Pferdeäpfel aus der Vergangenheit

Manchmal komme ich mir alt vor. Beispielsweise neulich. Da ist mir aufgegangen, dass ich vor genau 15 Jahren angefangen habe, für die Fachzeitschrift Publisher über so schöne Dinge wie Desktop-Publishing, Bildbearbeitung und Webdesign zu schreiben. Mein erster Artikel ist in der Ausgabe 3-1996 vom 24.9.1996 erschienen und hatte das schöne Thema «PageMill» zum Inhalt.
PageMill – ein Webeditor von Adobe, der nun in der Version 2.0 auch Tabellen bearbeiten konnte. Ursprünglich eine Mac-Software, gab es PageMill dann auch für Windows. In der drauffolgenden Ausgabe habe ich über PageMaker 6.5 geschrieben und ihn, warum auch immer, mit einer unglaublich überzogenen Pferdeanalogie eingeführt:

Der PageMaker, das Paradepferd aus dem Adobe-Gestüt, geht in Kürze mit einer neuen Nummer an den Start. 6.5 lautet diese, und wenn man den Züchtern glauben darf, wird dieses Vollblut der Konkurrenz auf der DTP-Rennbahn das Fürchten lehren. Wir haben uns das Fohlen näher angesehen, und sagen Ihnen hier, ob sich ein Wetteinsatz lohnt oder nicht.

PageMaker stellte nun endlich auch Rahmen zur Verfügung, was eine recht fehleranfällige Sache war, wie sich schnell herausstellen sollte. In der Ausgabe 1-1997 habe ich das unter einem Titel thematisiert, hinter dem ich heute noch stehen kann:

PageMaker 6.5: Bei den Frames fällt er aus dem Rahmen

Eine Ausgabe später war die Olympus Camedia C-800 L mein Testobjekt: Eine kompakte Digitalkamera mit einer Auflösung von 1024 × 768 Pixeln, einem Preis von 1898 Franken und aus heutiger Sicht eine eher bescheidene Bildqualität. Sie macht greifbar, wie sehr sich die Techniklandschaft seither verändert hat. Es gibt allerdings auch viel Konstanz: Photoshop und Illustrator waren damals ein Thema und sind es heute noch immer. Beispiel: Titel «Die Gerüchteküche brodelt und obenauf schwimmt Illustrator 8» in 3-98, oder, noch schlimmer, der Titel aus Publisher: 2-97:

Venus gebiert ihr siebtes Baby

BBS
Zu meinen Aufgaben damals beim Publisher gehörte aber nicht nur das Verfassen von Artikeln, sondern auch die Betreuung der Mailbox, auf die man mit der Telefinder-Software, Zitat, «besonders komfortablen» Zugriff hatte. Für die Jungspunde unter den Lesern: Mailbox hatte nichts mit E-Mail zu tun, sondern stand im deutschen Sprachraum für ein Bulletin Board System (BBS). Man hat sich per Telefonleitung direkt bei einem Computer eingewählt und Dateien heruntergeladen; beispielsweise Programm-Patches, an die sonst kaum ein Herankommen war. Ich habe damals aber auch die Software für die «Swiss Publisher CD» entwickelt – kurz zuvor war meine Leidenschaft fürs Windows-Programmieren mit Delphi entbrannt. Delphi ist heute leider so gut wie tot und die Swiss Publisher CD gibt es nicht mehr als CD, sondern als Webportal.
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Autor: Matthias

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