Sakrileg-Solitär

Bekanntlich bin ich eidg. dipl. Solitär-Experte. Darum habe ich hier die gesetzliche und moralische Verpflichtung, über das Spiel Solitaire Perfect Match (kostenlos für iOS-Gerte und Android) zu berichten, das sich Solitär nennt – aber nur einen simplizistischen Abklatsch der Solitär-Spielidee liefert.

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Alle Karten müssen weg. Dazu werden Pärchen mit der gleichen Augenzahl angetippt.

Die sieht so aus: Man muss alle Karten abräumen. Aber statt das wie bei Freecell, Klondike, Four Seasons oder einer der Hunderten anderen Varianten über teils komplexe Manöver zu bewerkstelligen, beschränkt man sich bei dieser Inkarnation, Karten paarweise zu entfernen, wenn sie die gleiche Augenzahl haben. Dazu tippt man die offen ausliegenden Karten an oder blättert den Kartenstapel durch.

Damit das nicht langweilig wird, legt jedes Partie die Karten anders auf dem Spielfeld aus. So variiert der Schwierigkeitsgrad, während man die Level durchspielt. Bei jedem neuen Level gibt es auch neue Karten-Rückseiten und einen anderen Spieltisch. Das ist optisch recht schick gemacht. Etwas weniger abwechslungsreich ist die akustische Untermalung. Da gibt es Musik auf Heimorgel-Niveau, die man guten Gewissens stummschalten darf.

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Zur Abwechslung gibts bei jeder Partie eine andere Anordnung der Karten.

Der eigentliche Clou ist nun die Zählweise: Wenn man zwei Karten mit der gleichen Augenzahl entfernt, die beide rot oder beide schwarz sind, gibt es mehr Punkte, als bei rot-schwarz gemischten Pärchen. Bei Spielen mit mehreren Sets sind mehrere identische Karten im Spiel. Wenn also Farbe (Kreuz, Pik, Herz, Karo) und Augenzahl übereinstimmt, hat man einen perfect Match – was den Namen des Spiels erklärt und noch mehr Punkte ergibt. Und wenn man eine schwarze oder rote Strähne von mehreren Spielzügen erreicht, steigt die Punktzahl wiederum an.

Das gibt einen (einigermassen) interessanten Zielkonflikt: Um sicher alle Karten wegzubekommen, müsste man jedes Pärchen sofort entfernen – denn der der Reservestapel lässt sich nur eine beschränkte Anzahl mal wenden. Wenn man die Reservekarten aufgebraucht hat, aber noch Karten auf dem Spielfeld liegen, muss man aufgeben. Oder mit seinen teuren Spielmünzen ein erneutes Wenden oder Mischen der verbliebenen Karten erkaufen.

Um aber möglichst eine hohe Punktzahl zu erreichen, muss man strategisch spielen und möglichst wertvolle Kartenkombinationen anstreben. Dafür braucht es ein gewisses Gefühl dafür, wie stark man bei einer bestimmten Karten-Anordnung sein Glück ausreizen darf.

Bei jeder Partie erhält man auch eine Punktvorgabe, und für höhere Punktzahlen erhält man mehr von den Spielmünzen. Dadurch ist allzu defensives Spielen nicht möglich – es sei denn, man besorgt sich neue Münzen als In-App-Kauf – aber das ist der Weg der Luschen, der eines echten Spielers unwürdig ist.

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Zu defensiv gespielt: Zwar sind alle Karten weg, aber die Punktzahl ist nicht berauschend.

Fazit: Aus Sicht eines eingefleischten Solitär-Spielers ist «Perfect Match» ein Sakrileg: Das Cola light unter den strategischen Kartenspielen. Ich sehe es nicht ganz so dogmatisch und kann dem Spiel vor allem wegen seiner abwechslungsreichen Umsetzung durchaus etwas abgewinnen – auch wenn mir klassische Variante viel näher ist. Die Free-to-Play-Mätzchen sind auch hier nervig. Man kann, wie erwähnt, Münzen oder so genannte «Booster» wie Karten nochmals zu mischen oder den Reservestapel nochmals zu wenden kaufen, wenn man keine Lust hat, sie zu erspielen.

Was keinen Stil hat, aber meinetwegen machen soll, wer will. Nervig finde ich die künstliche Spielbegrenzung: Auch bei diesem Titel wird einem nach einigen Partien eine Zwangspause veordnet, von der man sich freikaufen könnte. Das finde ich unredlich, zumindest, wenn es nicht eine zwingende Spiellogik gibt, die Spielpausen rechtfertigen. So ist es nur ein Mittel, die Ungeduld der Spieler auszunutzen. Ich reagiere in solchen Fällen immer gleich: Ich hüte mich, nur einen einzigen Rappen in ein solches Spiel zu investieren – und wechsle beim Erreichen des Zeitlimits einfach zu einem anderen Game. (Zum Beispiel dem hier.)

Autor: Matthias

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