Zwischen Twitter-Nostalgie und Offline-Realität

Ich wünsche mir eine Zeitmaschine für Twitter. Und generell für mein digitales Leben.

Sosehr meine Abneigung gegen Facebook tagtäglich wächst – und so gross meine Scham auch ist, dass ich noch immer zu viel Zeit auf Zuckerbergs Plattform verbringe –: Eine Funktion gibt es, für die ich Facebook liebe.

Das ist die Erinnerungen-Seite: Dort findet man die Posts, die man am selben Tag vor einem, zwei, fünf oder zehn Jahren veröffentlicht hat. Das ermöglicht eine Zeitreise in die Vergangenheit, die oft spannend ist: Man sieht, womit man sich vor x Jahren beschäftigt hat. Das weckt meistens Erinnerungen und bringt oft alte Gefühle zurück.

Manchmal ist die Reaktion auch Unverständnis. Denn es gibt Posts, die ich nach Jahren schlicht nicht mehr verstehe. Es ist anzunehmen, dass sie sich auf ein tagesaktuelles Ereignis beziehen, das dann doch nicht so wichtig war.

Diese Rückblicke sind in einem Jahr wie diesem besonders aufschlussreich – und vermutlich auch etwas schmerzhafter als in einem normalen Jahr. Sie führen uns vor Augen, wie beherrschend Corona ist und welche Auswirkungen die Pandemie im ganz normalen Alltag hat. Und das finde ich, trotz der negativen Note, letztlich bereichernd.

Diese Rückblicke gibt es auch in der Foto-App von Apple (siehe hier) und in der Fotos-App von Windows (hier). Spass würden sie sicherlich auch bei Twitter machen. Einen Beleg für diese Vermutung gibt es: „Zwischen Twitter-Nostalgie und Offline-Realität“ weiterlesen

Ein Windows-Helfer mit Superhelden-Allüren

Die altehrwürdigen Powertoys von Microsoft gibt es auch für Windows 10. Und die sind für uns alte PC-Hasen ein Muss.

Ein Flashback in die dunkle Windows-Vergangenheit: Der heutige Blogpost beschwört eine Zeit herauf, in der uns nicht Smartphones und Tablets unsere informationellen Glücksmomente beschert haben, sondern unsere persönlichen Rechenmaschinen.

Die wurden damals Personal Computer (PC) genannt und liefen mit einem Betriebssystem, das die heutige Jugend nur noch vom Hörensagen kennt. Und wir PC-Freaks von damals haben einen grossen Teil unserer Computerzeit darauf verwendet, das Betriebssystem, den Computer, die Anwendungen und das ganze Darumherum zu verstehen, zu managen, zu optimieren und auf unsere Ansprüche masszuschneidern.

Das tut man heute kaum mehr. Erstens, weil es keinen sonderlich grossen Spass mehr macht. Die Smartphones haben abgeschottete Systeme, bei denen man zwar ein paar Einstellungen nach seinen Wünschen treffen darf. Aber es gibt keine Möglichkeiten, in die Untiefen herabzusteigen, an Konfigurationsdateien zu basteln, Systemkomponenten zu inspizieren und zu manipulieren und mit Hilfsprogrammen von Drittherstellern die Funktionsweise des Systems zu beeinflussen oder komplett zu verändern. „Ein Windows-Helfer mit Superhelden-Allüren“ weiterlesen

Apple Music ist ein bisschen wie TKKG

Der zweite Teil meines grossen Vergleichs von Spotify und Apple Music: Was haben die Streamingdienste abseits der Musik, bei Hörspielen und Hörbüchern zu bieten?

Letzte Woche habe ich einen knallharten Vergleich von Spotify und Apple Music durchgeführt. Das Fazit ist eindeutig: Apple Music ist brauchbar; und vor allem dann überlegen, wenn man Songs aus der Mediathek mit dem Streaming-Angebot kombinieren möchte.

Nun gibt es bei beiden Streaming-Anbietern nebst der Musik auch ein Zusatzprogramm. Spotify hat eine regelrechte Podcast-Offensive lanciert. Es gibt bei Spotify auch Hörbücher, was ich sehr schätze, aber trotzdem wenig nutze – einfach, weil ich mit Audible trotz aller Kritik (hier, hier, hier oder hier) nach wie vor gut bedient bin.

Apple Music hat seinerseits Beats 1 an Bord. Das ist ein Radiosender, der rund um die Uhr sendet (wobei das Programm der ersten zwölf Stunden während den zweiten zwölf Stunden wiederholt wird). Mit dem kann ich gar nichts anfangen: Jedes Mal, wenn ich mich eingeschaltet habe, kam Hip Hop – worauf ich auch gleich wieder weg war. „Apple Music ist ein bisschen wie TKKG“ weiterlesen

Nostalgie in App-Form

Manchmal führt eins zum anderen. Nachdem ich neulich über die lustige App VHS Camcorder gestolpert bin und die mit einemigem Spass im Beitrag Per App in die Achtzigerjahre bebloggt habe, drängte sich 8mm Vintage Camera auf. Die simuliert keinen Videocamcorder, sondern eine Schmalfilmkameria – Grund genug für mich, im Beitrag Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken ausführlich über diese Technik zu schwadronieren philosophieren.

Da lag es auf der Hand, ein Patentrezept-Video zu Retro-Apps zu machen. Denn nebst den Apps fürs Bewegtbild gibt es sie in Hülle und Fülle für die Fotografie. Bilder auf alt zu trimmen, ist ein simples ästhetisches Mittel – über dessen Sinn und Unsinn man sich natürlich streiten kann. Sollte eine Aufnahmen nicht die Zeit reflektieren, in der sie entstanden ist? Zumal wenn sie dokuentarischen Charakter hat, sollte sie das.

Allerdings haben Smartphone-Fotos – gerade auch, wenn sie über soziale Medien und Plattformen wie Instagram verbreitet werden – weniger einen dokumentarischen Anspruch. Sie sind näher an einer Wunschfantasie dran, die man über sich selbst vermitteln will. „Nostalgie in App-Form“ weiterlesen

Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück

Meine Liebe zu Instagram ist abgekühlt; letzte Woche habe ich darüber gebloggt. Darum habe ich mir die Foto-App Hipstamatic vorgenommen – um sie hier zu besprechen und wieder mehr zu benutzen.

Ich habe Hipstamatic hier im Blog einige Male erwähnt (hier oder hier), aber immer nur en passant. Ich habe die App als Halbbruder von Instagram wahrgenommen, der es nie aus dem Schatten dieses Überfliegers geschafft hat – und dessen Schicksal es ist, immer nur in Nebensätzen vorzukommen.

Nun habe ich im Beitrag Remember Hipstamatic? It’s Still Alive von vice.com– der ironischerweise auch schon wieder mehr als zwei Jahre alt ist – gelesen, dass die Sache sogar noch dramatischer ist. Hipstamatic ist in der Tat in gewisser Weise der Bruder von Instagram. „Instagrams verkrachter Halbbruder ist zurück“ weiterlesen

Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken

Im Beitrag Per App in die Achtzigerjahre habe ich die App VHS Camcorder vorgestellt, die einer digitalen Videoaufnahme einen analogen Look verpasst. Wenn man mit der App filmt, sieht es aus, als ob die Sequenz aus einer Videokamera stammen würde und in den Jahren seit der Aufnahme ziemlich gelitten hätte.

Eine Rolle mit (unbelichtetem?) Film (Jakob Owens/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

Nun ist VHS nicht die ultimative Hipster-Technologie – und in der Geschichte der Bewegtbild-Aufnahmemöglichkeiten auch nur eine Fussnote und kein eigenes Kapitel. Denn über viel längere Zeit und mit viel charmanterem Resultat hat man als Amateur seine Erinnerungen auf Schmalfilm gebannt.

Super 8 war weit verbreitet und kam auch in meiner Sippschaft zum Einsatz. Mein Onkel hat bei hohen Anlässen gefilmt und die Drei-Minuten-Rollen mit einer Klebepresse geschnitten. Und wir haben auch mit Stopmotion experimentiert. Die Kamera beherrschte nämlich die Einzelbildbelichtung, sodass man mit Legofigürchen Animationssequenzen inszenieren konnte.

Auch Zeitlupe und Zeitraffer waren möglich. Ebenso Montagetricks: „Nur das Rattern des Projektors muss man sich dazudenken“ weiterlesen

Per App in die Achtzigerjahre

Zugegeben: Diese App ist Geldverschwendung. Kein Mensch braucht sie. Gleichzeitig ist sie einfach grossartig, weil charmant, retro und ansprechend gemacht.

Das jugendliche Erscheinungsbild kann die App leider nicht wiederherstellen.

Ich meine die App VHS Camcorder. Sie simuliert eine Videokamera aus den 1990er-Jahren, respektive die Qualität und Anmutung der Aufnahmen aus solchen Geräten. Und das tut sie glaubwürdig: Sie gibt den Aufnahmen ein aus heutiger Sicht groteskes Bildrauschen, leicht ausgewaschene Farben, die von der nicht so ganz stabilen Spurlage herrührenden wackeligen Kanten. Am unteren Rand franst das Bild aus. Ab und zu läuft eine Störung durchs Bild, das natürlich das Seitenverhältnis 4:3 aufweist. Und in klobigen Ziffern ist die Aufnahmezeit eingeblendet.

Also genauso, wie Leute wie wir, die mit diesen klobigen Kassetten aufgewachsen sind, das in Erinnerung haben. „Per App in die Achtzigerjahre“ weiterlesen

Potz Pulverdampf und Pistolenrauch

Eine Nebenwirkung von Kindern besteht darin, dass man selbst immer mal wieder in seine Kindheitstage zurückversetzt wird. Das passiert dann, wenn man dem Nachwuchs die Geschichten vorliest, die man selbst vor einer Handvoll Jahrzehnten vorgelesen bekommen hat.

Ich geniesse das. Es ist eine gesunde Form von Sentimentalität. Und man hat die Gelegenheit, die Erzählungen der Kindheit mit den Augen eines Erwachsenen neu zu entdecken. Und es ist schön zu sehen, dass manche Geschichten das aushalten und ihren Reiz behalten. Und nicht nur das: Sie geben einem die Gelegenheit, ein paar Finessen zu entdecken, die einem als Kind entgangen sind.

Mir geht das mit den Büchern von Otfried Preussler so. Die kleine Hexe, der kleine Wassermann, das kleine Gespenst, Hotzenplotz und später auch der starke Wanja und Krabat fand ich als Bub toll. Und sie gefallen – soweit sie schon alt genug dafür ist – auch meiner Tochter.

Ich erzähle sie aus den gleichen alten Büchern. Meine Mutter hat sie nämlich sorgfältig aufgehoben und uns fürs abendliche Geschichtenerzählen überlassen. „Potz Pulverdampf und Pistolenrauch“ weiterlesen

Das Retro-Spielkonsölchen

Immer im neuen Jahr komme ich an dieser Stelle dazu, exotische Gadgets zu besprechen. Dies deswegen, weil meine liebe Familie mir solche zum Geschenk machen. Heute: Die Mini TV Games Konsole von Thumbs up mit 200 eingebauten Games, die es bei Amazon für wenig Geld gibt (da es ein Geschenk war, habe ich den genauen Preis geflissentlich ignoriert). Das ist ein kleines, ungefähr zündholzschachtelgrosses Kästchen mit einem Miniatur-Joystick und zwei Controllerknöpfen, plus einem Start- und einem Reset-Button. Batteriebetrieben und direkt an den Fernseher anschliessbar.

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Winziger Joystick mit 200 eingebauten Spielen.

Das Co-Geschenk war zu der Konsole war das 8-Bit Art Book (bei Amazon etwas teurer), das als Kaffeetischbuch die Helden der Acht-bit-Ära zelebriert: „Das Retro-Spielkonsölchen“ weiterlesen

Der Walkman lebt

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Die Kassette lebt auch. Und wenn es nur in unserer sentimentalen Erinnerung ist. (Bild: Markus Spiske, freeforcommercialuse.net/Pexels.com, CC0)

Ja, der Walkman lebt. Manche brauchen ihn heute noch, in Echt! Ich gehöre nicht zu den Leuten. Aber man kann ja so tun als ob.

Nämlich mit der App Cassette Gold (iPhone/iPad). Oder mit der App DeliTape (Android, iPhone/iPad). Die machen beide ungefähr das selbe: Sie spielen Musik ab und zeigen dazu eine Kassette, deren Spulen sich während der Wiedergabe akkurat drehen.

Und natürlich kann man unterschiedliche Kassettentypen «einlegen», die dann so aussehen, wie die TDK-, Agfa-, Sony- Hitachi-, Denon- oder BASF-Kassetten, die wir damals benutzt haben.
„Der Walkman lebt“ weiterlesen