Simple Windows-Automatisierung

Splat ist ein nettes, kleines, kostenloses Automatisierungs-Tool für Windows. Es kann mehrere Programme aufs Mal starten, Ordnerfenster per Tastaturkürzel öffnen, Tasks beenden und solche Dinge – vieles, was man mit Systemmitteln oder der Batch-Programmierung auch erledigen könnte. Splat – der Name steht für Simple Program Launching and Termination und heisst in deutsch so viel wie «Platsch!» – ist seinerseits jedoch erfreulich simpel in der Anwendung.

150225-splat01.png
Drei Browser auf einen Klick (bzw. einen Tastaturbefehl).

Nach dem Start der Anwendung richtet man Profile ein. Das sind Sammlungen von Befehlen, die man manuell ausführen oder per Tastaturbefehl starten kann. Es ist auch möglich, auf dem Desktop eine Verknüpfung zu einem Profil anzulegen, das dann per Doppelklick gestartet wird.

Programmstaffel-Start
In einem zweiten Schritt werden dem Profil Befehle zugeordnet. Der wichtigste Befehl ist Run: Mit ihm öffnet man eine Datei, einen Ordner oder man startet eine Anwendung.

Für den Start von Programmen gibt es diverse Optionen: Man kann Argumente übergeben, das Arbeitsverzeichnis definieren und festlegen, ob ein Programm minimiert, maximiert, mit normalem Fenster oder versteckt ausgeführt werden soll. Die (ansonsten über den Taskmanager einstellbare) Priorität lässt sich vorgeben, und man kann entscheiden, ob das Programm nur dann gestartet werden soll, wenn es nicht bereits läuft oder ob der Startbefehl in jedem Fall auszuführen ist.

Schliesslich kann man vorgeben, ob Splat auf die Beendigung des Prozesses warten soll, bis es mit dem Profil weiterfährt oder das Programm sofort weitermacht.

150225-splat02.png
Ein neuer Eintrag, über den ein Programm geschlossen werden soll.

Mit Run ergeben sich bereits einige nette Einsatzmöglichkeiten: Man kann Arbeitsumgebungen einrichten, indem man die Programme startet und Ordner öffnet, die man für diese oder jene Tätigkeit benötigt. Es ist möglich, Arbeitsabläufe auszuführen, beispielsweise mit einem Synchronisationsprogramm Abgleichvorgänge ausführen (siehe Backup-Neurosen pflegen) oder andere Aufgaben in Serie zu schalten. Zu diesem Einsatzgebiet passen auch die Systemfunktionen wie Herunterfahren (Power down bzw. Shutdown): So kann man ein Bündel mit automatischen Aktionen schnüren, die Splat dann selbsttätig ausführt und die Maschine dann herunterfährt. In den Systemfunktionen gibt es auch die Möglichkeit, den Computer neuzustarten (Reboot), in Ruhezustand zu versetzen (Suspend bzw. Hibernate), sich abzumelden (Logoff) oder den Bildschirm auszuschalten (Turn monitor off). Reboot und Shutdown können mit der Option force auch erzwungen werden. Die Ausführung eines Profils wird im Launch Log übrigens protokolliert. Dort sieht man auch den Grund, wenn ein Befehl fehlschlägt.

… und Serienkiller
Nebst den Run– und den Systembefehlen räumt Splat unter Audio die Möglichkeit ein, Sounddateien abzuspielen – beispielsweise als akustische Benachrichtigung. Via Close Application schliesst man Programme, wobei Splat netterweise die laufenden Prozesse auflistet, sodass man sie nur auszuwählen braucht. Mit Kill Application geht man gegen die Apps vor, die sich dem Close-Befehl widersetzen. Über Profile schaltet man mehrere Profile in eine Kaskade. Via Services startet und stoppt man Windows-Dienste.

Daraus ergibt sich eine weitere hervorragende Einsatzmöglichkeit für Splat: Statt Dienste dauerhaft abzuschalten – was wie im Beitrag Die Dienste, die Windows an sich selbst vollbringt ausgeführt, Tücken hat – kann man sie über ein Splat-Profil bei Bedarf stoppen oder auch wieder starten. Das Profil Ready for Gaming würde zur Leistungsmaximierung vor einer Spiele-Session alles stoppen, was sich irgendwie stoppen lässt. Achtung: Um Dienste stoppen zu können, muss Splat mit Admin-Rechten laufen (siehe dazu auch die Bemerkungen).

Die letzte Kategorie Wait/Delay enthält Befehle zur Verzögerung des Programmablaufs. Eine Einsatzmöglichkeit, die ich dafür sehe, ist das automatische Starten von Programmen beim Systemstart. Wenn man das über den Autostart-Ordner tut, werden viele Programme aufs Mal geladen, was zu der Windows-typischen «Verstopfung» direkt nach dem Booten führt. Darum kann man auch nur eine Splat-Profilverknüpfung in den Autostart-Ordner packen und dann die benötigten Programme nacheinander, mit einigen Sekunden Verzögerung, ausführen lassen.

Drei abschliessende Bemerkungen:

  • Die Software ist gratis, man kann aber eine Spende entrichten.
  • Es gilt, ein potenzielles Sicherheitsproblem zu beachten: Für manche Aufgaben benötigt Splat Administrationsrechte. Wenn das Programm mit Administrationsrechten ausgestattet ist und zum Starten neuer Prozesse verwendet wird, dann erben diese Prozesse ebenfalls die Administratorrechte. Das ist u.U. nicht erwünscht – gerade Browser sollten IMHO nur im äussersten Notfall mit Admin-Rechten laufen: Sie sind häufig Ziele von Malware-Angriffen. Und was man nicht will, ist, Malware mit Admin-Rechten auszuführen. Splat gibt keine Möglichkeit, Programme in diesem Fall ohne Admin-Rechte auszuführen – wohl, weil Windows diese Option nicht kennt.
  • Natürlich habe ich die Software vor dem Ausprobieren geprüft und durch Virus Total durchgejagt. Das Resultat ist durchwachsen: 6 von 57 Scanner melden die Datei als gefährlich. Ich habe sie trotzdem ausgeführt, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen sind sich die sechs Scanner nicht einig, mit welcher Schadsoftware sie es zu tun haben. Zum anderen enthält Splat gewisse verdächtige Funktionen wie die erwähnte Keylogger-Funktion. Ausserdem kann das Programm fremde Prozesse beenden, was eine Windows-Software normalerweise nicht tut. Ich habe mich daraufhin entschieden, Splat selbst auszuprobieren und hier zu besprechen. Bei mir ohne Probleme. Falls ihr Schwierigkeiten mit dem Programm habt, bitte melden!

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Kommentar verfassen