Das Betriebssystem für den Hosensack


Der USB-Stick als «Zündschlüssel» für den PC.

Braucht es die externen Speichermedien überhaupt noch? Zu dieser Frage kann man geteilter Meinung sein. Dank des Internets kann man seine Daten auch irgendwo in der Wolke deponieren und sie so in Griffnähe halten. Für mich gibt es dennoch ein paar gute Gründe, Daten auch mal physisch mit mir zu führen. Erstens natürlich meine Cloud-Skepsis, die mich dazu bringt, nicht alle Arten von Dokumenten bedenkenlos im Netz zu speichern. Meine Bankauszüge habe ich zwar auch schon in die Dropbox gelegt – mir aber jedes Mal vorgenommen, das nicht mehr zu tun. Auch Familienfotos würde ich auch nicht überallhin hochladen.

Ein guter Grund ist auch die Dateigrösse. Wer sich mit Video und unkomprimiertem Audio herumschlägt, der wird ein USB-Stick oder eine externe Festplatte wegen des Tempos schätzen (selbst wenn mit Glasfaser dieses Argument stark an Bedeutung verloren hat). Es gibt noch einen dritten Grund, nämlich die Vielseitigkeit. Externe Speichermedien beherrschen einige Dinge, die mit virtuellen Dateiablagen im Netz nicht möglich sind. Im Video stelle ich einige davon vor, namentlich die portablen Apps. Die sind unglaublich praktisch, indem man sie direkt vom USB-Stick ausführen kann. Oder, wie im Video verraten, auch auf abgeschottete Geschäfts-PCs draufbekommt.

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Auf die Verschlüsselung mit Bitlocker sollte man nicht verzichten – siehe Video.

Und die USB-Sticks können auch Betriebssysteme enthalten, sodass man fremde Computer auch mit seiner eigenen Arbeitsumgebung starten kann. Das ist nicht ganz einfach zu bewerkstelligen, weil das Booten vom USB-Stick nicht so ganz trivial ist. Eine beliebte software für diesen Zweck, die ich bislang selbst aber leider nicht ausprobieren konnte, ist Rufus: Man bringt mit ihr bootfähige Images (ISO-Dateien) auf USB-Speichermedien, mit denen man seinen Computer dann startet, ohne ein CD-Laufwerk und einen Rohling zu benötigen.

Man bekommt Windows in Form von Windows To Go auf einen USB-Stick, kann sich natürlich aber auch mit all den Linux-Varianten vergnügen. Die Freunde aus der Hackintosh-Fraktion haben sogar bootbare USB-Sticks mit Mac OS Sierra gebastelt. Klingt nach einem amüsanten Zeitvertreib, dem ich mich als Besitzer eines echten Macbooks jedoch nicht hingeben werde.

Fazit: Für Bastelfreunde eröffnet sich ein spannendes Tummelfeld: Die externen Speichermedien sind mit USB3 ausreichend schnell, dass die Sache Spass macht. Und ohne die Notwendigkeit, Festplatten neu partitionieren und formatieren zu müssen, macht das Ausprobieren von exotischen Betriebssystemen auf alle Fälle Spass. Ich würde es tun, wenn ich Zeit dafür hätte.

Noch zwei Extra-Tipps dazu: Der Speicherstein für den Schlüsselbund, vorgestellt im Beitrag 16 Gigabyte im Hosensack. Und: Das Smartphone funktioniert auch bestens als externes Speichermedium. Ich nutze, wie im Beitrag Das iPhone als USB-Stick beschrieben, seit einiger Zeit Airdisk Pro – eine App, die ihren Zweck hervorragend erfüllt.

Autor: Matthias

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2 Gedanken zu „Das Betriebssystem für den Hosensack“

  1. Für das Erstellen von bootfähigen USB-Sticks verwende ich XBOOT: https://sites.google.com/site/shamurxboot/home.

    Das kann mehrere Systeme auf einem Stick unterbringen. Diverse Linux-Distributionen unterstützt es nativ, für andere Software nutzt es eine ISO-Emulation über SYSLINUX. So läuft eigentlich alles ohne Anpassungen.

    Habe mir mal einen “Support-Stick” mit folgendem Inhalt erstellt:
    – Installer Windows 7
    – Installer Windows 10
    – True Image
    – Disk Director
    – Veeam Endpoint Backup Recovery Disk
    – Hiren’s Boot CD (Windows mit diversen Tools)
    – SystemRescueCd (Linux mit Datenrettungstools)

    So hat man alles dabei. Diese Software läuft alle ohne Anpassungen.

    Praktischerweise bringt XBOOT einen Emulator (QEMU) mit, man kann den Stick also direkt aus Windows heraus testen.

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