Was treibt die Frau da?

Das habe ich mich gefragt, als ich über einen Artikel der Welt gestolpert bin. Im Artikel geht es darum, dass ein Unternehmen in Frankfurt am Main die Bewerbungsmappen nicht zurückgeschickt oder vernichtet hat, sondern auf Ebay versteigern wollte.
Dazu gab es ein Bild einer Frau am Laptop:
090918-frau-am-laptop.jpg
Was macht die Frau da? Pflegt sie grad Bewerbungsdossiers bei Ebay ein? Ist sie dabei, für die Mappe von Franz-Detlev Niedermeier zwei Euro fünfzig zu bieten? Oder verprasst sie das Geld, das sie mit der Versteigerung fremder Bewerbungsunterlagen verdient hat, nun an einem schönen Ferienort in den Alpen, und sieht sie via Laptop nach, was für eine Presse sie für diesen Coup gekriegt hat?
Nein, selbstverständlich hat die Frau rein gar nichts mit dem Fall zu tun. Das Bild stammt von United Archives und erscheint, wenn man nach dem Stichwort «Computer» sucht. Nehme ich an, ausprobiert habe ich es nicht, weil ich zu faul war, mich bei der Bilddatenbank zu registrieren.
Jedenfalls ist diese Ebay-Geschichte ein gutes Beispiel dafür, wie unglaublich degeneriert der Umgang mit Bildern auf vielen News-Sites ist.
Man hat eine Geschichte, in der es um Computer geht. Man braucht ein Bild dazu. Man hat das Problem, dass sich diese Computergeschichten immer so schlecht illustrieren lassen. Man sucht halt irgend nach einem Motiv. Man ist aber zu faul oder hat keine Zeit, das Ebay-Logo aufzutreiben oder irgend ein Symbolbild, das das Konzept der Bewerbungsmappe illustrieren würde. Also nimmt man halt diese Frau da am Laptop. Die hat den Vorteil eines engen T-Shirts und ist darum irgendwie besser als ein Symbolbild, das das Konzept der Bewerbungsmappe illustrieren würde.
Immerhin hat der Redaktor das Bild wahrscheinlich brav lizenziert und nicht irgendwo geklaut, das muss man positiv bewerten. Wobei ich in diesem Fall dazu neigen würde zu sagen: Lieber gut geklaut als dieses korrekt lizenzierte Bild.
Man könnte das Bild sogar auch einfach weglassen. Es wäre nichts verloren. Als iPhone-Leser könnte man sich sogar die Verschwendung einiger Kilobytes beim Datentransfer sparen. Und man würde sich die Blamage ersparen, jedem Leser vor Augen zu führen, dass man absolut kein Peil hat, wie man im Internet mit Bildern umgeht.

Autor: Matthias

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