Die App auf dem DAB

Vor gut zwei Wochen habe ich mich öffentlich darüber aufgeregt, dass mein DAB-Radio zum alten Eisen gehört, weil es kein DAB+ kann. Und ab dem 17. Oktober damit nicht mehr viel zu empfangen sein wird. Ich war ja wild entschlossen, dem Digitalradio den Rücken zu kehren und überhaupt dem Mainstreamrundfunk abzuschwören.

Dieser Vorsatz wurde durch die vereinigte Haushaltsversammlung zunichte gemacht. Die hat beschlossen, man würde sich hier des Morgens weiterhin der nervenzerrüttenden Redundanz aussetzen, die der Sender at the moment still known as DRS3 von sich gibt. Ja, der Sender, des Morgens ausschliesslich und pausenlos über Roger Federer berichtet und darum in Sendungen über Roger Federer 3 (kurz SRF3) umbenannt wird.

Das Dekret, ein Pure Sensia anzuschaffen
Jedenfalls wurde von der Haushaltsversammlung bestimmt, ein neues Digitalradio würde angeschafft. Die Wahl fiel auf das Pure Sensia, das bei Digitec aktuell zum Aktionspreis von 199 Franken zu haben ist.

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Rugbyball mit Touchdisplay.

Dieses Radio gibt DAB und UKW wieder. Es hat auch einen externen Eingang, was wichtig ist, weil wir iPhones, iPads und ähnliche Gerätschaften anstecken und darüber Hörbücher abspielen. Das Radio empfängt auch Internetradio und spielt Podcasts. Und – man kriegt den Mund nicht mehr zu! – es gibt Apps für das Teil! In echt jetzt!

Man bringt über die RSS-App seine Lieblings-Nachrichtenquellen aufs Radio. Man wechselt (mittels vertikaler Wischbewegung) zu seiner Twitter-Timeline oder zu Facebook. Via Picasa wird das Radio zum digitalen Bilderrahmen. Und die Wetterapp hat den positiven Nebeneffekt, dass man dem endlosen Geplapper des Wettermanns im Radio keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken braucht, sondern bloss einen Blick aufs Display werfen muss, um zu wissen, obs schifft oder schneit.

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Twitter ist auch in der Küche niemals fern.

Konfiguration, Updates, Registration…
Apps – das bedeutet, dass die Inbetriebnahme eines Radios heute deutlich aufwändiger ausfällt als früher, wo der Kittel geflickt war, sobald man es am Strom angeschlossen und am Senderknopf gedreht hatte. Heute kämpft man sich erst einmal durchs Menü und wählt Sprache und Zeitzone. Dann findet man heraus, dass das farbige Display eine Touchfunktion hat und per Finger und mit Wischgesten gesteuert wird. Als nächstes töggelt man die 64-stellige alphanumerische Kennung des mit WPA2 geschützten WLAN ein und führt ein Update durch. Jawoll, ein Update. Etwas, das beim Telefonrundspruch definitiv nicht erforderlich war.

Sinnvoll ist an dieser Stelle, das Gerät unter Pure Connect zu registrieren. Wenn man das tut, richtet man seine Lieblings-Internet-Radiostationen und Podcasts über den Browser ein. Und das geht deutlich einfacher als übers Touch-Display.

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Inbetriebnahme abgeschlossen!

Die Registrierung wäre an sich simpel. Aber da sie weder auf der Website noch in der Dokumentation richtig beschrieben wird, verplempert man unnötig Zeit damit. (Die dem Gerät beiliegende Karte verweist sogar explizit auf die falsche URL.) Aber so gehts:

Man erstellt bei Pure Connect ein Konto oder meldet sich mit dem Konto an, das man schon hat. In seinem Konto klickt man links auf seine E-Mail-Adresse und auf Devices. Es wird bei Device Registration ein Code angezeigt, den man beim Radio eingeben soll.

Am Radio wählt man unter Source die Option Lounge (dort sind die Internetradios, die Podcasts und die zu finden). Dann tippt man in der Menüleiste unten auf Einstellungen und im Untermenü noch einmal auf Einstellungen. Im Dialog gibt man den Namen des Radios an und trägt den Code ein.

Podcasts à la Pure
Die Webradio- und Podcast-Favoriten wählt man nun unter thelounge.com aus. Sie tauchen dann entsprechend am Radio auf. Übrigens. In der Pure-Lounge finden sich auch der wunderbare Podcast Morgomatthias und seine Verschwörungstheorie der Woche und das Digitalmagazin von Radio Stadtfilter.

Das Pure Sensia hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Positiv ist die Vielseitigkeit bei der Wiedergabe. Da vermisse ich nur Airplay, das bei diesem Modell nicht vorhanden ist. Wenn man auf seinem Mac oder Windows-Rechner den FlowServer installiert, kann man Musik aus der iTunes-Mediathek oder der Windows-Media-Player-Medienbibliothkek spielen. Das ist okay, aber so flexibel wie Airplay, bei dem man auch Spotify hören könnte. Und für £4.99 gibt es auch einen Streaming-Dienst von Pure.

Der Klang überzeugt mich nicht so ganz. Das Gerät klingt zwar ganz ordentlich, aber es gibt keinerlei Möglichkeit, den Sound zu regeln – keinen Bass/Treble-Regler und schon gar keinen Equalizer. Die Verarbeitung wirkt nicht so wertig wie bei den Pure-Klassikern wie dem Pure Evoke im Klavierlack-Look. Der Touchscreen reagiert reagiert eher träge und der Umgang mit den Apps hat nichts von der Flüssigkeit, die man sich vom iPhone oder iPad gewohnt ist. Die Apps sind auch vergleichsweise «dumm». Sie cachen keine Daten und verlieren mitunter ihre Anmeldedaten, sodass man diese am Gerät neu eintragen muss – und das ist kein Vergnügen.

Autor: Matthias

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