Wo Wolkenkratzer in den Himmel schiessen

Zeitraffervideos können mehr, als bloss über den Himmel rasende Wolken zu dokumentieren. Einige Beispiele – und ein Hinweis auf die tolle Flow-App, mit der man die Zeit von langsam bis schnell in variabler Geschwindigkeit ablaufen lässt.

Der Clou an einem Foto oder Film ist nicht, dass man mit dem angeblich unbestechlichen Auge einer Kamera auf eine Szene sieht. Das eigentliche Wunder ist, dass in der Aufnahme die Zeit anhält und der Moment einfriert. Wir können mittels Fotos kleine Zeitreisen unternehmen und die Vergangenheit wiederaufleben lassen.

Und nicht nur das. Mit filmischen Mitteln kann man die Zeit auch verlangsamen oder beschleunigen. Ersteres nennt sich Zeitlupe, letzteres Zeitraffer. Ich finde beides spannend, wobei der Zeitraffer mutmasslich mehr experimentelle Freiheiten gibt.

Wie spannend das sein kann, zeigt der Beitrag Time-lapse video shot over three years atop the Space Needle reveals Seattle’s astounding growth der «Seattle Times».

Die Welt verändert sich in einem Affenzahn

Der Titel erklärt schon fast alles: Auf der Space Needle, dem 184 Meter hohen Turm hat ein Mann namens Ricardo Martin Brualla vor drei Jahren eine Kamera installiert, die alle zehn Minuten ein Panorama aufnimmt. Daraus hat Martin-Brualla, der für Googles Virtual-Reality-Team arbeitet, das obige Youtube-Video gemacht, das die Veränderungen zeigt und dank ausreichender Auflösung auch virtuelle Kamerafahrten ermöglicht.

Solche extremen Zeitraffer schärfen unser Verständnis für die Veränderungen. Im Beitrag hier beschreibt Ricardo Martin Brualla die Details seines Projekts und was im aufgefallen ist: Wolkenkratzer, die in den Himmel schiessen, sich die Landschaft verändert, die Stadt wächst und alte Gebäude verschwinden. Im «Seattle Times»-Artikel wird er mit den Worten zitiert, die Stadt müsse einen «ausbalancierten Weg» fürs Wachstum finden. Soll wohl heissen, dass Fotschritt möglich sein muss, ohne gleich alles Alte plattzuwalzen.

Ein Zeitraffer über fünfzig Jahre?

Die Bilder der Kamera sind, wie man im zweiten Artikel erfährt, 8283 Pixel breit und 1080 Pixel hoch; und die Kamera soll noch die nächsten fünfzig Jahre weiter in Betrieb bleiben. Ein Zeitraffer über fünfzig Jahre? Ich hoffe, das erlebe ich noch!

Übrigens: Mit der Kamera des iPhones kann man Zeitraffer sogar aus der Hand schiessen, wie mein Video hier zeigt.

Timelapse, Hyperlapse und die Flow-App

Die Zeitlupen- und Zeitraffer-Funktion der Kamera bietet standardmässig aber keine Einstellungsmöglichkeiten, weswegen ich unbedingt empfehlen würde, für etwas anspruchsvollere Situationen eine passende App bereitzuhalten. Hier habe ich Timelapse vorgestellt und hier Hyperlapse.

Die Flow-App dehnt und staucht die Zeit zwischen einem Viertel und dem Vierfachen des Normaltempos.

Mit Flow ist es übrigens möglich, die Geschwindigkeit vorhandener Clips nachträglich zu verändern, und zwar flexibel. Das erlaubt es, Verlangsamungen mit Beschleunigungen zu kombinieren und auch Temporampen einzubauen. Längere Zeitraffer-Aufnahmen sollte man allerdings als solche aufnehmen, natürlich mit dem iPhone auf einem Stativ und am Netzkabel oder einer externen Batterie angehängt.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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