Eine App für die Beziehungspflege

Heute geht es um Cloze. Das ist eine App fürs iPhone/iPad und Android, die vom Hersteller in der Kategorie des «Relationship Management» verortet wird.

Cloze liest mit: Beim Einrichten der App muss man seine Mailkonten verbinden.

Diese App-Empfehlung heute kommt mit einem dicken Disclaimer. Der rührt daher, dass ich die App nicht so testen konnte, wie es für ein fundiertes Urteil nötig wäre. Das hat zwei Gründe: Erstens gehöre ich nicht zu dem Zielpublikum. Ich habe keine Kunden im eigentlichen Sinn, um die ich mich kümmern müsste. Und zweitens arbeite ich als alter Cloud-Paranoiker nicht so, wie man es zur Nutzung dieser App sinnvollerweise tun müsste.

Ich stelle sie trotzdem vor. Sie macht nämlich etwas, das mir sinnvoll erscheint: Sie zieht die an vielen Orten im Netz verstreuten Informationen zusammen. Diese werden dann nach Personen gegliedert und priorisiert.

Die Verbindungen zu Slack und Co..

Das heisst: E-Mails, Tweets, Kalendereinträge, Veröffentlichungen bei Facebook und Twitter werden gesammelt und nach Personen sortiert. Die Leute, mit denen man häufiger kommuniziert, werden als wichtig eingestuft und erscheinen in der People-Ansicht zuoberst.

Zu jeder Person gibt es eine Timeline-Ansicht, in der die Mails, Social-Media-Beiträge, gemeinsame Termine und ähnliche Dinge erscheinen. Wenn man in seiner beruflichen Tätigkeit die Aufgabe hat, den Leuten in gewissen Intervallen aufs Dach zu steigen, dann kann man das in der App hinterlegen. Die trägt das dann in der Agenda-Ansicht ein, sodass man sofort sieht, wenn der routinemässige Höflichkeitsanruf fällig ist. Diese Agenda hat die fünf Rubriken Heute, Die nächsten 7 Tage, Bevorstehend, Nachfassen und Überfällig. Dort sieht man was sofort und etwas später ansteht und welche Ereignisse durch sind, die man allenfalls nachbearbeiten möchte. So will man womöglich zwei, drei Tage nach einem Kundengespräch einmal nachhaken und wissen, ob nun eine Entscheidung gefallen ist.

Zurück zur Personenansicht: Die Timeline informiert einen darüber, welche Informationen man zuletzt mit der fraglichen Person ausgetauscht hat. Und dank der Einbindung der Social-Media-Kanäle weiss man auch sogleich, worüber sich die Person gerade so auslässt: Man hat somit einen wunderbaren Anknüpfungspunkt für den Smalltalk, der bei einem solchen Anruf typischerweise am Anfang steht.

In der About-Ansicht beschreibt man den Kontakt näher. Es gibt die drei Kategorien Lead, Potential und Active. Die würde ich so verstehen: Ein Lead ist ein Kontakt, über den man noch nicht so viel weiss, und bei dem man noch Überzeugungsarbeit leisten müsste. Ein Potential ist ein aussichtsreicher Kandidat, bei dem eine Umwerbung aussichtsreich erscheint. Active wird ein Kontakt dann, wenn man ihn für sich gewinnen konnte und eine Geschäftsbeziehung mit ihm pflegt.

So sieht die Ansicht pro Kontakt aus. Man kann an dieser Stelle auch die Interaktionen protokollieren und sehen, was jemand in den sozialen Medien so treibt.

Darunter gibt es die beiden Feldchen Inactive und Lost – für eingeschlafene Kontakte und abgesprungene Partner. Ausserdem kann man dem Kontakt benennen: Als Kunde, Partner, Lieferant, Investor, Berater, Konkurrent oder Mitarbeiter.

In dieser Ansicht gibt es auch eine Bewertung der Relationship Strength, die anhand von Kriterien wie der Frequenz der Kommunikation, der Reaktionsfreudigkeit, Balance und Reifegrad bewertet wird. Die App zeigt den Geburtstag an. Und sie ermittelt, mit welchen Leuten die Person sonst noch in Beziehung steht und zu welchen Unternehmen sie gehört. Natürlich gibt es in der App auch eine nach Unternehmen sortierte Ansicht, in der sofort klar wird, mit welchen Kollegen man es sonst noch zu tun hat.

Und man kann für jeden Kontakt Notizen und To-dos hinterlegen und Anrufe und Sitzungen protokollieren. Es ist möglich, Projekte einzurichten und mit den Kontakten zu verbinden. Und man kann eine Person natürlich auch direkt aus der App heraus anrufen.

Wie gesagt: Wie gut oder schlecht das funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Da ich keine App für die Beziehungspflege benötige, wollte ich auch keines meiner privaten oder beruflichen Mailkontos verbinden. Ich habe nur mein Gmail-Konto eingetragen, das als Sammelbecken für alles Unwichtige dient.

Dennoch hat mich die App positiv überrascht: Sie hat in dieser Mailbox zielsicher meine echten Freunde und Kollegen erkannt. In der Inbox-Ansicht, wo die neuen Mails und anderen Botschaften einlaufen, erscheinen bei Focused auch wirklich nur die Leute, mit denen ich einen echten Austausch pflege. Auch die Companies-Ansicht mit den Unternehmen ist um Welten schlüssiger, als das Chaos in meinem Gmail-Posteingang.

Ich könnte mir somit tatsächlich vorstellen, dass die Cloze-App ihr Versprechen ganz gut erfüllt und einem hilft, aus der riesigen Flut der digitalen Informationen die herauszufiltern, die für die Beziehungspflege wichtig sind. «PC Mag» hat der App jedenfalls seinerzeit ein grosses Lob ausgesprochen:

It’s a wonderful tool for getting relevant information about people in your network.

Es sei ein wundervolles Werkzeug, um die relevanten Informationen über die Leute im eigenen Netzwerk herauszufiltern. Dieser Eindruck ist nicht verkehrt. Der Nachteil ist natürlich, dass ohne ein Benutzerkonto bei Cloze gar nichts läuft – und bei Cloze gar nichts über irgend eine der erfassten Beziehungen im Dunkeln bleibt.

Auf der Website schreibt Cloze, man werde die Kontakte nicht mit Spam belästigen, keine Informationen verkaufen oder sonstwie weitergeben. Aber natürlich ist das wie immer eine Vertrauenssache. Und immerhin: Es ist auch nicht ganz billig – sodass es der Betreiber hoffentlich nicht nötig hat, die Daten seiner User zu versilbern. Der Einstiegs-Account Pro kostet 17 US-Dollar im Monat. Der Silver-Account mit Team-Funktionen schlägt mit 21 Dollar pro Monat und Nutzer. Und es gibt zwei weitere Pläne für 29 und 42 US-Dollar, u.a. mit mehr Analytics, mehr individuellen Funktionen und Unternehmens-Features.

Für meine Zwecke ist die App überdimensioniert. Was ich aber ganz praktisch fände, wäre eine App, die mir die ganzen Informationen aus den diversen Kanälen zusammenzieht und zentral bündelt. Und das natürlich am liebsten auf meinem Handy und nicht in der Cloud. Das ist nach heutigem Stand der Dinge leider völlig illusorisch. Technisch wäre es natürlich möglich: Es müssten bloss alle Apps ihre Daten in transparenter, standardisierter Form zur Verfügung stellen. Dann könnte man sie in einer zentralen App poolen und so nutzen, wie man das selbst gerne würde…

Beitragsbild: Zum Glück gehört es nicht zu meinem Job, den Leuten Dinge aufzuschwatzen (Kobu Agency, Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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