Polizeiarbeit soll schwierig sein

Ich lese gerade den Islandkrimi «Todesgott» von Àrni Thórarinsson und bin dabei bei folgender Stelle hängen geblieben, die mir doch sehr zitierenswürdig erscheint, wo es immer populärer wird, dass der Staat den Bürgern mit Staatstrojanern, Vorratsdatenspeicherung, biometrischen Pässen und solchem Quatsch bzw. Schwachsinn bzw. Unverschämtheiten auf die Pelle rückt:

[Der Polizist:] «Ja, ja, ich weiss. Bleib mal beim Thema. Skarpéðinn ist nirgendwo mit einer SIM-Karte oder einer Mobilnummer registriert. Und wenn du mir jetzt erklären willst, dass man eine SIM-Karte kaufen kann, ohne dass Big Brother davon erfährt, dann halt lieber gleich den Mund. In Reykjavík muss nämlich jeder, der eine SIM-Karte kaufen will, seinen Ausweis vorzeigen, damit der Name zusammen mit der Nummer registriert werden kann, auch wenn ich das für überflüssig halte.»
[Der Reporter:] «Ach ja? Entspricht das nicht den Bedürfnissen der Polizei?»
«Kann schon sein. Aber mich haben sie nicht gefragt.»
«Wie frustrierend.»
«Das ist normal. Die rufen mich nie an, bevor sie irgendwelchen Quatsch beschliessen. Obwohl ich verdammt noch mal im Telefonbuch stehe.»
«Du findest es also vollkommen überflüssig, dass Leute, die eine SIM-Karte kaufen, registriert werden?»
«Es ist nicht nur überflüssig. Es ist Schwachsinn und eine Unverschämtheit den Leuten gegenüber.»
«Aber vereinfacht es nicht die Polizeiarbeit?»
«Ich hab niemanden darum gebeten, meine Arbeit zu vereinfachen. Ich will, dass Polizeiarbeit schwierig ist. Sie hat nicht leicht zu sein. In welchen Staaten ist Polizeiarbeit schon leicht?»
«In Polizeistaaten?»
«Du sagst es. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem sich die Staatsgewalt an Kriminellen orientiert. Ich möchte in einem Land leben, in den sich die Staatsgewalt an den Bürgern orientiert.» Seite 281f , Droemer, ISBN 978-3-426-19743-1

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Autor: Matthias

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