So schön wird die Retrozukunft gewesen sein

Die Facebook-Seite The Vault of the Atomic Space Age – oder, für Facebook-Hasser, das gleichnamige Tumblr-Blog ist eine wunderbare Anlaufstelle, wenn man in Retrofuturismus schwelgen möchte. Und wer möchte das nicht!

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Schwelgen in dem, was einmal hätte sein können.

Es gibt wunderbare Bilder vornehmlich aus der Periode von 1950 bis Ende 1970, die sehr schön wiederspiegeln, wie man sich damals die Zukunft vorgestellt hat. Technikglaube und Aufbruchstimmung haben vorgeherrscht und die Eroberung des Alls schien nur eine Frage der Zeit. Genauso wie kluge Roboter, fliegende Autos und die Überwindung der Schwerkraft in der Architektur. Gleichzeitig sind die Designvorstellungen der damaligen Zeit aus heutiger Sicht ziemlich angestaubt oder komplett überholt.

Das ergibt eine sehr interessante Mischung aus Vorwärts- und Rückwärtsgewandtheit. Und natürlich auch ein Gespür dafür, wie sehr die jeweiligen Zukunftsvorstellungen in der Gegenwart verwurzelt sind. Die Eroberung des Weltalls ist heute kein unverkrampfter Bubentraum mehr. Das hat mit dem einen oder anderen Unglück in der bemannten Raumfahrt zu tun. Aber auch mit der Ahnung, dass die Kolonialisierung der Nachbarplaneten für die Menschheit schon früher als erwartet zur Überlebensfrage werden könnte. Aber vor allem hat es damit zu tun, dass einige der Ideen, die damals bloss eine feuchte Fantasie von ein paar Scifi-Nerds war, heute realisiert sind oder vor der Verwirklichung stehen. Wir haben Internet und global vernetzte Taschencomputer. Wir sehen Anflüge von künstlicher Intelligenz, erleben private Raumfahrt-Initiativen und können uns mental schon einmal auf die Auswirkungen der Nanotechnologie vorbereiten.

Wenn die Sache real wird, vergeht manchen der Spass. Kein Wunder, weil auch die negativen Auswirkungen erahnbar werden. Statt umfassender Komfort für alle zu ermöglichen, stellt die technische Entwicklung die Arbeitswelt auf den Kopf und birgt gigantischen sozialen Sprengstoff. Da wäre bubenhafte Faszination reichlich deplatziert.

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Wieso wohnen wir nicht alle so? (Set von You only live twice).

Und trotzdem sollten wir uns die Freude an der Sache und den Glauben an den Ideenreichtum der Menschheit nicht nehmen lassen. Ebensowenig wie die Tagträumen über all die Triumphe, zu der der menschliche Geist zukünftige Generationen noch befähigen wird. Kritisieren muss man an «The Vault of the Atomic Space Age», dass die Fotos komplett ohne Quellenangabe und Kommentar gepostet werden. Oft würde man gerne mehr dazu wissen oder wenigstens eine simple zeitliche Einordnung bekommen. Doch darauf muss man leider verzichten.

Bei Facebook lohnt es sich darum, einen Blick in die Kommentare zu werfen. Dort werden die Bilder oft mit erstaunlichem Sachverstand kommentiert und humorvoll diskutiert. Keine Frage: In der Retrozukunft wurde das Trollproblem in den sozialen Medien ein für alle Mal gelöst…

Autor: Matthias

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