Scheidung unmöglich bei Spotify und Facebook

Bei Spotify konnte man sich ursprünglich nur über Facebook anmelden. Das liegt daran, dass der Streamingdienst in der Anfangszeit eng mit dem sozialen Netzwerk verbandelt war. Die NZZ hat das am 26. Mai 2011 als Situation beschrieben, von der beide Unternehmen etwas versprachen:

Mit der Kooperation könnte Facebook die Verweildauer seiner Nutzer erhöhen. Bisher hat man dazu unter anderem einen Filmverleih integriert und bietet Spiele wie jene von Zynga.

Spotify seinerseits hatte die Gelegenheit, sein Icon prominent in Facebook zu platzieren. Trotzdem frage ich mich bis heute, ob Daniel Ek und seine Mitstreiter nie auf die Idee gekommen sind, dass das womöglich nicht so eine gute Idee sein könnte. Mir hat das jedenfalls ziemlichen Ärger eingetragen.

Da mein Spotify-Konto noch in jene Zeit zurückreicht, hat das zur Folge, dass nicht meine persönliche, «richtige» Mailadresse bei Spotify hinterlegt ist.  Das wiederum liegt daran, dass ich mich bei Facebook aus beruflichen Gründen angemeldet habe, um dieses soziale Netzwerk einmal auszuprobieren. Dass ich es auch privat würde nutzen wollen, schien mir damals wenig wahrscheinlich. Aber wie hier geschrieben: Wer konnte ahnen, dass Facebook zu so einem Monstrum werden würde?

Wenn man nun versucht, seine Mailadresse zu ändern, dann geht man zu seiner Kontoseite und versucht, die Angabe dort zu bearbeiten. Dann findet man heraus, dass das nicht geht. Im Supportdokument zum Thema im Abschnitt «Ich kann meine Adresse nicht eingeben» heisst es wie folgt:

Das bedeutet, dass du dein Spotify Konto über Facebook erstellt hast. Du kannst die E-Mail-Adresse für ein solches Konto nicht ändern. Du hast aber die Möglichkeit, ein neues Konto ohne Facebook zu erstellen.

Man denkt: WTF! Dann verliere ich alle meine Wiedergabelisten, meine ganze Hör-Historie und alles? Seid ihr noch bei Trost?

Googelt man weiter, kommt man zum Schluss, dass das wahrscheinlich unglücklich formuliert ist. Man findet nämlich den Beitrag Spotify und Facebook, in dem es eine Anleitung gibt, wie man Facebook verbindet und eben auch wieder trennt. Nach der müsste man in der App bei Einstellungen im Abschnitt Social die Möglichkeit haben, die Verbindung zu Facebook zu kappen.

Wie wird man dieses Facebook los? Hier jedenfalls nicht.

Nur dumm: Ich sehe dort zwar mein Facebook-Icon, aber keinen Trennen-Knopf.

Allerdings: Wenn man den Supportbeitrag bis zu Ende liest, dann steht auch dort noch ein Hinweis:

Wenn du dein Konto mit Facebook erstellt hast, kannst du die Verbindung nicht trennen.

An dieser Stelle entwickelt man gewisse Hassgefühle Spotify und natürlich auch Facebook gegenüber. Das ist doch der Gipfel der Benutzerunfreundlichkeit!

Aber geschlagen geben wollte ich mich noch nicht. Vielleicht gibt es einen inoffiziellen Hack? Ich versuche es über die Seite zum Zurücksetzen des Passworts. Dort kann ich meine Mailadresse eintragen und erhalten tatsächlich auch einen Link. Und über den habe ich die Möglichkeit, ein Passwort zu vergeben. Doch Freude wäre an dieser Stelle verfrüht: Wenn ich mich versuche anzumelden, funktioniert es nicht. Die Anmeldung ist weiterhin nur über Facebook möglich.

An dieser Stelle hätte ich fast aufgegeben. Aber weil ich schon gute Erfahrungen mit dem Support auf Twitter gemacht hatte, startete ich eine Anfrage bei SpotifyCares. Und da schrieb man mir postwendend Folgendes:

Since your Spotify account was created through Facebook, you can’t disconnect from Facebook. If you’d like to move away from Facebook, we can free up your email address so you can create a new Spotify account. Once that’s done, we’ll transfer all of your tunes across. We can’t transfer subscriptions, so you’ll need to resubscribe on the new account.

Another option would be to disconnect your Spotify account from your Facebook (from our side). After that you’ll need to reset your password, so you can login with the email address and the new password. Let us know which option you prefer.

Ich habe mich für die zweite Option entschieden. Und wie es scheint, hat das geklappt. Ich werde sehen, ob sich Nebenwirkungen ergeben – aber ansonsten ist festzuhalten, dass man die Verbindung zwischen Spotify und Facebook leider nicht selbst annullieren, sondern via Spotify für ungültig erklären lassen kann.

Das hat, so vermute ich, entweder technische Gründe. Oder aber politische: Spotify will womöglich den ehemaligen Partner nicht allzusehr verärgern und den Facebook-Mitgliedern, die beim eigenen Unternehmen gelandet sind, auf die Nase binden, wie sie Facebook den Schuh geben.

Nebst dem Tipp, es via @spotifycares zu probieren, habe ich hier auch noch eine Moral:

Es ist keine gute Idee – ich wiederhole, und zwar in Fettdruck und unterstrichen: Es ist keine gute Idee, Dritt-Dienste zur Anmeldung zu benutzen.

Es mag komfortabler sein. Aber es erhöht die Abhängigkeit massiv. Ich hätte nicht ausprobieren wollen, was passieren würde, wenn ich meinen Facebook-Account löschen würde. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht mehr an meine Spotify-Musik herankomme, scheint mir riesig.

Das gleiche wäre der Fall, wenn Facebook mich rauswerfen würde – aus welchen Gründen auch immer. Darum nutze ich nicht Facebook und auch nicht Twitter zur Anmeldung bei Drittdiensten, selbst wenn diese Option zur Verfügung steht. Und ich werde auch einen Teufel tun, die neue «Mit Apple anmelden»-Funktion zu benutzen! Und ihr solltet das auch nicht tun!

PS: Wahrscheinlich war diese Verbandelung auch der Grund, weswegen ich meine Spotify-Daten nicht herunterladen konnte. Im Beitrag Spotify macht den Kasperli habe ich beschrieben, weswegen ich das tun will.

Spotify, du gehst mir sowas von auf die Nervin!

Das Archiv ist inzwischen fertig. Doch als ich die Daten herunterladen wollte, wurde ich aus Sicherheitsgründen nach meinem Passwort gefragt. Das oben via Passwort-Reset erstellte Passwort funktionierte in diesem Dialog nicht. Und auch eine erneute Anmeldung via Facebook war nicht möglich.

Ich werde es nun noch einmal probieren und dann Bericht erstatten. Die Erkenntnis bleibt aber bestehen: Es ist keine gute Idee, Dritt-Dienste zur Anmeldung zu benutzen.

Beitragsbild: Eric Ward/Unsplash, Unsplash-Lizenz

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

2 Gedanken zu „Scheidung unmöglich bei Spotify und Facebook“

  1. Die Anmeldung über Dritte ist eigentlich schon eine gute Sache – wenn sie denn richtig implementiert ist, was offensichtlich bei Spotify/Facebook nicht der Fall ist.
    Anmeldung mit einem Identityprovider (auf Basis von OpenID und dessen Verwandten) hat den Vorteil, dass ich die Zugänge an einem zentralen Ort verwalten kann. Eine Auflösung der Verbindung sollte aber immer auch möglich sein und ist es aus meiner Erfahrung eigentlich meistens auch.

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