Perfektionistisches aus der Audioecke

Die Bruehlgarden Studios sind nun seit einigen Wochen in Betrieb und haben sich weitgehend bewährt. Aber wie es so geht – wenn man kein Profi mit jahrzehntelanger Erfahrung ist, gibt es immer Spielraum für Detailverbesserungen:

In meinem Fall musste das Tischmikro weichen. Es war mir zu unflexibel. Man will nicht festgenagelt davor sitzen, sondern auch mal die Position ändern. Und wenn es nur ist, um vernünftig auf den Bildschirm sehen zu können. Ich habe mir einen Galgen-Arm besorgt, nämlich den Røde PSA1 (85 Franken bei Digitec; Amazon-Affiliate). Der lässt sich auch an meinem Glastisch vernünftig festschrauben. Und er trägt das Mikrofon (das Heil PR40) mitsamt dem Popschutz und der Mikrofonspinne. Ohne viel Reserve, was das Gesamtgewicht angeht. Aber nichts hängt durch. Mein Aktionsradius wird mit dem Galgen markant vergrössert und auch das Einsprechen meiner Patentrezept-Texte ab iPad wird mit besserem Blick auf den Bildschirm angenehmer.

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Wenn das Mikrofon am Galgen hängt, fühlt der Podcaster sich frei.

Die Spinne erwies sich beim Heil PR40 (Amazon Affiliate) als absolut unverzichtbar. Es ist so empfindlich, dass ohne jedes Aufsetzen des Ellenbogens auf der Tischplatte als unangenehmes Rumpeln bemerkbar macht. Von Heil gibt es das PRSM Shock Mount, das mir mit 106 US-Dollar, plus Versandkosten aber zu teuer war. Ich habe mich daher für die Røde PSM1 entschieden, die es für 41.30 Franken bei Digitec (Amazon Affiliate) gibt (ohne Verandkosten). Die ist zwar nicht für das PR40 vorgesehen und scheint auf den ersten Blick auch nicht kompatibel zu sein. Sie verwendet zur Fixierung des Mikrofons nämlich ein Schraubgewinde, das es am PR40 nicht gibt. Wenn man den Ring mit dem Gewinde, plus den eingelegten Metallring herauspopelt, passt das Heil PR40 aber genau hinein und lässt sich mit der zum Mikro gehörenden Manschette fixieren. Von dieser Manschette steht dann zwar das Schraubgewinde weg – aber bei einer Einsparung von mindestens 60 Franken ist mir das gleichgültig.

Ganz perfekt ist die Schallisolierung der Spinne nicht. Was meines Erachtens am Popschutz liegt. Bisher stört es mich aber nicht sosehr, dass ich hier noch nachbessern würde.

Zweitens experimentiere ich mit der Software von Ultraschall.fm herum. Sie basiert auf dem Aufnahmeprogramm Reaper und passt das für die Bedürfnisse von uns Podcastern an. Die Idee ist, die verschiedenen Stufen einer Podcastproduktion von der Vorbereitung über die Aufzeichnung bis hin zur Produktion abzubilden und ein Routing (d.h. eine digitale «Verkabelung» von Quellen und Ausgängen) auch für anspruchsvolle Situationen (Live-Streaming, Skype N-1 und Mehrspuraufnahmen) zu ermöglichen.

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Will es mir jemand übel nehmen, dass mir die Lust an der digitalen Verkabelung verging?

Mit dem Mac funktioniert das ganz gut, mit Windows leider nicht. Microsoft hat, anders als Apple, die Zuordnung virtueller Audio-Ein- und -Ausgänge nicht bereits im Betriebssystem vorgesehen. Das ist schade, denn da mein Windows-Rechner eine Soundkarte mit Line in und Line out hat, würde ich mit ihm aufzeichnen wollen. Ich habe fürs Routing daher mit Virtual Audio Cable und dem Asio4All-Treiber Versuche gestartet. Wie das theoretisch funktionieren müsste, beschreibt Benjamin Ißleib im Beitrag Skype N-1 Setting mit Ultraschall unter Windows. Bei mir hat sich bislang aber kein Setting ergeben, das sich als produktionssicher einstufen würde. Ausserdem reagiere ich anscheinend wirklich empfindlich auf die kleinen Latenzen beim digitalen Mix, sodass ich vorerst beim analogen Studio bleibe. Falls sich daran was ändert, erfahrt ihr es natürlich hier…

Autor: Matthias

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