Römer auf dem Mars

Bei mir stand Red Rising (Buch bei Amazon, Deutsch bei Heyne) auf dem literarischen Menüplan. Trotz des Titels geht es nicht um die kommunistische Langzeitstrategie, sondern um eine Mixtur aus Sciencefiction und römischer Mythologie. Klingt abgefahren – und ist es auch.

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Die Menschheit hat sich ins Sonnensystem ausgebreitet und auch den Mars kolonialisiert. Doch während technisch, wissenschaftlich und namentlich medizinisch Fortschritte erzielt wurden, hat sich die Menschheit gesellschaftlich und politisch zurückbewegt. Es gibt ein Klassensystem, das farbcodiert ist und den Titel erklärt. Die «Roten» sind eine Art Sklavenschicht. Die ist sich ihres Status’ allerdings noch nicht einmal bewusst. Die Roten glauben, sie seien Pioniere, die durch ihre Arbeit in den Minen den Planeten terraformieren und bewohnbar machen. Dabei ist der schon längst bewohnbar. Die Goldklasse hat sich schon längst auf dem Mars breitgemacht und spielt krude Spielchen mit sich selbst.

Held wider Willen…
Die Hauptfigur, Darrow, ist ein zur roter Klasse gehörender Teenager. Bereits verheiratet, schuftet er in den Minen als Helldiver: Ein Job, der, wie der Name schon andeutet, einem Selbstmordkommando gleichkommt, aber darüber entscheidet, ob sein Arbeitstrüppchen das Soll erfüllt oder nicht. Die Sicht des Minenarbeiters (in ein dunkles, schwarzes Loch) bestimmt auch die Weltsicht von Darrow – er kriegt nicht wirklich viel davon mit, was um ihn herum läuft. Anders seine Frau Eo. Die treibt ihn durch eine Kamikaze-Aktion, die ihr das Leben kostet, in die Arme der Widerstandsgruppe Sons of Ares. Sie sät den Hass auf die Unterdrücker, den Darrow ab nun antreibt. Er wird chirurgisch verändert, in einem Intensivtraining auf die Unterwanderung vorbereitet und in die Klasse der Goldjugend eingeschleust.

Dort durchläuft er das archaische Auswahlverfahren, das anstelle von Schulbildung oder Studium dazu dient, die künftigen Führer der goldenen Klasse zu eruieren. Bei dem gibt es anfänglich zwar so etwas wie Bildung und Prüfungen. Doch dann entartet er zu einem eiskalten Selektionsprozess. Erst muss Darrow in einem Kampf Mann gegen Mann seine Hände mit Blut beflecken. Dann muss er sich auf seiner Infiltrationsmission in einem inszenierten, aber todernst ausgetragenen Kriegsspiel zum Head Hencho der Stämme aufschwingen.

Hollywood, anyone?
Das Buch hat einiges an Lob eingeheimst. Mich hat es nicht gepackt. Die Zustände in dieser seltsamen Gesellschaft, die zwar technisch so weit ist, aber so archaische Rituale pflegt, wird mir nie glaubwürdig vermittelt. Ich kann mir sehr gut eine faschistische, feudalistische oder sonstwie unerfreuliche Auswüchse ausmalen, aber Pierce Browns (das ist übrigens der Autor) Gesellschaftsordnung bleibt ein hohles Konstrukt, bei dem einem nicht einleuchten will, warum es nicht längst von ein paar Rebellen umgeschubst wurde. Auch die Hauptfigur ist ein blutleerer Pappkamerad. Der Autor beschreibt zwar gerne dessen innere Zerrissenheit. Doch er gliedert sich so easy peasy in die goldene Gesellschaftsschicht ein, dass man nie auch nur eine Sekunde Angst hat, er könnte vorzeitig enttarnt werden.

Die Story könnte vielleicht als Verfilmung auf dem Niveau von Transformers funktionieren – üppig und actionreich inszeniert. Oder meinetwegen als 3-D-Egoshooter. Ich habe daran keinen Bedarf und auch die im Zusammenhang mit «Red Rising» gerne genannte «Hunger Games»-Trilogie ist um Welten glaubwürdiger, packender und mit Leben erfüllt. Schade, aber für mich ist nach dem ersten Teil Schluss mit dieser Trilogie. Als allgemeines Fazit würde es solchen Büchern guttun, wenn sie nicht schon mit Blick auf die Verfilmung verfasst werden würden.

Autor: Matthias

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