Wie eine Rätsel-App, nur in Echt

Die Cluebox bzw. der «Davy Jones’ Locker» ist ein Holzwürfel mit einem Geheimnis in Form eines verborgenen Fachs, an dessen Inhalt man mit Tüfteln und logischem Denken kommt – und den man auch für romantische Heiratsanträge verwenden könnte.

Die Cluebox ist, so behauptet es der Hersteller, ein «Escape-Room in einer Box». Das mag etwas hochgegriffen sein, aber amüsant ist dieses Gadget allemal: wie eine Rätsel-App, bloss in greifbarer Form.

Der Holzwürfel erinnert mich ein wenig an «Myst» – auch wenn er sich schneller lösen lässt als das Kult-Spiel von 1993.

Wenn es euch damals so ging wie mir, dann seid ihr daran fast verzweifelt: Bei mir lag es auch daran, dass in meinem Computer damals keine Soundkarte eingebaut war, die Klangkulisse des Spiels aber wichtige Hinweise auf die Lösung geliefert hat. Darum bin ich erst nach einer Hardware-Aufrüstung weitergekommen. Ich habe mir damals einen Soundblaster-Klon von Logitech gekauft  – ja, Logi hatte auch einmal Soundkarten im Programm. Die hatte allerdings einen Defekt und hat immer wieder Abstürze verursacht, sodass mir der «Myst»-Frust noch etwas länger erhalten blieb. Es muss Monate gedauert haben, bis ich das Rätsel geknackt hatte.

Was ist bloss im versteckten Schliessfach drin?

Die Cluebox strapaziert die Nerven weniger. Sie zieht keine Aufrüstungsaktionen nach sich und stellt keine besonderen Hardwareanforderungen – ausser vielleicht die, dass man gutes Licht benötigt und eine Lupe nicht verkehrt ist.

Meine Variante heisst  Davy Jones’ Locker und kostet 35 Euro und ist auch bei Amazon erhältlich.

Die Holzbox hat diverse bewegliche Teile, die mit Symbolen versehen sind, die man erst einmal richtig erkennen und passend zuordnen muss. Es gibt im Begleitzettel eine kurze Hintergrundgeschichte, die aber fürs Verständnis nicht nötig sind. Die Idee ist, dass man aufs Geratewohl anfängt und sieht, wohin einen das Knobeln führt. Geht man konzentriert ans Werk, wird man dem Geheimnis in ein bis zwei Stunden auf die Spur kommen. Geübte Tüftler schaffen es vielleicht auch in einer Dreiviertelstunde.

Schieber, Hebel, Räder, geheimnisvolle Mechanismen.
Das Schiebrätsel gibt erste Hinweise.

Achtung, kleiner Spoiler: Beim Davy Jones’ Locker fängt man am besten mit dem Schiebepuzzle am unteren Ende an. Wenn man weiterkommt, kann man die Box in mehreren Schritten auseinanderbauen, bis man am Ende auf ein verstecktes Fach stösst. Dort bekommt man die Bestätigung, ein scharfer Denker zu sein, plus die Möglichkeit, sich in die Liste der erfolgreichen Rätsellöser einzutragen.

Ein heisser Tipp für Tüftler mit einer romantischen Ader

Man könnte dort auch einen eigenen Gegenstand unterbringen, sofern er ins Fach hineinpasst. Ideal wäre insbesondere ein Verlobungsring. Falls ihr gerade eine Eheanbahnung plant und der oder die auserkorene ein Tüftelfreak ist, wäre das eine  charmante und originelle Methode der Handanhaltung. Falls ihr meinen Tipp befolgt und erfolgreich sein, freue ich mich über eine Einladung an die Hochzeit. 😉

An diesem Hebel muss gezogen werden – was aber nicht ohne Weiteres geht.

Und ja, dass man eigene Gegenstände in die Box platzieren kann, bedeutet natürlich, dass man sie nach dem Auseinandernehmen auch wieder zusammenbauen kann. Dazu findet man eine Anleitung im Netz, und wenn man sorgfältig arbeitet, funktioniert es einwandfrei. Diese Wiederverwendbarkeit ist ein sympathischer Aspekt, denn ich finde es schade, wenn ein solches Spiel als Einweg-Gadget konzipiert wird.

Originell und toll umgesetzt

Fazit: Eine originelle Sache und eine Abwechslung für Leuten wie mir, die vor allem am Bildschirm und via Videogames rätseln. Es ist ungewohnt, an einem physischen Gegenstand Lösungsstrategien auszuprobieren. Die Haupt-Herausforderung ist knifflig: Man braucht einen Block und einen Kugelschreiber dazu und auch ein bisschen Frusttoleranz – die Lösung ist zwar eindeutig, aber mit einem gewissen Potenzial für Missverständnisse. Aber das ist auch bei Videogames der Fall – siehe «Myst».

Hier zeigt sich die Liebe zum Detail bei der Cluebox.

Um hier noch einen Schlenker zur digitalen Welt zu machen: Die Cluebox ist ursprünglich ein Crowdfunding-Projekt. Die Variante, die ich geschenkt bekommen habe, wurde im Juni 2021 via Kickstarter finanziert: 3445 Leute haben 253’350 Euro gesprochen, der Zielbetrag waren 10’000 Euro gewesen. Ein zweites Projekt ist Captain Nemo’s Nautilus, das im Dezember 2021 ebenfalls realisiert worden ist. Der Hersteller, iDventure, kommt aus dem deutschen Meerbusch.

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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