Ein Roboter gestaltet ein Logo

Im Beitrag Tyler Brûlé, to the rescue! habe ich neulich den Versuch unternommen, mir im Netz ein Logo fabrizieren zu lassen. Gesucht ist eine hübsche Bildmarke für unseren Nerdfunk-Podcast. Das momentane Bild ist eine Verlegenheitslösung mit mässigem Charme, minimalem gestalterischem Anspruch und einer kreativen Flughöhe, die nicht in Metern, sondern in Zentimetern angegeben werden muss.

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Damit würde ich herumlaufen.

Design Evo hat mich leider nicht zum Ziel geführt. Ohne eine kreative Ader kommt bei dem Webdienst kein Logo heraus, das man auf Briefpapier drucken oder auf einem T-Shirt in der Öffentlichkeit für jeden sichtbar tragen wollen würde. Darum nun ein zweiter Versuch mit logojoy.com. Dieser Webdienst weckt gewisse Hoffnungen.

Er führt nämlich ein neugieriger Assistent durch einen Ideenfindungsprozess:

  1. Man gibt erst den Namen des Unternehmens, bzw. in meinem Fall der Sendung an.
  2. Dann wählt man sein Umfeld, die industry. Ich nehme erfreut zur Kenntnis, dass an dieser Stelle nicht nur Radio, sondern auch Podcast zur Auswahl steht.
  3. Im nächsten Schritt wählt man aus einer grösseren Anzahl Logos fünf aus, die einen ansprechen. Die Bandbreite ist erfreulich gross, ob Retro oder modern, nüchtern oder verschnörkelt, man sollte seine Vorlieben anbringen können. Nur für das klassische, selbstgebastelte Metzger- oder Spenglerlogo, die man zu meiner Freude hierzulande noch immer recht oft sieht, gibt es keine passende Vorgabe.
  4. Dann wählt man farbliche Vorgaben aus einer grösseren Anzahl von Farbverläufen aus.
  5. Jetzt ist ein (optionaler) Slogan gefragt. Ich gebe nerdfunk.ch an.
  6. Beim nächsten optionalen Schritt wählt man ein Icon bzw. ein Symbol oder einen Themenbereich aus. Ich wähle einen Bildschirm aus (screen).

Das wars. Nun erzeugt die Webapp mit viel Brimborium das Logo – was angeblich ein paar Sekunden dauert. Ich vermute mal, dass diese Wartezeit zu Showzwecken eingebaut wurde, um die Spannung zu erhöhen. Und das funktioniert auch ganz gut.

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Am Anfang des Gestaltungsprozesses gibt man seine Vorlieben an.

Dann kriegt man die Logos zu sehen, aber nur kurz. Bevor man sie ausgiebig studieren kann, muss man ein Login erstellen oder sich anmelden.

Das Resultat ist eine Liste von zwölf Varianten, die man auf Wunsch noch weiter verlängern kann. Die Bandbreite ist recht beachtlich und wenn man mit der Maus über ein Logo fährt, sieht man es auf einem T-Shirt oder grossformatig auf einer Hauswand. Wählt man ein Logo aus, sieht man auch Visualisierungen als Briefpapier, Visitenkarte und auf dem Bildschirm eines Smartphones. Das hilft, es sich in der richtigen Welt vorzustellen.

Über den Edit-Knopf kann man sein Logo bearbeiten: Das Symbol verändern, Texte editieren (und Tippfehler entfernen, was, wie der unten stehende Screenshot zeigt, durchaus nötig sein kann). Man darf auch Schriftformate anpassen, Fonts variieren und sein Logo mit anderen Farbpaletten anzeigen lassen. Der Hintergrund ist veränderbar, und man kann so genannte Containers hinzufügen. Die fassen das Logo in ein Rechteck, einen Kreis, ein Sechseck oder plakettenartig ein. Es gibt auch verschnörkelte Muster, Wellen, Ketten, Ähren, Zahnräder und dergleichen mehr – ich fürchte aber, dass diese Container in den wenigsten Fällen ein wirklicher Gewinn darstellen.

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Die Logo-Vorschläge dürfen bearbeitet werden, zum Beispiel, indem man sie in Container packt.

Fazit: Bei Logojoy kommt tatsächlich mehr Freude auf als bei Design Evo. Ich habe mehrere Varianten gefunden, die als leichte Verbesserungen des bisheringen Logos empfinde. Man müsste sie auch nicht eins zu eins verwenden, sondern könnte sie als Grundlage für einen eigenen Entwurf benutzen oder in Illustrator oder Coreldraw aufmotzen. Und auf alle Fälle kann man sich Inspiration holen, wenn man einen Grafiker für ein «richtiges» Logo beauftragen möchte – sei es, einen gestandenen Fachmann oder einen Klickarbeiter auf fiverr.com.

Wenn man ein Logo erwerben will, zahlt man für die niedrig aufgelöste Variante 20 US-Dollar. Wenn man eine höhere Auflösung braucht, zahlt man 65 US-Dollar und darf das Logo dafür auch beliebig variieren. Für 195 US-Dollar bekommt man zusätzlich eine Stunde mit einem Designer von logojoy.com, der noch einmal Hand anlegt.

Auch das ergibt durchaus Sinn: Die Preise sind so weit fair, und dass Logojoy von Haus aus vorschlägt, die Logos durch einen echten Menschen zu perfektionieren, ist einerseits eine klevere Geschäftsidee und andererseits das Zugeständnis, dass Logos ab Stange nicht der Weisheit letzter Schluss darstellen. Das entwertet diesen Dienst nicht, finde ich – sondern macht ihn im Gegenteil vertrauenswürdiger.

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Zwölf Varianten zur Auswahl. Vieles davon ist unbrauchbar, aber es gibt auch zwei, drei gelungene Ansätze zu entdecken.

Autor: Matthias

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