Die Schweissmasche

Seit etwa anderthalb Jahren nutze ich die App meiner Krankenkasse, die Schritte durch Gutscheine vergütet. Wie gross wird die Reue sein? habe ich mich seinerzeit gefragt. Die vorläufige Antwort: Nicht gross. Ich habe keine gravierenden Nachteile festgestellt, meine Krankenkasse an den täglichen Schrittdaten teilhaben zu lassen. Ich habe bislang keinen tadelnden Anruf bekommen, wenn mein Bewegungsdrang zwischendurch einmal nachgelassen hat. Ich wurde auch nicht zum Orthopäden beordert, wenn ich es an einzelnen Tagen mit der Schrittzahl übertrieben habe.

Alles in allem verhält sich die App dezent. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Krankenkasse über die App hinaus viel mit meinen Daten anfangen würde. Zumindest nicht so, dass es für mich sichtbar wäre – und was hinter den Kulissen damit passiert, das weiss ich natürlich nicht. Die Alarmstimmung, die manche Datenschützer verbreitet haben, scheint mir jedenfalls masslos übertrieben.  „Die Schweissmasche“ weiterlesen

Firefox fällt den RSS-Fans in den Rücken

Im Beitrag Das Nonplusultra für RSS-Fans habe ich mich für RSS in die Bresche geworfen und anhand der vielfältigen Reaktionen erfreut festgestellt, dass es nicht nur mir so geht, sondern dass auch andere RSS noch sehr schätzen.

Darum muss ich an dieser Stelle Kritik an meinem Lieblingsbrowser Firefox üben: Die Mozilla-Stiftung entfernt den Support für RSS Schritt für Schritt. Die Unterstützung für Feeds und die dynamischen Lesezeichen sind seit Version 64 nicht mehr vorhanden. Der Grund ist angeblich die geringe Nutzerzahl dieser Funktionen.

Es ist einleuchtend, dass Mozilla die Kräfte auf relevante Funktionen konzentriert. Nun dürfte man meines Erachtens die Relevanz nicht allein anhand der Nutzerzahlen definieren: Wohin das führt, sieht man bei den Medien, die ihre Berichterstattung allein auf die Klickzahlen ausrichten.

Das gilt besonders für Mozilla:  „Firefox fällt den RSS-Fans in den Rücken“ weiterlesen

Für Leute mit und ohne Sockenhalter

Ob das Mail nun tot ist, noch ein bisschen zuckt oder weiterhin die bevorzugte Kommunikationsform ist, hängt vor allem von zwei Dingen ab: Vom Alter und der Beschäftigung. Wer eher älter ist und beruflich kommuniziert, wird das Mail nach wie vor schätzen. Aus Gewohnheit, und weil die elektronische Post einige Vorteile gegenüber den neuen Kommunikationsformen hat. Einer der Vorteile ist, wie im Beitrag Allzu vergängliche Spuren der Kommunikation beschrieben, dass Vorgänge dokumentiert werden und sich auch Jahre später noch nachvollziehen lassen.

Für die jüngeren Nutzer sind die Messenger, die sozialen Medien und Kuriositäten wie Snapchat wichtiger. Könnte man zumindest meinen. Und «Techcrunch» hat vor drei Jahren auch genau das behauptet: Email is dying among mobile’s youngest users. Doch wie so oft gibt es auch die Gegenbehauptung: New Study Finds Millennials Are Actually Obsessed With Email, hat «Forbes» dagegengehalten. Die Studie stammt von Adobe, und da heisst es Folgends: „Für Leute mit und ohne Sockenhalter“ weiterlesen

Das finden nicht nur Ordnungsfanatiker gut

Das hier ist ein Tipp für Mac OS – auch wenn der Beitrag mit einem Seitenblick auf Windows beginnt. Das liegt daran, dass es heute um ein Thema geht, bei dem es der Mac deutlich besser macht als Windows.

Also, Windows: Das ist dieses Betriebssystem von Microsoft. Es hat einen Vorteil, der gleichzeitig ein riesiger Nachteil ist: Windows bietet ganz viele Andockstellen für Software-Funktionen von Drittherstellern. Beispielsweise der Explorer: Programme können bei der Installation eigene Befehle im Kontextmenü unterbringen, Unterstützung für proprietäre Dateiformate einbauen und viele Dinge mehr.

Das Problem ist, dass man als Nutzer keine Kontrolle über diese Erweiterungen hat. Sie werden einem aufgedrängt, ob man nun will oder nicht.  „Das finden nicht nur Ordnungsfanatiker gut“ weiterlesen

Wie das Internet deine Arbeit macht

Es gibt viele tolle Webdienste. Doch die verrichten ihr Werk meist isoliert, ohne mit anderen tollen Services im Web zu kooperieren. Schuld an diesem Zustand ist wahrscheinlich der alte Charles Darwin. Er, bzw. Herbert Spencer, hat beschlossen, dass der Tüchtige und nicht der Kooperative überlebt. Und seitdem scheint das eine gemachte Sache zu sein. So gibt es denn viele Datensilos im Web, aber nur wenige Schnittstellen, mit denen man die Anwendungen zu harmonischer Zusammenarbeit bewegen könnte.

Nun, es gibt Versuche, diese Dienste zum Zusammenwirken zu zwingen. Respektive einen Austausch von aussen herbeizuführen. Mit der Hilfe von Dritten werden Web-Anwendungen zusammengestrickt, selbst wenn sie von Haus aus keine Verbindungsaufnahme ermöglichen. Ein Beispiel, das ich in diesem Blog öfters angeführt habe, ist If this then that. Nach dem Prinzip Wenn (am einen Ort) das passiert, mache (am anderen Ort) jenes richtet man Automatisierungen ein: Wenn Iftt, dann Zeitersparnis, habe ich die Sache seinerzeit auf den Punkt gebracht. Ich nutze beispielsweise einen persönlichen Twitter-Bot. Und logge auch Arbeitszeiten mittels Ifttt.

Eine interessante Anwendung ist auch Ellp, die, wie hier beschrieben, das Ifttt-Prinzip auf Windows überträgt. Wobei man das im Präteritum formulieren müsste: Im Oktober 2018 hat das Unternehmen aufgegeben. Man kann die Software noch weiter benutzen, doch sie wird nicht mehr fortgeführt.

Im Netz feiert das Ifttt-Prinzip allerdings fröhliche Urständ.  „Wie das Internet deine Arbeit macht“ weiterlesen

Für die Kreativen unter den Foto-Hipstern

Afterlight 2 ist eine App zur Foto-Bearbeitung, die ich nebst dem Allzeit-Klassiker Snapseed (Mobile Bildbearbeitung für Fortgeschrittene) und Polarr (Photoshop kann einpacken) inzwischen zu meinen Lieblingen zähle.

Die Gradationskurve.

Die App bietet für 3 Franken erstens klassische Bildbearbeitungsbefehle. Es gibt Module fürs Zuschneiden, Drehen, Spiegeln, Begradigen und Verzerren. Zweitens kann sie Helligkeit, Kontrast und Dynamik korrigieren und stellt auch eine Gradationskurve zur Verfügung, die sich auch mit dem Finger recht gut bedient. Die Oberfläche ist schnörkellos und funktionell. Am oberen Rand findet sich eine einfach zu benutzende Bearbeitungshistorie, mit der man Schritte zurücknehmen und den ganzen Bearbeitungsverlauf ansehen kann. Der heiss, leicht fehlerhaft übersetzt, Geschichte.

Apropos Übersetzungen:  „Für die Kreativen unter den Foto-Hipstern“ weiterlesen

Bei Windows ist immer etwas los

Der Windows-Taskmanager ist eines der Systemprogramme, die man am iPhone vermisst – einfach, weil es einem das Gefühl gibt, selbst Herr und Meister seines Recheninstruments zu sein. (Ja, ich weiss, es gibt den Task Switcher. Aber der ist zwar hübsch, aber auch allzu banal. Und Programme von Drittherstellern wie das hier sind in der Funktionsweise zu eingeschränkt.)

Wer den Taskmanager à la Microsoft nicht kennt, ist wahrscheinlich kein Kind der klassischen PC-Ära. Oder jemand, der nie die Neugierde verspürt hat, in jeden Winkel des Betriebssystems zu schauen. Für mich gehörte das Herumspielen mit diesem Programm genauso dazu wie das Durchstöbern der Systemverzeichnisse und das Anklicken jeder einzelnen Exe-Datei, die es irgendwo zu finden gab. Darum ist tatsächlich auch ein bisschen Nostalgie damit verbunden, wenn ich heute über das Programm schreibe, dass man heute hoffentlich nicht mehr braucht, weil sich das Betriebssystem selbst ganz gut managt. „Bei Windows ist immer etwas los“ weiterlesen

Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen

Skype scheint in einer Art Identitätskrise zu stecken. Letztes Jahr wollte Microsoft den altehrwürdigen Videotelefoniedienst in eine Art Social-Media-Netzwerk umbauen. Man konnte sogar eine Art Story über seinen Tag anfertigen. Ja, Microsoft hat bei Skype tatsächlich eines der Features von Facebook (oder ursprünglich von Snapchat) kopiert, die uns schon bei Snapchat kaltgelassen haben und bei Facebook auf den Wecker gegangen sind. Ob das eine vielversprechende Strategie ist?

Nein, natürlich nicht. Man hat auf diesem Weg keine neuen Nutzer dazugewonnen. Denn wieso sollte jemand, der auf Snapchat (oder meinetwegen bei Facebook oder Instagram) mit Leidenschaft jeden Tag seine Story veröffentlicht, das gleiche nochmals bei Skype tun? Und wer es bei Snapchat, Facebook und Instagram nicht tut, der tut es auch bei Skype nicht.

Das hätte Microsoft schon erkennen können, bevor sie mit viel Aufwand ein bewährtes Produkt in einen sinnlosen Snapchat-Klon umgebaut haben. „Skype, Facebook und Instagram auf Irrwegen“ weiterlesen

Alles ausser interaktiv

Soll ich hier Night Film (Amazon Affiliate), in Deutsch Die amerikanische Nacht (Amazon Affiliate) von Marisha Pessl besprechen? Dagegen spricht, dass es kein Tech-Thriller ist, obwohl Tor-Browser und Darknet mehrfach erwähnt werden. Es ist noch schlimmer: Es ist ein Mystery-Thriller, in dem es um Okkultismus, den Leibhaftigen, sowie Hexen geht. Also Dinge, bei denen man als gestandener Nerd unweigerlich den Kopf schüttelt.

Für eine Rezension spricht, dass es ein gelungener Thriller ist, mit einer Geschichte zum Abtauchen, einer flüssigen Schreibweise und einem stimmigen Stil. Ich lehne mich nur ein bisschen zum Fenster hinaus, wenn ich behaupte, dass die Stimmung so überzeugend ist, wie wenn sich Übervater Stephen King ein bisschen anstrengt. Es gibt wunderbare Szenen, zum Beispiel wenn der abgehalfterte Investigativ-Journalist Scott McGarth mit seinen beiden unfreiwilligen Ermittler-Kollegen Nora Halliday und Hopper Cole die sehr gealterte Diva Marlowe Hughes besuchen, die wie ein lichtscheues Reptil in ihrem Luxusapartment vegetiert und Alkohol wie Wasser trinkt. „Alles ausser interaktiv“ weiterlesen

Bevormundung am Arbeitsplatz

Ich verstehe, dass es in Unternehmen gewisse Einschränkungen gibt, was die Nutzung des Arbeitsgeräts angeht. Man muss die Nutzer daran hindern, aus Unkenntnis oder Frustration dieses Arbeitsgerät oder gleich das ganze Unternehmen lahmzulegen. Denn anders als bei Motorsägen, Schaufelbaggern, Teigmischmaschinen, Bolzenschussgeräten sind viele Arbeitnehmer in der Nutzung ihrer PCs nur oberflächlich oder gar nicht geschult.

Das hat damit zu tun, dass dieser PC nicht zentrales Werkzeug, sondern bloss Mittel zum Zweck angesehen wird. Ein Goldschmied betrachtet Hammer, Amboss, Zangen, Feilen, Sägen, Schleifen, Lupen und Lehren als integrale Bestandteile seiner Kunst. Der Computer dagegen – der steht halt auf dem Schreibtisch, weil er zufälligerweise die Schreibmaschine verdrängt hat.  „Bevormundung am Arbeitsplatz“ weiterlesen