Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung

Euch ist aufgefallen, dass ich an der Produktkategorie der RAW-Entwickler einen Narren gefressen habe. Und ja, ich kann es nicht verleugnen. Denn heute ist schon wieder ein solches Programm dran: After Shot von Corel. Denn ja, Corel gibt es noch. Und da die von Bildbearbeitung auch ein bisschen etwas verstehen, lohnt sich ein Blick auf dieses Programm. Gerade weil es anscheinend nicht als erstes genannt wird, wenn man nach Alternativen zu Adobe Lightroom fragt.

Beim Start fällt störend auf, dass man ein Corel-Konto erstellen muss, wenn man das Programm nutzen möchte. Die Zeit, wo die Anbindung an ein Online-Benutzerkonto freiwillig war, scheint endgültig vorbei zu sein. Ich nehme an, dass das der schlechte Einfluss von Adobe ist. Bei Corel ist das deswegen seltsam, weil einem nicht erklärt wird, was man von dieser Registrierung hat. Beim Einloggen ins Konto sieht man früher getestete Produkte und Rubriken wie «Auftragsstatus und -entwicklung». Aber nichts, was unmittelbar zwingend erscheint.

Die Anwendung, getestet in der Version 3, erscheint mit schwarzer Oberfläche und der hinlänglich bekannten Aufteilung mit Leisten am linken und rechten Rand und einem grossen Bereich für die Bilder dazwischen. Es fällt auf, dass Corel keine Einteilung nach Modulen vornimmt. Man muss also nicht wie bei Lightroom zwischen Bibliothek, Entwickeln, Karte, Buch, Diashow, Web, etc. umschalten. Das wirkt weniger spektakulär, erfüllt den Zweck aber auch. „Nach dem Shot ist vor der Bearbeitung“ weiterlesen

Browserbenachrichtigungen? Nein danke

Die Benachrichtigungen am Smartphone sind höchstens in der Hälfte der Fälle nützlich. Geschätzt sind die lästigen Benachrichtigungen eher in der Merhzahl. Darum frage ich mich, ob es eine gute Idee war, auch die Browser mit der Möglichkeit auszustatten, solche Benachrichtigungen anzuzeigen. Technisch sind die durchaus spannend: Denn diese Benachrichtigungen werden selbst dann angezeigt, wenn die benachrichtigende Website gar nicht geöffnet ist.

Benachrichtigungen
Nein, bitte nein! Wirklich, ich möchte nicht! Jetzt nicht, später nicht, niemals! (Über das Pfeilchen nach unten verhindert man weitere Nachfragen.)

Es drängt sich natürlich die Vermutung auf dass diese Push-Möglichkeit wie beim Smartphone eingesetzt wird: Die Webseitenbetreiber sehen in ihr eine praktische Möglichkeit, den Nutzern das eigene Informationsangebot in Erinnerung zu rufen – ganz gleichgültig, ob der Nutzer an irgend etwas Wichtigem dran ist und nicht durch eine Banalität gestört werden möchte. Ich habe es bei der Vorstellung von iOS 12 ausgeführt: Die Browser müssten die Umstände miteinbeziehen, um beurteilen zu können, ob der Nutzer gestört werden soll oder nicht. Und man müsste auch den Informationsgehalt irgendwie beurteilen können. Dann könnte man den Wert eines Pushes mit einem dynamischen Schwellenwert vergleichen und so abschätzen, ob er durchdringen soll oder still in einer Benachrichtigungs-Historie verschwinden soll.
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Die Welt durch die Augen des Google-Bots

Der User-Agent Switcher ist eine nützliche Erweiterung für Firefox, mit der man den User Agent umschalten kann. Je nach Einstellung gibt sich Firefox dann nicht mehr als Firefox unter Windows, sondern als Safari unter Mac OS, als Edge-Browser unter Windows oder als Android-Telefon oder sonst ein Gerät bzw. eine Software aus.

Das ist nützlich, wenn man Websites testen muss, die sich auf den einzelnen Geräten unterschiedlich verhalten sollen. Ich brauche diese Erweiterung aber aus einem trivialeren Grund: Ich betreue bei Publisher.ch bekanntlich den Downloadbereich. Da dort sowohl die Windows- als auch die Mac-Versionen der Programme angeboten werden, muss ich beides herunterladen. Viele Websites nehmen dem Nutzer die Arbeit ab, die passende Variante wählen zu müssen – mit dem unerfreulichen Nebeneffekt, dass ich die Mac-Version nicht herunterladen kann, wenn ich einen Windows-Computer benutze. Damit ich dazu keinen Mac bemühen muss, schalte ich einfach den User Agent um. Das klappt in den meisten Fällen hervorragend.

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Eine Schreckreaktion? So sieht Google aus, wenn man mit User Agent «Googlebot» surft.

Lustig ist nun, dass man die Einstellung bei User Agent nun auch auf exotische Dinge wie Google Bot einstellen kann. Und das, von Neugierde getrieben, auch sogleich tut. „Die Welt durch die Augen des Google-Bots“ weiterlesen

Jaaaaaaa!

Also, ich komme anscheinend nicht darum herum, einmal einen Blogpost nur über freie Bürosoftware zu schreiben. Und hier ein für alle Mal öffentlich festzuhalten: Jaaaaaa, ich kenne Open Office! Jaaaaa, ich habe auch schon mit Libre Office gearbeitet. Und jaaaaaa, ich finde es toll, dass es diese Programme gibt.

Und wenn ihr bei dieser Einleitung einen passiv-aggressiven Unterton herausgehört habt: Jaaaaa, gut gemacht!

Nein, im Ernst und in aller Freundschaft: Ihr wisst, dass ich ein Fan freier und offener Software bin. Ich kenne auch die Bedeutung von Open Office: Es wäre in der Blütezeit verheerend gewesen, wenn Microsoft diese Konkurrenz nicht gehabt hätte. Wir wissen, wie dominant Microsoft Office über Jahre war. Da war es dringend nötig, dass ein Stachel im Fleisch des Branchenführers steckte. Er hat die zur Überheblichkeit neigenden Software-Götter in Redmond daran erinnert, dass sie es nicht übertreiben dürfen. Denn ihre Produkte sind nicht alternativlos. Die Nutzer können, wenn es ihnen zu bunt wird, wechseln und sich jegliche Lizenzzahlungen an Microsoft sparen. Und viele Leute konnten und können sich die vergleichsweise teuren Produkte nicht leisten. Es ist toll, dass sie eine Ausweichmöglichkeit haben.

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Open office: Eine Software wie ein Trip zwanzig Jahre in die Vergangenheit.

Was mich etwas nervt, ist die Penetranz Hartnäckigkeit der Fans aus dem Lager der freien Software. Das gilt für die Verfechter von Linux (siehe hier). „Jaaaaaaa!“ weiterlesen

Edge, auf Sicherheit getrimmt

Eine der populärsten Folgen der digitalen Patentrezepte war die zum sichersten Browser der Welt, hier im Blog unter dem Titel Das Gegenteil vom Internet Explorer veröffentlicht. Der Browser schützt sich, indem er in einer abgekapselten Umgebung läuft. Die Hürden, um aufs Betriebssystem überzuspringen, werden für Schadprogramme massiv erhöht.

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So stellt sich Microsoft eine böse Website vor, die vom System isoliert werden muss.

Microsoft hat eine ähnliche Funktion im Betriebssystem eingebaut – allerdings auf typisch microsoftsche Weise: Sie trägt einen kryptischen Namen, ist standardmässig deaktiviert und so gut versteckt, dass man sie nur dann findet, wenn man genau weiss, wonach man suchen muss.

Die Funktion heisst Windows Defender Application Guard (WDAG). Mittels der Virtualisierungstechnik Hyper-V wird der Browser (Edge oder, falls es denn wirklich sein muss, der Internet Explorer) in einen Container versetzt, der vom übrigen System abgeschottet läuft. „Edge, auf Sicherheit getrimmt“ weiterlesen

Ist Office noch ein Ding?


Microsoft bringt Office 2019: Lohnt sich dieses Update?

Office 2019 ist so halb erschienen: Die Unternehmenskunden können die Software bereits beziehen, für die anderen erscheint der Nachfolger von Office 2016 irgendwann demnächst. Für mich Anlass für zwei Dinge: Erstens für obiges Video, das die wichtigsten Neuerungen vorstellt.

Zweitens für die Frage im Titel: Ist Office noch ein Ding? Und braucht die Software überhaupt noch Updates, oder könnte man sie als zu Ende entwickelt betrachten und dementsprechend Updates geflissentlich ignorieren?

Die Antwort lässt sich natürlich nicht verallgemeinern, sondern hängt davon ab, was man tut, wie oft, für wen und mit welchem Anspruch. „Ist Office noch ein Ding?“ weiterlesen

Er digikam, sah und verwaltete

Das ist wieder einer dieser Blogposts, bei denen ich mich für den Titel entschuldigen muss. Also, ich entschuldige mich ganz herzlich für den Titel, der ein dummer Kalauer ist und nicht in diesem und in keinem anderen Paralleluniversum als Titel dienen sollte. Allerdings sollte auch keine Software Digikam heissen müssen. Und die affige offizielle Schreibweise mit kleinem D und grossem K («digiKam») macht es noch schlimmer.

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Digikam vereinigt die typischen Qualitäten und Schwächen eines Open-Source-Programms auf sich.

Aber es gibt eine solche Software, und ich habe mich entschieden, sie zu besprechen. Schliesslich kamen hier in letzter Zeit immer wieder Programme aus dem Bereich der Fotografie zum Zug – und da gehört Digikam zu den bekannten Vertretern aus dem Open-Source-Bereich. Allerdings ist dieses Programm vor allem ein Organisationsinstrument und weniger RAW-Konverter mit ausgeklügelten Entwicklungsmöglichkeiten – aber das ist nicht per se schlecht: Es wäre die perfekte Ergänzung zu DxO PhotoLab (Fotobearbeitung für Minimalisten), da dieses Programm auf die Entwicklung spezialisiert ist und nur rudimentäre Verwaltungsfunktion hat.

Nach der Installation (die lange dauert und einen Ordner von 1,24 GB Grösse auf der Windows-Festplatte anlegt, der sagenhafte 4476 Dateien enthält) begrüsst einen das Programm mit einem Assistenten, der wissen will, wo man seine Fotos gespeichert hat, welche Datenbank man zur Verwaltung nutzen möchte, wie mit Rohdatenbildern verfahren werden soll, auf welchem Weg die Metadaten gespeichert werden, ob der Vorschaumodus mit Proxy-Bildern oder den Komplettbildern arbeitet, was beim Linksklick passiert und ob Kurzinfos beim Mouseover angezeigt werden oder nicht.

Davon könnte man sich bereits überfordert fühlen: „Er digikam, sah und verwaltete“ weiterlesen

Wer Office hat, braucht keine Feinde mehr

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Symbolbild: Ich, an einem hektischen Tag, an dem ich mich statt zu arbeiten mit dem 🤬-Office herumschlage. (Bild: Tim Gouw/Pexels, CC0)

Dieser Beitrag könnte eine Diskussion um die Frage provozieren, warum man heute noch Office benutzt – und warum es unbedingt die Office-Variante von Microsoft sein muss, wo die Open-Source-Welt doch OpenOffice bzw. LibreOffice bereithält. Ich würde beiden Fragen gerne aus dem Weg gehen, weil IMHO Microsoft Office durchaus eine Existenzberechtigung hat. In meinem Fall spielt viel Gewohnheit mit. Und die beiden Umstände, dass die Office-Varianten aus der Open-Source-Welt zu wenig eigenständig sind ich mich mit Google Docs nicht anfreunden kann bzw. will, weil meine Daten mir gehören.

Nun gibt es jedoch Momente, wo ich Office mitsamt seinem Mutterkonzern auf den Mond schiessen möchte. Vor einem Jahr hatte ich so einen Moment. Und neulich wieder. Just an einem Tag, wo es so viel zu erledigen gab, dass ich nun überhaupt keine Musse hatte, mich mit Software-Sperenzchen herumzuärgern.

Die Sache fing mit damit an, dass Word nicht daran dachte zu starten, sondern stattdessen Windows vorschickte, eine lahme Entschuldigung vorzubringen: Das Äquivalent von: «Mein Hund hat die Hausaufgaben gefressen!»
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Charles, bring mir mal die Milch!

Charles – das Icon ist aus unerfindlichen Gründen eine reich verzierte Milchkanne, wie sie unsere Grossmütter gerne nutzen würden – gehört zu den Netzwerkutilities. Das ist eine Programmkategorie, für die ich, wie hier festgestellt, eine gewisse Schwäche habe. Warum dem so ist, bleibt mir selbst ein Rätsel. Mir fehlen sowohl Zeit als auch Fachkenntnisse, um mich im Detail damit auseinanderzusetzen, was sich auf dem Netzwerkkabel oder der WLAN-Schnittstelle im Detail tut. Und eigentlich bin ich zufrieden, wenn die richtigen Daten in ausreichendem Tempo bei mir ankommen.

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Milch. (In Form von HTTP-Kommunikation.)

Doch dann passiert es wieder, und mich packt der Rappel. Dann möchte ich doch genauer wissen, was sich hinter der Benutzeroberfläche meiner Betriebssyteme und der Programme abspielt – und was dieses oder jenes Programm genau treibt. Und dabei hilft Charles. Das Programm nennt sich selbst einen HTTP-Proxy Schrägstrich HTTP Monitor. Der Proxy dokumentiert die HTTP-Anfragen der Browser und Apps und die Antworten, die aus dem Internet zurückkommen. Der Monitor überwacht diesen Datenverkehr und ermöglicht es, nicht nur die Metadaten, sondern auch den Inhalt des Datenverkehrs zu analysieren.

Stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck: „Charles, bring mir mal die Milch!“ weiterlesen

Klassische Bildbearbeitung, von hinten aufgezäumt

Hier fand einer meiner lieben Leser, ich müsste doch auch Luminar noch besprechen. Es handelt sich um eine Bildbearbeitungssoftware, die es für 69 Euro für Windows und Mac gibt. Ich habe mir hier zwar vor allem RAW-Konverter angesehen – was Luminar nicht zu sein scheint. Wikipedia beschreibt das Produkt als «eine universelle Bildbearbeitungs-Software». Aber ich will hier auch nicht päpstlicher als Jorge Mario Bergoglio sein. Abgesehen davon wirbt die Software mit Dingen wie «intelligenten Filtern». Und wer mich kennt, weiss, dass ich Programmen schwer widerstehen kann, die sich wegen ihres digitalen Denkvermögens selbst loben. Ich konnte auch Photolemur nicht widerstehen, der sich mit Worten wie «Automagic Technology» und «Artificial Intelligence» selbst gelobt hat. Wie es herausgekommen ist, weiss man ja.

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Mit Filtern und Presets werden Digitalfotos schön.

Luminars Oberfläche erinnert an Lightroom: Einerseits ist sie schwarz, andererseits hat sie eine vertraute Aufteilung mit einer Leiste am rechten Rand und einer Art Filmstreifen am unteren Rand. Doch es wird sofort klar: Das ist tatsächlich kein RAW-Konverter, sondern ein klassiches Bildbearbeitungsprogramm: Man lädt ein Foto, bearbeitet es und speichert es wieder. Es gibt zwar den Befehl Stapelverarbeitung, aber keine Funktionen für den Import ab Kamera und die auf Masse getrimmte Nachbearbeitung, für die Verwaltung grosser Kataloge oder eine nichtdestruktive Arbeitsweise. Der Filmstreifen am unteren Rand zeigt auch nicht andere Fotos in der aktuellen Auswahl, sondern Effekte. Immerhin: Die werden Lightroom-mässig Presets genannt. Wir kommen an dieser Stelle zum Schluss, Luminar als eine klassische Bildbearbeitung mit einem von Lightroom inspirierten Bedienkonzept zu bezeichnen. Böse Zungen würden vielleicht auch von einem Zwitter sprechen. „Klassische Bildbearbeitung, von hinten aufgezäumt“ weiterlesen