Frage an euch: Wie viel würdet ihr für mein Blog zahlen?

Keine Angst, ich habe nicht die Absicht, zum Kommerzblogger zu mutieren. Aber es geht um die spannende Frage der Verdienstmöglichkeiten im Web: Wie steht es um das Social Payment à la Patreon? Und ergäbe sich daraus gar die Möglichkeit, sich von der Schweizer Eidgenossenschaft medienfördern zu lassen?

Wie viel ist euch die Lektüre dieses Blogs hier wert?

Diese Frage stelle ich weiter unten in einer Umfrage zur Debatte. Doch erst braucht es ein paar einleitende Worte – denn es gilt ein mögliches Missverständnis von vornherein auszuräumen.

Also: Ich habe nicht vor, dieses Blog hier, das ich seit 14 Jahren als Hobbyprojekt betreibe, nun plötzlich zu kommerzialisieren. Ich bin nicht auf die Idee gekommen, mir einen Businessplan aus den Fingern zu saugen, fünf Leute anzustellen und ab dato einen auf dicke Hose zu machen. Mir geht es wie wie (mutmasslich) euch, wenn jemand vom idealistischen in den kaufmännischen Modus wechselt: Ich seufze und versuche, meine Enttäuschung zu verbergen.

Nein. Es ist vielmehr so, dass ein Teil dieses Blogs darin besteht, die gewerblichen Möglichkeiten des Bloggens auszuloten. Ich habe dazu Werbung von Google geschaltet, mit Affiliate-Links von Amazon und Apple experimentiert, die Youtube-Monetarisierung ausprobiert, einen Paypal-Me-Knopf für Spenden eingerichtet und versucht, von der Verwertungsgesellschaft Pro Litteris eine Vergütung zu bekommen. Über diese Bemühungen berichte ich transparent¹.

Hey, ich bin ein Online-Medium – fördert mich!

Nun hat sich mit dem Medienförderungsgesetz eine interessante neue Option aufgetan. Der Bund will neuerdings nicht mehr nur die Zustellung gedruckter Zeitungen fördern, sondern auch die Online-Medien unterstützen. Da könnte man als Blogger auf die Idee kommen: Hey, ich bin ein Online-Medium – fördert mich!

Wie Medienwissenschaftler Manuel Puppis im SRF-Tagesgespräch erklärt, werden jedoch keine Gratisinhalte gefördert, sondern nur solche, für die das Publikum bereit ist zu zahlen. Dafür benötigt man eine Paywall. Oder aber ein Publikum, das zumindest teilweise bereit ist, Spenden zu entrichten.

Ich vermute nun, dass für einen Antrag auf Medienförderung ein simpler Paypal-Me-Knopf, wie es ihn hier im Blog gibt, nicht ausreichen würde. Es bräuchte wohl wenigstens eine Schar Leute, die wiederkehrende Spenden leisten. Und dazu ist das Stichwort natürlich patreon.com.

«Social Payment»

Wikipedia beschreibt diese Plattform wie folgt:

Über Patreon können Künstler und Kreative von ihren Fans regelmässig einen selbstbestimmten Geldbetrag erhalten. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich die Plattform bei Webvideoproduzenten, Musikern, Podcastern und Bloggern.

Also – genau das richtige. Eine solide Basis von Spendern, dazu die Förderung durch den Bund – und plötzlich würde aus einem prekären Hobby eine valide Existenzgrundlage.

Falls ich das Gespräch mit Manuel Puppis richtig im Kopf habe, hat er gesagt, dass die Medienförderung 60 Prozent zu den direkten Publikumseinnahmen zuschiesst. Um auf einen Lohn von 5000 Franken im Monat zu kommen, müsste das Publikum 3125 Franken aufbringen.

Wenn ich davon ausgehe, dass ein guter Abobetrag für ein Blog wie dieses hier fünf Franken wäre, dann bräuchte ich 625 zahlungswillige Unterstützer. Das scheint mir ambitioniert, aber nicht unmöglich.

Doch lohnt sich das überhaupt?

Doch bevor ich mich bei Patreon anmelde, will ich wissen, ob sich die Mühe lohnt. Denn wenn ihr alle findet, dass dieses Blog hier auch weiterhin als Gratisangebot nutzen möchtet, dann würde ich das nicht persönlich nehmen – weil mir, wie eingangs erwähnt, klar ist, wie hoch die Hürde ist, ein Hobbyprojekt zu vergewerblichen.

Also, und hier kommt sie, die schöne Umfrage. Ich werde sie einige Zeit laufen lassen und dann selbstverständlich in einem Blogpost öffentlich auswerten.

Fussnoten

1) Hier eine aktualisierte Übersicht der Monetarisierungsmöglichkeiten, die ich in den letzten Jahren ausprobiert habe:

Werbung

In den Beiträgen 3400 Franken in sechs Jahren und Dispute über den Bloggerlohn habe ich die Erfahrungen vor allem mit der Werbung ausgewertet.

Diese Erkenntnisse sind inzwischen fünf Jahre alt. Als kurzes Update lässt sich sagen, dass diese Einnahmen seitdem ungefähr im gleichen Mass weitergeflossen sind. Das werte ich als Erfolg, denn vor fünf Jahren hat die Werbung auf den Resultat-Seiten meines Spiels Clickomania über den Daumen gepeilt die Hälfte eingebracht. Die sind auf annähernd null gesunken, sodass die Rendite des Blogs sich verdoppelt hat.

Youtube hat mir 2018 die Monetarisierung abgedreht, weil man mein Kanal dafür zu klein ist. Erkenntnis: Google befördert Influencer und Verschwörungstheoretiker, nicht aber seriöse Berichterstattung.

Affiliate-Programme

Mit dem Affiliate-Programm von Amazon habe ich 2015 losgelegt: So, wie ich es betreibe, bringt das gar nichts – die Einnahmen in sechs Jahren sind mit Glück knapp dreistellig.

Apple hat sein Affiliate-Programm für Apps 2018 eingestellt; siehe Beitrag Apple klaut mir mein Taschengeld.

Mikropayments

Grosse Hoffnungen haben wir seinerzeit mit Flattr verbunden. Für diejenigen, die sich noch erinnern: Das war eine simple und einleuchtende Möglichkeit, jemandem im Netz einen Zustupf zukommen zu lassen. 2012 habe ich den Flattr-Knopf in meinem Blog eingeführt und ihn im Beitrag Schmeicheleinheiten à la Web 2.0 zwar kritisch, aber wohlwollend gewürdigt. Leider ist dieser vielversprechende Ansatz 2017 gescheitert.

Verwertungsgesellschaften

Kommt jetzt der warme Geldregen für uns Blogger? habe ich mich 2019 gefragt. Die Antwort ist ein klares Nein. Ich habe es nicht geschafft, die fürs Zählen meiner Einschaltquote notwendigen technischen Vorkehrungen zu treffen. Es bleibt die Erkenntnis, dass dieser Weg für die grossen Verlagshäuser ausgelegt ist, nicht für unabhängige Blogger.

Spenden

Ich habe seit einiger Zeit einen Verweis auf meinen Paypal-Me-Knopf hier im Blog (siehe auch Was ist PayPal.Me?) eingerichtet, über den man mir Spenden zukommen lassen kann. Das hat ungefähr ein Dutzend Leute bislang getan; über den Daumen gepeilt sind 200 bis 250 Franken zusammengekommen.

Beitragsbild: Das Schwein bin ich (Cottonbro, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Frage an euch: Wie viel würdet ihr für mein Blog zahlen?“

  1. Hey Matthias. Danke dir für diesen Beitrag. Wir machen uns beim Publishingblog immer wieder ähnliche Gedanken, landen dann aber irgendwie immer wieder bei der jetzigen Form: wir schreiben freiwillig, weil uns das Schreiben Spass macht und weil wir damit ab und zu Menschen einen Input geben können. Unsere Alltagsberufe erlauben es uns, das Angebot kostenlos zu halten.

    Aber: Ich bin durchaus auf die Ergebnisse deiner Umfrage gespannt. Patreon ist ja bei vielen Youtubern ein Erfolgsmodell.

    Was die staatliche Förderung angeht: Versteh ich das richtig, dass Medien, die eine Paywall aufziehen, dann auch noch staatliche Förderung beantragen können? Also doppelter Verdienst? Wie, wo, was, warum genau? Diese Logik will sich mir nicht so recht erschliessen. Oder liegt hier die Logik einfach in einer mächtigen Lobby? lg roman

    1. Danke für die Rückmeldung, wie ihr es macht. Ohne irgendwelche Resultate vorwegnehmen zu wollen, vermute ich, dass ich zu einem ähnlichen Schluss gelangen werde wie ihr. 😉

      Zu deiner Frage: Das UVEK beschreibt im Beitrag zum Massnahmenpaket zur Medienförderung (Förderung einer vielfältigen und unabhängigen Medienlandschaft) Folgendes:

      Um die Medienbranche bei der digitalen Transformation zu unterstützen, haben Bundesrat und Parlament beschlossen, auch die Online-Medien mit jährlich dreissig Millionen Franken zu unterstützen. Die geleisteten Beiträge belaufen sich auf maximal sechzig Prozent des von einem Unternehmen generierten Umsatzes. Unterstützt werden Online-Medien, die auf Erträge der Leserschaft zählen können. Dabei werden Einnahmen aus Online-Abos oder Einzelabrufen sowie freiwillige Beiträge der Leserinnen und Leser angerechnet.

      Im erwähnten SRF-Beitrag nennt Medienwissenschaftler Manuel Puppis als weitere Bedingung, dass sich das Angebot vornehmlich an ein Schweizer Publikum richten muss. Eine inhaltliche Prüfung soll es aber explizit nicht geben, weswegen meines Erachtens auch kleine Informations-Anbieter wie wir Blogger berücksichtigt werden könnten. Aber ich habe keinen Schimmer, wie ein solcher Antrag formal aussehen müsste. Es ist gut möglich, dass die Hürden dort wie bei der Pro-Litteris-Vergügung so hoch liegen, dass wieder nur die Grossen zum Zug kommen.

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