Sind wir alle Sklaven unserer Smartphones?

Wenn es nach Anna Miller und ihrem Auftritt in Schawinskis Talkshow geht, sind wir Smartphone-Nutzer allesamt sucht­ge­fähr­det und auf­ge­rufen, uns abzu­nabeln. Eine meines Erach­tens falsche Eins­chätzung.

Vorgestern, am letzten Sonntag war in Roger Schawinskis «Doppelpunkt»-Podcast Anna Miller zu Gast. Es ging um unseren Umgang mit dem Smartphone – und zwar auf eine Weise, von der ich mich persönlich angegangen fühlte. Denn nach Anna Miller gehöre ich fraglos zu den bedauernswerten Kreaturen, die von den Handyherstellern in die Abhängigkeit getrieben wurden und nun als sogenannte Phombies (phone zombie) durch ihren Alltag und die Weltgeschichte getrieben werden.

Darum fühle ich mich zu einer Replik bemüssigt. Ich glaube, dass Anna Miller im Kern einige interessante Ideen hat, die in der zugespitzten Form aber unzutreffend sind. Ferner finde ich, dass genau durch diese undifferenzierte Problematisierung die Medien ihren guten Ruf verspielen, weil sie Leute zwecks Bedienung einer These in eine Ecke drängen, wo diese Leute erstens nicht sein wollen und zweitens auch nicht hingehören.

Die Motivation für ihren Feldzug gegen das Smartphone bezieht Anna Miller aus einer Selbstbeobachtung: „Sind wir alle Sklaven unserer Smartphones?“ weiterlesen

Roger Schawinski kämpft den falschen Kampf

Die Abschaltung der UKW-Sender im nächsten Jahr ist nicht die grösste Herausforderung, die der ehemalige Radiopirat zu meistern hat.

Ich bin ein Fan des Radiopioniers: Ich mag seine kämpferische Ader, seine geradlinige Art und die Tatsache, dass er einiges für die Schweizer Medienlandschaft getan hat. Und ich mag ihn auch als Interviewer, auch wenn er für meinen Geschmack manchmal zu parteiisch ist.

Aber geschenkt. Ich hoffe, dass er seine Sendungen auf Radio 1, die ich immer als Podcast höre, noch mit 120 machen wird.

Ein neueres Foto von Roger Schawinski mit passendem Creative Commons habe ich leider nicht gefunden (Roger Schawinski (1991); Walter Rutishauser, Fotograf – Bibliothek am Guisanplatz, Sammlung Rutishauser/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

Neuerdings kämpft Roger Schawinski einen Kampf, den ich zu einem gewissen Grad verstehe, aber trotzdem für vergebliche Liebes­mühe halte. Er setzt sich nämlich gegen die Abschal­tung der UKW-Verbrei­tung des Radios ein. Die hat das Bakom für 2022 und 2023 verordnet. Lineares Radio wird man ab dann noch via DAB+ und natürlich via Internet zu hören sein.

Teure Doppelspurigkeit

Der Grund für die Abschaltung besteht darin, dass die Verbreitung auf drei Wegen sehr teuer ist, gerade in einem bergigen Land wie der Schweiz, wo es für eine flächendeckende Versorgung bis in die hintersten Täler viele kleine Umsetzer braucht. „Roger Schawinski kämpft den falschen Kampf“ weiterlesen

Die grosse Identitätskrise beim SRF

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle Play­suisse, die neue Streaming­platt­form der SRG, besprechen. Doch ich bin vom rechten Pfad ab­ge­kom­men und habe mich statt­des­sen darüber aus­gelas­sen, dass SRF bei seiner Digital­strate­gie nicht weiss, was digital bedeutet.

Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF orientiert sich unter der 2018 gewählten Chefin Nathalie Wappler um: Das Projekt heisst «SRF 2024» und sei ein «Aufbruch in die digitale Zukunft», liest man in Medienportal.

Das klingt auf den ersten Blick ausgezeichnet: SRF stärke den Investigativjournalismus und die Informationen über die digitalen Kanäle. Wappler verspricht mehr Livestreams im Sport, Podcasts, Storytelling.

Auf den zweiten Blick beginnt man sich vielleicht über die vielen Schlagworte zu wundern: Da wird das «digital first»-Prizip hochgehalten und von «smarteren» Produktionsmethoden geschrieben. Und auf den dritten Blick – wenn man bis zum Ende liest –, erfährt man, dass der «Ausbau im Digitalen Verzichte im Linearen» erforderlich mache.

An dieser Stelle muss ich mich erst einmal über ein Detail aufregen: Es handelt sich um den unsinnigen Gebrauch des Wortes Begriffs digital. Dieser Begriff ergibt im Kontext von «SRF 2024» absolut gar keinen Sinn. Denn es ist doch so: „Die grosse Identitätskrise beim SRF“ weiterlesen

Wie man Dinge sagt, ohne sie zu sagen

Was bringt es, mit einem Verschwörungstheoretiker zu diskutieren? Ein Anschauungsbeispiel.

Falls das ein Schweizer Berg sein soll, schwenkt der Mann die falsche Flagge. (Bild: Dio Hasbi Saniskoro/Pexels, CC0)

Ich habe es wieder getan. Diese Sache, von der ich gesagt habe, dass ich sie nicht mehr tun werde. Nämlich, auf Wespennester zu schlagen. Bzw. mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren.

Dieses Mal bin ich in die Diskussion hineingestolpert und in einen längeren Facebook-Thread verwickelt worden, obwohl ich eigentlich nur kurz meine Meinung habe abgeben wollen. Es geht um die Besprechung von Roger Schawinskis Buch über Verschwörungstheorien (Amazon-Affiliate). Die Medienwoche hat eine Besprechung dazu veröffentlicht, die ich nicht stehen lassen wollte. Ich schätze die Medienwoche sehr, nicht zuletzt, weil sie immer mal Themen von mir aufgreifen 😊.

Doch in dem Fall hat sich die Medienwoche verrannt. Sie haben nämlich Schawinskis Buch über die Verschwörungstheoretiker von Stefan Schaer besprechen lassen, der mit den Worten «Er publiziert auf seinem Blog stefan-schaer.ch Inhalte, die andere als Verschwörungstheorien bezeichnen» vorgestellt wird. Das ist eine seltsame Distanzierung, die ich als Autor nicht so akzeptieren würde: „Wie man Dinge sagt, ohne sie zu sagen“ weiterlesen

Rezensionen aus der Gruft

Acht kurze Buchrezensionen, die ich ursprünglich für «Visual Bookshelf» (heute goodreads.com) geschrieben habe.

Visual Bookshelf ¹ hat alle meine Buchrezensionen auf Facebook ins digitale Nirvana befördert bzw. anonymisiert. Als alter Backup-Neurotiker hatte ich die zum Glück alle gesichert und kann sie an dieser Stelle neu auflegen:

Petros Markaris: «Die Kinderfrau: Ein Fall für Kostas Charitos»

Sehr schöne Geschichte, wunderbar unprätentiös, in dem man sehr viel lernt, ohne es überhaupt zu merken.


„Rezensionen aus der Gruft“ weiterlesen