Ein Blogpost über eine der ganz grossen Fragen

Ich habe mir letzte Woche einen neuen Rucksack gekauft. Das ist nun eine Sache, von der ich angenommen hätte, dass sie für dieses Blog hier irrelevant ist – denn wenn ich mir neue Unterhosen anschaffe, muss das an dieser Stelle auch nicht erörtert werden.

Nun gab es allerdings neulich ein sozialmediales Ereignis, dass bei mir einen Meinungsumschwung bewirkt hat. Eine harmlose Frage auf Twitter hat unzählige Antworten, Neben-Threads ausgelöst. Leider zeigt Twitter die Zahl der Wortmeldungen nicht an. Aber die Diskussion hat meine Timeline während ungefähr einer Woche dominiert. So gross war das Interesse nur noch bei Nobillag – und da war es kein einzelner Tweet, der die Welle ins Rollen gebracht hat.

Also, Tech-Rucksäcke interessieren. Darum hier also meine Wahl, die sicher nicht die beste, billigste oder befriedigenste ist. Für mich passt sie aber aus mehreren Gründen.

Zuerst aber zur Ausgangslage:

Ich habe seit Jahren einen wirklich billigen Rucksack (ca. 40 Franken) benutzt, der ein offensichtlicher und schamloser Rip-off eines grossen Rucksack-Klassikers ist, nämlich des Kånken von Fjällräven (Amazon Affiliate). Der hat im Alltag seinen Zweck ganz gut erfüllt.

Nur hatte er ein paar Nachteile: Sobald man mehr Technik als ein iPad mit sich getragen hat, war er zu klein und unbequem. Ausserdem war er nicht wasserdicht. Und ausserdem haben einige Nähte damit begonnen, sich aufzulösen. Vor allem die Naht bei einem der Trageriemen. Und irgendwie möchte ich nicht, dass der Riemen gerade dann reisst, wenn ich doch einmal das Macbook mit dabei habe.

Also: Die Anforderungen waren: Mehr Platz und trotzdem bequem, inwendig trocken, auch wenn es regnet. Ein paar Fächer mehr als nur eine einzelne, aufgesetzte Tasche. Und eine etwas modernere Optik als der Kånken von 1978 ist auch okay.

Ich bin letzte Woche beim Spazieren durch Winterthur bei einem dieser Läden, die von der Fusscreme bis zur Lebensversicherung alles verkaufen, in der Auslage auf den Vargu Roll-X gestossen. Die Marke war mir gänzlich unbekannt. Aber der nette Verkäufer, der mein Interesse sofort bemerkt hatte (während meine Tochter sämtliche Badeenten in der Auslage von Cowboy bis Priester untersucht hat), erklärte mir, das sei eine einheimische Marke.

In einem Artikel des «Bieler Tagblatts» (Paywall) standen einige Hintergründe zu dem Erfinder, Reinhard Margelisch aus Aegerten:

So wühlte er sich in Neu Delhi durch die Müllhalden der Industriefirmen. Mit ausgedienten Zeltplanen, Werbeplakaten, Veloschläuchen und Sicherheitsgurten im Gepäck suchte er ein Nähatelier auf und beauftragte damals drei Näherinnen mit der Fertigung. (…)

Der Designer legt viel Wert auf funktionelle und technische Details, zum Beispiel Laptop-Taschen mit USB-Ports und Diebstahlschutz oder mit integrierter Regenkapuze. Sie werden mittlerweile auch in China hergestellt. Solch komplexe Sachen könnten die Inder nicht mehr nähen, sagt der Recycler.

Das erinnert an die Freitagtaschen, die für mich aber kein Thema sind. Erstens mag ich keine Umhängetaschen und zweitens haben die ihren Zenit nun doch überschritten.

Das «Upcycling» – rezyklieren alter Materialen, aber mit einem gehobenen Anspruch – finde ich sympathisch. Natürlich mit der Einschränkung, dass ich es dann doch schade finde, dass die Taschen nicht hierzulande, sondern in China genäht werden. Allerdings liegt der Grund auf der Hand. Der Preis von 170 Franken für den Rucksack ist auch so schon stolz. Wenn er hierzulande fabriziert würde, dann wäre wahrscheinlich mindestens doppelt so hoch. Und ja, das würde ich auf gar keinen Fall bezahlen.

Also, ich fand die Marke sympathisch und war darum auch bereit, einen Drittel mehr draufzulegen, als ich bei irgendeiner der grossen Marken bezahlt hätte. Aber natürlich muss auch das Produkt passen.

Da ich manchmal mein Video-Equipment (Kamera, Licht, Laptop) durch die Gegend trage, brauche ich mehr Platz als bei meinem bisherigen Rucksack mit etwa 16 Liter  Volumen (der im übrigen keinerlei Schutz oder Polsterung für die verpackten Güter hatte). 140 Liter, wie im Eingangs-Tweet gefordert, wären für den Alltagseinsatz andererseits viel zu viel. Der Roll-X mit 23 Litern scheint mir ein guter Kompromiss zu sein: Nicht überdimensioniert für den Alltag, aber trotzdem deutlich grösser als bisher). Und mit ausreichend Reserven.

Bequeme Trageschlaufen mit Brustgurt und eigenem Täschchen (das Handy passt hier jedoch nicht rein).

Der Roll-X ist wasserdicht, was für den Transport von technischem Equipment wirklich wichtig ist. Er hat ein Fach für einen Laptop bis zu 15 Zoll und ein Fach für ein Tablet bis 10,5 Zoll. Das Laptop-Fach ist natürlich gepolstert und hat nochmals einen Extra-Klettverschluss. Das nennt sich wohl Diebstahlschutz. Halte ich für eine wagemutige Bezeichnung, denn wenn ein Laptop-Dieb nicht komplett debil ist, wird er auch diese Hürde zu überwinden wissen. Aber ja, es erschwert es einem Langfinger, mal eben in den Rucksack zu greifen und den Computer herauszuziehen.

Ein Merkmal, das ins Auge springt, ist das Rolltop: Das obere Ende wird nicht durch eine Lasche verschlossen, sondern aufgerollt und mit zwei Riemen festgezurrt. Das erinnert an die Taschen der Velokuriere und ermöglicht es, den Stauraum nach oben zu vergrössern. Auch sollte es einfacher sein, ein Stativ einzupacken, das oben rausragt. Aber die Optik ist nicht jedermanns Sache.

Der Nachteil ist, dass das Öffnen und Verschliessen (mit zwei Riemen mit Klett und Steckschnallen) tendenziell etwas länger. Aber wenn man die Dinge, die man ständig ein- und auspackt, in den Aussentaschen hat, dann sollte das nicht stören. Die Fronttasche geht mit einem Magnetverschluss zu und ist wiederum sehr schnell zu benutzen.

Das Smartphone ausserhalb lässt sich mit der Powerbank innerhalb verbinden.

Apropos Taschen: Der Roll-X hat für meinen Geschmack eher zu viele davon – ich neige dann dazu, nicht mehr zu wissen, in welche Tasche ich was gesteckt habe. Aber gut, das ist ein Problem meines Hirns, nicht des Rucksacks. Es gibt eine Tasche auf der Aussenseite, plus ein Seitenfach, eine Verstaumöglichkeit für die Powerbank mit Kabelöffnung, sodass man sein Smartphone angestöpselt verwenden kann, wenn man zum Beispiel auf einer Pokémon-Go-Mission ist. Es gibt ein Fach am Rücken und je eines in den Trageriemen. Plus Steckfächer auf der Seite, zum Beispiel für Getränkeflaschen.

Fazit: Alles drin, alles dran. Nach einer Woche, teils auch mit etwas mehr Last, finde ich den Rucksack sehr bequem (einen Brustgurt gibt es übrigens auch). Für meine Zwecke, die nicht jedermanns Zwecke sind, passt er sehr gut. Was nun die Nachhaltigkeit angeht, ist das Obermaterial aus wasserdichtem Polyester und das Futter aus rezyklierten PET Flaschen. Ob das nun das Nonplusultra oder inzwischen Standard ist, weiss ich nicht. Und ja, der Rucksack ist auch vegan; falls das für euch wichtig ist.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzegungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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