Weniger ist auch mobil mehr

Zu Werbeblockern habe ich eine differenzierte Meinung: Ich bin der Ansicht, dass sich Werbung als Finanzierungsmodell für gute Inhalte nicht bewährt hat, besonders nicht im Web, wo sie besonders lästig ist. Ich glaube, dass es zum Unterhalt schöner Medienprodukte neue Mittel und Wege braucht. Doch die lassen vorerst noch auf sich warten. Darum müssen wir uns mit der Werbung noch etwas abfinden – zumal Inhaltsproduzenten wie ich sonst kein Auskommen mehr haben. Das heisst aber nicht, dass man alles tolerieren müsste. Wenn die Werbung Überhand nimmt, darf man sie in die Schranken weisen.

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Die generellen und die individuellen Filter.

Ich verwende an meinem Windows-PC und Macbook keinen separaten Werbeblocker und auch keine Adblocker-Erweiterung mehr. Das ist nicht mehr nötig, seit Firefox in der Version 57 alias Quantum ordentlich zugelegt hat, was die Aktivitätenverfolgung angeht. Und die scheint ihre Wirkung nicht zu verfehlen: In meinem Blog sind die Adsense-Einnahmen seit Anfang Jahr deutlich zurückgegangen. Ich führe das auf die Aktivitätenverfolgung von Firefox zurück. Denn wenn die Funktion aktiv ist, werden in diesem Blog hier die von Google geschalteten Banner komplett eliminiert. (Ob die Aktivitätenverfolgung immer aktiv ist oder nur bei privaten Fenstern greift, schaltet man übrigens in den Firefox-Einstellungen bei Datenschutz & Sicherheit im Abschnitt Schutz vor Aktivitätenverfolgung ein.) Da meine Website einen hohen Anteil von Firefox-Nutzern hat, scheint es mir nicht unplausibel, Mozilla für den Rückgang verantwortlich zu machen.

Zurück zum Thema: Auf den Mobilgeräten habe ich die Möglichkeiten die Werbefilterung bislang nicht genutzt, obwohl es seit iOS 9 die Möglichkeit der so genannten Inhaltsblockern gibt. Das sind Module von Drittherstellern, die in Safari eingeklinkt, die Datenströme durchsieben. Sie können eingebettete Werbebanner eliminieren, aber auch beliebige andere Eingriffe vornehmen. Wenn man beispielsweise blinkenden Text nicht mag, könnte man, wenn man denn Eulen nach Athen tragen mag, einen Inhaltsfilter anbieten, der den blink-Tag eliminiert.

Um dieses Feld nicht unbeackert zu lassen, habe ich mir auf Empfehlung hin den iPhone-Inhaltsfilter 1Blocker X (5 Franken) vorgeknöpft, der vor kurzem in einer Neuauflage erschienen ist. Er verspricht, mit mehr als 120’000 Regeln das Surfen generell zu einer angenehmeren Sache zu machen.

Die Filter sind in sieben Kategorien eingeteilt: Ads, Adult Sites, Annoyances, Comments, Trackers, Custom Rules und Regional Rules. Ads und Tracker sind so weit selbsterklärend: Damit sind Werbebanner und Datensammler gemeint. Unter Annoyances versteht die App Dinge wie Social-Media-Widgets, die omnipräsenten Cookie-Hinweise, Teilen-Knöpfe und auch versteckte Kryptowährungs-Mining-Scripte.

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Die einzelnen Regeln links, die Erfassung eines eigenen Eintrags (hier für die weisse Liste) rechts.

Comments entfernt eingebettete Diskussionsplattformen wie Disqus.com. Und Block Adult Sites enthält einen klassischen Pornofilter. (Die Blockierliste könnte man allerdings auch als umfangreiche Sammlung pornografischer Angebote verstehen. Das ist dann wohl das, was man einen Kollateralschaden nennt.) Im Bereich Regional bietet die App die beiden Kategorien Block German Ads und Block Russian Ads an. Ich nehme an, dass die aus Performance-Gründen ausgelagert sind.

1Blocker macht ein umfangreiches Angebot an Filtermöglichkeiten. Was man davon in Anspruch nimmt und was nicht, ist Geschmackssache. Ich blockiere die Tracker und die Annonances: Die Werbung lasse ich aktiv, weil ich sie, wie eingangs erwähnt, als notwendiges Übel betrachte – sinnvoll fände ich eine Unterscheidung nach dezenter und aufdringlicher Werbung: Penentrante Reklameformen würde ich gerne loswerden, während ich zurückhaltende Kommerzbotschaften zu ertragen bereit bin.

Auch Kommentare und Diskussionsforen gehören für mich dazu. Die Social Media-Einblendungen sind IMHO komplett überflüssig. Wenn ich eine Adresse teilen möchte, dann tue ich das über die entsprechende Funktion des Browsers, oder ich kopiere die URL gleich selbst. Natürlich, mir leuchtet durchaus ein, dass viele Website-Betreiber die Aktivitäen auf den sozialen Medien speziell tracken möchten und darum froh wären, wenn die Leute die eingebetteten Tools z.B. von addthis.com verwenden würden. Aber auch wenn ich als Blogbetreiber auf Clickomania.ch addthis.com (noch) anbiete, heisst das nicht, dass ich diesen Dienst nutzen will, wenn ich als Surfer unterwegs bin. Manche werden diese Haltung für leicht heuchlerisch oder hochgradig schizophren halten. Ich finde es aber einleuchtend, dass sich die Prioritäten unterscheiden, wenn als Anbieter oder als Konsument unterwegs ist.

Interessant ist jetzt vor allem auch die Kategorie Custom. Hier gibt es eine weisse und eine schwarze Liste: Die Whitelist deaktiviert die Filterung für die aufgeführten Sites komplett und Block Sites verweigert den Zugang ganz. Man kann Cookies von bestimmten Anbietern abweisen und – das ist besonders interessant – bestimmte CSS-Elemente ausblenden. Das ermöglicht es, unerwünschte Elemente von Websites verschwinden zu lassen. Es setzt allerdings Verständnis für Cascading Style Sheets voraus.

Mit Make Sites https only kann man Safari zwingen, Inhalte verschlüsselt zu laden. Das entspricht HTTPS everywhere bei den Desktop-Browsern.

Nach der Installation der App muss man die Regeln, die man verwenden möchte, in den Einstellungen des iPhones bzw. iPads bei Safari unter Inhaltsblocker aktivieren. Danach ist es möglich, die Konfiguration in der Steuerungs-App zu verfeinern. Man kann jede Kategorie für sich ein- und ausschalten und, wenn man möchte, auch alle hinterlegten Regeln – die übrigens ein gefundenes Fressen für Fans von regulären Ausdrücken sind – prüfen und separat ein- oder ausschalten.

Fazit: Nützlich – aber leider nur in Safari verfügbar. Ich nutze aber auch gern Firefox, und da muss ich auf 1Blocker X leider verzichten.

Autor: Matthias

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