Deutschland, ich komme!

Nach meinem Projekt 2020 hier, ist mir, als ich neulich in der Badewanne lag, noch eine Idee gekommen. Und ich habe noch vor Ort die passende Domain registriert.

Auslöser war meine Beobachtung, dass dieses Blog hier jeden Tag ungefähr ähnlich viele Besucher aus der Schweiz und aus Deutschland hat. Das hat mich zum Grübeln gebracht: Warum sind es nicht viel mehr?

Gemäss dieser Tabelle des Bundesamts für Statistik gibt es in der Schweiz 5’193’954 potenzielle Leserinnen und Leser – nämlich alljene, die Deutsch sprechen. In Deutschland beträgt die Bevölkerung nach Angabe des statistischen Bundesamts 83,1 Millionen. Und auch wenn nicht jeder davon deutsch so gut versteht, wie es gewisse Parteien gerne hätten,  so sind es doch ungefähr 16-mal mehr Leute.

Das bedeutet, dass die Zahl der Besucher aus Deutschland mindestens zehnmal so gross sein müsste, wie die der Schweizer. Denn es gibt in meinem Blog kaum Inhalte, die sich speziell an Einheimische richten. Im Gegenteil: Die Tech-Welt ist weitgehend globalisiert. „Deutschland, ich komme!“ weiterlesen

Ein VPN direkt in Firefox

Die Mozilla-Stiftung ist seit längerem dabei, den Firefox-Browser auf Sicherheit und Datenschutz zu trimmen. Absolut naheliegend: Das sind die Bereiche, in denen die Konkurrenz zwangsläufig weniger zu bieten hat.

Oder kann sich jemand vorstellen, dass Google alles tut, um mit Chrome den Datensammlern das Leben zu erschweren? Eben. Und auch Microsoft ist nicht als der Vorzeige-Datenschützer bekannt. Am ehesten würde ich in dieser Rolle Apple trauen. Aber Safari gibt es nicht für Windows. Und er hat mir auch bezüglich Erweiterungen zu wenig zu bieten.

Die neueste Errungenschaft der Mozilla-Stiftung ist das Firefox Private Network: Ein VPN, das künftig vielleicht direkt im Browser eingebaut ist. Zur Erinnerung: Ein VPN ist ein Mechanismus, um die Identität im Netz zu verschleiern. „Ein VPN direkt in Firefox“ weiterlesen

Per App in die Achtzigerjahre

Zugegeben: Diese App ist Geldverschwendung. Kein Mensch braucht sie. Gleichzeitig ist sie einfach grossartig, weil charmant, retro und ansprechend gemacht.

Das jugendliche Erscheinungsbild kann die App leider nicht wiederherstellen.

Ich meine die App VHS Camcorder. Sie simuliert eine Videokamera aus den 1990er-Jahren, respektive die Qualität und Anmutung der Aufnahmen aus solchen Geräten. Und das tut sie glaubwürdig: Sie gibt den Aufnahmen ein aus heutiger Sicht groteskes Bildrauschen, leicht ausgewaschene Farben, die von der nicht so ganz stabilen Spurlage herrührenden wackeligen Kanten. Am unteren Rand franst das Bild aus. Ab und zu läuft eine Störung durchs Bild, das natürlich das Seitenverhältnis 4:3 aufweist. Und in klobigen Ziffern ist die Aufnahmezeit eingeblendet.

Also genauso, wie Leute wie wir, die mit diesen klobigen Kassetten aufgewachsen sind, das in Erinnerung haben. „Per App in die Achtzigerjahre“ weiterlesen

Scheidung unmöglich bei Spotify und Facebook

Bei Spotify konnte man sich ursprünglich nur über Facebook anmelden. Das liegt daran, dass der Streamingdienst in der Anfangszeit eng mit dem sozialen Netzwerk verbandelt war. Die NZZ hat das am 26. Mai 2011 als Situation beschrieben, von der beide Unternehmen etwas versprachen:

Mit der Kooperation könnte Facebook die Verweildauer seiner Nutzer erhöhen. Bisher hat man dazu unter anderem einen Filmverleih integriert und bietet Spiele wie jene von Zynga.

Spotify seinerseits hatte die Gelegenheit, sein Icon prominent in Facebook zu platzieren. Trotzdem frage ich mich bis heute, ob Daniel Ek und seine Mitstreiter nie auf die Idee gekommen sind, dass das womöglich nicht so eine gute Idee sein könnte. Mir hat das jedenfalls ziemlichen Ärger eingetragen. „Scheidung unmöglich bei Spotify und Facebook“ weiterlesen

Ausgerechnet ich verteidige den Kapitalismus?!

Neulich habe ich die «Freitagsrunde» von SRF gehört. In der Folge «Ich sehe das Milizsystem nicht gefährdet» ging es (ab Minute 16) auch um das Klima und die Flugticketabgabe.

Wenn man die Aussagen zum Massstab nimmt, dann sind wir unrettbar verloren. Die drei Gesprächsteilnehmer zeigten sich absolut unwillig, über echte Massnahmen überhaupt nachzudenken. Besonders geärgert hat mich Claudia Wirz, die für die NZZ geschrieben hat. Sie sagt: «Dass wir fliegen, ist einer der Widersprüche, mit denen wir leben müssen.»

Müssen wir? Man denkt, die bei der NZZ hätten die Funktionsweise des Kapitalismus ansatzweise begriffen. Natürlich, die Flugticketabgabe ist nun wirklich eine zahnlose Massnahme. Thomas Meier, Rektor der Zürcher Hochschule der Künste, sagt es richtig: Die geplante Abgabe ist viel zu wenig; wenn es etwas bringen wollen würde, müsste man mehr verlangen.

Claudia Wirz brachte als Einwand dann sofort die «soziale Frage» auf und empfahl Freiwilligkeit. Damit die Leute eher bereit sind, freiwillig CO₂-Kompensation zu leisten, müsse man bei den Formularen für den Ticketkauf das entsprechende Kästchen einfach grösser machen. Die Webdesigner werden die Klimakrise lösen? Dass da noch keiner darauf gekommen ist! „Ausgerechnet ich verteidige den Kapitalismus?!“ weiterlesen

Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig

Also, es kann nun sein, dass gleich alle auf mich einprügeln und mir abgrundtiefe Ignoranz vorwerfen werden. Abgesehen davon, dass mein Ego das verkraften müsste, wäre das gar nicht so schlimm: Dann hätten nämlich ein paar Leute über meine Idee nachgedacht und wahrscheinlich hätte dabei sogar ein Erkenntisgewinn herausgeschaut.

Also, es geht um Parteien. Und die Frage, ob es die in der digitalen Zeit überhaupt noch braucht. Die Digitalisierung bringt bekanntlich eine Disintermediation mit sich. Wikipedia erklärt dieses sperrige Wort mit der Wertschöpfungskette, bei der Stufen überflüssig werden. Ein Beispiel ist der Kleiderladen in der Stadt, der überflüssig wird, wenn man via Internet direkt beim Hersteller bestellt.

Es gibt noch viele andere Beispiele: Es braucht den Verlag nicht mehr, wenn ich als Autor mein Buch in elektronischer Form selbst bei Amazon veröffentliche. Disintermediation findet auch statt, wenn ein Musiker seine Songs direkt bei Spotify reinstellt. Oder wenn ich auf die Dienste des Bankenwesens verzichte und all meinen Kram nur noch via Bitcoin kaufe. Und auch ein Podcast oder ein Blog ist Disintermediation: Der Autor richtet sich direkt an sein  Publikum, ohne dass ein Medienhaus die Finger dazwischenhält.

Also, warum keine Disintermediation in der Politik? „Parteien sind im digitalen Zeitalter überflüssig“ weiterlesen

Jederzeit ein frisches Windows

Mit dem Windows-Update vom Mai 2019 (Build 1903) hat Microsoft eine Sandbox in Windows eingebaut. Ich habe sie im Video (siehe Baby steps oder Riesenschritte?) erwähnt – aber nicht ausführlich vorgestellt. Sie hatte damals ein Problem, das ich nicht übersehen konnte: Sie hat nämlich nicht funktioniert. Bei deutschsprachigen Windows-Installationen hat sie eine Fehlermeldung angezeigt.

Neulich hielt ich die Zeit für gekommen, um nachzusehen, ob diese Sandbox inzwischen funktioniert. Und in der Tat: Sie startet brav auf.

Das ist eine gute Sache. Die Sandbox erhöht die Sicherheit beträchtlich – gerade für Leute, die ab und zu fragwürdige Dinge tun. In den Bereich fällt das Anklicken seltsamer Links, das Installieren fragwürdiger Programme oder das Öffnen von Dokumenten aus unbekannter Quelle.

Solcherlei Dinge tut man am besten nicht in seiner angestammten Arbeitsumgebung, sondern in einer Art Quarantäne. Ich empfehle für solche Zwecke auch gerne eine virtuelle Maschine (siehe Virtuell ist essenziell oder, für den Browser, Das Gegenteil vom Internet Explorer). Aber dieser Weg hat zwei Nachteile: Erstens ist die Installation anspruchsvoll. Und zweitens muss man auch die virtuelle Maschine pflegen und zum Beispiel Updates einspielen.

Die Sandbox ist pflegeleichter. „Jederzeit ein frisches Windows“ weiterlesen

Stolpersteine in der Timeline

Twitter im Speziellen und soziale Medien im Allgemeinen sind ein bisschen wie Formatradio: Für gewöhnlich plätschert es vor sich hin. Man sieht einmal was Lustiges, dann etwas Ärgerliches, ab und zu einen unnötigen Auswurf eines Verschwörungstheoretikers oder Fake-News-Reposters. Aber es gibt wenig, was die Routine des Sich-Berieseln-Lassens unterbrechen würde.

Es gibt aber eine Ausnahme. Seit einiger Zeit folge ich dem Twitter-Account @AuschwitzMuseum. Was die Tweets mit mir machen, lässt sich am besten mit der englischen Redewendung stop dead in my tracks umschreiben. Sie katapultieren mich augenblicklich aus dieser Ist-alles-nur-Internet-Theater-Haltung – wenn ich einem Tweet wie diesem hier begegne: „Stolpersteine in der Timeline“ weiterlesen

Fusspilz statt Grippe

Ohne mein explizites Zutun hat es sich ergeben, dass ich mit den digitalen Patentrezept-Videos jeweils mit einem Sicherheitsthema ins neue Jahr starte. 2019 ging es um den Schutz vor Datendieben. 2018 waren die Massnahmen gegen Sicherheitslücken bei Mobil- und Desktopgeräten das Thema. 2017 stellte sich die Frage: Wurden Sie gehackt?

So schien es mir nicht verkehrt, 2020 mit Tipps zur Sicherheit bei Smartphones zu starten.

Wie üblich ist das ein weites Feld – und es gibt sehr viel, was man tun könnte und tun sollte. Da die meisten Nutzer (ich übrigens eingeschlossen) nur eine beschränkte Geduld mit solchen Empfehlungen haben und auch nicht endlos Zeit in die Absicherung der Geräte investieren wollen, habe ich versucht, mich auf die absolut wesentlichen Dinge zu beschränken und sie zu priorisieren. So kann jeder zumindest das Nötige tun und entscheiden, wie viel er von den weniger dringlichen Tipps beherzigen will.

Und das ist das Video mit den Tipps: „Fusspilz statt Grippe“ weiterlesen

Das iPhone als 3D-Scanner

Seit einiger Zeit habe ich ein iPhone 11 als Leihgerät zur Verfügung. Wie hier in einem ersten Augenschein beschrieben, hatte ich anfänglich gewisse Mühe mit Face ID. Doch die ist überwunden – inzwischen habe ich mich tatsächlich daran gewöhnt, dass man auch als Kurzsichtiger das Telefon problemlos verwenden kann. Man sollte es einfach nicht direkt vor die Nase halten, wenn man entsperren will, während man die Brille nicht auf der Nase hat.

Natürlich stellt sich irgendwann die Frage, ob man mit dem TrueDepth-Sensor für die Gesichtserkennung noch andere Dinge treiben kann als nur Gesichtserkennung. Es handelt sich schliesslich um einen Sensor, der ganz ähnlich wie die Kinect-Leiste der Xbox funktioniert. Nicht ganz zufällig: Das israelische Unternehmen Primesense, das Kinect für Microsoft entwickelt hat, wurde im November 2013 von Apple gekauft.

Das dürfte mit ein Grund gewesen sein, weswegen Microsoft Kinect im Oktober 2017 eingestellt hat. Darum: Kurze Schweigeminute für die Technologie, deretwegen ich am 30. August 2010 im «Tagesanzeiger» behauptet hatte, der «Gamecontroller gehöre demnächst zum Alteisen»:

Nun [nach der Wiimote] geht Microsoft noch einen Schritt weiter und schafft den Controller komplett ab. Der Spieler steuert die Konsole mit freien Händen, dafür mit umso mehr Körpereinsatz.

Da haben sowohl Microsoft als auch ich die Trägheit der Nutzerschaft unterschätzt, die lieber auf dem Sofa sitzt, statt sich vor dem Fernseher abzumühen. Immerhin – gewisse Vorbehalte waren damals zu erkennen: „Das iPhone als 3D-Scanner“ weiterlesen