Container für Webseiten

Firefox hat neuerdings die Erweiterung Multi-Account Containers im Programm. Ist die installiert, hat man die Möglichkeit, geöffnete Webseiten, bzw. die dazu gehörenden Browser-Reiter, in so genannte «Umgebungen» zu verschieben. Die Standard-Umgebungen heissen Arbeit, Banking, Einkaufen und Facebook (wobei Facebook laut diesem Tweet von Facebook Container stammt). Das erinnert an die Möglichkeit der Reitergruppen, die ich seinerzeit im Beitrag Sich beim privaten Surfen nicht erwischen lassen beschrieben und ganz gern genutzt habe. Doch diese Funktion wurde eliminiert – da ist es unwahrscheinlich, dass sie nun in neuer Form wiederaufersteht.

Im Hilfebeitrag Tab-Umgebungen mit Multi-Account Containers beschreibt Mozilla die Sache wie folgt:

Tab-Umgebungen funktionieren wie normale Tabs, aber die in einer Tab-Umgebung besuchten Websites erhalten Zugriff auf ein separates Segment des Browserspeichers. Das bedeutet, dass Ihre Website-Einstellungen, protokollierten Sitzungen und die Trackingdaten nicht in die neue Umgebung übertragen werden. Ebenso wirkt sich das Surfen in der neuen Umgebung nicht auf Ihre eingeloggten Sitzungen oder die Trackingdaten der anderen Umgebungen aus.

Das klingt für meinen Geschmack etwas zu technisch, als dass ich unmittelbar in Begeisterung ausbrechen würde. Die konkreten Beispiele sind dann aber etwas einleuchtender:

Man kann sich mit unterschiedlichen Konten beim gleichen Dienst anmelden, selbst wenn der Dienst keine Unterstützung für Multi-Account zur Verfügung stellt. Das ist sehr sinnvoll – denn sogar mit Google, wo es die Multi-Account-Unterstützung gibt, kommt garantiert immer erst das private GMail-Konto, wenn man eigentlich das geschäftliche Konto benötigt hätte. Und vice versa.

Die zweite Funktion ist, Websites zu isolieren: „Container für Webseiten“ weiterlesen

Das geht unter die Alien-Haut!

Als Ergänzung zu den vielen hier getesteten Lightroom-Alternativen eignet sich Exposure X4 hervorragend. Das stammt aus Raleigh, der Hauptstadt des US-Bundesstaates North Carolina und von einem Softwareentwicker mit dem schönen Namen Alien Skin. Den gibt es seit 1993, und das Eye Candy-Plugin ist jedem ein Begriff, der sich irgendwann einmal mit Plugins für Photoshop herumgeschlagen hat.

Exposure X4 kommt entweder als separates Programm oder als Plugin für Photoshop und Lightroom zum Einsatz. Die Software stellt, wie hier in der Featureliste aufgeführt, die üblichen Verwaltungsfunktionen zur Verfügung. In der neuen Version sind die smart collections dazugekommen: Sie suchen anhand von Bewertung, Farmarkierungen, Exif-Daten, Schlagworten etc. die passenden Fotos zusammen.

Vielversprechend klingt auch das Lightroom Migration Tool: Es importiert Metadaten aus Lightroom: Markierungen, Bewertungen, Farblabels. Denn bei all den Lightroom-Alternativen stellt sich immer die Frage, wie man denn den Umstieg bewerkstelligen würde, wenn man Adobes Programm tatsächlich den Rücken kehrt. Bei der nichtdestruktiven Bildbearbeitung finden die Änderungen in beschreibender Art statt. Und auch wenn die meisten Programme ähnliche Regler anbieten, sind die Bearbeitungsschritte trotzdem abhängig vom Programm und dem Hersteller. Man hat somit die Möglichkeit, die Bilder in entwickelter Form zu exportieren, um sie in der neuen Software zu importieren.

Wählt man diesen Weg, verliert man die Möglichkeit, die Änderungen nachträglich zu bearbeiten oder zur Ursprungsversion zurückzukehren. „Das geht unter die Alien-Haut!“ weiterlesen

Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren

Im Beitrag Wie man als Whistleblower anonym bleibt habe ich mir Gedanken dazu gemacht, wie man jemandem eine Datei zukommen lassen könnte, ohne nachverfolgbar zu sein. Das ist für viele von uns ein theoretisches Problem. Wir plaudern, so nehme ich an, selten Dinge aus, die irgendwer in unserem Unternehmen unbedingt geheimhalten möchte. Und wir verschicken auch keine anonyme Drohungen, Epressungen oder Verunglimpfungen – was ja ebenfalls Situationen wären, bei denen man nicht zurückverfolgbar sein möchte.

Das ändert aber nichts daran, dass man seine Dokumente, wie im Video erklärt, einmal durch die Mangel drehen sollte, bevor man sie Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern oder der Öffentlichkeit zukommen lässt. Denn in digitalen Dokumenten steht oft mehr drin, als dass uns klar ist. Ein gutes Beispiel dafür ist Word: Da denkt man, man hätte alles gesehen, wenn man sein Textdokument im Programmfenster einmal von oben nach unten durchscrollt.

Doch dem ist nicht so: „Die persönliche Datenspur kontrollieren und limitieren“ weiterlesen

Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung

Euch ist aufgefallen, dass ich an der Produktkategorie der RAW-Entwickler einen Narren gefressen habe. Und ja, ich kann es nicht verleugnen. Denn heute ist schon wieder ein solches Programm dran: After Shot von Corel. Denn ja, Corel gibt es noch. Und da die von Bildbearbeitung auch ein bisschen etwas verstehen, lohnt sich ein Blick auf dieses Programm. Gerade weil es anscheinend nicht als erstes genannt wird, wenn man nach Alternativen zu Adobe Lightroom fragt.

Beim Start fällt störend auf, dass man ein Corel-Konto erstellen muss, wenn man das Programm nutzen möchte. Die Zeit, wo die Anbindung an ein Online-Benutzerkonto freiwillig war, scheint endgültig vorbei zu sein. Ich nehme an, dass das der schlechte Einfluss von Adobe ist. Bei Corel ist das deswegen seltsam, weil einem nicht erklärt wird, was man von dieser Registrierung hat. Beim Einloggen ins Konto sieht man früher getestete Produkte und Rubriken wie «Auftragsstatus und -entwicklung». Aber nichts, was unmittelbar zwingend erscheint.

Die Anwendung, getestet in der Version 3, erscheint mit schwarzer Oberfläche und der hinlänglich bekannten Aufteilung mit Leisten am linken und rechten Rand und einem grossen Bereich für die Bilder dazwischen. Es fällt auf, dass Corel keine Einteilung nach Modulen vornimmt. Man muss also nicht wie bei Lightroom zwischen Bibliothek, Entwickeln, Karte, Buch, Diashow, Web, etc. umschalten. Das wirkt weniger spektakulär, erfüllt den Zweck aber auch. „Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung“ weiterlesen

Browserbenachrichtigungen? Nein danke

Die Benachrichtigungen am Smartphone sind höchstens in der Hälfte der Fälle nützlich. Geschätzt sind die lästigen Benachrichtigungen eher in der Merhzahl. Darum frage ich mich, ob es eine gute Idee war, auch die Browser mit der Möglichkeit auszustatten, solche Benachrichtigungen anzuzeigen. Technisch sind die durchaus spannend: Denn diese Benachrichtigungen werden selbst dann angezeigt, wenn die benachrichtigende Website gar nicht geöffnet ist.

Benachrichtigungen
Nein, bitte nein! Wirklich, ich möchte nicht! Jetzt nicht, später nicht, niemals! (Über das Pfeilchen nach unten verhindert man weitere Nachfragen.)

Es drängt sich natürlich die Vermutung auf dass diese Push-Möglichkeit wie beim Smartphone eingesetzt wird: Die Webseitenbetreiber sehen in ihr eine praktische Möglichkeit, den Nutzern das eigene Informationsangebot in Erinnerung zu rufen – ganz gleichgültig, ob der Nutzer an irgend etwas Wichtigem dran ist und nicht durch eine Banalität gestört werden möchte. Ich habe es bei der Vorstellung von iOS 12 ausgeführt: Die Browser müssten die Umstände miteinbeziehen, um beurteilen zu können, ob der Nutzer gestört werden soll oder nicht. Und man müsste auch den Informationsgehalt irgendwie beurteilen können. Dann könnte man den Wert eines Pushes mit einem dynamischen Schwellenwert vergleichen und so abschätzen, ob er durchdringen soll oder still in einer Benachrichtigungs-Historie verschwinden soll.
„Browserbenachrichtigungen? Nein danke“ weiterlesen

Die Welt durch die Augen des Google-Bots

Der User-Agent Switcher ist eine nützliche Erweiterung für Firefox, mit der man den User Agent umschalten kann. Je nach Einstellung gibt sich Firefox dann nicht mehr als Firefox unter Windows, sondern als Safari unter Mac OS, als Edge-Browser unter Windows oder als Android-Telefon oder sonst ein Gerät bzw. eine Software aus.

Das ist nützlich, wenn man Websites testen muss, die sich auf den einzelnen Geräten unterschiedlich verhalten sollen. Ich brauche diese Erweiterung aber aus einem trivialeren Grund: Ich betreue bei Publisher.ch bekanntlich den Downloadbereich. Da dort sowohl die Windows- als auch die Mac-Versionen der Programme angeboten werden, muss ich beides herunterladen. Viele Websites nehmen dem Nutzer die Arbeit ab, die passende Variante wählen zu müssen – mit dem unerfreulichen Nebeneffekt, dass ich die Mac-Version nicht herunterladen kann, wenn ich einen Windows-Computer benutze. Damit ich dazu keinen Mac bemühen muss, schalte ich einfach den User Agent um. Das klappt in den meisten Fällen hervorragend.

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Eine Schreckreaktion? So sieht Google aus, wenn man mit User Agent «Googlebot» surft.

Lustig ist nun, dass man die Einstellung bei User Agent nun auch auf exotische Dinge wie Google Bot einstellen kann. Und das, von Neugierde getrieben, auch sogleich tut. „Die Welt durch die Augen des Google-Bots“ weiterlesen

Jaaaaaaa!

Also, ich komme anscheinend nicht darum herum, einmal einen Blogpost nur über freie Bürosoftware zu schreiben. Und hier ein für alle Mal öffentlich festzuhalten: Jaaaaaa, ich kenne Open Office! Jaaaaa, ich habe auch schon mit Libre Office gearbeitet. Und jaaaaaa, ich finde es toll, dass es diese Programme gibt.

Und wenn ihr bei dieser Einleitung einen passiv-aggressiven Unterton herausgehört habt: Jaaaaa, gut gemacht!

Nein, im Ernst und in aller Freundschaft: Ihr wisst, dass ich ein Fan freier und offener Software bin. Ich kenne auch die Bedeutung von Open Office: Es wäre in der Blütezeit verheerend gewesen, wenn Microsoft diese Konkurrenz nicht gehabt hätte. Wir wissen, wie dominant Microsoft Office über Jahre war. Da war es dringend nötig, dass ein Stachel im Fleisch des Branchenführers steckte. Er hat die zur Überheblichkeit neigenden Software-Götter in Redmond daran erinnert, dass sie es nicht übertreiben dürfen. Denn ihre Produkte sind nicht alternativlos. Die Nutzer können, wenn es ihnen zu bunt wird, wechseln und sich jegliche Lizenzzahlungen an Microsoft sparen. Und viele Leute konnten und können sich die vergleichsweise teuren Produkte nicht leisten. Es ist toll, dass sie eine Ausweichmöglichkeit haben.

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Open office: Eine Software wie ein Trip zwanzig Jahre in die Vergangenheit.

Was mich etwas nervt, ist die Penetranz Hartnäckigkeit der Fans aus dem Lager der freien Software. Das gilt für die Verfechter von Linux (siehe hier). „Jaaaaaaa!“ weiterlesen

Edge, auf Sicherheit getrimmt

Eine der populärsten Folgen der digitalen Patentrezepte war die zum sichersten Browser der Welt, hier im Blog unter dem Titel Das Gegenteil vom Internet Explorer veröffentlicht. Der Browser schützt sich, indem er in einer abgekapselten Umgebung läuft. Die Hürden, um aufs Betriebssystem überzuspringen, werden für Schadprogramme massiv erhöht.

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So stellt sich Microsoft eine böse Website vor, die vom System isoliert werden muss.

Microsoft hat eine ähnliche Funktion im Betriebssystem eingebaut – allerdings auf typisch microsoftsche Weise: Sie trägt einen kryptischen Namen, ist standardmässig deaktiviert und so gut versteckt, dass man sie nur dann findet, wenn man genau weiss, wonach man suchen muss.

Die Funktion heisst Windows Defender Application Guard (WDAG). Mittels der Virtualisierungstechnik Hyper-V wird der Browser (Edge oder, falls es denn wirklich sein muss, der Internet Explorer) in einen Container versetzt, der vom übrigen System abgeschottet läuft. „Edge, auf Sicherheit getrimmt“ weiterlesen

Ist Office noch ein Ding?


Microsoft bringt Office 2019: Lohnt sich dieses Update?

Office 2019 ist so halb erschienen: Die Unternehmenskunden können die Software bereits beziehen, für die anderen erscheint der Nachfolger von Office 2016 irgendwann demnächst. Für mich Anlass für zwei Dinge: Erstens für obiges Video, das die wichtigsten Neuerungen vorstellt.

Zweitens für die Frage im Titel: Ist Office noch ein Ding? Und braucht die Software überhaupt noch Updates, oder könnte man sie als zu Ende entwickelt betrachten und dementsprechend Updates geflissentlich ignorieren?

Die Antwort lässt sich natürlich nicht verallgemeinern, sondern hängt davon ab, was man tut, wie oft, für wen und mit welchem Anspruch. „Ist Office noch ein Ding?“ weiterlesen

Er digikam, sah und verwaltete

Das ist wieder einer dieser Blogposts, bei denen ich mich für den Titel entschuldigen muss. Also, ich entschuldige mich ganz herzlich für den Titel, der ein dummer Kalauer ist und nicht in diesem und in keinem anderen Paralleluniversum als Titel dienen sollte. Allerdings sollte auch keine Software Digikam heissen müssen. Und die affige offizielle Schreibweise mit kleinem D und grossem K («digiKam») macht es noch schlimmer.

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Digikam vereinigt die typischen Qualitäten und Schwächen eines Open-Source-Programms auf sich.

Aber es gibt eine solche Software, und ich habe mich entschieden, sie zu besprechen. Schliesslich kamen hier in letzter Zeit immer wieder Programme aus dem Bereich der Fotografie zum Zug – und da gehört Digikam zu den bekannten Vertretern aus dem Open-Source-Bereich. Allerdings ist dieses Programm vor allem ein Organisationsinstrument und weniger RAW-Konverter mit ausgeklügelten Entwicklungsmöglichkeiten – aber das ist nicht per se schlecht: Es wäre die perfekte Ergänzung zu DxO PhotoLab (Fotobearbeitung für Minimalisten), da dieses Programm auf die Entwicklung spezialisiert ist und nur rudimentäre Verwaltungsfunktion hat.

Nach der Installation (die lange dauert und einen Ordner von 1,24 GB Grösse auf der Windows-Festplatte anlegt, der sagenhafte 4476 Dateien enthält) begrüsst einen das Programm mit einem Assistenten, der wissen will, wo man seine Fotos gespeichert hat, welche Datenbank man zur Verwaltung nutzen möchte, wie mit Rohdatenbildern verfahren werden soll, auf welchem Weg die Metadaten gespeichert werden, ob der Vorschaumodus mit Proxy-Bildern oder den Komplettbildern arbeitet, was beim Linksklick passiert und ob Kurzinfos beim Mouseover angezeigt werden oder nicht.

Davon könnte man sich bereits überfordert fühlen: „Er digikam, sah und verwaltete“ weiterlesen