50 shades of Gäggeligääl

Neulich bin ich der Frage begegnet, wie man wohl diese Farbe nennt. Beschreiben würde ich sie als kräftige Mischung aus Pink und Lila. Für die es doch eine Bezeichnung geben muss… Ihr kennt das sicher: Bei manchen Farben stösst man mit seinen Ausdrucksmöglichkeiten an Grenzen. Und man ist sich nicht sicher, ob das an der Beschränktheit des eigenen Wortschatzes oder an den Limiten unserer Sprache liegt.

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Des Autors Kopf, in eine Farbpalette umgewandelt…

Bei der fraglichen Farbe lag es an mir. Laut der Übersicht von donaufischer.com nennt man sie Dunkelrosa – nicht zu verwechseln mit Altrosa. Und man fragt sich an dieser Stelle: Wie viele Farbnamen gibt es überhaupt? Und wie eindeutig sind sie?

Die Schwierigkeiten bei der Benennung von Farben haben aber auch mit unterschiedlichen Wahrnehmungen, abweichenden Interpretationen und, bei Internet und elektronischen Dokumenten, ferner auch mit schlecht kalibrierten Bildschirmen zu tun. Das sieht man schön bei colour.name. Auf dieser Website werden einem Farbfelder vor die Nase gehalten. Man hat dann die Aufgabe, die gezeigte Farbe zu benennen. Man erfährt daraufhin, welchen Namen andere Leute dieser Farbe gegeben haben und welcher Name dem Konsens entspricht. Falls man daneben lag, sieht man, wie die Farbe, deren Name man fälschlicherweise ins Feld geführt hat, wirklich aussehen würde.

Eine knifflige Mischung aus sensorischer und lexikalischer Herausforderung! Mein Caramel ist eigentlich vanillegelb. Mein Türkis Blau-Türkis (naja, klingt etwas erfunden). Mein Violett Hellbrombeer (klingt noch erfundener). Mein Babykacke wird beigebraun oder dunkles Senfgelb genant. Und ich gebe an dieser Stelle gerne zu, dass die Ausscheidungen von Kleinkindern farblich derart variieren, dass sie als Farbname total ungeeignet sind.

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Türkis? Are you kidding me?

Aber die Spannweite der Antworten zeigt, dass es auch anderen Leuten so geht. Darum muss man bei der Frage nach der Zahl der Farbnamen annehmen, dass nur eine relativ überschaubare Zahl wirklich verlässlich definiert ist. Was aber nicht bedeutet, dass der Fantasie Grenzen gesetzt wären. In der Zusammenstellung der deutschsprachigen Farbnamen finden sich 2122 Bezeichnungen: Von Ahornrot bis Zinnweiss. Und auch wenn sie nicht immer eindeutig sind, so sind sie in den meisten Fällen evozierend.

Ich habe mir die App Pantone Studio (kostenlos fürs iPhone) besorgt, in der Hoffnung, sie würde es mir ermöglichen, eine Farbe bloss per Kamera abzuknipsen, um dann deren Name zu erfahren. Das tut App bedingt – man kann nämlich aus Fotos Paletten erzeugen und erhält dann auch die Namen der gewählten Farben. Allerdings bloss in Englisch und auch nur dann, wenn die gewählten Farben einen sprechenden Namen tragen. Oft haben sie im Pantone-System ja nur Codes. Immerhin: Ich habe mittels eines Selfies herausgefunden, dass mein Kopf die Farben Vivid Yellowish Pink, Grayish Reddish Brown, Moderate Purplish Red, Light Reddish Brown und Dark Grayish Brown abstrahlt. Die so erstellten Paletten kann man übrigens als .ase-Datei speichern und z.B. bei Dropbox hochladen. Eine .ase-Datei lässt sich, ganz ohne Creative Cloud, in Photoshop und anderen Bildbearbeitungsprogrammen nutzen. Bei Photoshop wird sie der Farbfelder-Palette hinzugefügt.

In der Studio-Sektion der Pantone-App kann man seine Palette auf verschiedene Illustrationstypen anwenden und die Wirkung überprüfen. Und auch sehr nett: Wenn man eine einzelne Farbe aus der Palette antippt, sieht man deren Hex- und RGB-Werte, zugehörige Harmonien – und Fotos aus der eigenen Fotorolle, die zu diesem Farbton passen. Das hilft sogar mir als gestalterischem Nachtwandler, mein Gespür für Farben zu verbessern…

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Eine Farbe aus der Farbpalette Colors of my Head, Man kann sogar Fotos suchen, die zu dieser Farbe passen.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

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