Die Dummköpfe von CNN

Viele Journalisten sind nicht gerade Fans von Bloggern; das weiss man ja. Da sind auf der einen Seite die Hüter von Nachrichten und Inhaber der vierten Gewalt, die sich diese Rolle nicht streitig machen lassen wollen. Und da gibt es zum anderen die Kinder des Internet, die das mächtige Sprachrohr, auf ihre Weise nutzen. Man buhlt um ein gemeinsames Publikum, um Aufmerksamkeit und um die Deutungs- und Interpretationshoheit. Eine gesunde Rivalität ist nicht verkehrt. Was Medien verbreiten, ist überprüfbar anhand der alternativen Nachrichtenquellen. Wir Journalisten sind nicht mehr alleinige Wächter des grossen Rohrs, aus dem der Nachrichtenfluss quillt. Und unsere Rolle als «Gatekeeper» wurde in den letzten Jahren sehr relativiert. Gut so. Das soll uns ein Ansporn sein, uns zu überlegen, wem wir verpflichtet sind. Und auch, unseren Berufsethos hochzuhalten: Fairness, Distanz, Unabhängigkeit, der ganze alte Kram, halt.
Das fällt Journalisten aber offenbar schwer. Ein eklatantes Beispiel dafür ist der Beitrag auf CNN, den man sich auf newsbusters.org ansehen kann und bei dem es mir fast die Schuhe auszieht (via Noagenda.com):

Der «Kult der Amateure» im Netz killt nicht nur die amerikanische Wirtschaft, sondern auch Werte und sogar Leute, heisst es. Vor diesem Beitrag wäre ich der Meinung gewesen, dass man Medien-Profis grundsätzlich mehr Glaubwürdigkeit einräumt als irgend einem Blogbeitrag auf einer Noname-Seite. Nach dieser gequirlten Dummheit von den CNN-Köpfe kann man leicht zur Vermutung kommen, dass man genauso gut einem beliebigen Blogger im Internet sein Vertrauen schenken kann, wie den hochdotierten CNN-Journis. So gesehen ein raffinierter Schachzug von CNN, den Punkt zu beweisen.
Erbärmlich. Wie wäre es, wenn Journis und Blogger gemeinsam die Redefreiheit im Netz hochhalten würden?
Es gibt genügend Politiker, die es zensurieren, einschränken oder fast gar abschaffen wollen. Joe Lieberman will Barack Obama einen «Kill Switch» fürs Internet an die Hand geben. Australien hat eine Zensurliste, in der nicht nur Kinderpornografie hängen bleibt, sondern auch die eine oder andere politische Website. Der deutsche Aussenminister Wolfgang Schäuble findet, «Gefährder» sollten keinen Zugang zum Internet und kein Handy mehr erhalten. Tony Blair findet, Blogger würden ihre tägliche Aufgabe darin sehen, Politiker lächerlich zu machen und John McCain will eine Busse von 300’000 US-Dollar für Blogger, wenn auf deren Blog ein anstössiger oder beleidigender Kommentar veröffentlicht wird. Weitere lustige Beispiele auf Die Dreckschleuder der Piratenpartei.
Blogger-Bashing als neuer Modetrend? Die Rache beleidigter Politiker, die zu wenig Ehrbezeugungen erfahren? Da gefällt mir die Reaktion unseres abtretenden Medienministers Moritz Leuenberger doch besser, der einen eigenen Blog startet, weil er dort schreiben kann, was er will.

Autor: Matthias

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