Wie man Fotos ohne Cloud verschlagwortet

Eine automatische Inhaltsanalyse von Fotos, die offline funktioniert: Das ist mit Excire möglich. Zwar leistet sich die Software gelegentliche Fehler und Auslassungen, ist aber trotzdem eine Empfehlung wert.

Regelmässige Leserinnen dieses Blogs werden festgestellt haben, dass ich eine pedantische Ader habe. Die zeigt sich nicht in allen Lebenslagen. Zum Beispiel habe ich kein Problem mit einem unaufgeräumten Büro. Aber in digitalen Dingen kenne ich keine Gnade. Darum habe ich neulich mein Blog auf Vordermann gebracht. Und ich kann mich mit Inbrunst um digitale Metadaten kümmern. Bei der Musik. Vor allem aber bei den Fotos.

Ich habe seinerzeit in Lightroom meine Digitalfotos akribisch verschlagwortet. Ich habe eine Bildlegende gesetzt und Stichworte vergeben und manchmal sogar eine ausführliche Beschreibung verfasst. Und das, nach den Ferien, bei Hunderten von Bildern. Und es war mir wichtig, die Bilder mit präzisen GPS-Daten zu versehen. Das war vor zehn Jahren recht aufwändig, aber ich hatte eine ausgeklügelte Methode entwickelt.

Ansatzweise neurotisch

Da ich keine Fotoagentur bin, war das ansatzweise neurotisch. Ich hatte irgendwann ein Einsehen und damit aufgehört. Auch aus äusserem Anlass. Das Verschlagworten von Bildern ist zeitraubend, und irgendwann war mir der Aufwand zu gross.

Ausserdem hat sich die Erkenntnis eingeschlichen, dass die ganze Arbeit vergebene Liebesmüh sein könnte. Wir erinnern uns: „Wie man Fotos ohne Cloud verschlagwortet“ weiterlesen

Wenn eine künstliche Intelligenz Farbe herbeizaubert

Wie gut sind Soft­ware­programme, die aus Schwarz­weiss­auf­nahmen bunte Bilder machen? Ich habe das anhand eines authen­tischen Jugend­selfies ausprobiert.

Es ist beeindruckend, was künstliche Intelligenz bei altem Bildmaterial zu leisten vermag: Sie erhöht die Auflösung, rechtet ruckelige Filmsequenzen ruhig, entfernt Bildstörungen und macht Schwarzweiss-Aufnahmen bunt.

Diese Restauration verändert unsere Wahrnehmung: Digital aufgefrischte Zeitdokumente wirken nicht mehr wie historische Artefakte, die uns heute nichts mehr angehen. Die gefühlte Distanz wird kleiner – auch wenn uns die Bilder natürlich niemals so direkt betreffen, wie ein Selfie, das wir selbst vor drei Tagen fabriziert haben.

Diesen Effekt habe ich im Beitrag Und plötzlich wirkt die Vergangenheit frisch und lebensecht (Abo+) beschrieben und einige eindrückliche Beispiele zusammengesucht, die die Möglichkeiten solcher Algorithmen demonstrieren. Es gibt inzwischen nämlich eine lebendige Szene, die sich der Aufgabe verschrieben hat, das letzte aus alten Filmaufnahmen herauszuholen.

Seit ich den Artikel geschrieben habe, wollte ich selbst eine solche Software ausprobieren. Als Testobjekt habe ich folgendes Foto ausgesucht, das mich in meinem Jugendzimmer zeigt – und das ich ohne Koketterie als Perle aus meinem Fotoarchiv bezeichnen würde. „Wenn eine künstliche Intelligenz Farbe herbeizaubert“ weiterlesen

Flache Bilder mit echter Tiefe

Die Loopsie-App macht aus normalen Fotos 3D-Wackel­bilder. Das ist technisch beein­druckend und amüsant und vor allem ein Indiz, dass das Ende der Fahnen­stange bei den digitalen Foto­grafie­möglich­keiten noch lange nicht erreicht ist.

Facebook ist nicht unschuldig daran, dass wir in letzter Zeit häufig Fotos zu sehen bekommen, die auf einen stereoskopischen Raumeffekt getrimmt sind. In der Timeline scheint sich die Perspektive zu verändern, wenn das Bild durchgescrollt wird. Ursprünglich war das nur bei Fotos möglich, die mit Tiefeninformationen ausgestattet sind. Doch seit gut einem Jahr lässt sich dank Künstlicher Intelligenz jedes flache Bild in eine 3D-Variante verwandeln.

Die Startseite, wo man sein Wackelbild anhand diverser Vorlagen kreieren kann.

Ehrlich gesagt, hängt mir das inzwi­schen schon wahn­sinnig aus dem Hals heraus. Trotzdem habe ich mich dazu hin­reissen lassen, die App Loopsie zu testen. Es gibt sie fürs iPhone/iPad und für Android, und sie macht im Prinzip das gleiche, allerdings mit einem etwas anderen Resultat.

Loopsie erzeugt den räumlichen Effekt durch Bewegung.

Man nennt das auch Wackel­bild, und es gibt eine analoge Vorlage: Das sind die Lentikular- oder Prismenrasterbilder, bei denen man durch leichtes Hin- und Herbewegen zwei leicht versetzte Ansichten des gleichen Motivs sieht und so den Eindruck einer stereoskopischen Aufnahme bekommt, obwohl man nur ein flaches Bild vor sich hat. „Flache Bilder mit echter Tiefe“ weiterlesen

Fünf Tricks für störrische RAW-Dateien

Wie man RAW-Dateien zu Gesicht bekommt und nach JPG konvertiert – vor allem auch dann, wenn so neue Kameras mit im Spiel sind, dass die gängigen RAW-Entwickler sich den Bildern komplett verweigern.

Wie letzte Woche (hier und hier) beschrieben, hatte ich die Z5 von Nikon in den Fingern. Ich habe mit ihr fotografiert; und zwar aus unerfindlichen Gründen nur im Rohdatenformat (RAW).

Das heisst bei Nikon NEF. Und von diesen NEF-Dateien hatte ich nach meiner Fototour ein paar Dutzend auf der Festplatte. Und wer sich mit der digitalen Fotografie im Allgemeinen und dem RAW-Format im Speziellen auskennt, der weiss, was jetzt kommt. Genau: Ich konnte diese Dateien weder mit Windows noch mit meinem Mac öffnen.

Zwar ist es so, dass sich der Mac von Haus aus auf RAW-Dateien versteht. Das Problem ist allerdings, dass die Hersteller ihre RAW-Formate mit jedem Modell anpassen. Das bedeutet, dass auch RAW-taugliche Programme mit den Fotos aus den ganz neuen Kameras nichts anfangen können. Man hat also eine brandneue Kamera, mit der man viele mutmasslich supertolle Fotos geschossen hat – die man sich aber nicht ansehen kann.

Das ist unglücklich. Aber es gibt mehrere Möglichkeiten, das Problem zu beheben: „Fünf Tricks für störrische RAW-Dateien“ weiterlesen

Das ist die Kamera, die ich heute nicht gekauft habe

Die Nikon Z5 hat mich in ein Dilemma gestürzt. Soll ich eine Kamera kaufen – oder kann ich es genausogut bleiben lassen?

Eine neue Kamera zu kaufen, ist derzeit ein schwieriges bis unmögliches Unterfangen. Und ja, es ist gut möglich, dass es nur mir so geht. Aber ich tue mich schwer mit diesem Entscheid.

Für mich selbst ist das im Grund kein Problem. Ich bin technisch gut ausgestattet: Meine D7000 ist zwar bald zehn Jahre alt, aber sie verrichtet ihren Dienst klaglos. Fürs Video habe ich die Sony AX100e im Einsatz und mit dem iPhone 11 lässt es sich auch hervorragend fotografieren. Es ist darum mehr eine theoretische Überlegung, was ich tun würde, wenn ich die D7000 zur Zweitkamera würde degradieren wollen.

Doch das fehlende Bedürfnis ist für uns Technik-Freak natürlich kein Grund, nicht über Neuanschaffungen nachzudenken. Solcherlei Überlegungen wurden bei mir durch die Nikon Z5 (Amazon Affiliate) ausgelöst, die zu testen ich derzeit das Vergnügen habe. Der Bericht dazu ist gestern erschienen: Eine tolle Kamera mit einem dicken Ja, aber.

„Das ist die Kamera, die ich heute nicht gekauft habe“ weiterlesen

Eine tolle Kamera mit einem dicken Ja, aber

Die Z5 in einem ersten Augenschein. Ich an Nikons jüngster Vollformat-Systemkameras einiges zu loben – doch aus einem ganz bestimmten Grund kann ich sie trotzdem nicht zum Kauf empfehlen.

Ich hatte letzte Woche die Gelegenheit, die Z5 (Amazon Affiliate) von Nikon zu testen. Es handelt sich um Nikons Einstiegsmodell in die Klasse der spiegellosen Vollformatkameras. Die beiden grösseren Geschwister sind die Z6 und die Z7. Es gibt mit der Z50 auch eine Variante mit APS-C-Sensor.

Die Z6 konnte ich seinerzeit ausführlich testen. Ich habe hier im Blog ein paar Details besprochen und sie beim Tagi kurz in unseren Gadget-Empfehlungen (🔒💰) erwähnt.

Die Z6 hat mir damals sehr gut gefallen. Darum stellt sich sogleich die Frage, ob das auch bei der Z5 der Fall ist – oder ob man Abstriche machen muss, die schmerzhaft oder sogar inakzeptabel sind. Und das sind die sechs Unterschiede zwischen den beiden Modellen, die mir relevant erscheinen:

Der Sensor. Er wird bei der Z5 nicht rückwärtig belichtet wie bei der Z6. Die Back Side Illumination (BSI) führt zu einer etwas grösseren Lichtempfindlichkeit. „Eine tolle Kamera mit einem dicken Ja, aber“ weiterlesen

Wie aus Fotos hübsche Grussbotschaften werden

Zwei Apps für Fotocollagen: Erstens Pic Collage: Diese App kann alles, ist aber zu teuer. Zweitens Foto Collage: diese App bietet weniger Funktionen zu einem vernünftigen Preis.

Ich habe seinerzeit im Beitrag Fotocollagen vom Feinsten eine hübsche App vorgestellt, mit der sich am Smartphone mehrere Fotos zu Collagen zusammenfügen lassen. Die wollte ich neulich reaktivieren – musste aber feststellen, dass sie nicht mehr im Store auffindbar ist.

Gefragt war eine Alternative. Ich bin nach einigem Suchen auf Pic Collage gestossen. Diese App existiert fürs iPhone/iPad und Android. Sie ist kostenlos, aber mit den üblichen In-App-Käufen für Zusatzfunktionen und Wasserzeichen-Entfernung.

Die App bietet drei Varianten an, um die Fotos für die Collagen zu arrangieren: „Wie aus Fotos hübsche Grussbotschaften werden“ weiterlesen

Das Smartphone-Stativ fürs Portemonnaie

War mein Instagram-Spontankauf ein Rohrkrepierer oder ein Volltreffer? Angelacht habe ich mir das Pocket Tripod. Das ist eine Halterung fürs Smartphone, die ins Kartenfach des Portemonnaies passt.

Ich neige nicht zu Spontankäufen – aber dieses Ding hier ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Das habe ich sofort gekauft, nachdem ich auf Instagram eine Werbung gesehen habe. Was mir sehr peinlich ist – weil nun irgend in einer Datenbank ein Eintrag beweist, dass ich anfällig auf Instagram-Werbung bin.

Also, das Ding heisst Pocket Tripod Pro und stammt  von einem Startup namens Geometrical. Es ist ein Stativ fürs Smartphone, das die Abmessungen einer Kreditkarte hat und im Portemonnaie mit sich geführt werden kann. Ich habe dafür im April 35 US-Dollar, plus 10 Dollar Versand bezahlt. Und nach einigem Hin und Her wegen des Umlauts in meinem Namen hat es das Teil letzte Woche zu mir geschafft – nach einer Postreise von ungefähr sechs Wochen.

Und endlich konnte ich die Frage beantworten, ob das nun rausgeworfenes Geld war – oder ob es dieses kleine Ding die Erwartungen erfüllt. Denn das Gadget wurde in der Instagram-Werbung als Verwandlungskünstler angepriesen, der von einem flachen Kärtchen in eine Halterung fürs Smartphone mutiert. Mit dieser Ständer sei es möglich, das Telefon so auszurichten, dass es präzise in die gewünschte Richtung zielt und beim Fotografieren genau den Blickwinkel einfängt, den man auf seinem Bild draufhaben will.

Diese Verwandlung werde ich vielleicht noch in einem Video vorführen. Doch als erstes erfüllt auch eine Bildergeschichte den Zweck.

Also, die Ausgangslage: „Das Smartphone-Stativ fürs Portemonnaie“ weiterlesen

Jetzt haut sie mich doch aus den Socken!

Es kommt selten vor, dass ich nach so kurzer Zeit mein Urteil revidieren muss. Doch bei Photoshop Camera ist das der Fall: Ich habe die App bei meiner ersten Besprechung ein bisschen unterschätzt.

Vor Kurzem habe ich die App Photoshop Camera hier im Blog besprochen. Das Fazit damals war, dass sie mich noch nicht wirklich aus den Socken haut.

Doch das hat sich erstaunlich schnell geändert: Seit meinem Beitrag sind einige neue Linsen dazugekommen. Die Linsen sind, wie im Beitrag beschrieben, die Methoden zur Bildverfremdung. Sie wirken auf den ersten Blick wie ein Instagram-Filter. Doch sie gehen weit über einen simplen Effekt hinaus, der einfach nur übers Bild gelegt wird.

Die Linsen sind teils komplexe Algorithmen, die das Kamerabild live und in Echtzeit in Einzelteile wie Vorder-, Mittel- und Hintergrund zerlegen. Auf diese Weise können diese Elemente einzeln ausgetauscht, überlagert oder verändert werden.

Die App hat ihr wahres Potenzial erst nach meinem ersten Test ausgespielt

Bei meinem ersten Augenschein habe ich eine Linse getestet, die den Himmel durch Varianten mit unterschiedlicher Bewölkung ersetzt. Das ist ohne Zweifel ein direkt aus dem Leben gegriffenes Einsatzgebiet. Aber es ist auch nicht extrem spektakulär: „Jetzt haut sie mich doch aus den Socken!“ weiterlesen

Mit Google die letzten Fotogeheimnisse enträtseln

Google Lens ist erschreckend gut darin herauszufinden, was auf einem Foto zu sehen ist. Wichtig ist lediglich, richtig zu scannen und zu suchen.

Neulich habe ich eine neue Geschichte für ein altes Foto erzählt und beschrieben, wie man mithilfe des Internets Recherchen zu seinen Fotos anstellt: Wie findet man heraus, wo ein Foto aufgenommen worden ist, wenn man sich partout nicht mehr daran erinnern mag?

Andreas hat mit dem richtigen Ausschnitt gearbeitet und so einen Treffer gelandet (zweiter Vorschlag rechts).
Ich hatte Google Lens auch eine Chance gegeben – aber den Fehler gemacht, den Ausschnitt nicht einzugrenzen.

Einer meiner Facebook-Freunde hat einen Versuch mit Google Lens unternommen und ist dem Geheimnis jenes Fotos auch auf die Spur gekommen.

Ich hatte die App auch ausprobiert, aber ohne Erfolg. Aber offensichtlich habe ich zu früh aufgegeben. Der Clou scheint zu sein, genau den richtigen Bildausschnitt zu wählen.

Das ist Grund genug, diese App etwas genauer unter die Lupe zu nehmen: Was taugt Google Lens, um Motive auf alten Fotos zu identifizieren?

Es gibt die App für Android. Eine separate App fürs iPhone bietet Google nicht an. Die Lens-Funktion steckt bei iOS in der Such-App von Google. Man kann mit ihr einen Suchtext eintippen, diktieren – oder aber Bildinformationen zur Suche nutzen. Dazu greift man entweder auf die Kamera des Smartphones oder aber ein vorhandenes Bild zurück.

Ich nutze die Lens-Funktion inzwischen recht gerne: „Mit Google die letzten Fotogeheimnisse enträtseln“ weiterlesen