Ein Lektor direkt im Browser

Es gibt in den gängigen Browsern eine eingebaute Rechtschreibkorrektur (hier die für Firefox). Das ist für die meisten Nutzer ganz okay. Doch wenn man, wie ich, ständig lange Mails, noch längere Blogbeiträge und Newsartikel von vernünftigem Umfang verfasst, dann wünscht man sich ein bisschen mehr als eine simple Rechtschreibkorrektur.

Zum Beispiel ein Synonymen-Wörterbuch. Ich brauche gerne openthesaurus.de (siehe Der freundliche Korrektor im Netz). Diesen Dienst gibt es eben nicht direkt im Browser eingebaut. Ich habe mich seinerzeit nach Alternativen umgeschaut und auch einige Erweiterungen gefunden (siehe Die schnelle Wörterbuchrecherche). Die damals vorgestellte Erweiterung Korpus lexical ist zwar leistungsfähig, aber für meinen Geschmack etwas zu kompliziert in der Nutzung.

Darum habe ich mich gefreut, dass ich neulich auf die Erweiterung von Language Tool gestossen bin. „Ein Lektor direkt im Browser“ weiterlesen

Foodporn für die Krankenkasse

Meine Krankenkasse hat eine App namens Sanitas Active (iPhone/Android), die Bewegung mit Münzen belohnt, die sich in Gutscheine, zum Beispiel von Digitec umwandeln lassen. Dazu wird meine tägliche Schrittzahl erfasst. Auch Schwimmen und Velofahren wird berücksichtigt.

Ich habe die App vor bald drei Jahren im Beitrag Wie gross wird die Reue sein? vorgestellt. Und um die Frage im Titel zu beantworten: Bis jetzt habe ich es nicht bereut. Ich denke, sie übt einen gewissen Ansporn auf mich aus, das Ziel zu erreichen, das mir die App setzt. (Es sind 10’000 Schritte, wobei man die Zahl mit Schwimmen oder Velofahren entsprechend reduzieren kann.)

Die Datenschutzbedenken sind in der Zeit nicht komplett gewichen – aber wie auch im Beitrag Die Schweissmasche ausgeführt, ist meine Schrittzahl keine sonderlich intime Information. Es gibt kein wirkliches Missbrauchspotenzial. „Foodporn für die Krankenkasse“ weiterlesen

Omfg

Heute vor genau zwanzig Jahren ist der Artikel «Geschäftstüchtiges Windows» im Tagesanzeiger erschienen. Es ging um Windows 2000, das mit einer ganzen Latte von Neuerungen aufwarten konnte: NTFS5, Active directory, der Computerverwaltung, dynamischen Datenträgern, Windows File Protection. Und eine Integration des Internet Explorers wie bei Windows 98, die den Nutzern noch viel Kummer bereiten würde.

Und das war das Fazit:

Viele vor allem ältere Rechner dürften den Systemanforderungen nicht gewachsen sein, was Speicher- und PC-Herstellern ein willkommenes Zusatzgeschäft bescheren wird. Und nicht zuletzt beim Preis von rund 600 Franken für eine Vollversion zeigt sich Windows 2000 als High-End-Betriebssystem.

Für den Einsatz im Büro, für Power-User und anspruchsvolle Heimanwender ist Microsofts Jüngstes dagegen interessant – wenigstens für diejenigen, die mit ihrem aktuellen Betriebssystem unzufrieden sind. Ohne dem Marktdruck nachzugeben, hat Microsoft sich viel Zeit fürs die neue Version gelassen. Das hat sich gelohnt: Windows 2000 ist ein Produkt, das nicht erst mit der «Second Edition» Alltagstauglichkeit erlangt.

Warum ich das hier schreibe? „Omfg“ weiterlesen

Die Wandtafel fürs 21. Jahrhundert

Auf miro.com gibt es virtuelle Schreibtafeln, die man übers Netz mit anderen gemeinsam nutzen kann: Ein kollaboratives Whiteboard quasi, wobei mir sowohl das Wort «kollaborativ» als auch der Anglizismus «Whiteboard» aus sprachlicher Sicht suspekt sind. Aber die Wörter erfüllen ihren Zweck, und damit sind zumindest die Utilitaristen unter uns zufrieden.

Äh, jetzt bin ich schon beim Einstiegsabschnitt vom Thema abgekommen. Das wird auch immer schlimmer. Also, zurück zum Thema.

Man startet mit einer der diversen Vorlagen.

Man meldet sich bei Miro an, wobei der Einstieg erst einmal kostenlos ist. Man legt seine Rolle im Unternehmen fest und gibt die Grösse der Organisation an, für die man tätig ist – und natürlich hat man an dieser Stelle die Vermutung, dass sich diese Angabe nicht auf die Funktion der App auswirken wird, sondern vom Betreiber zu Marketingzwecken erhoben wird. Aber egal: Ich bin jetzt fürs Change Management eines Unternehmens mit Zehntausenden von Mitarbeitern zuständig.

Man wählt dann eine Vorlage für seine Schreibtafel aus. Man findet bekannte Visualisierungsmethoden wie Kanban, die klassische Mindmap und das Flussdiagramm. „Die Wandtafel fürs 21. Jahrhundert“ weiterlesen

Wer im Streamingkrieg obsiegen wird

Bislang war die Sache mit dem Streaming einfach. Man hatte ein Netflix-Abo – fertig. Letzten Herbst ist die Angelegenheit ein bisschen komplizierter geworden. Da kam Apple TV+ dazu. Doch dort ist man bislang mit For all mankind ausreichend bedient, sodass dieses neue Angebot die Entscheidungsfindung nur marginal erschwert.

Doch in gut einem Monat, ab dem 24. März, gesellt sich Disney+ dazu. Ich habe die Ausgangslage im  Beitrag Netflix bangt um die Zukunft für die Tamedia-Zeitungen analysiert (Abo+).

Disney+ ist ein ernstzunehmender Mitspieler im Streamingzirkus: Der Konzern ist milliardenschwer. Er sitzt auf gigantischen Archivbeständen. (Ich habe versucht, ein paar Zahlen dazu zu finden – leider auf die Schnelle ohne Erfolg. Falls jemand eine Statistik dazu kennt, bin ich froh um einen Hinweis per Kommentar.) Und er ist gewillt, Netflix das Leben schwer zu machen. „Wer im Streamingkrieg obsiegen wird“ weiterlesen

Ein Fazit nach bald fünf Jahren Apple Watch

Als im April 2015 die Apple Watch auf den Markt kam, war ich einer der ersten Tester. Ich war damals aber alles andere als begeistert. Apple hat es damals nicht geschafft, mich von der Notwendigkeit dieses Gadgets zu überzeugen.

Und noch schlimmer: Weil es die Uhr nicht nur mit vernünftiger Ausstattung in einem akzeptablen Preisrahmen gab, sondern auch in Gold mit einem fünfstelligen Preisschild, habe ich das als Auswuchs jener Börsen-Logik wahrgenommen, die mir ziemlich zuwider ist.

Diese Logik funktioniert so, dass öffentlich gehandelte Unternehmen zur Befriedigung der Aktionäre und Analysten zu einem konstanten Wachstum verdammt sind. Das wiederum hat zur Folge, dass die Unternehmen ständig in neue Märkte expandieren müssen.

Mit zwei unangenehmen Konsequenzen: „Ein Fazit nach bald fünf Jahren Apple Watch“ weiterlesen

Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück

Meine Liebe zu Instagram ist abgekühlt; letzte Woche habe ich darüber gebloggt. Darum habe ich mir die Foto-App Hipstamatic vorgenommen – um sie hier zu besprechen und wieder mehr zu benutzen.

Ich habe Hipstamatic hier im Blog einige Male erwähnt (hier oder hier), aber immer nur en passant. Ich habe die App als Halbbruder von Instagram wahrgenommen, der es nie aus dem Schatten dieses Überfliegers geschafft hat – und dessen Schicksal es ist, immer nur in Nebensätzen vorzukommen.

Nun habe ich im Beitrag Remember Hipstamatic? It’s Still Alive von vice.com– der ironischerweise auch schon wieder mehr als zwei Jahre alt ist – gelesen, dass die Sache sogar noch dramatischer ist. Hipstamatic ist in der Tat in gewisser Weise der Bruder von Instagram. „Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück“ weiterlesen

Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen

Instagram? Das ist dieses Ding, wo Influencer im Reagenzglas gezüchtet und wie im Zoo gehalten werden. Wieso schreitet nicht schon längst die UN-Menschenrechtskommission ein?

Und nein, das ist nicht zu harsch formuliert. Genau so klingt es, wenn Zuneigung verraten und Liebe enttäuscht wird. Und genau das ist das Thema in diesem Beitrag hier: Um eine Beziehung, die über die Jahre immer mehr gelitten hat. Und bei der es an der Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen.

Okay, den letzten Satz habe ich des Effekts wegen geschrieben. Ich werde mein Instagram-Konto (@mrclicko) nicht löschen. Aber ich halte fest, dass mir Instagram je länger je weniger geheuer ist und ich jedes Mal zusammenzucke, wenn die insidrige Kurzformel #insta an mein Ohr dringt (zum Beispiel von Sara Satir in diesem Podcast hier). Oder wenn einer von #instagold schwadroniert (zum Beispiel Olli Schulz in diesem Podcast hier).

Ja, vermutlich meint es der Schulz sogar ironisch. Doch ich frage mich, wie lange es noch dauert, bis meine Schwiegermutter mich fragt, wie sie Influencerin für … äh, ihr bevorzugtes Themengebiet behalte ich aus Gründen jetzt für mich. „Instagram und ich, wir haben uns nichts mehr zu sagen“ weiterlesen

Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken

Im Beitrag Per App in die Achtzigerjahre habe ich die App VHS Camcorder vorgestellt, die einer digitalen Videoaufnahme einen analogen Look verpasst. Wenn man mit der App filmt, sieht es aus, als ob die Sequenz aus einer Videokamera stammen würde und in den Jahren seit der Aufnahme ziemlich gelitten hätte.

Eine Rolle mit (unbelichtetem?) Film (Jakob Owens/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Nun ist VHS nicht die ultimative Hipster-Technologie – und in der Geschichte der Bewegtbild-Aufnahmemöglichkeiten auch nur eine Fussnote und kein eigenes Kapitel. Denn über viel längere Zeit und mit viel charmanterem Resultat hat man als Amateur seine Erinnerungen auf Schmalfilm gebannt.

Super 8 war weit verbreitet und kam auch in meiner Sippschaft zum Einsatz. Mein Onkel hat bei hohen Anlässen gefilmt und die Drei-Minuten-Rollen mit einer Klebepresse geschnitten. Und wir haben auch mit Stopmotion experimentiert. Die Kamera beherrschte nämlich die Einzelbildbelichtung, sodass man mit Legofigürchen Animationssequenzen inszenieren konnte.

Auch Zeitlupe und Zeitraffer waren möglich. Ebenso Montagetricks: „Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken“ weiterlesen

Die Illusion von Offenheit bei Android

Es gibt ein paar Dinge, denen man ab und zu begegnet – und bei denen man sich jedes Mal vornimmt, sich mal genauer damit zu beschäftigen. Irgendwann – wenn man mal Zeit hat. Ein solches Ding ist, in meinem beruflichen Leben, die Open Handset Alliance. Und heute habe ich Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Der Ausgangspunkt: Ich weiss natürlich das, was bei Wikipedia steht: Es ist eine Organisation, die irgend etwas mit Googles Handy-Betriebssystem Android zu tun hat. Auf dem Papier ist es eine sehr eindrückliche Organisation: 84 Unternehmen aus der ganzen Tech-Branche haben sich zusammengeschlossen: Telkos, Gerätehersteller, Softwareunternehmen – sogar Noser Engineering findet man auf der Liste. Das ist das Unternehmen von Ruedi Noser, einem der beiden Zürcher Ständeräte.

Die Open Handset Alliance, oder kurz OHA, hat eine Website, die für ein Tech-Konsortium aber einen sehr angestaubten Eindruck hinterlässt – ebenso, wie die News-Sektion, wo der neueste Eintrag vom 18. Juli 2011 datiert. Auf dieser Website liest man ein flammendes Bekenntnis zur Offenheit: „Die Illusion von Offenheit bei Android“ weiterlesen