Ein VPN direkt in Firefox

Die Mozilla-Stiftung ist seit längerem dabei, den Firefox-Browser auf Sicherheit und Datenschutz zu trimmen. Absolut naheliegend: Das sind die Bereiche, in denen die Konkurrenz zwangsläufig weniger zu bieten hat.

Oder kann sich jemand vorstellen, dass Google alles tut, um mit Chrome den Datensammlern das Leben zu erschweren? Eben. Und auch Microsoft ist nicht als der Vorzeige-Datenschützer bekannt. Am ehesten würde ich in dieser Rolle Apple trauen. Aber Safari gibt es nicht für Windows. Und er hat mir auch bezüglich Erweiterungen zu wenig zu bieten.

Die neueste Errungenschaft der Mozilla-Stiftung ist das Firefox Private Network: Ein VPN, das künftig vielleicht direkt im Browser eingebaut ist. Zur Erinnerung: Ein VPN ist ein Mechanismus, um die Identität im Netz zu verschleiern. Das VPN schleust den Verkehr durch einen virtuellen Tunnel an einen anderen Knotenpunkt. Das verändert die nach aussen sichtbare IP-Adresse des VPN-Nutzers. Man kann einen anderen Standort vorspiegeln und auf diese Weise Geosperren umgehen.

Im Moment befindet sich das Firefox Private Network in der Betaphase. Man kann es als Erweiterung nachrüsten. Allerdings nur, wenn man in den USA zu Hause ist. Oder, ironischerweise, wenn man ein VPN zur Verfügung hat. Ich hatte mit meinem hier besprochenen PureVPN-Zugang kein Problem, die Erweiterung zu installieren und einzuschalten.

Mozilla gibt als Zweck für das VPN drei Punkte an.

  1. Erhöhung der Sicherheit bei Nutzung öffentlicher WLAN-Netze
  2. Verstecken der Browser-Historie vor dem Internet Service Provider (ISP). Stichwort dazu wäre natürlich die Vorratsdatenspeicherung.
  3. Tarnen des Standors, um das Tracking und die Datensammelei zu reduzieren.
Ein. Ist man verbunden, läuft eine Uhr mit, da man kostenlos zwölfmal eine Stunde ins Netz kann.

Nach der Installation erscheint das Firefox Private Network in der Menüleiste. Man schaltet es per Mausklick ein und aus – das ist alles. Bis jetzt gibt es nicht die Möglichkeit, zum Beispiel ein Zielland zu wählen oder wie bei PureVPN einen Zweck wie Streaming oder Umgehung von Netzsperren auszuwählen. In der kostenpflichtigen Variante soll das aber möglich sein, mit einer Auswahl von mindestens 30 Ländern.

Damit sind wir beim Preisplan und bei den Unterschieden zwischen der kostenlosen und der kostenpflichtigen Variante:

Aus. Um das VPN zu aktivieren, braucht man bloss auf den grossen Knopf zu klicken.

Kostenlos. Dann bekommt man zwölfmal pro Monat eine Stunde kostenlosen Zugang zum VPN über die Erweiterung im Browser. Das reicht nicht, um ständig via VPN zu surfen. Aber es ist genug für zwischendurch, zum Beispiel beim Surfen am Flughafen oder im Hotel.

Kostenpflichtig für 5 US-Dollar pro Monat. Mit dieser Variante verwendet nicht nur der Browser das VPN, sondern das Gerät; der gesamte Datenverkehr wird durch Mozillas Server geschleust. Man wird es mit bis zu fünf Geräten nutzen können. Im Moment gibt es einen Betatest für Windows; Android und iOS werden folgen.

Fazit: Das Firefox Private Network ist eine sinnvolle und naheliegende Erweiterung. Und es ist nicht so, dass Firefox das Rad neu erfunden hätte. Andere tun das längst, zum Beispiel der Snow Haze-Browser aus der Schweiz (Eine unterbewertete Datenschutz-App).

Das Problem bei vielen VPN-Anbietern liegt darin, dass wir Nutzer nur wenig über sie wissen und uns schwertun, einem fremden Unternehmen so viel Vertrauen zu schenken.

Denn man kann es nicht oft genug sagen: Ein VPN-Betreiber kann den Datenverkehr protokollieren oder sogar mitschneiden und theoretisch auch verändern. Darum muss man ihn sorgfältig auswählen. Und man tut sicherlich gut daran, Gratisangebote zu meiden. Denn ein VPN zu betreiben, kostet Geld – und wenn jemand kein Geld verlangt, dann kann man sicher sein, dass er anderweitig auf seine Kosten kommt und die Daten der Nutzer versilbert.

Mozilla ist in einer komfortablen Situation: Als langjähriger Firefox-Nutzer hat man eine klare Meinung zu dieser Organisation. Ausserdem ist sie als Stiftung organisiert, der viele das gemeinnützige Engagement abnehmen – ich zum Beispiel auch.

Fazit: Es bleibt abzuwarten, wie sich die kostenpflichtige Variante im produktiven Einsatz schlagen wird. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, nach Ablauf meines PureVPN-Abos zu Firefox Private Network zu wechseln.

Beitragsbild: Das VPN. Der auf der anderen Seite ist ein Datensammler, der gerade nichts kapiert (Anthony DeRosa/Pexels, Pexels-Lizenz).

Autor: Matthias

Computerjournalist, Familienvater, Radiomensch und Podcaster, Nerd, Blogger und Skeptiker. Überzeugungstäter, was das Bloggen angeht – und Verfechter eines freien, offenen Internets, in dem nicht alle interessanten Inhalte in den Datensilos von ein paar grossen Internetkonzernen verschwinden. Wenn euch das Blog hier gefällt, dürft ihr mir gerne ein Bier oder einen Tee spendieren: paypal.me/schuessler

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