Ein Blogpost über eine der ganz grossen Fragen

Ich habe mir letzte Woche einen neuen Rucksack gekauft. Das ist nun eine Sache, von der ich angenommen hätte, dass sie für dieses Blog hier irrelevant ist – denn wenn ich mir neue Unterhosen anschaffe, muss das an dieser Stelle auch nicht erörtert werden.

Nun gab es allerdings neulich ein sozialmediales Ereignis, dass bei mir einen Meinungsumschwung bewirkt hat. Eine harmlose Frage auf Twitter hat unzählige Antworten, Neben-Threads ausgelöst. Leider zeigt Twitter die Zahl der Wortmeldungen nicht an. Aber die Diskussion hat meine Timeline während ungefähr einer Woche dominiert. So gross war das Interesse nur noch bei Nobillag – und da war es kein einzelner Tweet, der die Welle ins Rollen gebracht hat.

Also, Tech-Rucksäcke interessieren. Darum hier also meine Wahl, die sicher nicht die beste, billigste oder befriedigenste ist. Für mich passt sie aber aus mehreren Gründen.

Zuerst aber zur Ausgangslage: „Ein Blogpost über eine der ganz grossen Fragen“ weiterlesen

AR ist doof. Mit ein paar Ausnahmen

Augmented Reality ist eine Spielerei – diese Überzeugung hatte ich lange. Sie ringt einem hie und da ein anerkennendes Nicken ab. Aber so lange Brillen wie die Hololens nicht zu unserer Grundausstattung gehören, bringt sie keinen Alltagsnutzen. Denn niemand will aufs Handydisplay starren, nur um die Welt um sich herum zu sehen – selbst wenn sie auf dem Display mit ein paar digitalen Einsprengeln angereichert ist.

Diese Überzeugung kam ins Wanken, nachdem ich ein paar wirklich beeindruckende AR-Apps aus dem Bereich der Wissensvermittlung und Bildung getestet hatte – einem Gebiet, wo man aktuell die Augmented-Realiity-App zur Berliner Mauer ergänzen könnte. Und bemerkenswert fand ich auch, dass man AR nicht nur für Unterhaltungs- oder Bildungszwecke nutzen kann, sondern auch als Werkzeug: Zum Beispiel als Messinstrument.

Mit Filmr tanzt plötzlich ein Zwerg hinter unserem Rücken durchs Büro.

Schliesslich entpuppte sich die erweiterte Realität auch als interessantes Instrument für kreative Video- und Bildproduktionen. Im Beitrag CGI für deine und meine Videos stelle ich die App Leo AR Camera vor, die mittels AR Einhörner  (und andere Objekte) ins Video einfügt. Neulich bin ich einer anderen App begegnet, die das auch kann. Die heisst Filmr (kostenlos fürs iPhone und Android) und ist eigentlich eine Videoschnittsoftware. Wenn man mit ihr aufnimmt, kann man auch tanzende Zwerge und andere 3-D-Objekte in seine Clips einfügen.

Es gibt eine weitere kreative Möglichkeit für AR: „AR ist doof. Mit ein paar Ausnahmen“ weiterlesen

Ein Blick in die passwortlose Zukunft

Im Beitrag Tipps zu Passwörtern und Passwortmanagern habe ich euch versprochen, Fido2 zu testen. Und tadaa!, heute ist es so weit.

Fido2 hat nichts damit zu tun, dass der Familienhund gestorben und durch einen Welpen ersetzt wurde, dem man bequemerweise den gleichen Namen wie dem Vorgänger gegeben hat. Nein, es ist ein Versuch, Passwörter im Netz überflüssig zu machen. Die Authentifizierung findet mit einem realen Schlüssel statt. Das kann ein spezielles Stück Hardware wie ein USB-Key oder auch eine smarte Uhr oder ein anderes Wearable sein. Ich habe Schlüssel von Yubikey getestet, die mir yubikey.ch zur Verfügung gestellt hat.

Yubikeys mit verschiedenen Anschlusstypen

Die technischen Hintergründe sind reichlich komplex. Wenn ihr nichts dagegen habt, erspare ich es uns allen, sie hier im Blog auszubreiten. Man kann vieles davon in einem ausführlichen Schwerpunkt im «c’t Magazin» nachlesen; Ausgabe 18-2019, ab Seite 16: Abschied vom Passwort, Schlüssel zum Glück, Anmelde-Baukasten und Verschlossen, nicht verrammelt heissen die vier Artikel, die die Funktionsweise der Schlüssel, aber auch WebAuthn und anverwandte Dinge erklären.

Im Patentrezept-Video habe ich mich darauf beschränkt vorzuführen, wie es geht – denn die technischen Feinheiten dürfen uns Nutzer interessieren, können uns aber auch völlig egal sein. Denn seit ungefähr dreissig Jahren haben wir eh keine Chance mehr, die technische Komplexität unseres Alltags zu durchdringen. Das hat natürlich eine Reihe von Problemen – aber diese Diskussion wäre noch epischer als die Erklärungen zu Fido2 und WebAuthn.

Das Video zeigt konkret zwei Dinge: „Ein Blick in die passwortlose Zukunft“ weiterlesen

Wir haben schon alles gesehen. Ausser dieser App.

Vielleicht geht es euch wie mir: Ich stöbere zwar nach wie vor gerne in den diversen App-Stores. Aber meine Erwartungen sind nicht mehr die gleichen wie in der Anfangsphase, als diese Stores noch neu und aufregend waren. Die Apps damals waren oft ungeschliffen und nur halb fertig – aber voll von frischen Ideen und getrieben von Leuten, die nur auf die Möglichkeit gewartet hatten, ihre kreativen Ideen in Programmcode zu giessen.

Doch diese Phase hält nicht ewig – wie wir alle wissen, die wir der Kinderstube entwachsen und irgendwann in der Routine eines Erwachsenen-Alltags angekommen sind. Schon bald setzt die Reifephase ein. Für die App-Stores heisst das, dass sich die Entwickler daran machen, ihre Produkte zu perfektionieren, verschönern und mit jenen Funktionen auszustatten, für die während der Pionierphase keine Zeit war. Sie arbeiten den hinteren Teil der Prioriätenliste ab.

Damit verringert sich das Potenzial für Fortschrittssprünge und Aha-Erlebnisse. Als Nutzer schätzt man sicher das eine oder andere Feature – aber aus den Socken haut einen das Update von Version x.0 auf x.1 nicht.

Und in der Phase häufen sich die unerfreulichen Nutzerlebnisse: „Wir haben schon alles gesehen. Ausser dieser App.“ weiterlesen

Ueli, der Windows-Knecht

… den es auch für Mac OS gibt.

Als ich vor Kurzem einem Programm namens Ueli begegnet bin, konnte ich gar nicht anders, als es auszuprobieren. Obwohl es sich um eine Programmsorte handelt, die ich normalerweise ignoriere. Es handelt sich um Alternativen zum Startmenü. Klar, ich bin auch der Meinung, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Aber meistens sind die Alternativen auch nicht über alle Zweifel erhaben.

Ausserdem tritt man sich (bei Windows) häufig unnötige Probleme ein. Drittprogramme, die Systemfunktionen ersetzen, beeinträchtigen oft die Systemstabilität und verursachen Softwarekonflikte. Darum ist meine Empfehlung, sich mit der Standard-Shell abzufinden – falls das irgendwie möglich ist.

Aber Ueli klingt derartig nach einer Schweizer Kreation, dass mein Lokalpatriotismus geweckt wurde – obwohl ich bekanntlich komplett unpatriotisch bin. Doch den einheimischen Software-Erzeugern bloggenderweise einen Stein in den Garten zu werfen, macht einen auch nicht sofort zu einen glühenden Vaterlandsvertreter.

Also, Ueli. „Ueli, der Windows-Knecht“ weiterlesen

Die drei Kinder von Firefox

Pale Moon: Firefox, in der Zeit stehen geblieben.

Neulich bin ich einem Browser namens Pale Moon begegnet. Er verspricht ein eigenständiges Browsererlebnis («A browsing experience in a browser completely built from its own») und eine gute Balance zwischen breiter Anwendbarkeit, Leistung und technischer Förderung des Webs.

Das klang spannend genug, um den Browser auszuprobieren. Nach dem Start stellte sich bei mir allerdings Ernüchterung ein. Pale Moon sieht aus wie Firefox vor sieben, acht Jahren. Es gibt das Menü in der linken, oberen Ecke, das bei Firefox vor Jahren verschwunden ist. Und die Reiterlaschen sitzen direkt auf dem oberen Fensterrand – nicht wie bei Firefox jetzt über der Adressleiste.

Wenn man bei Wikipedia nachliest, dann erfährt man, dass Pale Moon eine Code-Abspaltung (Fork) von Firefox ist. 2009 wurde sie ins Leben gerufen und seit Firefox-Version 12 (April 2012) wird sie unabhängig gepflegt.

Dieser eigenständige Weg hat gewisse Vorteile: „Die drei Kinder von Firefox“ weiterlesen

Kinder retten die Welt

Stephen King ist Schriftsteller mit 72 Lenzen auf dem Buckel, der den Output eines fünfzig Jahre jüngeren Springinsfeld aufweist. Vielleicht hat er keine Hobbys und keine Lust, Kürbisse zu züchten oder seinen Tag damit zu verbringen, auf Twitter über Trump herzuziehen. Vielleicht braucht er das Geld … aber wahrscheinlich nicht. Darum muss es wohl so sein, dass er sein literarisches Pulver noch nicht verschossen hat – und sich nicht aufs Altenteil zurückziehen kann, weil noch so viele Geschichten in seinem Kopf herumspuken.

Auch Eisenbahnfans kommen auf ihre Rechnung.

Was auch immer ihn antreibt: Das jüngste Resultat seiner Schaffenskraft heisst The Institute (Amazon Affiliate), bzw. zu Deutsch Das Institut (Amazon Affiliate). Das stellt sich, meiner bescheidenen Meinung nach, in eine Reihe mit seinen grossen Werken: The Stand oder 11/22/63, aber natürlich vor allem «It»: Hier gibt es zwar keinen bösartigen Clown. Doch die Hauptfiguren sind, wie beim Horrorklassiker von 1986, Kinder. Oder Heranwachsende, wenn man genau sein will.

Natürlich kann man als Erwachsener der Meinung sein, dass man lieber seinesgleichen als Hauptfigur hätte. Aber King erzielt einen grossen erzählerischen Hebel, wenn er das personifizierte Böse (wie bei «It») oder die menschlichen Abgründe (wie bei «The Institute») auf Figuren prallen lässt, die noch keine Gelegenheit hatten, sich die Hände schmutzig zu machen.

Die Last der Welt, die auf unschuldigen, zarten Schultern junger Menschen: Das ist eine starke Konstellation, wie uns auch Harry Potter gelehrt hat. Und auch wenn ich verstehe, dass King sie nicht überstrapazieren will, so war die Zeit (nach der hervorragenden zweiteiligen Verfilmung von «It») nun reif für eine Neuauflage. Denn wir erinnern uns an die Trump-Camps: „Kinder retten die Welt“ weiterlesen

Die erste Anlaufstelle für Google-Häretiker

Es scheint, dass ich etwas klarstellen muss: Nein, ich bin absolut kein Feind von Google. Im Gegenteil; ich bin fasziniert, was dieses Unternehmen ständig an neuen Ideen produziert. (Wobei die Innovationskraft meinem subjektiven Empfinden in letzter Zeit deutlich nachgelassen hat. Aber das ist sicher nur eine kleine Durststrecke.)

Ich bin aber der Ansicht, dass man Google kritisch auf die Finger schauen muss – wie das bei jedem Unternehmen mit einer solchen Marktmacht der Fall ist. Darum prangere ich Googles Arroganz an. Und wir Nutzer sollten uns unserer Abhängigkeit bewusst sein. Und darum angewandte Google-Skepsis pflegen.

Aus diesem Grund empfehle ich heute die Website No More Google. Hier gibt es «privatsphärenfreundliche Alternativen, bei denen man nicht getrackt wird», wie es in der Unterzeile heisst. Das impliziert, dass zumindest der Betreiber der Site Google nicht gerade wohlgesonnen ist. „Die erste Anlaufstelle für Google-Häretiker“ weiterlesen

Schoschona gegen die Hassmaschine im Internet

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse (Amazon Affiliate)  ist ein Roman, den ich seinerzeit mit viel Spass gelesen, aber nicht hier besprochen habe. Denn so amüsant und aufschlussreich das Buch von Thomas Meyer über Motti Wolkenbruchs Versuch, aus den Konventionen seiner Kultur und Religion auszubrechen auch war, so wenig hat das mit dem Blog hier zu tun.

Orangen, Reichsflugscheiben und viel absurder Humor.

Mit dem Nachfolgewerk sieht das nun anders aus. Im Buch Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin (Amazon Affiliate) geht es um Dinge, die ich in diesem Blog oft thematisiere: Um die sozialen Medien, den Hass im Netz und den Umgang, den wir online pflegen. Da komme ich nicht umhin, das Werk zu bebloggen – auch wenn ich das nicht vorgehabt hatte.

Da das nicht ohne Spoiler abgehen wird, hier erst mein Fazit zum Buch – damit die unter euch, die es noch lesen wollen, das tun können, bevor sie zu den weiteren Ausführungen zurückkommen. Also: Ich mag den Stil und den lockeren Ton, den Thomas Meyer auch im zweiten Teil anschlägt. Den Sprung, den der Autor zwischen dem ersten und zweiten Buch macht, muss man allerdings erst einmal verkraften.

Der erste Teil ist ein Buch über Beziehungen, eine Art Coming of Age-Geschichte. „Schoschona gegen die Hassmaschine im Internet“ weiterlesen

Ihr habt mich bekehrt

Ich habe neulich zweimal über Editoren geschrieben: Über Sublime Text und dann über Notepad++, mit speziellem Augenmerk auf Markdown. Beide Male haben mir insgesamt mindestens fünf LeserInnen geschrieben, ich solle mir doch Visual Studio Code (VSC) ansehen (hier etwa die Empfehlung von Manuel). Dieser Editor stammt von Microsoft, ist quelloffen und nicht nur für Windows, sondern auch für Mac und Linux zu haben.

Da kann ich natürlich gar nicht anders, als diese Empfehlung aufzugreifen. Erstens ist es per se bemerkenswert, wenn sich Microsoft für Open-Source und Linux einsetzt. (Für mich wirkt es noch immer kontraintuitiv, ein solches Programm vor der Nase zu haben – auch wenn ich natürlich weiss, dass Microsofts Engangement inzwischen Jahre zurückreicht. Schon vor zehn Jahren war es Thema in Digitalk 84. Und hier habe ich die Linux-Möglichkeiten in Windows vorgestellt.)

Zweitens wäre das Programm eine interessante Wahl, weil es für alle wichtigen Plattformen zur Verfügung steht – und obendrein einen ansprechenden Eindruck erweckt. Stellt sich also die Frage: Löst Microsoft alle meine Probleme? „Ihr habt mich bekehrt“ weiterlesen