Post, das nervt!

Ich habe mir neulich das (hier besprochene) Cloud-Böxchen von Lima bestellt. Das hat, inklusive 9 Franken Porto, 109 Franken gekostet. Da diese Sendung den Zoll überquert, sind noch einmal 29.50 Franken für Verzollung und Mehrwertsteuer zu entrichten. Das entspricht einem Aufschlag von 27 Prozent.

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Das nervt mich – und zwar nicht, weil ich grundsätzlich gegen die Mehrwertsteuer bin. Auch die Verzollung ist wohl etwas, das wir Schweizer schlucken müssen. Schliesslich haben wir uns gegen die Teilnahme am EWR und der Zollunion ausgesprochen. Das war zwar nicht in meinem Sinn, aber das zu akzeptieren, ist nun einmal die Pflicht jedes Anhängers der direkten Demokratie.

Was mich nervt, ist erstens das Missverhältnis: Eine Verteuerung um 27 Prozent ist ein Verhältnisblödsinn. Wie man im Dokument Einfuhr in die Schweiz der Eidgenössischen Zollverwaltung nachlesen kann, bleiben Waren unter 300 Franken von der Mehrwertsteuer befreit, wenn man sie selbst ins Land einführt. Wieso gilt das nicht auch für Pakete? (Meine Vermutung als Laie: Weil der Amtschimmel schon mit Wiehern begonnen hat, bevor der Wert der Sendung bestimmt werden konnte. Irgendwo habe ich jedoch gelesen, bei Postsendungen würde die MwSt-Grenze generell bei 62 Franken liegen. Wie sich die 62 Franken herleiten, würde mich allerdings interessieren.)

Update: Das ist die Erklärung dafür. Die aber auch wieder Fragen aufwirft. 😉

Zweitens: Es ist bei der Abrechnung der Post nicht transparent, wie viel des Aufschlags nun Zoll und Steuern ausmachen, und was der Zusteller für die Abwicklung dieser Formalitäten haben will. Acht Prozent Mehrwertsteuer auf 100 Franken wären 8 Franken. Ob man aufs Porto Mehrwertsteuer bezahlt, weiss ich nicht; aber mit wären es 8.70 Franken. Als Zoll werden 10.25 Franken «gemäss Veranschlagungsverfügung MwSt» angegeben. Was das genau heisst, entzieht sich meiner Kenntnis, aber für mich klingt es so, als ob einer den feuchten Daumen in die Luft gehalten und dann eine Zahl hingeschrieben hätte.

Wenn man versucht herauszufinden, wie sich der Zoll bemisst, findet man hier den Zollrechner. Da gibt es die vier tollen Kategorien Tabak, Alkohol, Agrar und Anderes. Bei letzterer findet man wiederum Unterkategorien wie Sonstige Nahrungsmittel, Bücher/Zeitschriften, Kunstgegenstände, Fahrzeugreparaturen, Benzin/Diesel, Kleider/Schuhe, Schmuck/Souvenirs und eben Elektronikartikel. Um eine Berechnung auszuführen, muss man das Herkunftsland angeben. Was das Lima-Böxchen angeht, weiss ich noch nicht einmal, woher das kommt bzw. woher es verschickt wurde. Nach längerer Suche auf der Website (wieso machen eigentlich so viele Unternehmen ein Geheimnis aus ihrem Sitz?) habe ich eine Adresse in Newark, Delaware gefunden und im Zollrechner die USA eingetragen.

Dieser Zollrechner kommt auf eine Zollabgabe von 0 Franken und sagt, nur die Mehrwertsteuer werde fällig. Und er schreibt explizit: «Alle Elektronikartikel dürfen zollfrei in die Schweiz importiert werden.» Warum dann also die Veranschlagungsverfügung? Vielleicht, weil der Inhalt des Pakets nicht als Elektronikartikel ausgewiesen war? Vielleicht aber auch einfach deswegen, weil es so für die Post noch ein bisschen lohnender ist.

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Wenn die Post einen Gegenstand über die Grenze bringt, wird das sehr viel teurer, als wenn man es selbst macht.

Also hätte ich demnach 8 Franken anstelle der verrechneten 29.50 Franken bezahlen müssen. Es scheint also, dass die Schweizer Post für die Erhebung der Mehrwertsteuer einen Aufschlag von 268,75 Prozent nimmt. So etwas würde ich in der Rechnung allerdings auch möglichst verschleiern wollen.

Der Fairness halber will ich aber wissen, was die Post zu ihren Tarifen meint. Bei Preise Importverzollung schreibt die Post von einem Grundpreis Verzollung von 11.50 Franken und erklärt

Zusätzlich erheben wir einen Warenwertzuschlag von drei Prozent und die Mehrwertsteuer auf Basis des Warenwerts.

Warum dieser Warenwertzuschlag? Ich habe versucht, die Antwort darauf in den FAQ Import: Zoll und MwSt zu finden:

Die Post hat mit der Eidgenössischen Preisüberwachung einvernehmlich ein einfaches Preismodell vereinbart, das möglichst vielen Kunden (insbesondere Privatkunden) attraktive Verzollungspreise ermöglicht. Darüber hinaus soll es sicherstellen, dass die Verzollungspreise aufwandbezogen und risikogerecht sind.

Nun, dass dieses Preismodell «einfach» und «attraktiv» ist, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Dieses Modell hat zur Folge, dass für Sendungen, die in der Regel zolltechnisch aufwendiger zu verarbeiten sind, ein höherer Grundpreis anfällt. Sendungen aus Nachbarländern, die weit mehr als die Hälfte aller Importsendungen ausmachen und daher üblicherweise zolltechnisch einfacher zu handhaben sind, haben im Vergleich einen tieferen Grundpreis.

Da die Eidgenössische Zollverwaltung die anfallenden Zoll- und Mehrwertsteuer-Abgaben direkt verlangt, geht die Post CH AG für den Empfänger in Vorkasse, die anfallenden Konto- und Zinsbelastungen werden durch den Warenwertzuschlag von drei Prozent abgegolten.

Da hat sich die Post aber einen wirklich attraktiven Zins ausbedungen. Als ich das letzte Mal auf meine Bankauszüge geschaut habe, gab es für mich leider einen deutlich kleineren Ertrag auf mein Guthaben.

Als ich auf Twitter über diese ganze Misere gemotzt habe, wurde die Post in Schutz genommen: «Die arbeitet schliesslich auch nicht gratis.» Das stimmt, aber dieses Gemauschel zwischen Preisüberwachung und Zusteller ist nicht dazu geeignet, diese Dienstleistung möglichst billig anzubieten. Denn es herrscht kein freier Markt. Ich als Besteller kriege eine Rechnung, von der ich nicht weiss, wie hoch sie ausfallen wird und die ich bezahlen muss – selbst wenn das Produkt tot ankommt oder wieder zurückgeschickt wird.

Es herrscht auch kein Wettbewerb zwischen den Zustellern. Da ich als Kunde normalerweise nicht weiss, mit welchem Zusteller ein Paket zu mir gelangt, kann ich auch nicht den günstigsten wählen. Unter diesen Umständen hat kein Zusteller ein Interesse, die Einfuhr möglichst effizient und günstig abzuwickeln.

Es gäbe natürlich auch andere – günstigere Lösungen. Naheliegend wäre, dass der Versender die Mehrwertsteuer und, wo er anfällt, den Zoll erhebt. Natürlich, das macht dort einen Zusatzaufwand – der allerdings auch nicht sonderlich gross ausfällt, zumal man ihn in den grossen Online-Shop-Lösungen standardmässig abdecken könnte. Für Amazon beispielsweise wäre es kein grosses Ding, acht Prozent dazuzurechnen und einmal pro Tag die gesammelte Schweizer Mehrwertsteuer an die Eidgenossenschaft zu überweisen. Nein echt, das traue ich dem Bezos voll zu.

Für den Kunden wäre das mit Garantie der günstigere Weg: Da zwischen den Shops ein Wettbewerb herrscht, hätten die Shopbetreiber ein Interesse, diese Dienstleistung möglichst preiswert anzubieten – ganz anders als die Post und Co. Ich nehme an, dass es für diesen Weg eine Gesetzesänderung bräuchte. Aber es gibt ja genügend Parteien in diesem Land, die der Meinung sind, dass der Markt alles regelt – warum also nicht auch dieses Ärgernis?

Siehe zu diesem Thema auch: Gadgets am Zoll Dieser Beitrag zeigt übrigens, dass DHL die Kosten viel transparenter ausweist als die Schweizer Post.

Autor: Matthias

Diese Website gibt es seit 1999. Gebloggt wird hier seit 2007.

2 Gedanken zu „Post, das nervt!“

  1. Immerhin: Wir bezahlen vorläufig noch wesentlich weniger Mehrwertsteuer als in der EU … 🙂

    Die 5 Franken-Freigrenze wird es in Kürze übrigens nicht mehr geben, das heisst es müssen dann alle Sendungen kostenpflichtig verzollt werden. Die Schweizer Wirtschaft hat erfolgreich lobbyiert. (Wobei Du richtig festgestellt hast, dass es üblicherweise gar nicht um eigentlichen Zoll, sondern um die Mehrwertsteuer geht).

    Und die Schweizer Wirtschaft ist weiter am Lobbyieren (was ich durchaus verstehe, aber Einkaufen im Ausland spart häufig Geld oder man erhält viele Produkte überhaupt nur im Ausland):

    https://twitter.com/martinsteiger/status/857827600026271745

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