Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück

Meine Liebe zu Instagram ist abgekühlt; letzte Woche habe ich darüber gebloggt. Darum habe ich mir die Foto-App Hipstamatic vorgenommen – um sie hier zu besprechen und wieder mehr zu benutzen.

Ich habe Hipstamatic hier im Blog einige Male erwähnt (hier oder hier), aber immer nur en passant. Ich habe die App als Halbbruder von Instagram wahrgenommen, der es nie aus dem Schatten dieses Überfliegers geschafft hat – und dessen Schicksal es ist, immer nur in Nebensätzen vorzukommen.

Nun habe ich im Beitrag Remember Hipstamatic? It’s Still Alive von vice.com– der ironischerweise auch schon wieder mehr als zwei Jahre alt ist – gelesen, dass die Sache sogar noch dramatischer ist. Hipstamatic ist in der Tat in gewisser Weise der Bruder von Instagram. „Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück“ weiterlesen

Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken

Im Beitrag Per App in die Achtzigerjahre habe ich die App VHS Camcorder vorgestellt, die einer digitalen Videoaufnahme einen analogen Look verpasst. Wenn man mit der App filmt, sieht es aus, als ob die Sequenz aus einer Videokamera stammen würde und in den Jahren seit der Aufnahme ziemlich gelitten hätte.

Eine Rolle mit (unbelichtetem?) Film (Jakob Owens/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Nun ist VHS nicht die ultimative Hipster-Technologie – und in der Geschichte der Bewegtbild-Aufnahmemöglichkeiten auch nur eine Fussnote und kein eigenes Kapitel. Denn über viel längere Zeit und mit viel charmanterem Resultat hat man als Amateur seine Erinnerungen auf Schmalfilm gebannt.

Super 8 war weit verbreitet und kam auch in meiner Sippschaft zum Einsatz. Mein Onkel hat bei hohen Anlässen gefilmt und die Drei-Minuten-Rollen mit einer Klebepresse geschnitten. Und wir haben auch mit Stopmotion experimentiert. Die Kamera beherrschte nämlich die Einzelbildbelichtung, sodass man mit Legofigürchen Animationssequenzen inszenieren konnte.

Auch Zeitlupe und Zeitraffer waren möglich. Ebenso Montagetricks: „Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken“ weiterlesen

Per App in die Achtzigerjahre

Zugegeben: Diese App ist Geldverschwendung. Kein Mensch braucht sie. Gleichzeitig ist sie einfach grossartig, weil charmant, retro und ansprechend gemacht.

Das jugendliche Erscheinungsbild kann die App leider nicht wiederherstellen.

Ich meine die App VHS Camcorder. Sie simuliert eine Videokamera aus den 1990er-Jahren, respektive die Qualität und Anmutung der Aufnahmen aus solchen Geräten. Und das tut sie glaubwürdig: Sie gibt den Aufnahmen ein aus heutiger Sicht groteskes Bildrauschen, leicht ausgewaschene Farben, die von der nicht so ganz stabilen Spurlage herrührenden wackeligen Kanten. Am unteren Rand franst das Bild aus. Ab und zu läuft eine Störung durchs Bild, das natürlich das Seitenverhältnis 4:3 aufweist. Und in klobigen Ziffern ist die Aufnahmezeit eingeblendet.

Also genauso, wie Leute wie wir, die mit diesen klobigen Kassetten aufgewachsen sind, das in Erinnerung haben. „Per App in die Achtzigerjahre“ weiterlesen

Das Retro-Spielkonsölchen

Immer im neuen Jahr komme ich an dieser Stelle dazu, exotische Gadgets zu besprechen. Dies deswegen, weil meine liebe Familie mir solche zum Geschenk machen. Heute: Die Mini TV Games Konsole von Thumbs up mit 200 eingebauten Games, die es bei Amazon für wenig Geld gibt (da es ein Geschenk war, habe ich den genauen Preis geflissentlich ignoriert). Das ist ein kleines, ungefähr zündholzschachtelgrosses Kästchen mit einem Miniatur-Joystick und zwei Controllerknöpfen, plus einem Start- und einem Reset-Button. Batteriebetrieben und direkt an den Fernseher anschliessbar.

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Winziger Joystick mit 200 eingebauten Spielen.

Das Co-Geschenk war zu der Konsole war das 8-Bit Art Book (bei Amazon etwas teurer), das als Kaffeetischbuch die Helden der Acht-bit-Ära zelebriert: „Das Retro-Spielkonsölchen“ weiterlesen

Der Walkman lebt

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Die Kassette lebt auch. Und wenn es nur in unserer sentimentalen Erinnerung ist. (Bild: Markus Spiske, freeforcommercialuse.net/Pexels.com, CC0)

Ja, der Walkman lebt. Manche brauchen ihn heute noch, in Echt! Ich gehöre nicht zu den Leuten. Aber man kann ja so tun als ob.

Nämlich mit der App Cassette Gold (iPhone/iPad). Oder mit der App DeliTape (Android, iPhone/iPad). Die machen beide ungefähr das selbe: Sie spielen Musik ab und zeigen dazu eine Kassette, deren Spulen sich während der Wiedergabe akkurat drehen.

Und natürlich kann man unterschiedliche Kassettentypen «einlegen», die dann so aussehen, wie die TDK-, Agfa-, Sony- Hitachi-, Denon- oder BASF-Kassetten, die wir damals benutzt haben.
„Der Walkman lebt“ weiterlesen

So schön wird die Retrozukunft gewesen sein

Die Facebook-Seite The Vault of the Atomic Space Age – oder, für Facebook-Hasser, das gleichnamige Tumblr-Blog ist eine wunderbare Anlaufstelle, wenn man in Retrofuturismus schwelgen möchte. Und wer möchte das nicht!

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Schwelgen in dem, was einmal hätte sein können.

Es gibt wunderbare Bilder vornehmlich aus der Periode von 1950 bis Ende 1970, die sehr schön wiederspiegeln, wie man sich damals die Zukunft vorgestellt hat. Technikglaube und Aufbruchstimmung haben vorgeherrscht und die Eroberung des Alls schien nur eine Frage der Zeit. Genauso wie kluge Roboter, fliegende Autos und die Überwindung der Schwerkraft in der Architektur. Gleichzeitig sind die Designvorstellungen der damaligen Zeit aus heutiger Sicht ziemlich angestaubt oder komplett überholt.

Das ergibt eine sehr interessante Mischung aus Vorwärts- und Rückwärtsgewandtheit. „So schön wird die Retrozukunft gewesen sein“ weiterlesen

Andere Internetze

Neulich haben wir im Büro darüber gesprochen, wann uns aufgegangen ist, dass das Internet keine Neuerung wie irgendeine ist, sondern das, was man auf Neudeutsch einen «Gamechanger» nennt. (Altdeutsch würde man wohl von Bahnbrecher sprechen.) Es kam heraus, dass uns allen nicht beim ersten Kontakt aufgegangen war. Ich fand das Internet damals spannend, und ich habe mich durchs Yahoo-Verzeichnis geklickt, Erfahrungen mit dem Chatten gesammelt und Mails durch die Gegend geschickt. (Auch wenn ich nicht mehr weiss, wie man damals Leute aufgespürt hat, denen man überhaupt hätte ein Mail schicken können.)

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Wenn das Internet im 19. Jahrhundert erfunden worden wäre. (Bild: Au Cyber Café, after Jean Béraud, Mike Licht/Flickr.com, CC BY 2.0)

Dieser Gedanke ist mir noch ein paar Mal durch den Kopf gekullert. Und irgendwann habe ich mir die Frage gestellt: Ist es eigentlich zwingend, dass das Internet herausgekommen ist, wie wir es heute kennen? Das heisst: Offen, aber in seiner Offenheit bedroht?

Die Antwort ist natürlich: Nein, das ist überhaupt nicht zwingend. „Andere Internetze“ weiterlesen

Ich war ein lausiger Fotograf

Mit iOS 10.2 kam das Selfie-Emoji. Ich meine, allein das Wort… müsste ich es meiner Grossmutter erklären, käme ich ganz arg ins Schwimmen. Dabei hat sie zumindest eine vage Vorstellung von dem, was ein Smartphone so tut. Aber wenn ich mich zurück in meine Primarschulzeit versetze, dann wäre das Konzept für die Leute damals – mein zwölfjähriges Ich eingeschlossen – nur mit viel Aufwand vermittelbar. Das Fernsehen damals war schwarzweiss1. Telefone waren schwarz und aus Bakelit. Sie hingen an der Wand und waren nur zum Telefonieren da.

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Eine Rarität in meiner Fotosammlung: Ein Bild mit mir selbst drauf. Plus rechts das Reenactment.

Kommunikativ gesehen lebten wir im Mittelalter. Denn auch wenn ich nicht mehr genau sagen kann, was damals ein Ferngespräch pro Minute gekostet hat, war es doch so, dass die Nutzung des Telefons aufs Nötigste zu beschränken war. Stattdessen haben wir fleissig die Briefpost genutzt. Wie Schiller und Goethe, nur weniger literarisch. Und in denen waren Emoji bekanntlich nicht gebräuchlich. Obwohl sie zu der Zeit besonders praktisch gewesen wären. Die Schweizer Post hatte noch bis in die 1980er Jahre ein Tarifsystem, nach dem Postkarten vergünstigt transportiert, wenn maximal fünf Worte darauf standen. Wohl, weil der Pöstler an denen weniger schwer zu tragen hatte. Mit fünf Emojis erzählt man, wenn man geschickt ist, einen halben Roman.

Auch das Selfie war damals schon als Konzept völlig verquer. „Ich war ein lausiger Fotograf“ weiterlesen

Wir Nerds damals in den Achtzigern

Da ist mir, Netflix sei Dank, eine Fernsehserie über den Weg gelaufen, die mir bei ihrer ersten Ausstrahlung völlig entgangen war. Freaks and Geeks (Amazon-Affiliate) heisst sie und wird auf Netflix ohne Synchronisation angeboten. Das kann technische Gründe haben oder daran liegen, dass die Übersetzung stinkt. Der deutsche Titel (Voll daneben, voll im Leben) lässt darauf schliessen, dass letzteres der Fall ist.

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Bei diesem Sportlehrer haben die Nerds nichts zu lachen.

Die Serie wurde Ende der 1990er gedreht, spielt aber in den 1980ern. Das ist die Zeit, in der ich einen Grossteil meiner Schulbildung genoss. Und ohne jetzt in Nostalgie auszubrechen, wurde ich intensiv an jene Zeit erinnert. Obwohl in den USA spielend, mit all den seltsamen Auswüchsen des Schulsystems dort wie Abschlussbälle und Cheerleadern, war der gesellschaftliche Groove aus heutiger Sicht nicht so weit auseinander, als dass man sich nicht damit identifizieren könnte: „Wir Nerds damals in den Achtzigern“ weiterlesen

Den M-Modus zelebrieren

Das Christkind hat mir letztes Jahr eine Nikon Df vorbeigebracht. Das Christkind hat mir dann allerdings eingebläut, die Kamera sei nicht zum Behalten. Es handle sich um ein Leihgerät zum Testen. Ich war im ersten Moment natürlich etwas enttäuscht. Die Enttäuschung verflog, als mir das Preisschild vor die Nase kam. Die Kamera beläuft sich, mit dem 50-mm-Kit-Objektiv, auf satte 2981 Franken. So teure Weihnachtsgeschenke sind, da kann man die Sache drehen und wenden wie man will, überzogen und ein kapitalistischer Auswuchs.

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Perfekte Lowlight-Fotos! (Matthias, beleuchtet von drei Kerzen und einer Lichterkette.)

Also ging ich als Profi an die Sache heran und habe die Kamera für den Tagesanzeiger getestet, indem ich sie für meine Feiertagsfotografie benutzt habe. Auf die technischen Details brauche ich an dieser Stelle nicht herumzureiten, das machen andere ausführlicher. Ich erlaube mir aber, meinen persönlichen Eindruck breitzutreten.
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