So kommt Bewegung in die Sache

Es gibt dieses Mittelding zwischen stehendem Foto und Video. Es gibt dafür noch keinen guten Gattungsbegriff. Apple nennt es Live Photo (ja, wirklich, mit Ph, als ob der Apfel-Konzern in den 1990ern stecken geblieben wäre). Ich habe auch schon die Bezeichnung Bewegtfoto gelesen, in Englisch moving image. Und früher hat man Solcherlei auch mal kurz Vine genannt.

In Anlehung an Harry Potter und die hyperaktiv wirkenden Daily-Prophet-Fotos könnte man sie auch Potterpix nennen. Oder Lifeprint, wie dieser Drucker, der offenbar Fotos ausdruckt, die sich tatsächlich bewegen. Der ist, wen wundert es?, in einer Kooperation mit dem Filmstudio Warner Brothers entstanden, damit man ihn auch standesgemäss vermarkten kann.

Und auch wenn diese zuckenden Bilder noch keinen vernünftigen Namen haben, sind sie allemal faszinierend. „So kommt Bewegung in die Sache“ weiterlesen

Was hätte Immanuel Kant dazu gesagt?

Was hätte Immanuel Kant wohl über die Gewohnheit vieler Handyfilmer gesagt, ihre Aufnahmen vertikal zu drehen? Nicht viel, nehme ich an, denn als Philosoph und Aufklärer hätte er Besseres zu tun. Und ich erwähne ihn auch nur, weil mir neulich auf Facebook ein Scherzchen begegnet ist, das ich am Ende des Beitrags eingefügt habe. (Jawohl, mit so perfiden Methoden bringe ich euch dazu, meine Beiträge bis zum Ende zu lesen.)

Obwohl das Scherzchen reichlich müde ist, musste ich sehr lachen. Und wo wir mit Kant im Zeitalter der Vernunft angelangt sind, gilt es festzuhalten, dass es wirklich fast gar keine Gründe gibt, seine Videos aufrecht zu filmen. Das Vertical Video Syndrome klingt wie eine Krankheit, ist schon längstens ein Meme und eine Landplage sondergleichen.

Es hat damit zu tun, dass die Leute halt so filmen, wie ihnen ihr Smartphone gerade in die Hand gekommen ist – und das ist typischerweise aufrecht. Man kann es so schön in einer Hand halten. Im Querformat muss man schauen, dass es einem nicht aus der Hand fällt. „Was hätte Immanuel Kant dazu gesagt?“ weiterlesen

So geht die Fotografie den Bach hinunter

Bei (der übrigens sehr empfehlenswerten) Foto-Site Petapixel habe ich neulich einen Beitrag über ein Ding namens Exposure Calculator gefunden. Er setzt bei einem interessanten Phänomen an. Nämlich bei der Tatsache, dass immer mehr Fotografen mit «Exposure» bezahlt werden.

Die exposure hat in dem Fall nichts mit der fotografischen Belichtung zu tun (obwohl es dafür natürlich auch Webanwendungen gibt). Nein, in Deutsch würde man das wahrscheinlich «Publicity» nennen, obwohl das auch nicht wirklich ein deutsches Wort ist. Aber mit «Öffentlichkeit» kommt man der Sache auch einigermassen nahe.

Also, das funktioniert so: Ein Auftraggeber hätte gerne ein Foto, möchte dafür aber kein Geld bezahlen. Stattdessen bietet er «Öffentlichkeit» an: «Wir werden dein Foto einem grossen Publikum zugänglich machen.» Der Fotograf steigert seinen Bekanntheitsgrad, baut sich einen Ruf auf. Das hilft  dabei, Aufträge an Land zu ziehen, die dann auch wirklich bezahlt werden – in echtem Geld.

Das ist kein seltenes Phänomen. „So geht die Fotografie den Bach hinunter“ weiterlesen

Zeit, dass sich was dreht

Sich mal als Risikokapitalgeber fühlen? Dank Crowdfunding weder für Hinz noch für Kunz ein Problem. Man sucht sich ein nettes Projekt, gibt ein paar Franken und kann sich dann damit brüsten, etwas für die Wirtschaft und für die Startup-Szene getan zu haben. Und ganz nebenbei zeigt man den Banken eine lange Nase. Die haben zwar das Geld, doch sie würden den Teufel tun, es aufstrebenden Jungunternehmern anzuvertrauen. Darum springen wir als Schwarmfinanzierer in die Lücke und machen jene Produkte möglich, von denen wir finden, dass die Welt sie braucht.

Ich habe es wieder einmal gewagt, trotz meines mehr als betrüblichen Leistungsausweises. Die meisten Projekte, die ich unterstütze, sind gescheitert oder noch Jahre später in der Schwebe. Doch heute darf ich von einem erfolgreichen Projekt berichten.

Das ist der Pivo Pod: Das ist eine Stativhalterung fürs Smartphone. So weit, so unspektakulär. Der Clou ist, dass sie sich auch noch um die eigene Achse drehen kann. Das ermöglicht eine Reihe von Spezialtricks:
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Lightroom auf den Fersen

Besprechung von Pixelmator Photo, einer sehr günstigen iPad-Alternative zu Lightroom von Adobe.

Pixelmator ist ein Softwarehersteller aus Litauen, der sich in den letzten Jahren mit zwei Dingen einen Namen gemacht hat: Erstens mit Bildbearbeitungsprogrammen von modernem Zuschnitt, die man guten Gewissens auch für professionelle Zwecke verwenden kann. Zweitens mit Kampfpreisen: Die Programme für den Desktop sind für einen zweistelligen Betrag zu kaufen – und damit auch interessant für Leute, die Software nicht von Adobe mieten möchten.

Ich habe diverse Produkte von Pixelmator im Einsatz, die ich jeweils auch hier besprochen habe: Im Beitrag Bildbearbeitung abseits von Adobe die Variante für den Mac-Desktop und im Beitrag Pixelmator macht auch auf dem iPad eine gute Falle, wie der Titel schon verrät, die iPad-Version.

Ich kann beide empfehlen – wobei mir die Produkte von Affinity inzwischen noch etwas lieber sind. Siehe dazu Affinity Photo (Ernsthafte Bildbearbeitung mit dem iPad) und die Layoutsoftware Affinity Publisher (Eine vielversprechende InDesign-Alternative). Diese Programme sind preislich ähnlich gelagert, sodass man sich nicht in übertriebene Unkosten stürzt, wenn man sie alle benutzt: Im täglichen Einsatz werden sich dann auch spezifische Stärken und Schwächen zeigen, sodass man je nach Aufgabe das optimale Werkzeug zur Verfügung hat.

An dieser Stelle soll es nun um Pixelmator Photo gehen. „Lightroom auf den Fersen“ weiterlesen

Fotokunst auf die faule Tour

Doppel- oder Mehrfachbelichtungen sind eine kreative Spielerei, die man schon im analogen Zeitalter äusserst kreativ anwenden konnte. Damals im Zelluloidzeitalter musste man seine Kamera dazu bringen, den Film nicht zu transportieren, bevor man erneut auslöst. Die meisten Kameras haben das automatisch verhindert, indem der Spannhebel den Film um ein Bild weiterbefördert, während er den Verschluss wieder schussbereit macht. Es gibt bei manchen Kameras aber einen Knopf, der den Filmtransport abschaltet.

Auch viele Digitalkameras haben eine Option für Doppelbelichtungen. Die bei meiner Nikon D700 ist allerdings nicht das, was man erwarten würde. Sie fügt nämlich nachträglich Bilder zusammen (im Menü bei Bildbearbeitung gibt es die Option Bildmontage). Wenn man die Doppelbelichtung hinterher zusammenfügt, kann man das auch gleich in der Bildbearbeitungssoftware tun.

Wenn man Doppelbelichtungen mit der Kamera machen will, dann natürlich gleich bei der Aufnahme. Erstens kommt es dann auf die fotografischen Fähigkeiten und das sorgfältige Arbeiten an. Und zweitens kommen gewisse Vorteile nur bei der Aufnahme überhaupt zum Tragen.

Man kann die Mehrfachbelichtungen nämlich nicht nur kreativ, sondern auch handwerklich nutzen. „Fotokunst auf die faule Tour“ weiterlesen

Die Foto-App könnte noch besser sein

Die Idee der Fotomediathek beim iPhone und iPad (und analog auch bei den Foto-Apps bei Android) ist simpel: Alles landet an einem Ort. So braucht der Nutzer keine Triage vorzunehmen  und die Bilder verwalten sich quasi von allein. Auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und, beim iPhone zum Beispiel mit den automatischen Rückblicken.

Kann man die Fotoverwaltung komplett automatisieren und es dem Benutzer ersparen, selbst Hand anlegen zu müssen? Das ist eine spannende Frage, finde ich. Sie zeigt die Herausforderung auf, der sich ein Hersteller gegenübersieht, der sich seit jeher für seine Benutzerfreundlichkeit rühmt. Er will und muss hier den eigenen Ansprüchen genügen – bei ziemlich grosser Fallhöhe. Denn wenn im Rückblick zum Paris-Wochenende die TGV-Platzreservierung auftaucht, die man zur Sicherheit abgeknipst hat, dann sinkt das Vertrauen in Apples Foto-Auswahlkünste gleich schlagartig um zwanzig Prozent.

Für meinen Geschmack wird etwas viel Vertrauen ins maschinelle Lernen gesetzt. Beim iPhone und iPad gibt es in der Foto-App eine Rubrik mit der Bezeichnung Für dich. Was dort auftaucht, ist nicht völlig verkehrt. „Die Foto-App könnte noch besser sein“ weiterlesen

Diese Foto-App macht vor gar nichts Halt

Die meisten Bildbearbeitungs-Apps fürs iPhone haben mit Live-Fotos nichts am Hut. Sie bearbeiten das Standbild, nicht aber die kurze Bewegtsequenz. Das ist meistens nicht tragisch. Wenn man ein Bild für die Weitergabe per Messenger oder die Veröffentlichung auf einer Social-Media-Plattform aufbereitet, dann wird aus dem Live-Foto fast überall ein Nicht-Live-Schnappschuss. Apple hat es verpasst, einen Standard zu entwickeln, mit dem man die Live-Fotos auch leicht auf seiner eigenen Website präsentieren könnte.

Für Bearbeitungen, die am Live-Foto erhalten bleiben sollen, muss man zur Standard-Fotos-App greifen. Was man mit der macht, erstreckt sich auch auf den «lebendigen» Teil der Aufnahme.

Oder man probiert sein Glück mit der Infltr-App. Sie behauptet von sich zwei Dinge. Erstens: Sie könne «alles» bearbeiten. Nebst normalen Fotos auch Live-Fotos, Videos, Fotos mit Tiefeninformationen und Moments. Das sind die automatisch generierten Rückblick-Filme, die man inzwischen allerdings sehr gut auch mit den Mitteln des Betriebssystems verändert und verbessert.

Zweitens liefert die App Filter. Und zwar «unendlich viele», wie sie behauptet. „Diese Foto-App macht vor gar nichts Halt“ weiterlesen

Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister

Heute geht es um Darkroom. Ich dachte erst, es handle sich um eine Tablet-Variante eines bekannten Open-Source-RAW-Konverters. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich den Namen verwechsle und jenes Programm Darktable heisst. Siehe: Auf die dunkle Seite wechseln? Das ist nun aber kein Grund, sie nicht zu besprechen. Auch wenn mich bei den Foto-Apps angesichts der schieren Zahl immer das Gefühl beschleicht, es gäbe noch mindestens zehn andere Produkte, die noch viel empfehlenswerter und besprechenswürdiger gewesen wären.

Darkroom ist eine App fürs iPhone und iPad. Sie ist kostenlos und bietet dafür einen soliden Basis-Funktionsumfang. Es gibt in App-Käufe fürs Freischalten der weitergehenden Werkzeuge. Für alle Tools zahlt man 10 Franken. Der Hersteller singt in der Beschreibung im App Store in den höchsten Tönen eine Lobeshymne auf sich selbst: „Mit dieser Foto-App zeigt man Instagram den Meister“ weiterlesen

Für Architektur- und Blutmondfotografen

Neulich hat mich Rainer gefragt, ob ich seine App Sun Locator besprechen würde. Solche Anfragen gibt es ab und zu. Ich nehme sie sehr gerne entgegen, gebe aber keinerlei Garantie ab. Ob und wann eine Besprechung erfolgt. Und wo: Es kann somit passieren, dass die App den Auftritt hier im Blog hat und nicht in der Zeitung, beim Newsnetz oder im Patentrezept-Video. Andererseits kam es schon öfters vor, dass ich Besprechungen aus dem Blog für die grosse Bühne aufgegriffen habe. Man könnte sagen, dass das Blog zur Ochsentour gehört.

Woher kommen die Sonnenstrahlen? Und wo gehen sie hin?

Also, zu Sun Locator. Sie dient dazu, einem die Position von Sonne und Mond im Verlauf des Tages anzuzeigen. Das hilft Filmern und Fotografen, die Tageszeit für eine Aufnahmesession auszusuchen, in der das Licht aus der gewünschten Richtung kommt. Wenn man Architekturfotografie betreibt, möchte man wahrscheinlich, dass die Fassade des abzulichtenden Gebäudes nicht im Schatten liegt. Aber auch frontales Licht ist nicht unbedingt ideal. Ein bisschen Schattenwurf hilft, die räumlichen Dimensionen zu erfassen.

Aber auch die Architektur nicht Gegenstand, sondern bloss Kulisse ist, will man wahrscheinlich eine bestimmte Stimmung erzielen. Ob Landschaft oder Portrait, die Sonne ist ein Einflussfaktor, den man genau bestimmen kann – viel einfacher als ein anderer Komparse, der mitunter überhaupt nicht mitspielt. „Für Architektur- und Blutmondfotografen“ weiterlesen