Die Wirkung von Farbe und von Schrift

Seit Ende Februar arbeite ich nicht bei beim «Publisher» (der Zeitschrift und der Website) mit – siehe Eine Ära geht zu Ende. Das bedeutet aber nicht, dass mir die Publishing-Themen künftig völlig egal sein werden. Ich werde sie ab und zu in diesem Blog hier aufgreifen. Denn sie haben mich mehr als zwanzig Jahre begleitet. Von jetzt auf sofort aufzuhören, wäre eine Art kalter Entzug.

Also, in medias res:

Cinema Palettes ist ein Twitter- (bzw. Instagram-Account), der die Farbsetzung in Filmen analysiert. Man sieht ein typisches Standbild aus dem Film, darunter in zehn Farbfeldern die dominierenden Töne.

Es erstaunt nicht, dass die Farbgebung in Filmen kein Zufall ist. Denn der Film lebt davon, dass seine Wirkung nur zu einem Teil von der Handlung und den Schauspielern abhängt. Unterschwellig genauso wichtig sind Musik und Geräusche, und eben die Farben. Deren Wirkung wird durch Kulissen, Kostüme und Beleuchtung gesteuert. Und durch die Nachbearbeitung. In Englisch heisst das Color Grading, in Deutsch Farbkorrektur. Wobei der deutsche Begriff meiner Meinung nach Unsinn ist. Es geht nicht ums Korrigieren, sondern um eine bestimmte Wirkung. „Die Wirkung von Farbe und von Schrift“ weiterlesen

Ein Wimpernschlag für ein ganzes Buch

Ihr habt vielleicht schon von Blinkist gehört: Das ist ein Dienst für Leute wie dich und mich, die wir einfach nicht genügend Zeit für all die Dinge haben, die wir gerne tun möchten. Zum Beispiel fürs Lesen von Sachbüchern.

Das wäre eine gute Sache, denn man würde seinen Wissensstand aufbessern. Aber bei all den ungesehenen Netflix-Serien, den ungehörten Podcasts, den in der Warteliste aufgereihten Hörbüchern und den unter «später ansehen» abgespeicherten Youtube-Videos haben diese Sachbücher einen schweren Stand.

Blinkist (auch fürs iPhone und iPad und Android) will das Problem lösen, indem diese Bücher auf einen leicht verdaulichen Umfang eingedampft werden. Statt Stunden muss man eine Viertelstunde oder 20 Minuten mit einem Titel zubringen. In der Zeit werden einem die Kernbotschaften vermittelt. Das ganze Drumherum wird weggelassen.

Man fragt sich sofort zwei Dinge. Erstens: Funktioniert das? Und zweitens: Ist das nicht ein Sakrileg? Respektive ein Auswuchs unserer auf Effizienz getrimmten Gesellschaft, die uns einfach keinen Raum mehr für gar nichts lässt?

Ich bin hin- und hergerissen. „Ein Wimpernschlag für ein ganzes Buch“ weiterlesen

Apps gegen das Organisations-Chaos

Ich bin nun nicht gerade ein leuchtendes Vorbild an Selbstorganisation und planhafter Arbeit. Ich bin eher ein Single-Tasker als einer, der gleichzeitig mehrere Fäden in der Hand hält (Aber wieso auch nicht? Siehe Multitasking ist produktiv? Ein fataler Irrtum). Darum bin ich nur bedingt berufen, den Leuten Tipps zu geben, wie sie ihren Alltag organisieren sollen.

Ich tue es trotzdem – denn beurteilen, welche Apps und Webdienste etwas taugen, kann ich. Und da ich meine diversen Deadlines immer einhalte, funktioniert meine Methode (anstehende Aufgabe mit Vollgas erledigen, dann den Kopf für die nächste befreien) ganz gut.

Also, es geht im neuesten Patentrezept-Video um Apps und Webdienste, mit denen man seine Aufgaben plant, die Übersicht über Projekte behält und für sich oder zusammen mit Mitstreitern am gleichen Strick zieht (möglichst auch in die gleiche Richtung). Es gibt drei unterschiedliche Ansätze: Die klassische Pendenzenliste in digitaler Form, die Pomodoro-Methode und die Kanban-Tafeln.

Die ergeben zusammen eine breite Palette an Möglichkeiten, wie man sich organisieren und mit anderen abstimmen könnte. „Apps gegen das Organisations-Chaos“ weiterlesen

Google Plus ist bald weg – na und?

Im Juli 2016 habe ich fünf Thesen, warum es Google+ immer noch gibt aufgestellt. Nun, ungefähr vier davon würden heute noch stimmen. Die fünfte allerdings ist offensichtlich weggefallen: «Google glaubt weiterhin an Google+».

Nein, Google glaubt nicht mehr an Google Plus. Am 2. April 2019, also in ungefähr zehn Tagen, wird dem sozialen Netzwerk den Stecker gezogen. Die Daten werden gelöscht. Das allein ist schon bemerkenswert, weil man Google nicht dafür kennt, überhaupt jemals irgend etwas zu löschen (siehe zum Beispiel Think your Google history has been completely deleted? Think again…).

Überraschend sind auch die Umstände, die zum Ende geführt haben. Google hat Sicherheitslücken gefunden und das zum Anlass genommen, mit Google Plus gleich aufzuhören. Und als dann noch weitere Lücken auftauchten, wurde das Enddatum sogar noch vorgezogen. Ist das eine Überreaktion? Oder die logische Konsequenz? Die Einschätzung hängt von den Erwartungen ab. Und von der Einschätzung, was Google Plus für einen gebracht hat.

Für mich war Google Plus nicht unverzichtbar, aber auch nicht komplett für die Katze. „Google Plus ist bald weg – na und?“ weiterlesen

Löcher im Web

Tote Links sind eine mühsame Angelegenheit. Sie führen dazu, dass bei einem Klick nicht der gewünschte Webinhalt, sondern bloss eine Fehlermeldung erscheint. Denn entgegen der oft gehörten Behauptung, dass das Internet angeblich nichts vergisst, verschwinden ganz schön viele Inhalte.

Ich habe nach einer Statistik gesucht, die diesen Prozess veranschaulichen würde. Zum Beispiel: Wie viele Websites verschwinden jedes Jahr? Auch aufschlussreich wäre eine ungefähre Antwort auf die Frage, welcher Anteil des bei der Wayback Machine archivierten Inhalts unter der Originaladresse nicht mehr zu finden ist.

Was diese Website hier angeht, habe ich mit den hier beschriebenen Methoden herausgefunden, dass inzwischen mindestens auf jeder zehnten Seite ein toter Link zu finden ist. (Die kostenlose Variante des Dienstes überprüft maximal 3000 Seiten und hat darauf 319 tote Links entdeckt.) Dieser Anteil nimmt natürlich zu, je älter die Beiträge werden. Einige Stichproben bei den Beiträgen von 2007 zeigen, dass über den Daumen gepeilt die Hälfte der Links nicht mehr funktionieren. „Löcher im Web“ weiterlesen

Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs

Eine der besten Erfindungen in der Softwarewelt sind die Erweiterungen: Sie erweitern den Funktionsumfang. Und zwar ganz gezielt und nicht einfach aufs Geratewohl, wie es bei Software-Weiterentwicklungen normalerweise oft der Fall ist. Denn die Updatepolitik der Softwarehersteller ist oft marketinggetrieben: Es werden Features eingebaut, die sich gut bewerben lassen und die bei den «Entscheidern» in den Unternehmen gut ankommen.

Das Resultat sind nicht unbedingt bessere, sondern überfrachtete Produkte. Die Blähware (Bloatware) ist theoretisch für alle Eventualitäten gerüstet. Praktisch findet man sich als Nutzer bei all diesen auf Vorrat hinzugefügten Befehlen nicht mehr zurecht. Und die hochgezüchteten Softwaremonster starten langsam, brauchen viel Speicher, stürzen auch mal ab oder hängen.

Mit Erweiterungen hingegen installiert man sich genau die Funktionen, die man auch braucht. Wenn man sie nicht mehr braucht, entfernt man sie wieder. Wie gut das funktioniert, sieht man bei den Browsern. Zumindest für Firefox und Chrome gibt es eine riesige Auswahl an Add-ons für alle möglichen und unmöglichen Zwecke.

Natürlich haben die Erweiterungen auch Nachteile: „Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs“ weiterlesen

Wie der Browser vor Fakenews warnt

Microsoft hat vor einiger Zeit eine Partnerschaft mit einem Unternehmen angekündigt, das sich dem Kampf gegen Fakenews verschrieben hat. Inzwischen ist daraus eine Browser-Erweiterung namens Newsguard geworden, die ihren Weg in den Edge-Browser gefunden hat. Es gibt sie auch für Firefox und Chrome.

Die Erweiterung klinkt sich in die Symbolleiste ein und zeigt ein Schild an. Bei CNN, washingtonpost.com oder theverge.com ist das Schildchen grün: «This website generally maintains basic standards of accuracy and accountability», heisst es in der Beschreibung («Diese Website hält im Allgemeinen grundlegende Standards für Richtigkeit und verantwortliche Berichterstattung ein»). Bei einer Website wie «Info Wars» des professionellen Verschwörungstheoretikers Alex Jones heisst es dagegen: „Wie der Browser vor Fakenews warnt“ weiterlesen

Hallo Bot!

Wie vor einiger Zeit nebenbei erwähnt hat mir die WordPress-Statistik vor Augen geführt, dass mein Blog weniger gelesen wird als gedacht. Mein altes CMS hat für jeden Beitrag die Views, also Anzahl Aufrufe gezählt. Nur ist die diese Zahl leider nicht sonderlich aussagekräftig. Nicht jeder Aufruf stammt von einem interessierten Leser. Ganz im Gegenteil.

Was mir theoretisch klar war, haben mir diese Zahlen deutlich ins Bewusstsein gerufen: Ein grosser Teil des Internetverkehrs stammt nicht von Menschen, sondern von Bots. The Internet Is Mostly Bots, hat «The Atlantic» neulich geschrieben. Der Bot Traffic Report gibt an, dass 48,2 Prozent menschliche Nutzer sind. 22,9 Prozent seien gute Bots und 28,9 Prozent böse Bots.

Etwas fällt bei dieser Studie sofort auf: Nämlich die Unterscheidung in gute und böse Bots. Die guten überwachen die Website, holen legitimerweise Daten, erstellen Indizes für Suchmaschinen wie Google und Bing oder halten Feed-Verzeichnisse und andere Dinge am Laufen. Die bösen Bots versuchen Sicherheitslücken zu finden und in die Website einzubrechen, Spam-Kommentare abzusetzen, Daten zu stehlen, Viren zu infiltrieren oder Informationen abzuziehen.

Viele der Bots haben mit Suchmaschinenoptimierung (search engine optimization, SEO) zu tun – und da kann man sich streiten, ob das nun gut oder böse ist. Ich tendiere eher zum letzteren.

„Hallo Bot!“ weiterlesen

Die internationale Linie ist unterbrochen

Neulich konnte ich am Morgen im Zug nicht die tägliche Herausforderung bei der Microsoft Solitaire Collection in Angriff nehmen, weil die offline noch immer nicht funktioniert. Natürlich muss sich die Spiele-App die neuen Aufgaben aus dem Internet holen. Ich verstehe aber nicht, warum sie das nicht auf Vorrat tut, zum Beispiel schon um 0 Uhr in der Nacht. Oder meinetwegen drei Monate im Voraus.

Jedenfalls habe ich vermutet, dass das Login via Xbox live nicht funktioniert. Das funktioniert nämlich sehr oft nicht. In vielen Netzen ist der Dienst auch gesperrt, weil er offensichtlich die gleiche Wirkung hat wie Pornografie oder social media: Er lässt die Leute nämlich unnütz Zeit vertrödeln.

Doch dieses Mal war Xbox live unschuldig. Stattdessen hatte mein Mobilfunkbetreiber Salt einen Aussetzer. Und mir ist eingefallen, dass ich hier schon lange einmal allestörungen.ch vorstellen wollte.

Das ist ein praktischer Dienst, der für sehr viele Dienste aufzeigt, ob sie gerade funktionieren oder nicht.  „Die internationale Linie ist unterbrochen“ weiterlesen

Hier wirst du gefüttert!

Unvermittelt hat sich hier eine neue Blog-Saga zum Thema RSS ergeben. Der Beitrag Das Nonplusultra für RSS-Fans hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Das ist Grund genug nachzuhaken.

Erstens bei Firefox. Mein Lieblingsbrowser musste kritisiert werden, weil Mozilla die RSS-Funktionen ausgebaut hat. Zweitens heute mit einer Empfehlung, die ich auf Facebook erhalten habe. Yves sagt, ich solle mir einmal Inoreader ansehen. Was ich umgehend gemacht habe.

Und schon nach einem ersten Augenschein denke ich, dass es mir so gehen könnte wie Yves – und ich Feedly untreu werde. Dort bin ich, seit Google den Google Reader beerdigt hat. Feedly ist und bleibt eine sehr gute Wahl – aber Inoreader scheint mir noch etwas runder, detailverliebter und flexibler bei der Nutzung und Konfiguration zu sein.

Vorausschicken muss ich, dass ich bei beiden Diensten die Gratisvariante nutze. Sowohl Feedly als auch Inoreader bieten kostenpflichtige Pläne an.  „Hier wirst du gefüttert!“ weiterlesen