Doch wenn man im Ausland unterwegs ist, dann fällt einem meistens erst nach der Landung ein, dass man sich die passende App hätte besorgen sollen, um eine Bus- oder Zugsverbindung für die Fahrt zum Hotel herauszusuchen. Man kann sein Glück dann mit Google Maps oder Apple Maps probieren: Diese beiden Hilfsmittel für die Navigation und Orientierung haben für viele Weltregionen ebenfalls öV-Fahrplandaten hinterlegt. Aber eigentlich würde man lieber eine universelle Fahrplan-App benutzen.

Eine solche ist nach eigenen Angaben Moovit: «Die Nummer eins der ÖPNV-Apps weltweit!», wobei man sich sofort fragt, was «ÖPNV» denn heissen könnte. Wikipedia verrät es: Öffentlicher Personennahverkehr, also S-Bahn, U-Bahn, Trams, Busse, Boote im näheren Umfeld, ohne Fernverkehr, Mietvelos, Taxis und Ritschkas. Oder womit man sich sonst noch von A nach B bewegen könnte.
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Siri auf Steroiden


So erledigt Siri die Drecksarbeit.

Ich hadere oft mit Apple – aber manchmal gelingt es diesem Unternehmen, das sich selbst für das schönste, innovativste und wichtigste hält (und es gemäss dem Börsenwert auch ist), mich auch wieder versöhnlich zu stimmen. Zum Beispiel, wenn es Dinge wie Apple Script und Automator hegt und pflegt. Man kann sich fragen, wie viele Leute solche Nischen-Features wirklich produktiv einsetzen und ob das den Aufwand wert ist. Ich selbst nutze sie nicht so oft, wie ich gern würde. Es fehlt mir dann doch die Zeit, perfekte Automatisierungslösungen zu stricken. Aber egal: Ich finde toll, dass es sie gibt und dass Apple mit seinen Produkten zwar sehr oft auf den Mainstream zielt (Stichwort Animoji), dann aber doch auch Spass an schrägem Nerdzeugs zu haben scheint.

Darum war ich sehr auf iOS 12 gespannt. Bei dem Betriebssystem-Update sollte die alte Workflow-App, die mich schon von Anfang an faszinierte, eine Wiedergeburt erleben. „Siri auf Steroiden“ weiterlesen

Massgebliche Apps

iOS 12, hier vorgestellt, enthält auch eine neue App namens Massband. Die tut das, was man anhand des Namens vermuten darf: Sie misst, und zwar via Kamera und Augmented Reality. Im Beitrag Die Venus im Vorgarten habe ich ausgeführt, dass ich der erweiterten Realität das revolutionäre Potenzial abspreche: Es gibt einfach zu wenig sinnvolle Dinge, die man damit tun kann. Zu den Dingen, die mir Spass machen, gehören Apps, die einem Dinge über die Umwelt verraten, zum Beispiel über vorbeifahrende Schiffe. Und Apps, die einem helfen, die Umgebung zu erschliessen – wie das Massband tut.

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Man kann sein Lieblingssofa per AR-App übrigens auch gefahrlos auf die Strasse stellen.

Allerdings ist Massband nun relativ bescheiden im Funktionsumfang. Es gibt nebst dem Massband auch eine Wasserwaage, die früher in der Kompass-App steckte. Sie zeigt die Neigung an, wobei man daran denken sollte, dass die Kamera bei vielen iPhone-Modellen etwas vorsteht. Sie verfälscht die Messung im zwei Grad, wenn sie beim Messen aufliegt. Man kann übrigens durch Tippen auf den Bildschirm die Messung auf Null stellen, wenn man einen freien Winkel ermitteln will. Das ist ganz praktisch.

Trotzdem: „Massgebliche Apps“ weiterlesen