Was wird jetzt aus der F1-Taste?

Mit Windows 11 wird die kon­text­sen­si­tive Hilfe ab­ge­schafft. Die Funk­tions­taste ganz links ist in den meisten Apps ohne Funktion. Das ist unsin­nig: darum ein Vor­schlag, wie Micro­soft das ändern soll.

Die F1-Taste steht für die Hilfe-Funktion – und zwar seit vierzig Jahren. Schon 1982 haben Programme wie die Textverarbeitung Volkswriter für IBM-PCs sie für diesen Zweck verwendet, wenngleich die Zuschreibung damals nicht verbindlich war.

Das hat 1987 dann die Common User Access-Richtlinie geändert. In diesem Regelwerk hat IBM festgelegt, wie Benutzeroberflächen gestaltet werden sollten. Es ist eine lesenswerte Lektüre, weil es viele Vorgaben macht, die auch heute noch gebräuchlich sind: Die Menüleiste am oberen Rand, die Möglichkeit, Dialogboxen über Abbrechen bzw. die Escape-Taste zu schliessen – und vieles mehr. IBM hat auch vorgeschrieben, dass Programme eine Hilfe-Funktion aufweisen sollen, die über den letzten Punkt in der Menüleiste zugänglich sein soll – oder kontextsensitiv über die F1-Taste.

Nun ist unübersehbar, dass es immer weniger Programme mit einer solchen Hilfe-Funktion gibt: „Was wird jetzt aus der F1-Taste?“ weiterlesen

Ein scheinheiliger Robin Hood

Knatsch um Gratis-Foto­platt­formen: Nutzen Unsplash und Pexels die Foto­grafen aus? Ich bin mit einem Mann ins Gehege geraten, der vorgibt, der Rächer dieser Entrechteten zu sein.

Beitragsbild: Eine Strumpfhose und ein Pfeilbogen allein machen noch keinen Helden (Man dressed as Robin Hood von AndScene/Wikimedia, CC BY-SA 2.0).

Neulich ging es hier im Blog um Nippelklammern. Und um den Fall des Herrn Benjamin Jørgensen, der mir per Mail mitgeteilt hat, ein hier im Blog publiziertes Bild habe einen falschen Bildnachweis. Ich bin der Sache nachgegangen und habe herausgefunden, was dahintersteckt. Die Absicht von Jørgensen besteht darin, Leute wie mich dazu zu bringen, Links auf seine Website zu setzen. Auf diese Weise versucht er, diese Website in den Resultaten bei Google nach vorn zu bringen. Denn bekanntlich stuft Google häufig verlinkte Websites als wichtig ein.

Für seine Methode der Suchmaschinenoptimierung (SEO) setzt Benjamin Jørgensen bei Bildplattformen wie Pexels und Unsplash an. Dort gibt es Fotos, die man kostenlos und frei verwenden kann. Manche der Bilder sind extrem beliebt und hundertfach in Verwendung.

Solche Fotos kauft Jørgensen den Fotografen ab, löscht sie auf der Ursprungsplattform und platziert sie auf seiner eigenen Website. Und nun verschickt er seine Mails mit dem Hinweis auf den angeblich falschen Bildnachweis, der in korrekter Form einen Link auf seine Website enthalten müsse.

Ich komme auf diese Methode zurück, weil ich inzwischen zwei weitere Mails von Benjamin Jørgensen bekommen habe. (Die Dokumentation dieser Fälle findet sich als Ergänzung im Originalbeitrag). „Ein scheinheiliger Robin Hood“ weiterlesen

Der Nerd als geborener DJ

Die beste App, um Musik aufzulegen, ist Djay Pro von Algoriddim. Sie hat in der Mac-Version einige Tricks mit künstlicher Intelligenz auf Lager, die gleichzeitig faszinieren und irritieren.

Nerds gehören nicht unbedingt zu der Gattung Mensch, die auf Achttausender klettert, im Wald barhändig einen Bären erwürgt oder die Boxweltmeisterschaft gewinnt. Wenn wir Nerds die Bewunderung der Massen erwerben möchten, müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen. Und zum Beispiel DJ werden. Als DJ kann man eine Art Held sein, ohne sein Leben riskieren zu müssen. Man muss sich auch nicht unbedingt ins Rampenlicht stellen: Man darf sich hinter Plattentellern verstecken und die feiernde Gesellschaft seine Anwesenheit indirekt, über den Musikmix spüren lassen.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die feinmotorischen Fähigkeiten dank des Fortschritts an Bedeutung verloren haben. Als der DJ noch Vinyl aufgelegt hat, musste er zumindest in der Lage sein, mit der Nadel die Rille an der richtigen Stelle zu treffen. Und der Umgang mit den Tonträgern erforderte ein gewisses Geschick, damit immer rechtzeitig das passende nächste Stück auf dem Plattenteller lag.

Diese bei uns Nerds oft nicht vorhandenen Talente lassen sich durch den Einsatz moderner Technik problemlos kompensieren: „Der Nerd als geborener DJ“ weiterlesen

Ein Tor zu Tor, das keine Wünsche offen lässt

Onion Browser ist eine App fürs iPhone und das iPad fürs Tor-Ano­nymi­sie­rungs­netz­werk, die sich durch aus­ge­klü­gel­te Ein­stel­lungen aus­zeichnet.

Wer gelegentlich mit dem Tor-Browser unterwegs ist (Tor ist ein Menschenrecht), der kann dazu am iPad den Red Onion Browser verwenden, der den Zweck noch immer bestens erfüllt.

Gold, Silber oder Bronze? Hier legt man die Restriktionen fest, die für Websites gelten.

Neulich bin ich indes einer Alternative begegnet, nämlich dem Onion Browser. Diese App fürs iPhone und iPad macht das, was man von ihr erwartet: Sie ermöglicht erstens den Zugriff auf normale Websites über das Tor-Netzwerk, das die Datenpakete über mehrere, häufig wechselnde Relais-Stationen leitet und extra verschlüsselt, sodass keine Lokalisierung mehr möglich ist und das Tracking massiv erschwert wird. Zweitens erreicht man mit mir ihr Websites im sogenannten Dark web: „Ein Tor zu Tor, das keine Wünsche offen lässt“ weiterlesen

Fischers Fritzbox fischt keine Fische per IPv6

Aus un­er­find­lichen Gründen ver­bindet mein brand­neuer Router nur über das uralte IPv4-Protokoll und verweigert sich IPv6. Ein unhalt­barer Zustand, der sich zum Glück beheben liess.

Als ich mich neulich mit DNS over HTTPS beschäftigt habe – womit sich die Internetverbindung besser gegen Mithörer und Manipulatoren absichern lässt –, ist mir aufgefallen, dass die Geräte in meinem Netzwerk lediglich mit IPv4 kommunizieren. Dieses Protokoll ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Es wurde 1981 entwickelt und krankt daran, dass zu wenige globale Reserven für all die Geräte vorhanden sind, die sich online tummeln – und von denen es allein wegen des Internets der Dinge immer mehr gibt.

Das war schon vor zehn Jahren ein Problem. Am 8. Juni 2012 sollte der «IPv6-Tag» ein Bewusstsein für das Problem schaffen. Der Aktionstag sollte die Leute dazu bringen, sich für das Nachfolge-Protokoll IPv6 zu interessieren und zu engagieren. Mit dem wird das Kapazitätsproblem ein für alle Mal gelöst: „Fischers Fritzbox fischt keine Fische per IPv6“ weiterlesen

Fotos nach Textinhalten durchsuchen

Eine Hand­voll Tipps, wie man den Text­in­halt auf Bildern und Screen­shots erkennt und seine ganze Foto­samm­lung nach Stich­wörtern durch­sucht.

Eine tolle Neuerung in iOS 15 ist Live Text. Sie führt eine Texterkennung in Bildern durch – und zwar vollautomatisch, ohne dass man etwas dafür tun müsste. Man kann den erkannten Text markieren und kopieren, Mailadressen oder Telefonnummern direkt für eine Kontaktaufnahme benutzen, markierte Wörter nachschlagen oder übersetzen.

Das ist eine Erleichterung im Alltag und eine eindrückliche Demonstration, wie Funktionen, die man früher nur als Käufer teurer Spezialprogramme zur Verfügung hatte, geläufig geworden sind.

Wir erinnern uns vielleicht: „Fotos nach Textinhalten durchsuchen“ weiterlesen

Da gibt es noch Luft nach oben

Die Play-SRF-App für den AppleTV bringt den Fernseh­schirm zum Flimmern, doch für Be­geiste­rungs­stürme sorgt sie nicht: Bei der Präsen­tation und der Ver­wal­tung der Lieblings­sen­dungen hat sie Defi­zite.

Neulich ist mir aufgefallen, dass das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ein beträchtliches Manko ausgeräumt hat. Es gibt die Play SRF-App jetzt auch für den Apple TV.

Zugegeben, brandneu ist die nicht mehr, sondern bald anderthalb Jahre alt. SRF hat die Ankunft der neuen App seinerzeit zwar pflichtbewusst vermeldet, aber leider hatte ich davon bis jetzt keine Kenntnis genommen.

Aber besser spät als nie. Denn die Mediatheken-Apps sind ein wichtiges Puzzleteilchen in unserem Abnabelungsprozess vom linearen Fernsehen:  „Da gibt es noch Luft nach oben“ weiterlesen

Auch einmal Nein sagen können

Es ist keine gute Idee, Apps alle ange­for­der­ten Be­rech­tigungen gedan­ken­los zu gewäh­ren. Statt­dessen sollte den Zugriff auf Mikro­fon, Kamera, das loka­le Netz­werk und die Ortungs­dienste selek­tiv ge­wäh­ren und gele­gent­lich hin­ter­fragen.

Nach der Installation einer App bekommt man es mit den berühmt-berüchtigten Dialogen zu tun, in denen Berechtigungen angefordert werden: Manche Apps wollen auf Kamera und Mikrofon zugreifen, andere auf den Standort und wiederum andere auf den Kalender oder die Erinnerungen.

Diese Anfragen mögen oft als lästig erscheinen, sie sind aber sinnvoll: Erstens schaffen sie Transparenz darüber, welche Informationen auf dem Gerät eine App zu nutzen gedenkt.

Zweitens erhalten wir Nutzer einen klaren Eindruck davon, wie «neugierig» eine App ist. Und drittens erhalten wir die Gelegenheit, unsere persönlichen Daten zu schützen: „Auch einmal Nein sagen können“ weiterlesen

Im Web nie wieder etwas verpassen

Ob Konkurrenz­beo­bach­tungen, Über­wachung von Crowd­funding, Auk­tionen, Online-Inseraten oder Job­an­ge­boten: Visualping.io erlaubt flexibles Web­moni­toring.

Im Beitrag Ein wachsames Holzauge im Web habe ich eine Anwendung vorgestellt, die Websites automatisiert auf Veränderungen hin untersucht und sofort informiert, wenn neue Informationen auftauchen. Dieses Monitoring erspart es einem, selbst in schöner Regelmässigkeit nachzusehen, ob sich auf einer Auktionsplattform, einem Job-Portal, einer Immobilien-Plattform oder meinetwegen einer Dating-Site etwas getan hat, das eine unmittelbare Reaktion erfordert.

Die damals vorgestellte Web-App erfüllt diesen Zweck ausgezeichnet, ist allerdings in der Anwendung etwas eigentümlich – für technisch versierte Leute ist das kein Problem. Doch bei Nutzern, die nicht mit dem Aufbau einer Website vertraut sind, besteht die Gefahr, dass sie ihren Monitoring-Auftrag nicht korrekt einrichten und dementsprechend wesentliche Änderungen verpassen.

Visualping.io ist eine Alternative, die das gleiche tut – aber auf eine etwas volkstümlichere Weise: „Im Web nie wieder etwas verpassen“ weiterlesen

App-Tracker bei Android aufspüren und unschädlich machen

Warden untersucht auf Android-Telefonen die instal­lier­ten Apps, zeigt auf, welche Tracker und Logger sie ver­wen­den und bietet an, diese zu ent­fernen. Das ver­bes­sert den Daten­schutz, ist aber nicht un­gefähr­lich.

Im Web werden wir getrackt – das sind wir uns gewohnt. Weniger bekannt ist, dass auch Apps jede Regung von uns Nutzerinnen und Nutzern aufzeichnen, auswerten, speichern und – vermutlich – auch in personalisierter oder anonymisierter Form weiterverkaufen: App Tracking: Es ist noch viel, viel schlimmer, war mein Fazit, nachdem ich mir Exodus angeschaut hatte: Das ist eine Website, die aufzeigt, welche Tracker in welcher App enthalten sind. Die Erkenntnis damals: Es gibt kaum eine App, die nicht trackt. Und manche Apps haben Dutzende solcher Komponenten von verschiedenen Datensammlern eingebaut.

Nun hat mich @kiki auf Mastodon auf ein spannendes Projekt in diesem Zusammenhang hingewiesen: „App-Tracker bei Android aufspüren und unschädlich machen“ weiterlesen