Ziemlich mittelmässige Freunde

Bei Windows gibt es eine App namens Ihr Smartphone. Die macht etwas Einleuchtendes: Sie verbindet den Desktop mit dem Smartphone. Und da gäbe es einiges, was sie tun könnte: Datenaustausch, Fernsteuerung und Verbinden der Desktop- und Smartphone-Varianten der gleichen Apps.

Doch bevor nun Euphorie aufkommt: Leider tut die App nur wenig von dem, was sie tun könnte. Zum Beispiel gibt es keinerlei Synchronisationsmöglichkeiten. Denn der direkte Datenabgleich ist bei den Unternehmen bekanntlich nicht mehr en vogue. Die wollen stattdessen, dass wir ihre Clouddienste benutzen. Klar: Da hocken sie an einer Schlüsselstelle.

Besonders wenig nützlich ist die App im Zusammenspiel mit einem iPhone. Da geht nicht mehr, als dass man einen Link, den man in Edge am iPhone geöffnet hat, an Edge am Desktop schicken kann. Mit Android sind die Möglichkeiten etwas grösser. Doch trotzdem würde ich diese Ihr-Smartphone-App nun nicht als ein Meisterwerk bezeichnen.

Aber es gibt Alternativen. „Ziemlich mittelmässige Freunde“ weiterlesen

Es geschehen Zeichen und Usability-Wunder

Keine Angst, dieser Beitrag hier artet nicht in einen verfrühten Jahresrückblick aus. Den machen wir jeweils beim Nerdfunk, und damit ist der Sache auch Genüge getan.

Aber eine kleine Sache wäre doch: Mir ist aufgefallen, wie oft ich hier im Blog dieses Jahr über Markdown geschrieben habe. Es waren knapp ein Dutzend Artikel.

Das liegt daran, dass mich das Thema auf zwei Ebenen fasziniert. Erstens natürlich auf der sachlichen Ebene: Es gibt diverse Apps, Dienste und Möglichkeiten, die man ausprobieren, vorstellen und erklären kann.

Zweitens auf der Meta-Ebene: Markdown ist ein spannendes Beispiel für eine untypische Entwicklung. Es gibt sicher Leute (zum Beispiel bei Microsoft), die sie als Rückschritt ansehen würden. Denn wer eine klassische Textverarbeitung wie Word gegen einen Markdown-Editor eintauscht, der ersetzt ein hochgezüchtetes Produkt durch ein viel einfacheres. Der Markdown-Editor hat im Vergleich viel weniger Funktionen. Er ist geradezu primitiv – zumindest oberflächlich betrachtet.

Ich teile die Ansicht nicht. „Es geschehen Zeichen und Usability-Wunder“ weiterlesen

So rein und dumm wie weisses Papier

Ein Leser hat mir neulich den Tipp gegeben, ich solle mir doch einmal iA Writer ansehen. Und damit hat er natürlich recht: Dass ich die in meiner Reihe zu den modernen Text-Edioren bislang ausgelassen habe, grenzt an eine Unterlassungssünde.

Die App gehört nämlich zu den ersten ihrer Art. Sie kam 2010 fürs iPhone und iPad auf den Markt. Inzwischen ist sie auf fast allen Plattformen zu Hause: Auf Windows, Mac und Android. Sie ist auch insofern ein Kind unserer Zeit, als dass die Windows-Version mittels Crowdfunding lanciert worden ist. 823 Leute haben auf Kickstarter 23’575 Franken für die Entwicklung gesprochen.

Und ja, iA Writer ist eine Schweizer Entwicklung. Die NZZ am Sonntag hat am 22. Mai 2011 die App und den Entwickler Oliver Reichenstein vorgestellt: „So rein und dumm wie weisses Papier“ weiterlesen

Die wahren Bedürfnisse eines rasenden Radioreporters

Neulich habe ich das iPhone 11 Pro getestet. Die ausgezeichnete Qualität des eingebauten Mikrofons ist einer der Punkte, der auf der positiven Seite zu verbuchen ist. Während Aufnahmen noch beim iPhone 8 Pro die Qualität einer Telefonvebindung hatten, klingt die Aufzeichnung nun gut genug, um für einen Podcast oder eine Radiosendung verwendet zu werden.

Natürlich statte ich diese Empfehlung mit einer Einschränkung aus: Ein richtiges Aufnahmegerät klingt noch ein bisschen besser, hat mehr Einstellungsmöglichkeiten und ist einfacher in der Handhabe, indem man es zum Beispiel besser vor sich aufbauen oder mit einem externen Mikrofon verbinden kann.

Aber es ist nun einmal so, dass man sein Audio-Equimpment nur dabei hat, wenn man explizit in einer Podcast- oder Radio-Mission unterwegs ist. Das Smartphone hingegen trägt man immer in der Tasche. Und darum ist es ideal für spontane Mitschnitte.

Apples Sprachmemo-App: Simpel, erfüllt aber den Zweck.

Bleibt die Frage nach der besten App. Apple liefert die Sprachmemos-App mit. Die erfüllt den Zweck ganz gut: Sie nimmt auf, lässt einen die Sprachaufnahmen mit einem Stichwort versehen und über den Teilen-Befehl per Mail, Messenger, Airdrop oder über die Dateien-App weiterreichen. (Das funktioniert auch gut via Airdisk-App: Sie ermöglicht den Zugriff via WLAN, sodass man seine Aufnahme am Computer über den Browser vom Telefon herunterlädt.)

Es gibt auch eine rudimentäre Funktion zum Bearbeiten. Doch viel mehr zu trimmen, d.h. den Anfang und das Ende entsprechend zu beschneiden, würde ich in dieser App nicht tun. Für höhere Ansprüche braucht es eine richtige Aufnahme-App. Einige habe ich im Beitrag Aufnahme-Apps, die auch aufnehmen vorgestellt.

Zwei weitere Apps gibt es in diesem Beitrag hier, nämlich erstes Ferrite und zweitens Røde Reporter. „Die wahren Bedürfnisse eines rasenden Radioreporters“ weiterlesen

Kreativitäts-Maximierung

Im Beitrag Der Schlankheitswahn hat auch seine Schattenseiten ging es ums iPhone 11 Pro. Ich habe damals versprochen, mich über die Kamera noch extra auszulassen. Das habe ich nun in einem Patentrezept-Video getan, in dem es um die neuen Möglichkeiten in der Foto-App geht. Die sind nicht revolutionär, aber praktisch.

Man kann nun während des Fotografierens eine Videoaufnahme starten, ohne den Modus zu wechseln. Es ist nun (mit iOS 13.2.2) endlich möglich, direkt in der Kamera-App die Auflösung und Bildrate einzustellen. Aus unerfindlichen Gründen stellt iOS aber nach wie vor keine 25 Bilder pro Sekunde zur Verfügung.

Das ist normalerweise kein Problem. Ausser, wenn man Aufnahmen macht, die mit Filmmaterial von einer richtigen Videokamera gemischt werden sollen. Dann braucht es einen Pulldown, was zu einem störende Geruckel führt. Darum wäre für Leute wie mich sinnvoll, wenn man nicht bloss die Auswahl zwischen 30 und 60 fps hätte.

Aber es gibt Abhilfe mit Dritt-Apps: „Kreativitäts-Maximierung“ weiterlesen

Für Leute, die gelegentlich ihren Krempel verschusseln

Im Beitrag Keine App für Elektrosmogparanoiker habe ich zwei Apps vorgestellt, mit denen man nach Bluetooth-Geräten in seiner Umgebung scannen kann. Das ist nett; aber auch ohne richtigen praktischen Nutzen. Denn was soll man mit dieser Information schon gross anfangen?

Die Geräte in der Umgebung – eigene und fremde.

Nun bin ich auf die App Wunderfind gestossen. Die macht an und für sich das gleiche – aber mit der konkreten Idee, dass man mit ihr verlegte Geräte aufstöbern können soll, die zufälligerweise ein Bluetooth-Signal ausstrahlen.

Wie gut das funktioniert, hängt von den Umständen ab. Wie im Beitrag Smarte Uhrdreingaben beschrieben, nutze ich eine ähnliche Funktion an meiner Garmin- Uhr ganz gern: Mit der findet man das Smartphone, wenn es wieder einmal in die Sofaritze gerutscht ist.

Bei anderen Geräten hängen die Erfolgsaussichten von dem Umständen ab: Leider dürfte es so sein, dass gerade die drahtlosen Kopfhörer, die man häufig verlegt, nicht auffindbar sind, weil sie sich nach kurzer Zeit selbst abschalten. Bei Dingen wie Fitness-Tracker, die standardmässig eingeschaltet sind, dürften die Chancen höher sein. „Für Leute, die gelegentlich ihren Krempel verschusseln“ weiterlesen

Liebes digitales Tagebuch…

Führt man heute noch Tagebuch? Auf die klassische Weise, auf gebundenem Papier und mit Bleistift wohl nicht – wo die Tränen auf dem Papier von Liebeskummer und die zittrige Schrift von seelischer Verzweiflung zeugen. Ich erinnere mich, dass ich in meinen Teenagerjahren einige Bände auf diese Weise vollbekommen habe.

Ich hoffe, dass ich mich richtig erinnere und einmal all diese Hinterlassenschaften in einer anständigen Bücherverbrennung beseitigt wurden. Es könnte jedoch auch sein, dass meine Eltern sie im Bemühen um mehr Platz im Keller an einen Flohmarkt gebracht und an eine unbekannte Partei veräussert haben. Vielleicht sitzt irgendwo einer mit einem guten (oder schlechten) Glas Rotwein auf seinem Chaise longue und versucht, den Niederschriften einen Sinn zu entlocken. Wie das gelingt – mit Entsetzen, Amüsement oder Unverständnis –, wage ich allerdings nicht zu prädizieren.

Also: Es gibt gute Gründe, kein Tagebuch zu führen. Man muss nicht daran denken, diese Zeugisse seines jugendlichen Reifeprozesses rechtzeitig zu vernichten, bevor sie den Kindern oder dem posthumen Entrümpelungskommando in die Hände fallen. Und man kommt selbst nicht in die Versuchung, sich zurück ins Unglück der Jugend zu katapultieren. Und nein – es ist nicht so, dass auch schöne Dinge im Tagebuch stehen könnten. Denn das Tagebuch hat man geführt, weil man im Jammertal feststeckte. Ansonsten würde es einem Teenager doch niemals einfallen, Reflexion oder Introspektion im geschriebenen Wort festzuhalten.

Aber es spricht eigentlich nichts dagegen, zwar kein klassisches, aber ein digitales Tagebuch zu führen – ausser, dass einem womöglich die Zeit dafür fehlt. Jedenfalls kann man Tagebuch-Apps auf dem Smartphone mit Passwort schützen und ganz einfach der Nachwelt vorenthalten.

Ich schätze die App Day One sehr. „Liebes digitales Tagebuch…“ weiterlesen

So landet der Liebhaber automatisch rechtzeitig vor der Tür

Neulich ging es hier im Blog um die Möglichkeit, mittels NFC-Klebern Aktionen am Smartphone auszulösen. Ich habe eine App vorgestellt, mit der man die NFC-Chips am iPhone programmiert. Beim Newsnetz habe ich das Thema in einem Patentrezept-Video aufgegriffen. Daraufhin hat mich ein Kommentator mich auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, die Tags direkt mit iOS zu beschreiben.

Diese Funktion ist gut versteckt – und hat einiges an Potenzial, sowohl für Spielereien als auch für echte Verbesserungen. Man findet sie in der Kurzbefehle-App, wenn man unten in der Menüleiste Automation tippt.

Es gibt zwei Möglichkeiten: Automationen für das iPhone oder iPad und solche für das Smart-Home.

Es gibt zwei Rubriken, nämlich Persönliche Automation erstellen: Die Aktion wird auf dem iPhone oder iPad ausgeführt. Es gibt auch die Variante Automation für das Zuhause erstellen. Mit der führt man Aktionen im smarten Heim aus. Zum Beispiel: Wenn jemand nach Hause kommt, schalte das Licht ein.

Aber zurück zu der persönlichen Automation: Man kann mit der nicht nur NFC-Chips beschreiben, sondern auch Kurzbefehle zu bestimmten Tageszeiten ausführen oder vom Wecker auslösen lassen und mit Orten verbinden. „So landet der Liebhaber automatisch rechtzeitig vor der Tür“ weiterlesen

Pablo fühlt sich nicht ganz ernst genommen

Wenn ich den Begriff Multioptionsgesellschaft höre, dann fällt mir immer der App-Store ein. Dort gibt es so viel Auswahl, dass man sich als sterbliches Wesen zwangsläufig überfordert fühlen muss. Am wenigsten überschaubar ist das Angebot bei den Spielen – oder vielleicht auch bei den Foto-Apps. Da gibt es so viele Titel, dass den Entwicklern inzwischen sogar die vernünftigen Namen für ihre Apps ausgegangen sind.

Das merkt man auch bei der App Becasso (für iPhone): Deren Name ist einerseits ein schlimmer Kalauer und andererseits eine grobe Beleidigung für das spanische Jahrhundert-Talent. Aber er erfüllt den (die Mittel heiligenden) Zweck: Als neugieriger App-Benutzer will man sogleich wissen, ob die App ihrem eigenen Anspruch gerecht wird oder ob sie Etikettenschwindel betreibt.

Um dieses Urteil vorwegzunehmen: „Pablo fühlt sich nicht ganz ernst genommen“ weiterlesen

AR ist doof. Mit ein paar Ausnahmen

Augmented Reality ist eine Spielerei – diese Überzeugung hatte ich lange. Sie ringt einem hie und da ein anerkennendes Nicken ab. Aber so lange Brillen wie die Hololens nicht zu unserer Grundausstattung gehören, bringt sie keinen Alltagsnutzen. Denn niemand will aufs Handydisplay starren, nur um die Welt um sich herum zu sehen – selbst wenn sie auf dem Display mit ein paar digitalen Einsprengeln angereichert ist.

Diese Überzeugung kam ins Wanken, nachdem ich ein paar wirklich beeindruckende AR-Apps aus dem Bereich der Wissensvermittlung und Bildung getestet hatte – einem Gebiet, wo man aktuell die Augmented-Realiity-App zur Berliner Mauer ergänzen könnte. Und bemerkenswert fand ich auch, dass man AR nicht nur für Unterhaltungs- oder Bildungszwecke nutzen kann, sondern auch als Werkzeug: Zum Beispiel als Messinstrument.

Mit Filmr tanzt plötzlich ein Zwerg hinter unserem Rücken durchs Büro.

Schliesslich entpuppte sich die erweiterte Realität auch als interessantes Instrument für kreative Video- und Bildproduktionen. Im Beitrag CGI für deine und meine Videos stelle ich die App Leo AR Camera vor, die mittels AR Einhörner  (und andere Objekte) ins Video einfügt. Neulich bin ich einer anderen App begegnet, die das auch kann. Die heisst Filmr (kostenlos fürs iPhone und Android) und ist eigentlich eine Videoschnittsoftware. Wenn man mit ihr aufnimmt, kann man auch tanzende Zwerge und andere 3-D-Objekte in seine Clips einfügen.

Es gibt eine weitere kreative Möglichkeit für AR: „AR ist doof. Mit ein paar Ausnahmen“ weiterlesen