Die erste Anlaufstelle für Google-Häretiker

Es scheint, dass ich etwas klarstellen muss: Nein, ich bin absolut kein Feind von Google. Im Gegenteil; ich bin fasziniert, was dieses Unternehmen ständig an neuen Ideen produziert. (Wobei die Innovationskraft meinem subjektiven Empfinden in letzter Zeit deutlich nachgelassen hat. Aber das ist sicher nur eine kleine Durststrecke.)

Ich bin aber der Ansicht, dass man Google kritisch auf die Finger schauen muss – wie das bei jedem Unternehmen mit einer solchen Marktmacht der Fall ist. Darum prangere ich Googles Arroganz an. Und wir Nutzer sollten uns unserer Abhängigkeit bewusst sein. Und darum angewandte Google-Skepsis pflegen.

Aus diesem Grund empfehle ich heute die Website No More Google. Hier gibt es «privatsphärenfreundliche Alternativen, bei denen man nicht getrackt wird», wie es in der Unterzeile heisst. Das impliziert, dass zumindest der Betreiber der Site Google nicht gerade wohlgesonnen ist. „Die erste Anlaufstelle für Google-Häretiker“ weiterlesen

Das stille Sterben bei Crowdfunding-Kampagnen

Vor einiger Zeit hatten wir im Nerdfunk eine Sendung, wo ich meinen überaus miesen Leistungsausweis in Sachen Crowdfundung offenlegen musste. Ich habe so einige Projekte unterstützt, die nicht vom Fleck gekommen sind.

Die grösste Pleite war Arkyd, das Weltraumteleskop für jedermann. Die «Süddeutsche Zeitung» hat seinerzeit über dieses Projekt geschrieben:

Neben dem digitalen Porträt mit der Erde als Hintergrund, das ab 25 Dollar (etwa 19 Euro) zu haben ist, hat Planetary Resources daher noch weitere Anreize im Angebot. Für 99 Dollar können Unterstützer zum Beispiel fünf Minuten Beobachtungszeit auf dem Teleskop namens Arkyd kaufen und an Schüler oder Forscher weitergeben. Und für 200 Dollar dürfen Interessenten Arkyd sogar selbst ins All richten (nur nicht auf die Sonne) und ein Bild für ihr Fotoalbum schiessen.

1,5 Millionen haben die Initianten eingesammelt. Sie haben es aber nicht geschafft, das Projekt durchzuziehen. Warum, ist mir nicht so richtig klar geworden. Wahrscheinlich war das Projekt einfach zu ambitioniert. Immerhin: Man hat dort sein Geld zurückbekommen.

Doch es ist nicht immer so, dass Projekte offiziell scheitern und die Initianten hinstehen, und sagen, was Sache ist. Mehrere Projekte, in die ich ein bisschen Geld gesteckt habe, hängen seit Jahren in der Schwebe. Für tot oder zum Misserfolg erklärt wurden sie nicht. Aber es geht nichts voran.

Ein solcher Fall ist «Wires for Empathy». „Das stille Sterben bei Crowdfunding-Kampagnen“ weiterlesen

Meine neuen, imaginären Freunde

Es gibt Erfindungen, von denen man nicht so richtig weiss, was man von ihnen halten soll. Und damit meine ich nicht den Käse aus der Tube, den elektrifizierten Kinderwagen oder das Glühbier. Sondern Dinge wie thispersondoesnotexist.com.

Das ist eine Website, auf der Fotos von Leuten gezeigt werden, die, wie der Name verrät, nicht existieren. Es hat sie nie gegeben. Sie haben keinen Namen, keine Mutter und keinen Vater. Und trotzdem sehen sie so aus, als ob sie mit ein bis zwei Beinen im Leben stehen würden.

Der Clou ist: Die Bilder stammen von einer künstlichen Intelligenz. Von einer GAN (Generative adversarial network), um ganz genau zu sein. Hier steht, wie man sich das genau vorzustellen hat:

Ein solches System besteht aus zwei neuronalen Netzwerken. „Meine neuen, imaginären Freunde“ weiterlesen

Die Markdown-Editoren werden teamfähig

Hier im Blog ging es häufiger darum, wie Markdown die Welt rettet. Oder zumindest die Sphäre der Textverarbeitung umkrempelt. Ich habe die Vorteile des öfteren erklärt (zum Beispiel hier oder hier), sodass ich an dieser Stelle guten Gewissens darauf verzichten kann.

In letzter Zeit ist es hier um Markdown etwas ruhiger geworden. Die behandelten Apps, unter anderem Drafts 5 für iOS, Dillinger für den Browser, Typora unter Windows und MacDown am Mac, decken bereits eine breite Palette ab. Und dann habe ich ja auch noch Dokuwiki und Janis vorgestellt. Mit ersterem verwendet man Markdown für seine Online-Dokumentation, mit letzterer verwaltet man Notizen.

Doch eine Frage ist mir neulich begegnet: Gibt es einen Markdown-Editor, den man nicht für sich allein, sondern zusammen mit anderen benutzen kann? Die Antwort ist natürlich ja. Hier habe ich eine Liste mit fünf solchen Programmen gefunden. Und das sind meine Urteile zu diesen Apps:

Da ist socrates.io: „Die Markdown-Editoren werden teamfähig“ weiterlesen

An Keksen überfressen

Neulich bin ich per Zufall auf die Website nw.de gelangt. Das ist die «Neue Westfälische»; eine Online-Zeitung, wie es andere auch gibt. Eine Besonderheit ist allerdings, dass eine sehr prominente Cookie-Warnung erscheint. Cookie-Warnungen – das sind diese lästigen Dinger, die gesetzlich vorgeschrieben sind, aber doch vor allem Zeit und Aufmerksamkeit rauben.

Üblich ist ein Banner am oberen oder unteren Rand der Seite: Es erlaubt einem, einen Blick auf den Inhalt zu werfen. Man erkennt sogleich, ob einen die Sache interessiert – oder ob man gleich wieder von dannen zieht und sich den Klick auf den «Dann akzeptiere ich halt diese verfluchten Cookies»-Knopf sparen kann.

Doch bei nw.de verdeckt ein Popup-Element so viel von der Seite, dass man keine Chance hat, es zu ignorieren. Keine Frage: In Ostwestfalen nimmt man diese Cookies nicht auf die leichte Schulter.

Als erstes fällt einem ein Bekenntnis ins Auge: «Wir schätzen Ihre Privatsphäre!» verkündet nw.de. Was augenblicklich die Frage aufwirft, wieso dann überhaupt ein solcher Dialog nötig ist. Wer die Privatsphäre seiner Nutzer schützen möchte, kann das nämlich einfach tun – und zwar, indem er keine Daten über seine Nutzer erhebt. Ja, so einfach ist es. Niemand wird getrackt. Ende der Geschichte.

Aber so einfach ist es nicht, wie nw.de in extenso erklärt: „An Keksen überfressen“ weiterlesen

Schreiben wie Hemingway

Neulich habe ich eine App vorgestellt, die angehenden Autoren dabei helfen soll, stringente Geschichten zu verfassen. Die hat in den sozialen Medien einige Diskussionen ausgelöst. Jemand fand allein die Idee anmassend: Eine App, die einem Autor dabei hilft, ein grossartiges Werk zu verfassen!

Ein Sakrileg! Wo doch jeder weiss, dass nicht die Autoren es sind, die die Geschichten erfinden. Es ist vielmehr so, dass die Geschichten sich den passenden Autor aussuchen, von dem sie sich dann zur Welt bringen lassen. Eine Geschichte hat eine innere Logik. Sie ist zwingend. Sie muss so sein, wie sie ist.

Und das impliziert, dass es keine App braucht, die bei der Geburt helfen muss. Alles steckt schon im Autor drin. Der hat eine einzige Aufgabe: Nämlich dieses Werk möglichst direkt und unmittelbar aufs Papier zu bringen. Jegliche Hilfe kann da nur verfälschend wirken. Sowieso, wenn es sich bei Story Planner um eine App handelt, die versucht, den Autor in ein Denkschema zu drängen und ihn dazu nötigen, seine Geschichte in eine Struktur zu drängen und gewissermassen am Reissbrett zu planen. „Schreiben wie Hemingway“ weiterlesen

Ein grosses Plus an Sicherheit und Privatsphäre

Meine kleine Reihe über den neuen Raspberry Pi artet offensichtlich zum Vierteiler aus. Nach den Beiträgen über den Raspi Modell 4, dessen Inbetriebnahme und die Cloud-Hosting-Software Nextcloud geht es heute um die Nextcloud-Client-Programme für Windows und Mac. Die habe ich bisher noch nicht besprochen – ein Versäumnis, das an dieser Stelle wettgemacht wird.

Zur Rekapitulation: Nextcloud ist eine Software, die entweder bei einem Hostinganbieter (zum Beispiel bei Infomaniak) oder auf einem eigenen kleinen Server läuft – der Raspberry Pi bietet sich dafür an. Es gibt aber auch Leute, die ihr Glück mit einem NAS probieren; offensichtlich nicht immer mit grossem Erfolg.

Doch wenn es funktioniert, bekommt man ein eigenes kleines Datenwölkchen, das Dateien synchronisiert (wie Dropbox, Google Drive oder Onedrive), bei dem man seinen Kalender hat (wie Google Calendar) und wo man auch seine Kontakte hinterlegt. „Ein grosses Plus an Sicherheit und Privatsphäre“ weiterlesen

Fotosicherung: Mission accomplished

Nachdem der Raspberry Pi sein Plätzchen hier um Haushalt gefunden und die Nextcloud installiert ist, komme ich nun dazu, mir Gedanken darüber zu machen, ob sich die Sache eigentlich gelohnt hat – und ob ich sie zur Nachahmung empfehlen würde.

Denn man könnte eine solche «Ich baue mir meine eigene Cloud»-Aktion aus reiner Spass an der Freude betreiben. Oder aus ideologischen Gründen – und um Google, Microsoft und Dropbox eins auszuwischen. Aber was mich angeht, hätte ich gerne, dass der Nutzen den Aufwand rechtfertigt. Darum also die Frage: Was taugt die Nextcloud?

Bevor ich zur Antwort komme, noch ein kleiner Nachtrag: Ich habe mein Problem mit der externen Festplatte letztendlich ganz einfach gelöst. „Fotosicherung: Mission accomplished“ weiterlesen

Abgedroschene Lebensweisheiten zum Thema UX Design

User in yer face klingt nach einem Rechtschreibfehler im Wort User Interface, zu Deutsch Benutzerschnittstelle. Es ist bei näherer Betrachtung aber ein lustiger Kalauer. In your face bedeutet in Englisch eine auf Konfrontation angelegte Kommunikationshaltung.

Finde hier bitte deine Landesflagge.

Und darum geht es userinyerface.com: Um eine Webanwendung, bei der man als Nutzer in aller Deutlichkeit vorexerziert bekommt, wie nervig schlechte Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine sind. Man verplempert mit ihnen seine Zeit, fühlt sich dumm und unfähig und kommt womöglich überhaupt nicht an sein Ziel.

Es geht um eine simulierte Anmeldung bei einem Webdienst, bei der man ein Formular möglichst schnell und akkurat ausfüllen sollte. Es fängt aber schon damit an, dass auf der Hauptseite der Link zu dem Formular kaum aufzufinden ist. „Abgedroschene Lebensweisheiten zum Thema UX Design“ weiterlesen

So fliegt die Himbeere!

Im Beitrag Himbeere reloaded habe ich über den neuen Raspberry Pi geschrieben und angedeutet, dass er dazu auserkoren wurde, für mich als private Datenwolke in die Lüfte zu steigen. Dazu wollte ich erst Own Cloud benutzen, aber Andi (schon wieder er) hat mir empfohlen, stattdessen Nextcloud zu nehmen. Eine gute Empfehlung, weil es dort Funktionen gratis gibt, für die man bei Own Cloud zahlen muss.

In den Tamedia-Zeitungen habe ich im Beitrag Wie man Googles Würgegriff entkommt (Abo plus) bereits ein bisschen über den Verlauf dieses Projekts geschrieben – allerdings ohne in die Details zu gehen. Hier werde ich nun ein paar Einzelheiten preisgeben. Zumindest, soweit das möglich ist, ohne dass meine ganze Street Cred als Nerd aufs Spiel zu setzen.

Denn wie im Artikel angedeutet, habe ich mich amateurhaft angestellt. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass nicht allein meine Dummheit schuld war, sondern diese, hoffentlich nachvollziehbaren Gründe: „So fliegt die Himbeere!“ weiterlesen