Ein Lektor direkt im Browser

Language Tool ist eine hervorragende Erweiterung für die gängigen Browser, die die Rechtschreibung und Grammatik prüft und Synonyme anbietet.

Es gibt in den gängigen Browsern eine eingebaute Rechtschreibkorrektur (hier die für Firefox). Das ist für die meisten Nutzer ganz okay. Doch wenn man, wie ich, ständig lange Mails, noch längere Blogbeiträge und Newsartikel von vernünftigem Umfang verfasst, dann wünscht man sich ein bisschen mehr als eine simple Rechtschreibkorrektur.

Zum Beispiel ein Synonymen-Wörterbuch. Ich brauche gerne openthesaurus.de (siehe Der freundliche Korrektor im Netz). Diesen Dienst gibt es eben nicht direkt im Browser eingebaut. Ich habe mich seinerzeit nach Alternativen umgeschaut und auch einige Erweiterungen gefunden (siehe Die schnelle Wörterbuchrecherche). Die damals vorgestellte Erweiterung Korpus lexical ist zwar leistungsfähig, aber für meinen Geschmack etwas zu kompliziert in der Nutzung.

Darum habe ich mich gefreut, dass ich neulich auf die Erweiterung von Language Tool gestossen bin. Es gibt die Erweiterung für Firefox, Chrome und auch für Opera (danke für den Hinweis via Kommentare), und sie funktioniert wie die normale Rechtschreibprüfung direkt im Browserfenster. Einen kleinen Unterschied gibt es allerdings – auf den man direkt nach der Installation unmissverständlich hingewiesen wird:

Diese Erweiterung wird Ihre Texte prüfen, indem sie sie verschlüsselt an LanguageTool.org überträgt. Ihr Text wird nicht gespeichert. Die Prüfung kann jederzeit deaktiviert werden.

Das heisst: Für allzu geheime Dinge sollte man die Erweiterung nicht nutzen. Aber die schreibt man womöglich sowieso besser in einer lokalen Textverarbeitung und nicht im Browser.

Huch, ein Fehler!

Die Erweiterung blendet im Textbereich rechts unten einen kleinen Kreis ein. Während man schreibt, erscheint ein blaues Wellenlinien-Symbol. Wenn man anhält und die Korrektur vorliegt, steht eine Zahl im Kreis. Sie gibt die Anzahl der Problemstellen an, die bei einem Klick genauer beschrieben werden: Nicht nur Rechtschreibfehler, sondern auch Grammatikprobleme und Stilfragen werden überprüft.

Man kann einzelne Regeln deaktivieren und unbekannte Wörter einem eigenen Wörterbuch hinzufügen. Dafür ist eine Anmeldung unter languagetoolplus.com sinnvoll.

Die Erweiterung funktioniert auch ohne Konto und Login. Doch wenn man LanguageTool auf mehreren Computern benutzt, dann hat man überall das gleiche Wörterbuch zur Verfügung (und kann auf diesen Hack hier verzichten).

Direkt über den Kreis rechts unten wählt man die Sprache. LanguageTool beherrscht nicht nur Deutsch auch in der Schweizer Variante, sondern so ungefähr alle Sprachen, von denen die Menschheit jemals gehört hat.

Die Problemstellen sind nicht nur über das Symbol zugänglich, sondern werden auch direkt im Text farblich markiert: Rechtschreibprobleme in Rot, Grammatikfragen in Gelb.

Das funktioniert ganz gut. Allerdings wird man gelegentlich darauf hingewiesen, dass man es mit einem Freemium-Dienst zu tun hat. Das Basisangebot ist gratis, doch für die weiteren Funktionen gibt es einen Bezahl-Account.

Die Einstellungen zum Plugin: Hier schaltet man die Überprüfung ein- und aus und aktiviert die Synonymen-Funktion.

Die grösste Einschränkung für Langschreiber wie mich ist die Beschränkung auf 10’000 Zeichen pro Textfeld. Ausserdem kostet die erweiterte Prüfung und die Stilberatung – und zwar 69 Franken im Jahr. Das ist für Hobbypoeten etwas viel, aber für professionelle Schreiberlinge allemal verkraftbar.

Die Erweiterung klinkt sich auch mit einem Icon in die Symbolleiste des Browsers ein. Über das kann man die Prüfung von Grammatik- und Rechtschreibprüfung und Gross-/Kleinschreibung separat ein- und ausschalten. Und es gibt den Knopf Synonyme aktivieren (auf allen Websites), der standardmässig ausgeschaltet ist.

Das wären mögliche Synonyme.

Schaltet man ihn ein, muss man erst ein Wort markieren, worauf dann automatisch die Synonyme angezeigt werden. Um eines auszuwählen, klickt man es an – fertig! Und für mich sehr praktisch!

Einziger Nachteil: Das Popup überlagert unter Umständen das Eingabefenster von WordPress, das man zum Einfügen eines Links braucht. Dann hilft der Trick, dass man URLs auch ohne Eingabefenster einfügen kann, einfach, indem man Ctrl + v betätigt.


Update vom November 2020

Im Beitrag Zwei heisse Tipps für fehlerfreie Texte gibt es einige Tipps für den Fall, dass die Erweiterungen auf manchen Websites nicht richtig funktionieren oder den Browser ausbremsen sollte. Ausserdem der Hinweis auf die Android-App von Language Tools.

Beitragsbild: Nur eine Handvoll Buchstaben – aber man kann so viel mit ihnen falsch machen (Suzy Hazelwood/Pexels, Pexel-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

Ein Gedanke zu „Ein Lektor direkt im Browser“

Kommentar verfassen