Eine App für Orte, an denen man gerne ist

Aus unerfindlichen Gründen nutze ich noch immer die Swarm-App (für Android und iPhone/iPad). Die älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch. Unter dem Namen Foursquare hat die seinerzeit für Furore gesorgt. 2010 war es, als diese Check-in-Apps aufkamen und damals für einigen Social-Media-Stress gesorgt hatten. Nebst Foursquare gab es auch Gowalla, das von Facebook 2011 übernommen und 2012 eingestellt wurde.

Die Idee war eigentlich einleuchtend: Man registriert seine Anwesenheit an einem Ort, sodass man von anderen dort gefunden werden kann. Wenn jemand dazustossen möchte, kann er das tun. Spontane Treffen, wie sie nur mit dem Internet möglich sind.

Ich weiss nicht, wie es euch geht – aber für mich hat diese Idee nicht funktioniert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dank einer dieser Apps jemals jemanden spontan getroffen hätte. Die Sache ist an mehreren Dingen gescheitert: „Eine App für Orte, an denen man gerne ist“ weiterlesen

So machen digitale Postkarten keinen Spass

Eines der weniger prominenten Opfer des Medienwandels ist die Postkarte. Die dürfte in den letzten Jahren schwer unter die Räder gekommen sein. Bei mir gehörte es früher zum Ferienritual, etwa ein halbes Dutzend möglichst kitschiger Karten auf den Weg zu schicken. Heute macht man eher eine Live-Reportage via WhatsApp, belästigt die Leute auf Facebook mit seinen Schnappschüssen von Sonne, Meer und Sonnenschirmen (unter denen man entweder selbst liegt oder die man in seinem Longdrink stecken hat).

Oder man schickt Postkarten mit eigenen Motiven, die man per Smartphone fabriziert und über einschlägige Dienstleister verschickt. Das mindert die Auswirkungen des Medienwandels ein bisschen: Papierhersteller und Druckdienstleister bleiben im Spiel. Doch die Fotografen und Postkartenverkäufer gehen leer aus. Und die Post kommt beim Porto auf die Rechnung.

Auf die Schnelle habe ich keine Statistik gefunden, die den Rückgang in Zahlen ausdrücken würde. Auf statista.com gibt es zwei Auswertungen: 2016 verschickten demnach noch immer 78 Prozent der Deutschen Postkarten, was zur Überschrift «Lang leben die Postkarte» Anlass gab. WhatsApp und andere Messenger rangieren mit 36 Prozent auf Platz zwei. (Man darf offensichtlich auch mehr als eine Form der Feriengruss-Übermittlung wählen.)

2018 war das lange Leben der Postkarte dann offensichtlich auch schon vorbei. „So machen digitale Postkarten keinen Spass“ weiterlesen

Das Smartphone hat noch fünf Jahre

Ist es ein Hype – oder echter Fortschritt? Die Frage muss man sich bei der Augmented Reality (AR) stellen. Die erweiterte Realität ist in der Theorie eine super-faszinierende Angelegenheit. Die Welt, wie wir sie sehen und durchstreifen, wird durch künstliche Elemente ergänzt. Die richtige und die simulierte Welt fangen an, sich zu durchdringen und ineinander überzugehen.

Das ist eine Horrorvorstellung für Leute, die finden, die Leute würden heute schon zu viel in ihr Smartphone glotzen. Ich verstehe schon, dass Leute finden, eine klare Trennung zwischen den Sphären sei sinnvoll: Hier das richtige Leben mit den echten Freunden. Dort der Cyberspace mit seinen sozialen Medien.

Aber natürlich lässt sich das heute schon nicht so klar mehr trennen – dafür gibt es im Alltag schon viel zu viel verborgene digitale Technik, die uns lenkt und beeinflusst. Darum ist AR nur eine besonders offensichtliche Manifestation einer Entwicklung, die viel weiter geht.

Trotzdem hatte ich den Eindruck, die Augmented Reality in der jetztigen Form sei ein wahnsinniger Hype. „Das Smartphone hat noch fünf Jahre“ weiterlesen

Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister

Heute geht es um Darkroom. Ich dachte erst, es handle sich um eine Tablet-Variante eines bekannten Open-Source-RAW-Konverters. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich den Namen verwechsle und jenes Programm Darktable heisst. Siehe: Auf die dunkle Seite wechseln? Das ist nun aber kein Grund, sie nicht zu besprechen. Auch wenn mich bei den Foto-Apps angesichts der schieren Zahl immer das Gefühl beschleicht, es gäbe noch mindestens zehn andere Produkte, die noch viel empfehlenswerter und besprechenswürdiger gewesen wären.

Darkroom ist eine App fürs iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und bietet dafür einen soliden Basis-Funktionsumfang. Es gibt in App-Käufe fürs Freischalten der weitergehenden Werkzeuge. Für alle Tools zahlt man 10 Franken. Der Hersteller singt in der Beschreibung im App Store in den höchsten Tönen eine Lobeshymne auf sich selbst: „Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister“ weiterlesen

Für Architektur- und Blutmondfotografen

Neulich hat mich Rainer gefragt, ob ich seine App Sun Locator besprechen würde. Solche Anfragen gibt es ab und zu. Ich nehme sie sehr gerne entgegen, gebe aber keinerlei Garantie ab. Ob und wann eine Besprechung erfolgt. Und wo: Es kann somit passieren, dass die App den Auftritt hier im Blog hat und nicht in der Zeitung, beim Newsnetz oder im Patentrezept-Video. Andererseits kam es schon öfters vor, dass ich Besprechungen aus dem Blog für die grosse Bühne aufgegriffen habe. Man könnte sagen, dass das Blog zur Ochsentour gehört.

Woher kommen die Sonnenstrahlen? Und wo gehen sie hin?

Also, zu Sun Locator. Sie dient dazu, einem die Position von Sonne und Mond im Verlauf des Tages anzuzeigen. Das hilft Filmern und Fotografen, die Tageszeit für eine Aufnahmesession auszusuchen, in der das Licht aus der gewünschten Richtung kommt. Wenn man Architekturfotografie betreibt, möchte man wahrscheinlich, dass die Fassade des abzulichtenden Gebäudes nicht im Schatten liegt. Aber auch frontales Licht ist nicht unbedingt ideal. Ein bisschen Schattenwurf hilft, die räumlichen Dimensionen zu erfassen.

Aber auch die Architektur nicht Gegenstand, sondern bloss Kulisse ist, will man wahrscheinlich eine bestimmte Stimmung erzielen. Ob Landschaft oder Portrait, die Sonne ist ein Einflussfaktor, den man genau bestimmen kann – viel einfacher als ein anderer Komparse, der mitunter überhaupt nicht mitspielt. „Für Architektur- und Blutmondfotografen“ weiterlesen

Haben die bei Rovio einen Dachschaden?

Eigentlich sollte das heute ein simpler kleiner Game-Tipp werden. Mir ist das Spiel «Angry Birds Dream Blast» (kostenlos, Free to Play, für Android und iPhone/iPad) in die Finger geraten. Das passt mit Fug und recht in meine kleine Reihe mit indirekten Nachfolgern meines Spiels Clickomania. Doch mir ist dann etwas dazwischen gekommen. Doch bevor ich das ausführe, doch noch ein paar Worte zum Spiel:

Die Grundidee ist die alt bekannte: Das Spiel wirft bunte Bälle (bzw. «Blasen») aufs Spielfeld, die man platzen lassen muss. Das ist möglich, wenn mehrere Blasen mit der gleichen Farbe eine Gruppe bilden. Je grösser die Gruppe, desto besser: Punktemässig und allenfalls auch, was die Durchschlagskraft angeht.

Doch was die Ausführung angeht, liegen Welten zwischen meinem Spiel und dem von Rovio: Die App ist aufwändiger und abwechslungsreicher, als es mein simples Progrämmchen je war. Es gibt hübsche Grafiken und Animationen. Man bekommt es mit vielfältigen Power-Ups und speziellen Spielelementen zu tun. Natürlich haben auch die wütenden Vögel und die bescheuerten Schweine einen Auftritt. Denn dieses Spiel ist ein Spin-off des hier vorgestellten «Angry Birds Blast». (Das wiederum ein Spin-off des allerersten Angry-Birds-Titels ist.) „Haben die bei Rovio einen Dachschaden?“ weiterlesen

Wenn dein Arbeitgeber dein iPhone löschen will

Neulich habe ich von einem Bekannten folgende Anfrage erhalten:

Für mein Google-Geschäftskonto auf meinem Handy ist eine Anmeldung und die Installation eines mir unbekannten Sicherheitsprogramms nötig. Beim Installieren poppt folgende Warnung auf. Ist das normal? Soll ich das tatsächlich tun?

Die Warnung macht klar, dass mit «Sicherheitsprogramm» ein Profil bzw. ein Zertifikat gemeint ist, das die entfernte Verwaltung des Telefons möglich macht. Die Beschreibung zum Zertifikat lautet wie folgt:

Der Administrator kann auf deinem iPhone persönliche Daten sammeln, Accounts und Beschränkungen hinzufügen und entfernen, Apps installieren, verwalten und auflisten sowie Daten fernlöschen.

Man spricht in dem Zusammenhang auch von Mobile-Device-Management: Der Administrator im Unternehmen kann geschäftliche Smartphones aus der Ferne verwalten. Und zwar mit ziemlich weitreichenden Folgen: Der Admin darf Sicherheitsrichtlinien durchsetzen und Geräte so abschotten, dass Geschäftsdaten ausreichend sicher sind. „Wenn dein Arbeitgeber dein iPhone löschen will“ weiterlesen

Wie ich in zwanzig Jahren die Welt retten werde

Als Journalist hat man seine Lieblingsthemen. Auf denen arbeitet man sich immer mal wieder ab. Es kann unterschiedliche Gründe geben, wenn man nicht loslassen kann. Da sind die unerfreulichen Motive: Wenn man das Gefühl hat, dem Thema nicht gerecht geworden zu sein oder es nicht erschöpfend behandelt zu haben. Oder wenn es einem es bitzeli an Ideen mangelt.

Selbstverständlich gibt es auch hehrere Motive für widerkehrende Motive: Zum Beispiel eine Unzahl von Facetten, die man aus allen möglichen und unmöglichen Blickwinkeln beleuchten könnte. Das gilt dann genauso fürs literarische wie fürs journalistische Fach: Manche Schriftsteller beschäftigen sich ihr ganzes Leben lang mit der Liebe, dem Tod, ihrer Mutter oder der ignoranten Gesellschaft. Oder mit der Frage, welches die schleimigste Gattung Aliens sind, die man sich ausdenken könnte. „Wie ich in zwanzig Jahren die Welt retten werde“ weiterlesen

Hallo Bot!

Wie vor einiger Zeit nebenbei erwähnt hat mir die WordPress-Statistik vor Augen geführt, dass mein Blog weniger gelesen wird als gedacht. Mein altes CMS hat für jeden Beitrag die Views, also Anzahl Aufrufe gezählt. Nur ist die diese Zahl leider nicht sonderlich aussagekräftig. Nicht jeder Aufruf stammt von einem interessierten Leser. Ganz im Gegenteil.

Was mir theoretisch klar war, haben mir diese Zahlen deutlich ins Bewusstsein gerufen: Ein grosser Teil des Internetverkehrs stammt nicht von Menschen, sondern von Bots. The Internet Is Mostly Bots, hat «The Atlantic» neulich geschrieben. Der Bot Traffic Report gibt an, dass 48,2 Prozent menschliche Nutzer sind. 22,9 Prozent seien gute Bots und 28,9 Prozent böse Bots.

Etwas fällt bei dieser Studie sofort auf: Nämlich die Unterscheidung in gute und böse Bots. Die guten überwachen die Website, holen legitimerweise Daten, erstellen Indizes für Suchmaschinen wie Google und Bing oder halten Feed-Verzeichnisse und andere Dinge am Laufen. Die bösen Bots versuchen Sicherheitslücken zu finden und in die Website einzubrechen, Spam-Kommentare abzusetzen, Daten zu stehlen, Viren zu infiltrieren oder Informationen abzuziehen.

Viele der Bots haben mit Suchmaschinenoptimierung (search engine optimization, SEO) zu tun – und da kann man sich streiten, ob das nun gut oder böse ist. Ich tendiere eher zum letzteren.

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Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…

Wenn man das Blühmchen am Anfang des Videos sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass die digitalen Patentrezepte auf den Valentinstag gekommen sind. Da gäbe es einiges:

Die schönsten Dating-Apps. Die romantischsten Hintergründe für den Homescreen. Den erotischsten Klingelton für Anrufe der oder des Geliebten. Und selbst bei Liebeskummer kann man sich digital helfen lassen. Mend heisst die App, die am iPhone gebrochene Herzen flickt.

Oder aber eine «Sie liebt mich, sie liebt mich nicht»-App, wie das Video-Standbild insinuiert? Die gibt es übrigens auch. Picking Daisies ist kostenlos fürs iPhone und erlaubt es auch Fruitariern und anderen fundamentalistischen Naturschützern, die Chancen bei dem angebeteten Menschen durch Auszupfen von Blütenblättern in Erfahrung zu bringen. Denn mit dieser App leidet keine Blume, ausgezupft werden simulierte Blättchen. (Ich habe die App nicht getestet, aber ich wäre sehr enttäuscht, wenn es in den Credits keinen Hinweis à la: «Bei der Entwicklung dieser App sind keine Blumen zu Schaden gekommen» hat.) „Sie liebt mich, sie liebt mich nicht…“ weiterlesen