Navigation für Erwachsene

Die App Anchor Pointer (2 Franken, nur fürs iPhone) ist eine Navigations-App der etwas anderen Art. Sie verzichtet auf Kartendarstellung, Turn-by-Turn-Richtungsangaben und gesprochene Anweisungen. Also kein «Biegen Sie bei der nächsten Kreuzung in dreihundert Metern halbrechts ab». Das einzige, was diese App anzeigt, ist ein Kompass mit einem Richtungspfeil und eine Distanzangabe, die besagt, wie weit das Ziel in Luftlinie noch entfernt ist.

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So wird man zum Ziel gelotst. (Ob in Yard und Meilen oder Meter und Kilometer, Grad oder Richtungsangaben kann man selbst wählen.)

Die Botschaft der App ist simpel: «Dorthin musst du. Und wenn du weisst, in welche Richtung du gehen musst, wirst du ganz bestimmt selbst hinfinden.» Das finde ich sympathisch. Die klassische Navigations-App hat oft etwas Nanny-haftes. Wenn man ein paar Meter vom vorgegebenen Weg abweicht, gerät sie schon in Panik: Sie fängt an, die Strecke neu zu berechnen, und wenn man sich einmal komplett in die falsche Richtigung begibt, dann stösst sie hektische Aufforderungen zur Umkehr aus.

Das könnte man als Bevormundung erachten. Und es ist mühsam, wenn man nicht unter Zeitdruck steht, sondern sich zum Beispiel als Tourist in einer fremden Stadt befindet. Dann möchte man wahrscheinlich nicht in direkter Linie ans Ziel gelangen, sondern auf seinem Weg auch noch ein paar interessante Dinge ansehen. Mit dieser App lässt man sich grob in die richtige Richtung treiben und wählt Strassen und Wege nach Lust und Laune. Es kann einem dabei natürlich passieren, dass man in eine Sackgasse gerät oder grössere Hindernisse nicht erkennt, die bei der selbstgewählten Route zwischen dem Ausgangspunkt und dem Zielort liegen. Die Nanny-Navigation würde einen um solche Hindernisse herumlotsen. Doch wenn man mit Anchor Pointer unterwegs ist, muss man halt selbst schauen, was man tut. Geht man zurück? Versucht man einen kleinen Umweg? Oder fragt man einen Passanten? Das wären alles Optionen, die man in solchen Fällen zur Verfügung hat.

Anchor Pointer eignet sich logischerweise auch für die freie Natur, wo einem eine klassische Navigations-App eh nicht sonderlich gut weiterhelfen kann, weil das Kartenmaterial keine Wege und Strassen aufweist, und man sich sowieso querfeldein durchschlagen muss.

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Das Menü und die Liste mit den Ankerpunkten.

Anchor Pointer hält im Menü die vier Befehle Anker hinzufügen, Ankerliste, Auto parken und Freunde treffen zur Auswahl. Der erste Befehl ist offensichtlich: Mit Anker hinzufügen speichert man einen Ort in seiner Liste. Man kann den aktuellen Standort sichern oder einen Zielort suchen, und den Punkt mit einer Beschreibung versehen und aus der Liste ein Symbol wählen.

In der Ankerliste sieht man seine Anker, die standardmässig nach Name sortiert sind. Man kann sie aber auch nach Entfernung oder nach Hinzufügedatum sortieren. Es ist möglich, die Anker auf einer Karte einzeichnen zu lassen.

Wenn man einen Anker antippt, erscheint die Navigationsansicht, die einem eine Windrose anzeigt, auf der ein Pfeil angibt, in welcher Richtung sich der Anker befindet. Die Windrose zeigt entweder Himmelsrichtungen oder Gradangaben. Darunter sieht man die GPS-Informationen mit den aktuellen Koordinaten, Geschwindigkeit und der Zeit, die man bei der aktuellen Geschwindigkeit bis zum Ziel braucht. Man kann sowohl seine aktuellen Koordinaten als auch die Koordinaten des Ziels als Text oder formatiert (für andere Anchor Pointer-Nutzer) teilen.

Via Freunde treffen kann man die Position für Freunde freigeben und entsprechend die Position von Freunden sehen, die ihrerseits ihren Standort freigegeben haben. Und Auto parken speichert unkompliziert die Position, an der man ein Fahrzeug (wahlweise auch das Velo) gelassen hat, und führt einen dann dahin zurück.

Fazit: Eine hübsche App, die vor Augen führt, dass man manche Aufgaben auch erfrischend unkompliziert lösen kann. Die Navigationsmethode von Anchor Pointer hat den Vorteil, dass sie auch ohne Internetverbindung funktioniert, was im Ausland ein nicht zu unterschätzender Vorteil sein kann. Für mich ist diese App kein Ersatz für eine klassische Navigation: Wenn ich schnell und möglichst ohne Umwege an einen bestimmten Ort gelangen möchte, dann werde ich auch weiterhin Goole Maps oder Apple Maps benutzen. In den Ferien, wenn ich in Entdeckerlaune bin und einen Ort einfach mal der Nase nach erkunden möchte, dann werde ich Anchor Pointer aber sehr gerne benutzen.

Natürlich steht und fällt das Konzept mit der Genauigkeit des Kompasses. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die sehr von den Umständen abhängt. Doch dank GPS sollte die Richtung mit der Zeit, d.h. nach ein paar Schritten genauer werden, selbst wenn die vom Magnetometer eruierte Richtung ursprünglich nicht so ganz akkurat gewesen sein sollte.

Autor: Matthias

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