Hold my beer, während ich diese App benutze

Besserer Mensch, weil weniger Alkohol? Wie eine App uns bei diesem Unterfangen helfen will.

Apps sind normalerweise Werkzeuge. So, wie eine Schaufel, ein Hammer oder eine Bohrmaschine, unterstützen sie unsere Arbeit und eine konkrete Tätigkeit. Oder sieh versehen uns mit intellektueller Nahrung. Diesem Bereich ordne ich Netflix, Spotify, Audible, Blendle oder Readly ein. Und natürlich auch iBooks, Podcatcher, Internetradioempfänger, RSS-Reader und anverwandte Produkte.

Es gibt indes auch Apps, die einen höheren Anspruch haben, als dem Anwender bloss zuzudienen. Die würde ich nicht mit einem Hilfsmittel vergleichen, sondern mit einem Lehrer, Trainer, Lifecoach oder mit Mike Shiva. Solche Apps drehen gewissermassen den Spiess um. Da stecken wir nicht in der Rolle des Anwenders. Im Gegenteil, wir sind das Objekt der Bemühungen – das Pièce de résistance, an dem sich die App abmüht.

Das ist völlig harmlos bei Apps, die es darauf abgesehen haben, zu unserer Bildung und geistigen Fitness beizutragen. Beispiele dafür sind die Apps zur Horizonterweiterung, die ich seinerzeit hier vorgestellt habe. Oder die Apps gegen den körperlichen Zerfall aus diesem Beitrag. Dann gibt es natürlich auch Apps für das körperliche Wohlbefinden, zum Beispiel Sport-Apps (hier oder hier) oder Apps für Rezepte und das Kochen.

Etwas schwieriger wird es bei Apps, die unseren Lebenswandel positiv beeinflussen möchten. „Hold my beer, während ich diese App benutze“ weiterlesen

Rezepte für alle Geschmäcker (ausser jene von Kannibalen)

Heute ist ein fast so kontroverses Thema wie die Frage nach der besten Religion angesagt: Es geht nämlich um die empfehlenswertesten Koch-Apps.

Die besten Rezept-Apps – die standen schon lange auf meiner Themenliste. Aber gibt es ein kontroverseres Thema als das? Mir fällt nur gerade eines ein: «Die schönsten Religions-Apps.»

Doch gerade nach den Glaubensbekenntnissen kommt die Ernährung als Gebiet, wo Überzeugungen nahtlos in Ideologien übergehen und Weltanschauungen aufeinanderprallen: Manche mögen es heiss und fettig, andere naturbelassen und knackig. Es gibt die Leute mit der Laktoseintoleranz – und solche mit null Verständnis für hipsterige Zutaten wie Quinoa, Avocado, Blumenkohl oder Sriracha-Sauce.

Da gibt es Leute, die keine Konservierungsmittel vertragen und andere, die mit gänzlichem Unverständnis darauf reagieren, dass ein Gericht nicht in der Plastikschale gereicht wird und mindestens 350 Lebensmittelzusätze aufweist.

Für mich stellt sich die Frage: Kann man solche Apps vorstellen und neutral bleiben? Denn ich habe keine Lust, für die eine oder andere Position Stellung zu beziehen oder bezüglich meiner persönlichen (nicht allzu aussergewöhnlichen Vorlieben) die Hosen allzu weit herunterzulassen.

Aufgefallen ist mir, dass es sich manche Apps einfach machen: „Rezepte für alle Geschmäcker (ausser jene von Kannibalen)“ weiterlesen

Adobes neue Kamera-App haut mich (noch) nicht aus den Socken

Ist Photoshop Camera die ultimative Kamera-App? Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht.

Hier im Blog habe ich schon diverse Effekt-Kamera-Apps vorgestellt, Halide, ProCam, Camera+, Manual Camera oder neulich Hipstamatic X Analog. Doch jetzt kommt die Kamera-App, die alle anderen Kamera-Apps überflüssig macht. Oder?

Das ist Photoshop Camera, natürlich von Adobe, fürs iPhone/iPad und Android. Es sei «die Kamera-App, von der du immer geträumt hast», verspricht Adobe: «Die intelligente Kamera-App von Adobe weiss, mit welcher Linse und welchen Filtern deine Motive zur Geltung kommen – noch bevor du den Auslöser drückst.»

Das klingt einerseits spannend: Denn natürlich, wenn ein Effekt bereits beim Fotografieren angewendet wird, ist das Resultat in vielen Fällen besser, als wenn man ihn erst in der Postproduktion hinzufrickelt: So sind  Rückkoppelungen in den Entstehungsprozess möglich.

Ein Beispiel dafür ist die Schwarzweissfotografie: „Adobes neue Kamera-App haut mich (noch) nicht aus den Socken“ weiterlesen

Der riesige Hunger der SBB nach Kundendaten

Eine neue Reise-App der Bundesbahnen sammelt ungeniert und nonstop Ortsdaten der Nutzer. Das geht sogar mir zu weit.

Auf die Empfehlung eines Lesers hin habe ich neulich für die Tamedia die Citymapper-App vorgestellt. Dabei habe ich auf frühere Tipps zur Routenplanung hingewiesen, die es hier im Blog unter dem Titel Der Komfort eines GAs, aber ohne die Fixkosten zu lesen gab.

Einer der Tipps damals war die Reiseplaner-App der SBB. Als ich die noch einmal angeschaut habe, musste ich feststellen, dass sie einen leisen Tod gestorben ist: Die App funktionierte nicht mehr und sie ist auch aus dem Store verschwunden. Eine Erklärung dazu habe ich nicht gefunden, noch nicht mal einen Hinweis, dass die App eingestellt wurde.

Das ist nicht die feine Art, liebe SBB. Wenn Ihr eine App zurückzieht, dann teilt das den Nutzern mit. Und sagt ihnen, weswegen Ihr das tut.

In dem Fall hättet Ihr auch darauf hinweisen können, dass es eine Nachfolge-App gibt. Von der habe ich nämlich erst als Reaktion auf meinen Artikel erfahren.

Dieser Nachfolger heisst SmartWay und ist fürs iPhone/iPad und für Android erhältlich. Den Namen finde ich nicht sehr geglückt: „Der riesige Hunger der SBB nach Kundendaten“ weiterlesen

Eine PDF-App, die nur wenige Wünsche offen lässt

I love PDF ist eine App, die als das Ei des Kolumbus in Sachen PDF gelten darf. Mit einer Einschränkung, allerdings.

Habe ich nun endlich die PDF-Anwendung gefunden, die mir alle Wünsche erfüllt? Diese Hoffnung ist neulich bei mir aufgekeimt, nachdem ich I love PDF entdeckt hatte. Das ist ein Webdienst, der ganz ähnlich funktioniert wie die diversen Dienste, die an dieser Stelle bereits vorgestellt wurden.

Das Alleinstellungsmerkmal besonderes Merkmal¹ besteht nun darin, dass I love PDF nicht nur online zur Verfügung steht, sondern für den Offline-Gebrauch auch für den Desktop, also Windows und Mac und für die mobilen Plattformen: Für Android und fürs iPhone und iPad.

Einem ersten, kritischen Blick hält die App stand: Es gibt vier Bereiche, die alles abzudecken scheinen, was man braucht: „Eine PDF-App, die nur wenige Wünsche offen lässt“ weiterlesen

Ich hadere heftig mit der Strava-App

Braucht man diese Sportler-App für erfülltes Hobbysportlertum? Und lohnt sich das Premium-Abo?

Ich hadere noch immer mit mir. Soll ich nun den Probemonat bei Strava starten oder nicht?

Die App habe ich seit längerem installiert – nämlich, seit ich mir für das Video Wenn das Smartphone nach draussen lockt einige Sport-Apps angesehen habe. Ich habe die App durchaus schätzen gelernt. Vor allem wegen der schönen Dinge, die man mit seinen Daten anstellen kann (Erst schwitzen, dann daten-minen). Denn Strava ist nicht bloss eine App und eine Website, sondern auch ein soziales Netzwerk – und die massgebliche Plattform für Sportler, die ihre Ambitionen gegenüber der Welt offenbaren wollen.

Dieses Bedürfnis hatte ich bislang nicht. Nachdem aber Dani Hofstetter bei uns im Nerdfunk war, habe ich mich entschlossen, Strava mit der Garmin-Connect-App zu verbinden und meine aufgezeichneten Aktivitäten automatisch dort zu teilen. Bislang war ich ganz zufrieden mit dem, was die Connect-App an Analysen ausgespuckt hat. Und neuerdings nutze ich auch die Aktivitäten-App von Apple.

Auch die Strava-App konnte meinen Ehrgeiz nicht massgeblich steigern. Ich schätze es zwar durchaus, von meinen (wenigen) Freunden Kudos zu erhalten, nachdem ich mich in einer einsamen Physical-Distancing-Jogging-Runde verausgabt habe. Aber ich plage mich für mich selbst und nicht für andere oder für das Lob: „Ich hadere heftig mit der Strava-App“ weiterlesen

Wann stellt Apple den Homescreen auf den Kopf?

Wie wahrscheinlich ist es, dass Apple in einer der nächsten iOS-Versionen den Homescreen neu erfindet? Ich wage eine Prognose – und ich gebe Tipps, wie man aus dem aktuellen Homescreen das Maximum herausholt.

Das lange Warten auf den besseren Homescreen – schon vor einiger Zeit thematisiert – dauert noch etwas an. Das Gitter an Icons, wie man es beim iPhone und iPad sieht, hat einen Mangel: Er wird immer unpraktischer, je mehr Apps man hat. Er erstreckt sich dann entweder in die Breite (mit vielen Homescreen-Seiten) oder in die Tiefe (mit Ordnern).

Ich höre immer wieder von Leuten, dass sie den Homescreen kaum mehr nutzen und ihre Apps mittels Suche aufstöbern. Das ist natürlich nicht verkehrt – aber dann ist der Homescreen eine riesige Platzverschwendung an zentraler Stelle. In dem Fall wäre es sinnvoll, dort etwas anderes, Sinnvolles anzuzeigen. Und wenn es nur das Wetter ist.

Also, die Frage bleibt: Wie könnte ein besserer Homescreen aussehen? Wie immer gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder erfindet Apple etwas radikal Neues. Oder es geht weiter wie bisher – mit mehr oder weniger grossen Modifikationen am bisherigen Screen.

Die Gefahr, sich mit einer Prognose zu blamieren, scheint mir gering – und die Sache klar: „Wann stellt Apple den Homescreen auf den Kopf?“ weiterlesen

So flickt man kaputte Smartphone-Apps

Vier Massnahmen, wie Abstürze und Hänger bei iPhone-, iPad- und Android-Apps behoben werden. Plus zwei Vorschläge zuhanden von Apple.

In der letzten Zeit habe ich einige Mails bekommen, bei denen die Leute sich mit nicht korrekt funktionierenden Apps herumgeschlagen haben. Eine gute Gelegenheit für ein klassisches Fehlerbehebungs-Video. Denn mir ist neulich auch mal der Hut hochgegangen, nachdem ich die tägliche Herausforderung in der Solitaire Collection von Microsoft nicht in Angriff nehmen konnte, weil die  App sich beim Klick auf die Rubrik sogleich verabschiedet hat, ohne auch nur Tschüss zu sagen.

Nun sind beim iPhone und iPad die Möglichkeiten der Fehlerbehebung beschränkt. Weil das System sich vor direkten Nutzereingriffen abschottet, kann man vieles nicht tun, was bei Windows zum Standard-Repertoire der Selbsthilfe gehört: Man kann keine Selbststarter abschalten, Dienste deaktivieren, Caches löschen, nach Schadsoftware und Greyware suchen, Treiber deinstallieren, im sicheren Modus aufstarten, eine Reparaturinstallation vornehmen, Konfigurationsdateien löschen oder von Hand bearbeiten, ein Programm mit Admin-Rechten starten …

… oder was man sonst noch so tun könnte. Das ist eine gute und gleichzeitig eine schlechte Nachricht. „So flickt man kaputte Smartphone-Apps“ weiterlesen

Was mir an Apple Arcade gefällt – und was noch besser werden kann

Der Abodienst für Spiele hält wunderschöne Titel bereit. Er ist aber auch etwas gar elitär – und bemüht, den mittels In-App-Käufen Kohle scheffelnden Titeln nicht zusehr in die Quere zu kommen.

Ich bin seit einiger Zeit dabei, Apple Arcade zu testen. Das ist Apples Abodienst für Spiele, der sicherlich auch als Antwort auf die Free-to-Play-Auswüchse zu verstehen ist. Denn das typische Gratis-Game aus dem App Store hat nur noch vordergründig den Zweck, den Spieler zu unterhalten. Der eigentliche Zweck ist, ihm mit allen Mitteln Kohle aus der Tasche zu locken.

Diese Motivation ist nicht zu übersehen bei den Endless-Runner-Titeln, die ich vor kurzem hier vorgestellt habe. Es ist unbestreitbar bei all den «Blast»-Varianten (Toon Blast, Angry Birds Blast). Und leider gilt es auch für «Homescapes» (Android/iPhone und iPad): Das könnte ein charmantes Casual Game sein, wenn es nicht offensichtlich wäre, dass die zwischendurch frustrierend schweren Level nur den Zweck haben, den Spieler dazu zu bringen, alle seine Powerups zu verballern, damit er hinterher für viel Geld neue kauft.

Auch «Homescapes» ist übrigens ein Vertreter des Match-3-Spielprinzips, das man auch von «Candy Crush Saga», «Toon Blast» und Konsorten und vielen anderen Vertretern kennt.

Apple Arcade kostet 6 Franken im Monat. Dafür gibt es Zugang zu inzwischen mehr als hundert Spielen, die man ganz ohne Werbung und In-App-Käufe geniessen darf. Ich habe folgende Titel ausprobiert: „Was mir an Apple Arcade gefällt – und was noch besser werden kann“ weiterlesen

Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen

Apps, die einem den letzten Nerv rauben – durch hirnlose Werbung. Oder aber, indem sie einen für dumm verkaufen wollen.

Hier steht klar und deutlich: «Matthias, es ist Zeit, dass du deine Zeit für sinnvolle Dinge verwendest!» ( Karolina Grabowska, Pexels-Lizenz)

Manchmal klicke ich aus purer Rachsucht auf ein Online-Banner. Zum Beispiel dann, wenn eine dieser werbefinanzierten Apps mich besonders aufdringlich mit übergriffigen Anzeigen gepiesackt hat. Vor allem bei Spielen gibt es sehr viel Werbung. Und dort ist sie besonders nervtötend – wie ich feststellen durfte, als ich die  Games für meinen Beitrag Da läuft man sich gleich viermal die virtuellen Hacken wund getestet habe.

Unterbrecherwerbung will einen mit allen möglichen fiesen Tricks dazu bringen, sie anzuklicken. Sie verschwindet nicht von alleine, sondern muss vom Nutzer entfernt werden. Zum Schliessen gibt es ein kleines x-Symbol: Das zeichnet sich dadurch aus, dass es nie in der gleichen Ecke zu finden ist: Man muss es somit immer erst suchen. Und es ist winzig, dass man möglichst leicht daneben tippt.

Auch die Werbung selbst nutzt Tricks, die höfliche Leute als «fragwürdig» bezeichnen würden. Wenn man es weniger zurückhaltend ausdrücken will, nimmt man das Wort hinterfotzig in den Mund. „Alter Privatfernseh-Unfug in neuen App-Schläuchen“ weiterlesen