Websites für Bücherwürmer

Es gibt Webcommunities für alle und alles – sogar für Leute, die gern Bücher lesen. Auf Librarything.de, goodreads.com, shelfari.com und booklamp.org kann man sich über seine Lieblingstitel austauschen, neues Lesefutter entdecken und Leute mit gleichem Geschmack kennen lernen.

Bis vor Kurzem zeugte die üppig bestückte Bücherwand von Belesenheit und Literaturkenntnis. Heute kann man seinen Verbrauch an Lesestoff online kundtun. Diverse Plattformen bieten sich an: Librarything.de in Deutsch, und für englischsprachige Nutzer stehen goodreads.com, shelfari.com und booklamp.org offen.

Bücherplattformen erfüllen mehrere Zwecke. Sie erlauben erstens die Dokumentation des persönlichen Bücherverbrauchs: Man trägt ein, welche Bücher man gelesen hat, vergibt eine Wertung, erfasst eigene Rezensionen und trägt Trivia ein – beispielsweise Filme zum Buch, Schauplätze oder denkwürdige Zitate. Da die Websites Zugriff auf Online-Datenbestände wie Amazon.com, Abebooks.de, Google-Books oder JustBooks.de haben, braucht man weder ISBN-Nummern zu erfassen, noch Cover zu scannen, um in seinem elektronischen Zettelkasten umfassende Angaben zu seinen Büchern zur Verfügung zu haben. Das macht die Arbeit viel angenehmer als mit einer selbst gestrickten Literaturverwaltung.

Literarischer Geschmack als gemeinsamer Nenner
Zweitens bringen die Bücherplattformen – wie könnte es in der Web-2.0-Ära auch anders sein? – Gleichgesinnte zusammen. Der gemeinsame Nenner ist der literarische Geschmack. Über die Online-Freunde macht man im Idealfall Entdeckungen, wie sie einem in der Buchhandlung oder Bibliothek nicht gelingen: Denn man kann nach Lust und Laune in den Favoriten der Mitglieder stöbern, die sich durch eine grosse Überschneidung mit den eigenen Sammlung auszeichnen.

Und drittens kann man auf den Plattformen nach Herzenslust über Literatur, Bücher und Autoren diskutieren. Es gibt Gruppen, Foren zu durchstöbern und lokale Veranstaltungen zu entdecken.

Librarything.de steht in deutscher Sprache zur Verfügung und annonciert unter «Lokal» auch Schweizer Veranstaltungen. Die Website ist optisch nüchtern bis langweilig gehalten, aber funktional und vielseitig. Spannend sind beispielsweise die Auswertungen, die unter Statistiken > Meme zu finden sind: Hier sieht man die Verteilung der eigenen Bewertungen, Verteilung nach Sprachen, Herkunftsländer und man kann in den gesammelten Orten und Figuren blättern.

Statistische Einsichten
In meinem Fall kommt beispielsweise heraus, dass ich männliche Autoren extrem bevorzuge (sie sind mit 88 Prozent massiv in der Überzahl), dass in meinen kürzlich gelesenen Büchern 105 Orte von A wie Akureyri (Island) bis Z wie Zamonia vertreten sind, und dass das einzige Buch, das ausser mir nur ein weiteres Mitglied von librarything.de besitzt, «TV-Monopoly. Die Inside-Story» von Roger Schawinski ist.

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LibraryThing.de wirkt wie der Lesesaal einer alten Bibliothek, hat aber innovative Funktionen in petto.

Librarything.de hat 1,4 Millionen Nutzer, ist für die Basisnutzung kostenlos und umfasst einen Buchbestand von 66 Millionen Titel. Die Plattform stellt Rezensionsexemplare bereit, für die man sich unter www.librarything.de/er/list bewerben kann. Freunde kann man seit Kurzem finden, indem man sein Facebook- oder Twitter-Konto verbindet.

Goodreads.com ist eine Bücherplattform, die seit 2006 existiert und inzwischen nach eigenen Angaben 5,5 Millionen Nutzer hat, die total mehr als 170 Milliarden Bücher gelesen haben. Zentral ist das Empfehlungssystem, das auf den Rezensionen basiert. Die Website ist sehr umfangreich und etwas unübersichtlich. Die Plattform kann auch über eine iOS-App genutzt werden (für iPhone und iPad).

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Goodreads.com ist nach eigenem Bekunden die grösste Büchercommunity der Welt: Vielseitig, aber etwas uninspiriert.

Shelfari.com wurde 2006 gegründet und 2008 von Amazon gekauft. Die Website kommt optisch ansprechend als virtuelles Buchgestell daher. Das erlaubt es, dass über Amazon gekaufte Bücher und E-Books automatisch in die eigene Sammlung übernommen werden können. In den Gruppen lässt es sich über Bücher diskutieren. Es gibt zwei häufig gehörte Kritikpunkte an Shelfari.com: Zum einen wird die Plattform im Moment kaum weiterentwickelt. Zum anderen gibt es eine Kontroverse um die Privatsphäre: Wer nicht aufpasst, verschickt ungewollt Einladungen für die Plattform an sein ganzes Google-Mail-Adressbuch.

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Shelfari.com gehört seit drei Jahren zu Amazon – man kann auf Amazon gekaufte Bücher und Kindle-E-Books automatisch importieren.

Bücher anhand thematischer Inhaltsstoffe finden
Booklamp.org wurde 2003 an der Universität Idaho gestartet; später kamen Forscher der Stanford University, der Florida State University und der Boise State University hinzu. Diese Plattform will das «Pandora-Prinzip» in die Bücherwelt bringen. Pandora seinerseits ermöglicht im Bereich der Musik Entdeckungen, indem die «DNS» eines Titels entschlüsselt wird und daraus Vorschläge für andere Stücke erfolgen. Booklamp erschliesst auf analoge Weise die inhaltlichen Merkmale eines Buchs. In Englisch nennt sich das «Story-DNA», «Book Genome» oder auch «thematic Ingredients» («thematische Inhaltsstoffe»). Das sind die thematischen Informationen, die zu jedem Titel erfasst werden. Technische Details über das Verfahren sind unter bookgenome.com nachzulesen.

So spannend das Konzept klingt, krankt es im Moment an der beschränkten Zahl von Büchern. Die Empfehlungen setzen die Kooperation der Verleger voraus, und daran hapert es bis dato offensichtlich. In den FAQ (frequently asked questions oder zu deutsch häufig gestellte Fragen) schreiben die Betreiber denn auch, man solle als Nutzer doch per Mail einwirken, wenn man einen Verleger kennen sollte, der sich am Projekt beteiligen müsste.

Die Website booklamp.org kann auch ohne Benutzerkonto verwendet werden (Konten sind geplant, bis jetzt aber noch nicht implementiert). Insbesondere kann man einen Blick in die DNS eines erfassten Buches werfen. Es ist auch möglich über die erfassten «thematischen Inhaltsstoffe» nach Büchern zu suchen. Da sind etwa Dinge wie «Partying», «Photography & Film» oder «Trains» zu finden. Fazit: Eine viel versprechende Technologie, die noch in den Kinderschuhen steckt.

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booklamp.org schlägt Bücher anhand der «Story-DNA» vor – eine interessante Technik, die noch in den Kinderschuhen steckt.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

Ein Gedanke zu „Websites für Bücherwürmer“

  1. Wow, sehr ausführlicher und gut recherchierter Bericht! Kam mir gerade wie gerufen, da ich momentan auf der Suche nach einer Webcommunity in diesem Stil bin. Librarything ist mir davon auch mitunter wegen der deutschen Sprache am sympatischsten. Vielen Dank für die Mühe.

    Lisa

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